Kräuter
 

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Arten, Sorten, Beispiele
  3. Geeignete Pflanzen
  4. Anbau und Standort
  5. Einjährige, Zweijährige, Mehrjährige
  6. Konservieren und Trocknen
  7. Tipps zum Einfrieren
  8. Französische Kräutermischung
  9. Welche Kräuter entwässern ?
  10. Beliebteste Kräuterpflanze in Deutschland

Definition

Was sind Kräuter-Pflanzen ? Der Begriff "Kraut" oder "Kräuterpflanze" (englisch: herbage, herbs) stammt nicht aus der Botanik.

Er steht für krautige Samenpflanzen, deren Blüten, Blätter, Stängel oder Wurzel für verschiedene Zwecke frisch oder nach dem Trocknen genutzt werden.

In der Umgangssprache und im Handel wird die Definition für Kräuter-Pflanzen und speziell für Tee-Kräuter allerdings weiter gefaßt und auch die Blätter, Blüten, Früchte und Rinde von verholzenden Pflanzen (Bäume und Sträucher) einbezogen.

Außerdem werden Kräuter nach ihrem Nutzwert für Menschen sowie der Wirkung ihrer Inhaltsstoffe definiert.

Dieser weiter gefaßten Definition von Kräuterpflanzen wird auch in diesem Lexikon gefolgt.

Die verschiedenen Kräuter-Arten ergeben sich somit aus ihrer Verwendung als Duftpflanzen, Zierpflanzen, Gewürze, Öl, Salat-Zutaten, Tee, Tinktur oder Heilpflanzen und Arzneipflanzen (medizinische Kräuter).

Pflanzen, die für den Menschen keinen Nutzwert haben und am jeweiligen Standort sogar unerwünscht sind, werden im Sprachgebrauch als "Unkraut" bezeichnet.

Die Bestimmung von Pflanzen als Kräuter oder Unkräuter durch den Menschen erfolgt jedoch willkürlich und ihre Definition ist ökologisch nicht begründbar (vgl. Unterseite Unkraut).

 

Bio-Kräuterpflanzen in Töpfen mit Basilikum, Majoran, Oregano und Petersilie
Foto: Verkauf von Bio-Kräuterpflanzen in Töpfen mit Basilikum, Majoran, Oregano und Petersilie *

 

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Arten, Sorten, Beispiele

Die folgende Liste zeigt Beispiele für Kräuter bzw. Kräuterpflanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterteilt nach ihrer Anwendung oder der Wirkung ihrer Inhaltsstoffe:

 

  • Duftkraut: stark duftende Kräuter wie Basilikum, Fenchel, Pfefferminze, Salbei, Zitronenmelisse

  • Giftkraut: giftige Kräuter mit für die Gesundheit schädlichen Pflanzengiften (vgl. Giftpflanzen)

  • Gewürzkraut: z.B. Borretsch, Dill, Liebstöckel, Petersilie, Rosmarin, Schnittlauch, Thymian

  • Heilkraut: Kräuter mit einer Heilwirkung auf die Gesundheit (z.B. entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung bei Erkältung oder zur Entwässerung und gegen Bluthochdruck)

  • Salatkraut: z.B. Basilikum, Fenchel, Melisse, Petersilie, Koriander, Salbei, Schnittlauch, Thymian

  • Teekraut: geeignet für Kräuter-Tees z.B. mit Anis, Arnika, Brennessel, Ingwer, Kamille, Melisse

  • Unkraut: z.B. Acker-Senf, Ampfer, Brennesseln, Hundspetersilie, Kletten-Labkraut, Spitzwegerich

  • Wildkraut: z.B. Beifuß, Brennessel, Brunnenkresse, Gartenkresse, Löwenzahn, Spitzwegerich

  • Zierkraut: z.B. Basilikum, Fenchel, Ingwer-Minze, Kerbel, Majoran, Petersilie, Salbei, Thymian

 

Tee-Kräuter werden in diesem Lexikon weiter unterteilt in Blättertee, Blütentee, Früchtetee, Rindentee und Wurzeltee.

 

"Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter streicht."
(Hildegard von Bingen, Pionierin der Heilkräuter-/Naturheilkunde, ca. 1098 - 1179)

 

Die Übergänge zwischen den Kräuterarten sind fliessend, weil viele Kräuter-Pflanzen mehrfach Anwendung finden.

So finden z.B. Salbei und Thymian Verwendung als Aromapflanzen im Duftgarten, als ätherische Öle, Gewürz und Salatgewürz, Kräutertee und Heilkräutertee oder allgemein als Kräuter zum Heilen.

Insbesondere die Unterscheidung von Giftkräutern und Heilkräutern verläuft fliessend, weil viele Heilkräuter in hoher Dosierung auch giftig sein können.

Die fliessenden Übergänge der Kräuterarten machen eine eindeutige Definition von Kräutern in Verbindung mit der sehr weiten Wortverwendung im allgemeinen Sprachgebrauch (vgl. ganz oben) unmöglich.

Übrigens: Das Basilikum-Kraut gilt als die "Königin der Kräuter" und ist ein verbreitetes Gewürz z.B. für Blattsalate und Vorspeisen wegen seiner appetitanregenden Wirkung.

 

Historischer Kräutergarten mit bepflanzten Kräuterbeeten
Foto: Historischer Kräutergarten

 

 

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Geeignete Pflanzen

Für die Kräuter-Gewinnung kommen nach folgender Übersicht neben den "typischen" nicht verholzenden Kräuterpflanzen auch die folgenden krautigen und verholzenden Pflanzen in Frage:

 

a) Bäume (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten, Beeren/Früchte oder Rinde)
 

b) Blumen (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten oder Kraut)
 

c) Gemüse (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Kraut oder Knolle/Wurzel)
 

d) Flechten (Isländisches Moos, ein Heilkraut in Tibet)

e) Sträucher (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten, Früchte oder Rinde)
 

 

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Anbau und Standort

Der Kräuteranbau in Deutschland erfolgt im Garten z.B. im Kräuterbeet oder Hochbeet, in Kräuterspiralen im Kräutergarten oder auf dem Freiland als Bäume, Bodendecker, Stauden und Sträucher.

Allerdings können Aussaat und Anbau von Kräutern auch auf dem Balkon oder in der Wohnung als Kübelpflanzen und Topfpflanzen erfolgen.

Entscheidend für die Standort-Wahl ist oft die Frage, ob die Pflanzen grosser Kälte ausgesetzt werden dürfen.

Allgemein sind viele Kräuter-Arten zweijährig oder mehrjährig und auch winterfest.

Allerdings kann es innerhalb einer Kräuter-Art Sorten und Züchtungen geben, die frostempfindlich sind und zum Überwintern im Topf oder im Kräutergarten abgedeckt werden müssen.

Ebenso gibt es winterfeste Kräuterpflanzen, die problemlos im Freien überwintern können, doch sehr empfindlich auf Frost im Frühjahr nach dem Austreiben reagieren.

Zu beachten ist außerdem, dass einige winterharte Kräuterpflanzen im Winter gegossen werden müssen, wenn dieser mild und trocken ist und wenige Niederschlägen aufweist.

Es lohnt sich also, vor dem Kauf von Kräuter-Saatgut und Jungpflanzen in Gärtnereien und Sämereien die genauen Standort-Ansprüche der jeweiligen Pflanze in Erfahrung zu bringen.

Gleiches gilt natürlich auch für das Bestellen im Kräuter-Online-Shop, damit es nach der Aussaat im darauffolgenden Gartenjahr keine Überraschung gibt, weil die Kräuterpflanzen den Winter nicht überstanden haben.

 

Ich habe die tiefste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel,
sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.

(Sebastian Kneipp, deutscher Pfarrer und Begründer der Kneipp-Medizin, 1821-1897.
Seiner Lehre folgte auch Maria Treben, österreichische Kräuter-Kundige, 1907-1991)

 

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Einjährige, Zweijährige, Mehrjährige

Nachfolgend ein Verzeichnis wichtiger Kräuter-Arten in Deutschland, unterteilt in einjährige, zweijährige und mehrjährige Pflanze (Stauden):

 

  • Einjährige Kräuter (nicht winterhart)


Anis, Basilikum, Bilsenkraut (→ ein Nachtschattengewächs), Bohnenkraut, Borretsch, Kleine Brennessel, Dill, Echte Kamille, Kapuzinerkresse, Kerbel, Koriander/Korianderkraut, Majoran, Mohn (→ eine Alpenblume, Wildblume), Portulak, Ringelblume.

 

  • Zweijährige, winterharte Kräuter (je nach Standort z.T. auch mehrjährig)


Angelika, Barbarakraut, Kümmel, Nachtkerze, Petersilie oder Stiefmütterchen (→ eine Balkonblume).

 

  • Mehrjährige, winterharte Kräuter


Arnika, Bärlauch, Bergbohnenkraut, Große Brennessel, Brunnenkresse, Eisenhut, Deutscher Estragon, Fenchel, Frauenmantel, Heiligenkraut, Johanniskraut, Kamille, Lavendel, Liebstöckel, Mädesüß, Winter-Majoran, Minze/Pfefferminze, Nelken, Wilder Oregano (Dost), Garten-Salbei, Schnittlauch, Sonnenhut, Spitzwegerich, Thymian, Waldmeister (→ eine Duftblume), Zitronenmelisse, Ysop (Josefskraut).

 

Hinweis zur Übersicht:

 

Mehrjährige Krautarten sind auch Ingwer (Zingiber officinale) und Langer Koriander (Eryngium foetidum).

Diese exotischen bzw. chinesischen Kräuter sind allerdings nicht winterhart und wachsen nur im tropischen und subtropischen Klima.

 

Mehrere gelbe, doppeldoldige Liebstöckel-Blüten
Foto: Doppeldoldige Liebstöckel-Blüten (Levisticum officinale) Ende Juni, auch Maggikraut/Nusskraut *

 

 

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Konservieren und Trocknen

Von jeher werden Kräuter zum Trocknen an einem schattigen, trockenen und nicht zu warmen Ort unter 35 Grad als zusammengebundenen Kräuterstrauß aufgehängt oder auf einem sauberen Tuch ausgebreitet.

Geeignet hierfür sind z.B. Dachböden im Frühjahr oder Herbst sowie trockene Wohnräume (Küchenräume sind meistens zu feucht).

Außerdem kann man Kräuter auch in Dörrgeräten oder im Backofen auf einem Backblech bei leicht geöffneter Backofen-Tür trocknen, wenn sichergestellt ist, dass die Temperatur nicht mehr als 35 Grad erreicht.

Anschließend werden die getrockneten Kräuter dann am besten in lichtgeschützten Gläsern konserviert.

Eine weitere Möglichkeit, Kräuter zu konservieren, ist sie z.B. als Kräuter-Öl oder Pesto zu verarbeiten.

Natürlich sind frische Kräuter und Gewürze in punkto Aroma und gesunder Inhaltsstoffe immer vorzuziehen. Im Winter lohnt es sich deshalb, einen kleinen Kräuter-Mix verschiedene Kräuterarten auf der Fensterbank zu halten und bei Bedarf frisch zu ernten.

 

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Tipps zum Einfrieren

Kann man frische Kräuter auch einfrieren? Hier gilt zunächst, dass sich die meisten Kräuter mit dünnen Blättern gut zum Einfrieren in Gefrierdosen oder Gefriertüten eignen.

Kräuterarten mit dicken Blättern wie Rosmarin, Salbei und Thymian eignen sich weniger zum einfrieren, sondern zum trocknen.

Wer sie trotzdem einfrieren möchte, der kann die frischen Kräuter mit einem Mörste zerkleinern und sie dann in einem herkömmlichen Schraubglas einfrieren.

Die meisten Kräuter lassen sich auch zunächst in Eiswürfelschalen mit Wasser einfrieren, wenn sie vorher sehr klein geschnitten worden sind.

Anschließend gibt man die gefrorenen "Kräuterwürfel" portionsweise in Gefriertüten für die Tiefkühltruhe bzw. den Gefrierschrank.

Generell gilt, dass Kräuter auch im eingefrorenem Zustand im Lauf der Zeit an Inhaltsstoffen verlieren. Deshalb empfiehlt es sich, immer nur den Vorrat für einen Winter einzufrieren.

 

Mörser und Stössel aus Stein mit Basilikum-Pesto
Foto: Stein-Mörser mit Stein-Stößel Basilikum-Pesto

 

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Französische Kräutermischung

Eine bekannte französische Kräutermischung in der mediterranen Küche kann man als "Herbes de Provence" (französische Kräuter der Provence) im Handel kaufen. Sie setzt sich hauptsächlich aus getrockneten Kräuterarten wie Basilikum, Bohnenkraut, Oregano, Rosmarin und Thymian zusammen.

Dieser französische Kräuter-Mix wird je nach Hersteller noch um Anis, Estragon, Fenchel, Lavendel, Minze, Kerbel, Lorbeer, Majoran, Salbei oder Wiesenkräuter ergänzt.

"Herbes de Provence" passt hervorragend zu Fleisch- und Gemüsegerichten, Kräuteröl, Kräuterquark, Salaten oder Suppen.

Auch ein klassisches Küchen-Rezept aus Frankreich mit Kräuterpflanzen ist Kräuterbutter 'Beurre ravigote' aus Butter, feinen Zwiebeln (Schalotten), Pfeffer, Salz, Kräutern (Brunnenkresse, Dill, Estragon, Kerbel, Petersilie, Schnittlauch, Thymian) und (je nach Hersteller) geriebenem Knoblauch und Zitronensaft.

 

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Welche Kräuter entwässern ?

Ein Wirkstoff, der eine Ausschwemmung von Wasser-Einlagerungen aus dem menschlichen Körper bewirkt, wird als Diuretikum bezeichnet.

Die folgenden Kräuter-Arten weisen entwässernde Inhaltsstoffe auf und zählen deshalb zu den Diuretika:

Birkenblätter, Brennessel, Goldrute, Habichtskraut, Liebstöckel, Löwenzahn, Petersilie, Schachtelhalm, Wacholder oder Zinnkraut.

Sie werden überwiegend als getrocknete Teekräuter in Form von Kräutertee-Aufgüssen mit heissem Wasser angewendet, der Liebstöckel oder die Petersilie auch als Gewürzkräuter oder Salatkräuter in der Küche.

Neben diesen Kräutern führen auch Gemüsearten wie Artischocken, Gurken und Paprika (Fruchtgemüse), Knoblauch, Meerrettich und Zwiebeln (Wurzelgemüse) und Sellerie und Spargel (Stielgemüse) zu einer Entwässerung.

Nicht zu vergessen Reis (Oryza sativa), der zu den exotische Getreidearten zählt, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht heimisch wachsen.

Hinweis: Bei allen Pflanzen, die zu einer Entwässerung des Körpers beitragen, ist zu beachten, dass bei ihrer Einnahme mehr Flüssigkeit ausgeschieden wird als aufgenommen wurde.

Deshalb sollte beim Genuss von Kräutern, die entwässern, ausreichend reines Wasser getrunken werden, um einer Austrocknung (Exsikkose) vorzubeugen.

 

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Beliebteste Kräuterpflanze in Deutschland

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) e.V. in Berlin erstellte von 2003 bis 2008 zusammen mit der Universität Kassel eine Studie über die beliebtesten Pflanzen in deutschen Kleingärten. Danach zählte die Petersilie zu den beliebtesten Kräuter-Pflanzen in Deutschland.

Daneben wurde als beliebtestes Gemüse die Tomate, als beliebteste Blume die Ringelblume, als beliebtester Obststrauch die Rote Johannisbeere und als beliebtester immergrüner Blütenstrauch der Echte Lavendel unter den fünf häufigsten Pflanzen in deutschen Kleingärten ermittelt.

 

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