Wildsträucher - Wilde Sträucher
 

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Arten, Sorten, Beispiele
    1. Mit Dornen / Stacheln
    2. Mit essbaren Früchten oder Beeren
    3. Mit giftigen Inhaltsstoffen
    4. Immergrün
    5. Sonstige
  3. Bedeutung für Insekten (Bienen, Schmetterlinge)
  4. Bedeutung für Vögel und andere Tiere
  5. Vorteile für naturnahe Gärten
  6. Weitere Bilder und Detail-Fotos

Definition

Was sind Wildsträucher ? Der Begriff "Wildstrauch" (englisch: wild bushes) stammt nicht aus der Botanik, sondern aus der gärtnerischen Umgangssprache.

Er ist in diesem Lexikon eine Bezeichnung für in Mitteleuropa einheimische Büsche und Sträucher-Pflanzen (genauer: Samenpflanzen), die sich in freier Natur selbst vermehren und somit wild wachsen können.

Der Wortbestandteil "wild" bezeichnet nicht ein "wildes Aussehen" oder eine "wilde Wuchsform" der Sträucher.

Er bezieht sich darauf, dass die Sträucher wie auch Wildblumen, Wildgemüse und Wildkräuter nicht gezüchtet oder züchterisch verändert wurden und natürlich in Wildform vorkommen.

Dem steht nicht entgegen, dass man einheimische Wildsträucher in verschiedenen Arten und Sorten auch als Gartenpflanzen in der Gärtnerei und Baumschule oder im Gartencenter oder beim Pflanzenversand kaufen kann.

Die beste Zeit, um einen Wildstrauch zu pflanzen (besonders, wenn es sich um Forstware handelt), ist von Oktober bis April. Allerdings darf der Boden beim Setzen der Sträucher nicht gefroren sein.

 

Wildsträucher am Strassenrand auf dem Land im September
Bild: Wildsträucher in Oberbayern im September *

 

Wildsträucher sind in vielen Naturschutzgebieten unverzichtbare Bestandspflanzen in Pflanzengesellschaften wie dem Geißklee-Föhrenwald.

 

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Arten, Sorten, Beispiele

Die folgende Liste zeigt Beispiele heimischer Wildsträucher für einen naturnahen Garten in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Mit Dornen / Stacheln

  • Wilde Himbeere (Rubus idaeus): Stacheln

  • Kreuzdorn (Rhamnus cathartica): Dornen an ausgewachsenen Kurztrieben

  • Hunds-Rose (Rosa canina): auch Heckenrose, Stacheln

  • Wein-Rose (Rosa rubiginosa)

  • Schlehe (Prunus spinosa): auch Schwarzdorn, Dornen

  • Immergrüne Stechpalme (Ilex aquifolium): mit Blatt-Dornen

  • Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogyna): mit Dornen

  • Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata): mit Dornen

 

Blätter und Ast mit Stacheln einer Hundsrose oder Hagrose
Bild: Stacheln einer Hundsrose (Rosa canina), auch Hagrose, Ende Juni in München *

 

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Mit essbaren Früchten oder Beeren

  • Haselnuss/Gemeine Hasel (Corylus avellana)

  • Wilde Himbeere (Rubus idaeus)

  • Roter Holunder/Trauben-Holunder (Sambucus racemosa)

  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): schnell wachsend

  • Rote Johannisbeere (Ribes rubrum)

  • Kornelkirsche (Cornus mas)

  • Wildapfel/Holzapfel (Malus sylvestris)

 

Bis auf die Hasel, die zu den Nusssträuchern zählt, sind alle in dieser Liste genannten Wildsträucher mit essbaren Früchten bzw. Beeren Obsträucher.

Diese Obsträucher bieten durch ihre auch für Menschen essbaren Früchte einen weiteren Anreiz, sie im eigenen naturnahen Garten zu pflanzen.

 

Wild wachsender Schwarzer-Holunder-Strauch mit schwarzen Beeren an einem Waldrand
Bild: Beeren von einem Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) Ende September in Oberbayern *

 

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Mit giftigen Inhaltsstoffen

  • Besenginster (Cytisus scoparius): gering giftig bis giftig

  • Faulbaum (Rhamnus frangula): stark giftig

  • Blutroter/Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), gering giftig

  • Gewöhnliche/Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), schwach giftig

  • Pfaffenhütchen//Spindelstrauch (Euonymus europaeus): stark giftig

  • Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus): schwach giftig bie giftig

  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana): schwach giftig

  • Echter Seidelbast (Daphne mezereum): stark giftig

  • Rosmarin-Seidelbast (Daphne cneorum): stark giftig

  • Immergrüne Stechpalme (Ilex aquifolium): gering giftig

 

Alle in der Übersicht genannten giftigen Wildststräucher zählen zu den Giftpflanzen mit zum Teil giftigen Früchten oder Pflanzengiften in Blättern und Rinde.

 

Pfaffenkäpchen oder Pfaffenhütchen mit roten Früchten
Bild: Pfaffenkäppchen (Euonymus europaeus), auch Europäisches Pfaffenhütchen oder Spindelstrauch

 

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Immergrün

Als immergrüne Wildsträucher mit Blättern können folgende Laubsträucher genannt werden:

 

  • Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)

  • Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgare 'Atrovirens'), schnellwachsend

 

Hinweis:

Der wild wachsende Liguster ist je nach Klima entweder ein laubabwerfender oder ein halb-immergrüner Strauch.

Nur kultivierte Sorten wie 'Atrovirens' oder 'Lodense' sind immergrün, doch dann ist die Bezeichnung Wildstrauch eigentlich nicht mehr zutreffend.

 

Als immergrüne Wildsträucher mit Nadeln können folgende Koniferen genannt werden:

 

  • Latsche (Pinus mugo subsp. mugo), auch Latschen-Kiefer

  • Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)

 

Der Wacholder kann abhängig vom jeweiligen Standort und Pflanzabstand als mittelgroßer Nadelbaum wachsen.

 

Latsche, auch Latschenkiefer, in den schweizer Alpen neben zwei Steinböcken
Bild: Wild wachsende Latsche/Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. mugo) in den schweizer Alpen *

 

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Sonstige

  • Feldahorn (Acer campestre): schnellwachsend

  • Schwarzwerdendes Geißklee (Cytisus nigricans), ein Zwergstrauch

  • Echte Mehlbeere (Sorbus aria)

  • Warzen-Spindelstrauch (Euonymus verrucosus)

  • Weiden (Salix, verschiedene Sorten z.B. Salweide)

 

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Hinweise zur Übersicht:

 

Stockausschläge der Vogelbeere/Eberesche (Sorbus aucuparia) können als schnell wachsende Wildsträucher ebenfalls im Garten gepflanzt werden, obwohl sie normalerweise als mittelgroßer Laubbaum wächst.

Anstelle eines Strauch-Wuchses können auch der Faulbaum als Kleinbaum, der Holzapfel/Wildapfel als kleiner Obstbaum und die Gemeine Hasel als kleiner Nussbaum wachsen.

Der Feld-Ahorn wächst normalerweise als Großstrauch und unter günstigen Bedingungen auch als mittelgroßer Baum, bei der Echten Mehlbeere ist es umgekehrt der Fall.

Als Teekraut eignen sich die Blätter von Weide und Weißdorn für die Zubereitung von einem Blättertee und die getrocknete Rinde des Faulbaums für die Zubereitung von einem Rindentee.

Holunder, Schwarzdorn, Weiden und Weißdorne finden auch Verwendung als Arzneipflanzen und Heilpflanzen bzw. Heilkräuter.

 

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Bedeutung für Insekten (Bienen, Schmetterlinge)

Wilde Sträucher für Schmetterlinge sind eigentlich alle oben genannten einheimischen Wildsträucher, deshalb werden sie auch zum Anlegen von einem Schmetterlingsgarten verwendet.

Allerdings ist auch der nicht heimische Sommerflieder (Buddleja davidii) bzw. Schmetterlingsstrauch für Schmetterlingen besonders nützlich. Jedoch nur für ausgewachsene Falter und nicht ihre Raupen.

Weitere Sträucher für Schmetterlinge sind auf der Seite "Schmetterlingshecken" zu finden.

Für Insekten wie Blattläuse, Blattwespen oder Käfer sind die oben genannten Wildsträucher ebenfalls die erste Wahl, wobei Weißdorn, Schlehe, Haselnuß oder Salweide deren Favoriten sind.

Der Blüten-Nektar der Salweide ist besonders von Bienen, Hummeln und Faltern (z.B. Tagpfauenauge, Zitronenfalter) begehrt.

Insgesamt sind alle natürlich wachsenden Sträucher gut für Insekten, weil sie sich seit langem an diese Wildsträucher angepasst haben.

 

Blüten einer Sal-Weide mit einer Hummel
Bild: Sal-Weide (Salix caprea) mit einer Hummel/Berglandhummel (Bombus monticola)

 

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Bedeutung für Vögel und andere Tiere

Ein Wildstrauch bietet im Vergleich zu exotischen Sträuchern deutlich mehr Tieren Lebensraum, Unterschlupf und Nahrungsgrundlage im Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Wildsträucher sind insbesondere Sträucher für Vögel und wer beabsichtigt, sich einen naturnahen Garten für Vögel anzulegen, kommt nicht herum, auch Wildsträucher zu pflanzen.

Weitere Sträucher oder Hecken für Vögel als die oben bereits genannten finden sich in der Rubrik "Vogelschutzhecken".

Einige Wildstrauch-Arten haben außerdem Dornen oder Stacheln, die nistende Tiere und insbesondere Vögel vor Fraßfeinden (z.B. Katzen) schützen.

In freier Natur sind heimische Wildsträucher auch Lebensraum oder Nahrungsquelle für Säugetiere wie z.B. Nagetiere oder Rehe und Hirsche.

 

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Vorteile für naturnahe Gärten

Neben ihrer ökologischen Bedeutung für Insekten (Bienen, Schmetterlinge) und Vögel (vgl. weiter oben) bieten einheimische winterharte Wildsträucher weitere Vorteile beim Anlegen eines naturnahen Gartens:

Sie sind im Vergleich zu exotischen Ziersträuchern wesentlich unempfindlicher gegenüber klimatischen Ausschlägen (Hitze, Kälte, Trockenheit), Krankheiten oder Schädlingen.

Darüber hinaus benötigen sie keinen Dünger und kaum Pflanzenpflege und sie sind auch preiswerter als exotische Ziersträucher zu kaufen.

Es spricht also vieles dafür, bei der Gartengestaltung und Gartenplanung Wildsträucher bevorzugt auszuwählen; nicht nur um die Tierwelt (Fauna) mit mehr naturnahen Gärten zu unterstützen.

 

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Weitere Bilder und Detail-Fotos

Nachfolgend weitere Bilder von Wildsträuchern in freier Natur und Detail-Fotos:

 

Wild wachsender Weiden-Strauch auf einer Berg-Wiese
Bild: Wild wachsender Weiden-Strauch Anfang Oktober in Oberbayern *

 

Gelb blühende Besenginster-Hecke und ein dahinter wachsender, weiß blühender Weißdorn
Bild: Hecke mit gelb blühendem Besenginster (Cytisus scoparius) und im Hintergrund zwei weiss blühende Eingriffelige Weißdorn-Sträucher (Crataegus monogyna) Ende Mai in Rheinland-Pfalz (Landkreis Kaiserslautern)

 

Beeren-Früchte vom Gewöhnlichen Schneeball der Sorte 'Compactum'
Bild: Beeren-Früchte vom Gewöhnlichen Schneeball (Viburnum opulus 'Compactum') Anfang Oktober

 

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