Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler
 

Die folgenden Kapitel enthalten Attraktionen, Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten der Pflanzenwelt (Flora) im Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler für Pflanzen-Interessierte und Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner).

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Größe, Lage, Schutzzweck
  2. Wiesenarten
    1. Tal-Fettwiesen
    2. Typische Glatthaferwiesen
    3. Salbei-Glatthaferwiesen
    4. Trespen-Glatthaferwiesen
    5. Kohldistel-Glatthafer-Wiesen
    6. Kalk-/Trespen-Magerrasen
  3. Saum-Gehölze

Größe, Lage, Schutzzweck

Das Naturschutzgebiet "Dießener Tal und Seitentäler" in Baden-Württemberg befindet sich in der Untereinheit "Eyach-Gäuplatten" im Naturraum Obere Gäue und ist Teil vom gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet.

Es gehört sowohl zur Region Nordschwarzwald (Regierungsbezirk Karlsruhe) als auch zur Region Schwarzwald-Baar-Heuberg (Regierungsbezirk Freiburg).

Insgesamt umfasst das Naturschutzgebiet "Dießener Tal und Seitentäler" eine Fläche von 509 ha, wovon der flächenmässig größte Teil mit 483,19 ha zum Landkreis Freudenstadt in der Region Nordschwarzwald gehört.

Der mit 17,8 ha flächenmässig kleinere Teil befindet sich im Landkreis Rottweil nördlich der Stadt Sulz am Neckar (Ortsteil Dürrenmettstetten).

Das Naturschutzgebiet "Dießener Tal und Seitentäler" ist geprägt durch wellige Hochflächen und flache Bodensenken bis hin zu tiefen Tälern.

Zu den besonders geschützten, botanischen Sehenswürdigkeiten zählen die Weide- und Wiesen-Gesellschaften mit zahlreichen Wildpflanzen-Arten wie Wildkräutern und Wildblumen.

Im Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler sollen ferner Hecken und Feldgehölze aus Wildsträuchern als ökologisch wichtige Übergangsbereiche an Bächen und Flüssen oder Wald-Rändern und Wegen erhalten werden.

Gefährdete und bedrohte Pflanzengesellschaften und Pflanzen wie z.B. als Ackerunkräuter sollen als begleitende Flora von Acker-Flächen ebenfalls erhalten und gefördert werden.

 

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Wiesenarten

Das vom Dießenbach durchflossene Dießener Tal wird im Wesentlichen für artenreiche Trocken- und Halbtrocken-Wiesen verwendet, auf denen je nach Feuchtigkeit und Nährstoffen verschiedene Pflanzengesellschaften leben.

Im landwirtschaftlichen Sinn versteht man unter einer Wiese ein Grünland, dass dem Anbau von Viehfutter dient.

Auf den Wiesen-Flächen findet sich ein vielseitiges Spektrum von Blumen für trockene, normal-sonnige und schattige Standorte und entlang von Bächen Hoch-Stauden, die an feucht-nasse Standorte angepasst sind.

Im Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler gibt es verschiedene Wiesenarten, die nachfolgend kurz beschrieben werden.

 

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Tal-Fettwiesen

Je nach Sonne und Wasser kommt die Fettwiese nur gelegentlich im Naturschutzgebiet vor. Diese stickstoff- und nährstoffreiche ("fette") Wiesenart entsteht, wenn viel mineralisch gedüngt und selten bewässert wird.

Eine Tal-Fettwiese wird vielfach als Viehweide und zur Gewinnung von Heu als Futtermittel für Haustiere und Nutztiere (z.B. Kühe, Pferde, Schafe) genutzt .

Sie kann mehrmals im Jahr ge­mäht wer­den, weil wegen ihres hohen Nähr­stoff­ge­haltes als Folge intensiver Düngung Blumen, Gräser und Kräuter schnell nach­wach­sen.

Die Vegetation einer Fettwiese, also die Gesamtheit von Pflanzen und Pflanzengesellschaften, besteht aus Staudenpflanzen wie Gräsern, Blumen und Kräutern, deren typische Arten nachfolgend aufgelistet werden.

Folgende Gräser aus der Pflanzenfamilie der Süßgräser (Poaceae) wachsen häufig auf Fettwiesen:

 

  • Gewöhnlicher Glatthafer (Arrhenatherum elatius)

  • Wolliges Honiggras (Holcus lanatus)

  • Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus)

  • Wiesen-Knäuelgras (Dactylis glomerata)

  • Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense)

  • Italienisches Raygras (Lolium multiflorum)

  • Gemeines/Gewöhnliches Rispengras (Poa trivialis)

  • Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa), ein Heilkraut

  • Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea)

  • Wiesen-Schwingel (Festuca pratensis)

  • Weiche Trespe oder Flaum-Trespe (Bromus hordeaceus)

  • Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)

 

Darüber hinaus sind Fettwiesen durch folgenden Wildblumen geprägt:

 

  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

  • Gänseblümchen (Bellis perennis)

  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)

  • Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia)

  • Fettwiesen-Margerite (Leucanthemum ircutianum)

  • Wiesen-Pippau (Crepis biennis)

  • Acker-/Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis)

 

Diese Blumenarten zählen zu den ersten und leuchtend-blühenden Frühjahrsblumen auf einer Fettwiese nach dem Winter.

Zu anderen Jahreszeiten sind nur wenig andere Arten von Sommerblumen, Herbstblumen oder Winterblumen auf einer Fettwiese zu finden, weil die Frühlingsblumen aufgrund der intensiven Düngung meist wieder austreiben.

Ferner wachsen in einer Fettwiese folgende typische "Unkräuter" und Wildkräuter:

 

  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

  • Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris), ein Salatkraut

  • Wiesen-Klee/Rot-Klee (Trifolium pratense)

  • Echter Kümmel (Carum carvi), ein Gewürzkraut

  • Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)

  • Weißklee (Trifolium repens)

 

Alle genannten Kräuter--Arten sind essbar und zählen im Küchen-Bereich zum Wildgemüse bzw. Blattgemüse.

 

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Typische Glatthaferwiesen

Die typische Glatthaferwiese (Arrhenatheretum elatioris) wächst ursprünglich auf nährstoffreichen und halbtrockenen Böden.

Sie entspricht dem Idealbild einer blühenden Landschaft und einer klassischen Blumenwiese, die heute wegen intensiver Landwirtschaft im Flachland nur noch selten vorkommen.

Glatthaferwiesen liefern Bestäubern wie Schwebfliegen, Schmetterlingen oder Wildbienen Pollen bzw. Nektar und sind unverzichtbarer Lebensraum für viele Tierarten, insbesondere für Insekten und Vögel.

Bei dieser Wiesenart finden sich viele Doldenblütler wie z.B. der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) und der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium).

Neben dem namensgebenden Gewöhnlichen Glatthafer (Arrhenatherum elatius) zählen zu den kennzeichnenden Pflanzen-Arten auf Glatthaferwiesen:

 

  • Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)

  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)

  • Wiesen-Labkraut (Galium mollugo)

  • Rote Lichtnelke (Silene dioica)

  • Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)

  • Wiesen-Pippau (Crepis biennis)

  • Rotklee/Wiesen-Klee (Trifolium pratense)

  • Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum)

  • Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense)

  • Trollblume (Trollius europaeus)

 

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Salbei-Glatthaferwiesen

Bei dieser Wiesenart handelt es sich um eine nährstoffarme Variante der Typischen Glatthaferwiese.

Im Vergleich zu einer Tal-Fettwiese oder einer Typischen Glatthaferweise gibt es auf einer Salbei-Glatthaferwiesen mehr und buntere Blüten.

Deshalb ist diese Wiesenart ein unentbehrlicher Nahrungs- und Lebensraum für viele Kleintiere und Insekten.

Aufgrund der starken Düngung in der Landwirtschaft oder der Aufgabe von landwirschaftlichen Flächen (Brachfallen) ist die Salbei-Glatthaferwiese stark in ihrem Bestand bedroht.

Zu den kennzeichnenden Pflanzen-Arten einer Salbei-Glatthaferwiese zählen:

 

  • Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)

  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

  • Gewöhnlicher Glatthafer (Arrhenatherum elatius)

  • Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)

  • Hornklee (Lotus corniculatus), ein Hülsenfrüchtler

  • Großer Klappertopf (Rhinanthus angustifolius)

  • Zottiger Klappertopf (Rhinantus alectorolophus)

  • Magerwiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)

  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

  • Gewöhnliche/Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium)

  • Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata)

  • Aufrechte Trespe (Bromus erectus)

 

Anders als der Name vermuten lässt, ist nicht der Glatthafer, sondern die Aufrechte Trespe die vorherrschende Grasart in dieser Pflanzengesellschaft.

Eine Auflistung weiterer typischer Pflanzenarten einer Salbei-Glatthaferwiese findet sich → hier.

 

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Trespen-Glatthaferwiesen

Bei der Trespen-Glatthaferwiese handelt es sich um eine sehr wärmebedürftige Wiesenart, die längere Trockenheit sehr gut verträgt.

Dort wachsen bevorzugt kalkliebende Blumen, Gräser und Kräuter, wie sie auch auf einem Halbtrockenrasen oder haltschattigen Standorten zu finden sind.

Zu den kennzeichnenden Pflanzen-Arten einer Trespen-Glatthaferwiese zählen:

 

  • Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)

  • Wiesen-Pippau (Crepis biennis)

  • Aufrechte Trespe (Bromus erectus)

  • Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

 

Zum Schutz der Arten und von Biotopen wird eine Trespen-Glatthaferwiese entweder als Schafweide genutzt oder nur einmal im Jahr gemäht.

 

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Kohldistel-Glatthafer-Wiesen

Diese im Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler begrenzt vorkommende Wiesenart ist auf einen eher feuchten Standort angewiesen.

Kohldistel-Glatthafer-Wiesen sind meist von Aufforstung bedroht und für die Landwirtschaft eher uninteressant.

Zu den kennzeichnenden Arten dieser Wiesenart zählen:

 

  • Wiesen-/Schlangen-Knöterich (Bistorta officinalis)

  • Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare)

  • Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum)

  • Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)

  • Mädesüß (Filipendula ulmaria), ein Duftkraut

  • Sumpfdotterblume (Caltha palustris)

 

Hinweis:

 

Disteln bevorzugen eher trockene Standorte, deshalb zählen Bach-Kratzdistel und Kohl-Kratzdistel zu den feuchtigkeitstoleranten Distel-Arten.

Die gelb blühende Sumpfdotterblume ist eine Giftblume bzw. Giftpflanze und enthält das giftige Alkaloid Protoanemonin

 

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Kalk-/Trespen-Magerrasen

Diese Wiesenart entsteht an trocken-warmen Standorten, die entweder gar nicht oder zumindest unregelmäßig genutzt werden.

Der Kalk-/Trespen-Magerrasen ist häufig an Hängen in Südlage im Übergangsbereich von einer Wiese zu angrenzenden Hecken zu finden.

Auf einem Kalk-/Trespen-Magerrasen wachsen viele gefährdete Pflanzenarten, die bei necktarsuchenden, meist ebenfalls gefährdeten, Insekten beliebt sind.

So kommen dort alleine über 30 Tagfalterarten vor, weshalb der Schutz dieser Wiesenart besonders wichtig ist.

Zu den kennzeichnenden Arten im sehr farbenfreudigen Halbtrockenrasen zählen u.a.:

 

  • Saat-/Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia)

  • Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana)

  • Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)

  • Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)

  • Tauben-Scabiose (Scabiosa columbaria)

  • Echter Thymian (Thymus vulgaris)

  • Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum)

 

Auf einem Kalk-/Trespen-Magerrasen gedeihen sogar seltene Orchideenarten wie das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), die allerdings durch das Vordringen von Gehölzen oder Aufforstung bedroht werden.

Für den Erhalt eines intakten Halbtrockenrasens sind sonnige, magere und trockene Standorte die Voraussetzung.

Wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind, müssen entsprechende Pflegemaßnahmen erfolgen.

 

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Saum-Gehölze

Durch den ehemals breiten Dießenbach-Fluß bilete sich das Dießener Tal aus, das von verschiedenen Gehölzen und kleineren Hang-Wäldern umsäumt wird.

Im Übergangsbereich der eingangs beschriebenen Wiesenarten im Naturschutzgebiet Dießener Tal und Seitentäler gibt es einen Saum-Bereich mit wildwachsenden Kleinsträuchern und Großsträuchern.

Dabei handelt es sich um nicht-immergrüne Laubsträucher, die insbesondere für seltene Vögel als Fruchtsträucher mit ihren Früchten Nahrung oder als Dornensträucher Schutz vor natürlichen Angreifern bieten.1

Darüber hinaus haben sich an Bächen und Wegen Hecken gebildet, die für zahlreiche Tiere eine noch größere ökologische Bedeutung als undurchdringbare Schutzhecken oder Vogelschutzhecken.

Ferner gibt es eine Reihe von Blütensträuchern und Blütenhecken, die für Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge einen wichtigen Lebensraum bieten.2

An den Gebüsch-Übergangsbereich grenzen kleinere Hang-Wälder, welche die Saum-Gehölze nach aussen abschließen und bzgl. ihrer Wuchshöhe überwiegend aus Großbäumen und mittelgroßen Bäumen bestehen.

Der Saum-Bereich zwischen Sträuchern und Bäumen wird für die Schafzucht verwendet, für Gärten oder für Streuobstwiesen mit heimischen Obstbäumen.

Bei den Bäumen in diesen Mischwald-Bereichen handelt es sich um sommergrüne Laubbäume und immergrüne Nadelbäume, die z.T. forstwirtschaftlich genutzt werden.

Pflanzen-Interessierte finden somit im Naturschutzgebiet Dießener Tal nicht nur innerhalb der verschiedenen Wiesenarten, sondern auch bei den Saum-Gehölzen (Hecken, Sträucher, Wälder) viele Anregungen.

Sei es zur Gartengestaltung oder für die Pflanzen-Auswahl in Baumschulen, Gärtnereien und Fachbetrieben im Garten- und Landschaftsbau.

 

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[1] Sträucher, die für Vögel mit ihren Früchten (vgl. Nusssträucher und Obststräucher) eine Futterquelle und/oder mit ihren Dornen oder Stacheln Schutz bieten, werden auch als Vogelsträucher bezeichnet.

[2] Sommergrüne Laubhecken, die sich aus Heckensträuchern zusammensetzen, die Raupen von Schmetterlingen Nahrung bieten, Falter und Schmetterlinge z.B. durch ihren Duft anziehen oder Falter und Schmetterlingen Unterschlupf bieten, werden auch als Schmetterlingshecken bezeichnet. Diese Schmetterlingshecken sind im Garten-Bereich ein wichtiger Bestandteil zum Anlegen von einem Schmetterlingsgarten.

 

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