Pflanzengifte und Pflanzengiftstoffe

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Was tun bei einer Vergiftung?
  3. Synonyme Bedeutungen (Pflanzenschutzmittel)
  4. Die stärksten Pflanzengifte
  5. Warum sind Pflanzen giftig?
  6. Arten, Beispiele, Wirkung
    1. Alkaloide
    2. Alkinole
    3. Allergene
    4. Digitaloide (Digitalisglykoside, Herzglykoside)
    5. Furocumarine
    6. Glykoside (Glycoside)
    7. Lektine (Lectine)
    8. Saponine
    9. Scharfstoffe
    10. Terpene
    11. Tropane (Tropanole)
    12. Organische Säuren

Definition

Was sind Pflanzengifte? Mit dem Begriff „Pflanzengift” (englisch: plant toxin) sind in diesem Lexikon Inhaltsstoffe von Pflanzen gemeint, die für den Menschen giftig sind. Sei es, dass sie über die Atmung (inhalativ), die Haut (dermal) oder den Mund (oral) aufgenommen werden.

Nach dieser Definition können Blätter, Blüten, Beeren/Früchte, Rinde, Samen und Wurzeln der Pflanze Pflanzengifte enthalten. Als Pflanzenarten kommen Bäume (Giftbäume), Blumen (Giftblumen), rohe Gemüsearten, Kräuter (Giftkräuter), Stauden oder Sträucher (Giftsträucher) in Frage.

Sowohl Samenpflanzen als auch Farne und Flechten können Pflanzengifte enthalten. Vergiftungen von Menschen mit Moosen, die nicht mit Umweltgiften kontaminiert wurden, sind bislang unbekannt.1

Entscheidend für die Giftigkeit (Toxizität) verschiedener Inhaltsstoffe einer Pflanze ist die Dosis bzw. Konzentration und die individuelle Konstitution wie Alter, Gene oder Körpergewicht der Gift-Aufnehmenden.

Von Bedeutung für die Wirkung ist außerdem die Art der Aufnahme über die Atmung, die Haut oder den Mund. Daher verläuft die Grenze zwischen Giftpflanzen, Arzneipflanzen und Heilpflanzen bzw. Heilkräutern oft fließend:

So werden Pflanzengifte wie Atropin oder Digoxin/Digitoxin in sehr geringer Dosis zum Herstellen von Medikamenten/Arzneimitteln in der Medizin angewendet.

Zu beachten ist, dass es zahlreiche giftige Pflanzen mit Substanzen gibt, die nur bei Tieren wie Hunde, Katzen, Pferde oder Vögel (bisweilen tödliche) Vergiftungen bewirken wie Avocado, Kakao oder Zwiebeln.

Ebenso gibt es Pflanzen, deren Pflanzengifte bei Tieren eine größere Vergiftung als bei Menschen bewirken wie beispielsweise Yucca-Saponine.

Traditionelles Gift-Symbol mit Totenkopf auf gekreuzten Knochen und weissem Hintergrund
Traditionelles Gift-Symbol
Giftsymbol nach EU-Richtlinie 67/548/EWG mit Totenkopf auf gekreuzten Knochen und orangem Hintergrund
Giftsymbol nach EU-Richtlinie (67/548/EWG)

Das orange Gefahrensymbol für sehr giftige bzw. hochgiftige Stoffe nach der EU-Richtlinie hat zusätzlich zum obigen orangen Gefahrensymbol für giftige Substanzen im oberen linken Rand die Ergänzung T+ (für T = toxic substances).

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Was tun bei einer Vergiftung?

Wenn der Verdacht auf eine akute Vergiftung durch Pflanzengifte oder Vergiftungssymptome bestehen, dann sollte umgehend eine Giftzentrale kontaktiert werden.

Das Giftinformationszentrum-Nord für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein führt zum Beispiel 24 Stunden am Tag telefonische Beratungen zu giftigen und/oder tödlichen Pflanzen sowie allgemeiner Toxikologie durch.

Außerdem veröffentlicht die Giftzentrale regelmäßig im Internet die jeweils aktuellen Kontaktdaten anderer Giftzentralen in Berlin, Bonn, Erfurt, Freiburg, Göttingen, Homburg, Mainz, München und Nürnberg.

Ähnliche Giftnotrufe und Giftzentralen gibt es auch in Österreich in Wien (VergiftungsInformationZentrale VIZ) und in der Schweiz in Zürich (Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum STIZ).

Tipp: Eine sehr informative Broschüre über giftige Pflanzen im Garten und in freier Natur kann vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bezogen werden („Giftpflanzen – Beschauen, nicht kauen”).

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Pflanzenschutzmittel

Bisweilen wird der Begriff „Pflanzengifte” gleichbedeutend mit „Pflanzenschutzmittel” verwendet. Pflanzenschutzmittel sind jedoch keine natürlichen Inhaltsstoffe von Pflanzen, sondern chemisch-synthetische Wirkstoffe zur Bekämpfung von Schädlingen (Insektizide), Pilzen (Fungizide) oder Unkraut (Herbizide).

Bekanntes Beispiel für Herbizide ist Glyphosat, das seit 1974 in der Produktserie Roundup enthalten ist.

Für begriffliche Verwirrung sorgte historisch das Insektizid E 605 (Parathion). Es wurde oft als Pflanzengift bezeichnet, obwohl es nicht die Pflanze vergiftet, sondern diese vor Fraß schützen sollte, indem es als Nervengift bei den jeweiligen Insekten wirkt.

Aufgrund seiner hohen Toxizität für Menschen und Tiere ist E 605 bereits seit 2002 in der EU verboten.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal bei Insektiziden ist die jeweilige Herkunft ihrer Wirkstoffe:

Beispielsweise ist Pyrethrum ein natürliches Insektizid, das aus bestimmten Chrysanthemen-Arten gewonnen wird. Es baut sich unter Sonnenlicht (UV-Strahlung) sehr schnell ab.

Im Gegensatz dazu sind Pyrethroide wie Permethrin oder Deltamethrin synthetische Nachbildungen. Sie sind deutlich stabiler sowie besser und länger wirksam als das natürliche Vorbild.

Wichtig beim Anlegen eines Naturgartens ist in diesem Zusammenhang, dass beide Stoffgruppen Nervengifte für Lebewesen sind und nicht zwischen Schädlingen und Nützlingen unterscheiden. Sie sind hochgiftig für Bienen und extrem schädlich für Fische und andere Wasserbewohner in einem Gartenteich.

Hinweis für Verbraucher:

Obwohl E 605 in Europa und den USA verboten ist, wird es in einigen Schwellen- und Entwicklungsländern (teils in Asien, Afrika oder Südamerika) vereinzelt noch produziert und eingesetzt.

Amtliche Lebensmittelkontrollen finden gelegentlich geringe Rückstände in Importwaren – besonders kritisch waren in der Vergangenheit teils exotische Obst- und Gemüsesorten wie Pitayas (Drachenfrüchte) aus Vietnam, Okras aus Indien oder Chilis aus verschiedenen Herkunftsländern.

Hierzu veröffentlicht das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) jährlich einen Bericht über Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln.

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Die stärksten Pflanzengifte

Als tödliches Pflanzengift mit der stärksten Wirkung gilt in Europa das Alkaloid Aconitin/Akonitin. Aconitumalkaloide sind in allen Eisenhut-Arten enthalten und in der toxischen Wirkung noch stärker als das Strychnin der sehr giftigen Brechnuss.

Die stärksten Pflanzengifte enthält dabei der Blaue Eisenhut, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz einheimisch ist. Der Blaue Eisenhut gilt auch als die tödlichste bzw. giftigste Pflanze in Europa.

Lilablassblaue Blüte von einem Blauen Eisenhut, botanischer Name Aconitum napellus
Bild: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) im Herbst (Ende September) mit Rachenblüten in Sachsen-Anhalt

Ein ebenfalls sehr starkes Pflanzengift ist Curare. Dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen Giftstoff, sondern um einen Sammelbegriff für Alkaloide, die in verschiedenen exotischen Giftpflanzen vorkommen.

Curare stammt aus Blättern und Rinde verschiedener Lianen (Kletterpflanzen) aus dem südamerikanischen Regenwald und wird von Indios in Südamerika als Pfeilgift für die Jagd verwendet.

Die von ihnen mit Curare erlegten Tiere können sie trotzdem verzehren, weil das Gift nur bei der Aufnahme über die Blutbahn und nicht über die Verdauung tödlich wirkt.

Welche Wirkung hat das tödliche Pflanzengift Curare im Detail? Curare ist ein Nervengift, das sehr schnell zu einer allgemeinen Muskellähmung führt, von der zwar das zentrale Nervensystem und die Herztätigkeit nicht betroffen sind, doch in der Folge die Atemmuskulatur.

Von seiner Wirkung her zählt Curare deshalb zu den stärksten Pflanzengiften, weil die Lähmung der Atemmuskulatur letztlich zum Atemstillstand und zum Tode führt.

Bei einer Curarevergiftung kann ein Lebewesen daher überleben, wenn so lange eine Beatmung erfolgt, bis die Wirkung des Pflanzengiftes auf die Atemmuskulatur nachgelassen hat.

Als vermutlich giftigste Pflanze der Welt gilt der Wunderbaum (Ricinus communis), der in den Schalen seiner Samen (→ vgl. Foto Rizinussamen) den Inhaltsstoff Rizin (Ricin) enthält, eines der giftigsten bekannten Eiweißstoffe.

Eine Rizinvergiftung führt nach ca. 48 Stunden zu einer Zerstörung (Verklumpung) der roten Blutkörperchen, die für den Transport von Sauerstoff im Körper zuständig sind, und dann zu einem Kreislaufzusammenbruch bzw. einer Lähmung des Atemzentrums.

Die tropische Giftpflanze ist wegen ihrer starken Toxizität und eines bis heute fehlenden Gegenmittels (Antidots) in der Biowaffen-Konvention (BWC) und Chemiewaffen-Konvention (CWC) der Vereinten Nationen aufgeführt.

Das in den Samen enthaltene Rizinusöl wird traditionell in der Medizin als Abführmittel verwendet und ist im Gegensatz zu den Samenschalen bei sachgemäßer Dosierung nicht giftig. Denn Rizin ist zwar wasserlöslich, doch nicht fettlöslich und somit im Rizinusöl nicht enthalten.

Blass rotbraune und stachelige Rizinus-Früchte vom Wunderbaum, botanischer Name Ricinus communis
Bild: Ungeöffnete Rizinus-Früchte vom Wunderbaum (Ricinus communis) im Sommer (Ende Juli) in Brandenburg *

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Warum sind Pflanzen giftig?

Pflanzen schützen sich durch Giftstoffe vor Fraßfeinden und Schädlingen wie Pilze, wobei viele Samenpflanzen Substanzen enthalten, die nicht für alle Tiere giftig sind, damit die Pflanzen sie für ihre Fortpflanzung nutzen können.

Denn viele Insekten und Vögel tragen dazu bei, dass sich die Samen der Pflanzen in der Natur verteilen können oder für die Befruchtung oder Bestäubung zu anderen Pflanzen transportiert werden.

So nutzen Hahnenfußgewächse wie die Sumpfdotterblume oder das Buschwindröschen Ameisen für den Transport ihrer Samen. Gleichzeitig enthalten sie starke Pflanzengifte, um sich vor Fraßschäden durch Hamster, Hasen, Hunde, Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen oder Pferde zu schützen.

Der enthaltene Giftstoff Protoanemonin reizt zunächst die Haut und Schleimhäute und führt zu Erbrechen. In letalen (tödlichen) Dosen für Menschen und Tiere wirkt das Pflanzengift auf das zentrale Nervensystem und beeinträchtigt Atmung, Herz und Kreislauf.

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Arten, Beispiele, Wirkung

Die folgende Übersicht enthält die wichtigsten Pflanzengifte mit Angabe der meist einheimischen Giftpflanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in denen sie enthalten sind.

Ebenso ist eine kurze Beschreibung der jeweiligen Wirkung einer Vergiftung (Intoxikation) enthalten:

Hinweis:

Pilze sind in der Biologie keine Pflanzen und werden in einer eigenständigen Wissenschaft, der Mykologie, untersucht so wie Tiere in der Zoologie und Pflanzen in der Botanik. Deshalb sind Giftpilze mit tödlichen Inhaltsstoffen wie der Knollenblätterpilz nicht in nachfolgender Übersicht für Pflanzengifte gelistet.

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Alkaloide

Was sind Alkaloide? Es handelt sich um organische und stickstoffhaltige natürlich vorkommende Substanzen, die überwiegend alkalisch sind. Bei einer Vergiftung haben sie meist eine erregende, psychoaktive Wirkung und sind Neurotoxine (Nervengifte).

Viele Alkaloide sind tödliche Pflanzengifte. Der erste isolierte Nachweis für Alkaloide gelang dem Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner 1806 für Morphin aus Mohn bzw. Opium.

Aconitin/Akonitin

Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus) zählt zu den giftigen Blumenarten, bei denen alle Pflanzenteile (Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Stengel, Wurzel) sehr giftig sind.

Die Giftpflanze enthält Aconitin, das zu den stärksten Pflanzengiften zählt und bei einer Vergiftung zu akuter Atemlähmung führt. Der Blaue Eisenhut gilt als die tödlichste und giftigste Pflanze in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Europa.

Brucin und Strychnin

Die Brechnuss (Strychnos nux-vomica), ein sehr giftiger, exotischer Laubbaum, enthält die Alkaloide wie Brucin und Strychnin. Die meist tödlichen Pflanzengifte führen zu starken Krämpfen und akuter Atemlähmung.

Cytisin, Chinolizidin, Chinolizin

Alle Pflanzenteile der Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus), eine Leguminose, und vor allem die Samen vom Goldregen (Laburnum anagyroides) enthalten die Pflanzengifte Cytisin, Chinolizidin und Chinolizin.

Gleiches gilt für verschiedene Ginster-Arten wie dem Färber-Ginster (Genista tinctoria) oder dem Deutschen Ginster (Genista germanica), deren Schmetterlingsblüten vor allem giftig sind.

Eine orale Vergiftung mit diesen Pflanzengiftstoffen führt zunächst wie bei Nikotin zu starker zentraler Erregung und kann dann zu Übelkeit und heftigem Erbrechen führen. Erst mangelndes Erbrechen (eher selten) hat schließlich Krämpfe und letztlich tödliche Atemlähmungen zu Folge.

Purpurrot und rosa blühende Garten-Lupinen, botanischer Name Lupinus polyphyllus, in einem Beet
Bild: Garten-/Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus) im Frühling (Mitte Mai), ein Dauerblüher *

Cocain/Kokain

Das aus dem exotischen Cocastrauch (Erythroxylum coca) gewonnene Pflanzengift Kokain (Cocain) zählt zu den stärksten Psychostimulanzien auf das zentrale Nervensystem mit hohem Abhängigkeitspotential.

Aufgrund seiner Giftigkeit zählt das Alkaloid Kokain (Cocain) weltweit zu den illegalen Drogen.

Codein

Aus dem getrockneten Milchsaft der Samenkapseln von Schlafmohn (Papaver somniferum) wird Opium gewonnen. Haupt-Alkaloide von Opium sind Codein und Morphin.

Beide Pflanzengifte sind sehr wirksame Schmerzmittel (Analgetika) mit einem hohen Suchtpotential.

Colchicin

Die Zeitlosen (Colchicum) sind in allen Pflanzenteilen giftig und enthalten wie die Ruhmeskrone (Gloriosa superba), eine exotische Topfpflanze, das Alkaloid Colchicin.

Colchicin ist ein sehr starkes, meist tödliches Pflanzengift. Bei einer Vergiftung wirkt Colchicin erbgutverändernd und führt zu einer tödlichen Atemlähmung.

Violett-rosa Blüten einer Herbstzeitlosen-Hybride, botanischer Name Colchicum x agrippinum
Bild: Herbstzeitlosen-Hybride (Colchicum x agrippinum) im Herbst (Ende September), eine Herbstblume *

Coniin

Das sog. Pseudoalkaloid findet sich in Aronstab (Arum maculatum), Hundspetersilie (Aethusa cynapium) und Geflecktem Schierling (Conium maculatum). Mit dem sogenannten Schierlingsbecher, ein Getränk mit dem giftigen Saft des Schierlings, wurde 399 v. Chr. der griechische Philosoph Sokrates hingerichtet.

Das in den Giftpflanzen enthaltene sehr giftige Pseudoalkaloid Coniin hat einen brennenden Geschmack und führt letztlich zum Tod durch eine Atemlähmung.

Cyclobuxin D

Die Giftigkeit vom Buchsbaum (Buxus sempervirens), der immergrün als Heckenpflanze und Kleinbaum im Garten wächst, besteht in allen Pflanzenteilen; vor allem die Blätter sind giftig.

Das im Buchsbaum enthaltene Pflanzengift Cyclobuxin D kann zu Erbrechen, starken Krämpfen, Herz- und Kreislaufversagen und letztlich zum Tod führen.

Die als Bodendecker im Garten verwendete Ysander-Arten (Pachysandra) enthalten Steroidalkaloide, die strukturell denen des Buchsbaums ähneln und zu vergleichbaren Symptomen führen können.

Elatin

Beim Rittersporn (Delphinium) enthalten alle Pflanzenteile Pflanzengifte (vor allem Blätter und Samen), die nicht so hoch dosiert sind wie beim extrem giftigen Blauen Eisenhut (Aconitum napellus).

Das Alkaloid Elatin führt zu Erbrechen und bei größerer Vergiftung zu Atemlähmung.

Enzianblaue Blüten einer Rittersporn-Hybride der Sorte Lanzenträger, botanischer Name Delphinium Elatum
Bild: Rittersporn-Hybride (Delphinium Elatum 'Lanzenträger') im Sommer (Mitte August) in Bayern *

Evonin

Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaea) enthält neben dem Alkaloid Evonin auch das Herzglykosid Evonosid und kann mit allen Pflanzenteilen zu Durchfällen und Krämpfen führen.

Tödliche Pflanzengifte enthält das Pfaffenhütchen für Menschen nur in höherer Dosierung.

Die Giftpflanze ist eher für Tiere wie Hasen, Hunde, Kaninchen, Katzen, Pferde, Schafe oder Ziegen tödlich, bei denen es auch dauerhafte Leber- und Nierenschäden hervorrufen kann.

Rosa Früchte, gelber Samen vom Europäischen Pfaffenhütchen (Spindelstrauch), botanisch Euonymus europaeus
Bild: Europäisches Pfaffenhütchen/Gewöhnlicher Spindelstrauch (Euonymus europaeus) im Herbst (Mitte Oktober) *

Germerin, Protoveratrin

Der Weiße Germer (Veratrum album) enthält in allen Pflanzenteilen die Alkaloide Germerin und Protoveratrin, die als Pflanzengiftstoffe zu Erbrechen, Darmproblemen, Krämpfen und Atemnot führen können.

Lycorin

Viele Vertreter der Narzissengewächse/Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) enthalten besonders in den Blumenzwiebeln das Alkaloid Lycorin (früher: Narcissin).

Beispiele sind die Echte Amaryllis/Belladonnalilie (Amaryllis belladonna), die Rittersterne (Hippeastrum) oder auch die Gelbe Narzisse/Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus).

Morphin (Morphium)

Morphin (historisch: Morphium) ist das mengenmäßig wichtigste Alkaloid des Opiums und wird aus dem getrockneten Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum) gewonnen. Der Pflanzengiftstoff Morphin zählt zu den stärksten natürlich vorkommenden Opioiden.

Aufgrund seiner ausgeprägten toxischen und pharmakologischen Wirkung wird Morphin medizinisch als stark wirksames Schmerzmittel (Analgetikum) eingesetzt.

Durch Acetylierung von Morphin entsteht das halbsynthetische Derivat Heroin (Diacetylmorphin), das ein deutlich höheres Abhängigkeitspotenzial besitzt und bei Überdosierung zu Atemstillstand führt.

Die Kultivierung von Schlafmohn (Papaver somniferum) unterliegt dem UN‑Einheitsübereinkommen über Suchtstoffe von 1961. Artikel 23 schreibt staatliche Kontrollbehörden und eine Lizenzpflicht vor.

In den Vertragsstaaten ist der Anbau nur für medizinische oder wissenschaftliche Zwecke und nur mit behördlicher Genehmigung bzw. Lizenz im Rahmen der jeweiligen nationalen Rechtsvorschriften zulässig.

Der lizenzierte Anbau erfolgt nur in wenigen Vertragsstaaten wie Australien, Frankreich, Indien, Spanien oder der Türkei. Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz beziehen Opiatrohstoffe oder fertige Arzneimittel aus dem Ausland.

Dunkelrote Blüte von einem Schlafmohn, botanischer Name Papaver somniferum, mit Biene
Bild: Schlafmohnblüte (Papaver somniferum) im Herbst (Mitte November) mit Biene

Nikotin/Nicotin

Das stark wirksame Alkaloid Nikotin ist in Tabakpflanzen (Nicotiana) enthalten und ein stimulierendes Pflanzengift mit hohem Abhängigkeitspotential. Beim Rauchen von Tabakprodukten wie Zigaretten, Zigarren, Zigarillos oder Pfeifen wird Nikotin freigesetzt und aufgenommen.

Beim Rauchen wird jedoch eine zu geringe Dosis freigesetzt, um eine tödliche Vergiftung zu bewirken.

Eine potentiell lebensbedrohliche Dosis kann nur durch die Aufnahme größerer Mengen von Tabak oder Tabakblättern entstehen, etwa durch Verschlucken. Die letale Dosis wird in der Literatur häufig mit 0,5 bis 1 mg/kg Körpergewicht angegeben, wobei neuere toxikologische Bewertungen höhere Werte annehmen.

Aufgrund der begrenzten Löslichkeit von Nikotin und der rasch einsetzenden Übelkeit kommt es beim Verzehr von Tabak oder Tabakblättern jedoch nur selten zu schweren akuten Vergiftungen.

Grüne Blätter einer Tabak-Hybride der Sorte Grüne Glocken, botanischer Name Nicotiana
Bild: Tabak-Hybride (Nicotiana-Hybride 'Grüne Glocken') im Früh-Sommer (Mitte Juni) *

Protoanemonin

Alle Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) enthalten das Vorprodukt Ranunculin, aus dem bei Verletzung des Pflanzengewebes das giftige Lacton Protoanemonin entsteht.

Besonders hohe Protoanemonin-Konzentrationen treten in Hahnenfuß-Arten (Ranunculus), in Anemonen (Anemone), in Kuhschellen (Pulsatilla), in Helleborus-Arten wie Christ- und Nieswurz (Helleborus) sowie im Adonisröschen (Adonis vernalis) auf.

Bei einer Vergiftung wirkt Protoanemonin stark haut- und schleimhautreizend und führt häufig zu Erbrechen. Protoanemonin dient den Pflanzen als wirksamer Fraßschutz:

Der stark brennende Saft schreckt viele Tiere bereits beim ersten Kontakt ab. Besonders empfindlich reagieren kleine Heimtiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster, wenn sie über frisch gepflücktes Grünfutter mit den genannten Pflanzen in Berührung kommen.

Weidetiere wie Pferde, Schafe, Ziegen oder Rinder meiden frische Hahnenfußgewächse aufgrund ihres Geschmacks, können sie bei knapper Futterlage oder auf überweideten Flächen dennoch aufnehmen.

In hoher, potenziell tödlicher Dosis kann Protoanemonin zu schweren Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems sowie der Atmungs‑, Herz‑ und Kreislauffunktion führen, die im Extremfall zu Bewusstseinsverlust, Atemproblemen oder Kreislaufversagen führen können.

Weiße Blüte mit gelben Staubblättern von einem Buschwindröschen, botanischer Name Anemone nemorosa
Bild: Buschwindröschen (Anemone nemorosa) in Rheinland-Pfalz im Frühling (Mitte April), eine Wildblume

Solanin

Einige essbare und eigentlich ungiftige Nachtschattengewächse enthalten in unreifem Zustand oder in den grünen Pflanzenteilen das Alkaloid Solanin. Durch diesen Giftstoff zählen sie zu den sehr giftigen Giftpflanzen und letztlich auch zu den tödlichen Pflanzen.

Beispiele sind Fruchtgemüse-Arten wie die Aubergine (Solanum melongena), die Tomate (Solanum lycopersicum) oder Knollengemüse/Wurzelgemüse wie die Kartoffel (Solanum tuberosum). Das Pflanzengift Solanin kann zu starkem Durchfall und Atemlähmung führen.

Die Giftigkeit der Kartoffeln kann durch Abschneiden von grünen Stellen und Keimen und durch Braten oder Kochen verringert werden, weil dabei ein Teil vom Solanin ins Bratfett oder Kochwasser übergeht.

Taxin

Die Eibe (Taxus baccata), ein immergrüner Nadelbaum oder Großstrauch, enthält überwiegend in den Nadeln und Samen den Giftstoff Taxin. Das Pflanzengift kann bei einer Vergiftung zu Atemlähmung, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufzusammenbruch führen.

Theobromin

Die Stechpalme (Ilex aquifolium) enthält wie auch die Bohnen der Kakao-Pflanze (Theobroma cacao) oder die Nüsse vom Kolabaum (Cola) das Pflanzengift Theobromin. Theobromin ähnelt in seiner Wirkung und dem chemischen Aufbau dem deutlich stärkeren Coffein.

Das Alkaloid Theobromin ist für Tiere wie Hunde oder Katzen giftiger als für Menschen, die in erster Linie eine anregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem erfahren. Deshalb sollten Hunde und Katzen auch nicht mit theobrominhaltiger Schokolade gefüttert werden.

Wichtiger Hinweis für Tierhalter:

Alkaloide in der Eibe oder dem Eisenhut, Goldregen und Jakobskreuzkraut sind für Haustiere wie Hunde und Katzen sowie für Weidetiere wie Pferde und Schafe hochgradig lebensgefährlich.

Besonders tückisch daran ist, dass viele dieser Gifte auch im getrockneten Zustand von Heu oder Grasschnitt voll wirksam bleiben. Da die natürlichen Bitterstoffe beim Trocknen oft schwinden, verlieren die Tiere ihre natürliche Scheu vor den Giftpflanzen und fressen sie unbemerkt mit.

Erste wichtige Hinweise auf eine Alkaloidvergiftung bei Tieren sind oft starker Speichelfluss, Zittern, Taumeln oder auffällig erweiterte Pupillen.

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Alkinole

Was sind Alkinole? Es handelt sich um organische Verbindungen, die chemisch eine Hydroxylgruppe und eine Dreifachbindung aufweisen.

Als heimische Pflanzengifte kommen die Substanzen in der Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae) vor und haben eine starke toxische Wirkung auf das zentrale Nervensystem (Atemlähmung, Krämpfe).

Zu den Alkinolen zählen Cicutoxin, Cicutol und Aethusin:

  • Aethusin: Hundspetersilie (Aethusa cynapium), sehr giftig
  • Cicutoxin, Cicutol: Wasserschierling (Cicuta virosa), sehr giftig
Gift-Wasserschierling, botanischer Name Cicuta virosa, mit hellgrünen Blättern
Bild: Gift-Wasserschierling (Cicuta virosa) in Baden-Württemberg im Sommer (Ende August) mit zwei- und dreifach gefiederten sowie scharf gesägten Blättern *

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Allergene

Was ist ein pflanzliches Allergen? Allergene sind Inhaltsstoffe von Pflanzen, die über das Immunsystem überempfindliche Reaktionen des Körpers (Allergien) auslösen können wie beispielsweise Asthma oder Heuschnupfen.

Die Substanzen sind keine Pflanzengifte und gelten als ungiftig. Ihre Wirkung kann jedoch im Einzelfall so stark sein, dass sie Menschen betreffen können, die ansonsten nicht unter einer akuten Allergie leiden.

Von Bedeutung sind die Blütenpollen vom Beifußblättrigen Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), einer Unkraut- und Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Diese Pollenallergene können bei Menschen die stärksten Allergien von allen in Europa heimischen Pflanzen auslösen.

Auch unter den Flechten gibt es starke Allergene wie im Baummoos oder dem Eichenmoos, das besonders auf Eichen wächst. Beide in Deutschland, Österreich und der Schweiz heimischen Flechten werden bisweilen wegen ihres herben Dufts in Kosmetika und Parfüms verwendet.

Nicht zu vergessen können die Pollen vieler Süßgräser bei anfälligen Menschen einen Heuschnupfen (Allergische Rhinitis) auslösen. Bei einer Allergie gegen Gräserarten aktivieren deren Pollen Immunglobulin-E-Abwehrmoleküle, die in den oberen Luftwegen Entzündungen hervorrufen können.

Außerdem enthalten die Samen zahlreicher Getreidearten sogenannte Gluten, die in Verbindung mit Wasser ein Klebereiweiß bilden. Aus diesem Grund kann der Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel bei empfindlichen Menschen eine Entzündung der Darmschleimhaut hervorrufen.

Im Rahmen der EU-Richtlinie 2007/68/EG über Allergenkennzeichnung müssen glutenhaltige Getreide-Lebensmittel und daraus gewonnen Erzeugnisse im Zutatenverzeichnis deklariert werden.

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Digitaloide (Digitalisglykoside, Herzglykoside)

Was sind Herzglykoside bzw. Digitalis-Glycoside? Es handelt sich um herzwirksame Glykoside, die verschiedene Wirkung am Herzen auslösen können wie eine Herzschlagverringerung oder eine Erhöhung der Herzkontraktion. Die Pflanzengifte werden deshalb auch in der Medizin zur Herstellung von Herzmedikamenten eingesetzt.

Eine Vergiftung durch Herzglycoside kann bereits durch Schnittblumen wie dem stark duftenden Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Trauerblumen wie der Christrose/Schneerose (Helleborus niger) hervorgerufen werden.

Ebenso durch Sträucher wie den Oleander/Rosenlorbeer (Nerium oleander), der als Heckenstrauch (in frostfreien Gegenden) oder Kübelpflanze verwendet wird. Sie enthalten in allen Pflanzenteilen die herzwirksame Giftstoffe Strophanthidin (Aglykon: Convallatoxin), Hellebrin und Oleandrin.

Giftige Herzglykoside finden sich auch beim Pfaffenhütchen (Euonymus europaea), dessen Samen Evonosid enthalten. Oder im tropischen Schellenbaum (Thevetia peruviana), der speziell in seinem Milchsaft den Pflanzengiftstoff Thevetin enthält.

Nicht zu vergessen heimische Fingerhut-Arten wie der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), in dem wie beim Spanischen Fingerhut (Digitalis obscura) oder Wolligen Fingerhut (Digitalis lanata) die Pflanzengifte Digoxin und Digitoxin enthalten sind (sogenannte Digitalis-Glycoside).

Blass-violette Röhren-Blüten einer Waldschelle, auch Roter Fingerhut genannt, botanische Name Digitalis purpurea
Bild: Waldschelle/Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) in Hessen mit Blütenstand im Sommer (Ende August) *

Das sommerblühende Bischofskraut (Ammi visnaga) und der Winterling (Eranthis hyemalis), eine Winterblume, enthalten das herzwirksame Khellinin bzw. Khellosid (Khellolglucosid), ein Chromon-Derivat.

Ebenfalls Herzglykoside (Adonitoxin, Cymarin, Strophanthidin, Strophanthin, Vernadigin) enthalten die folgenden beiden Adonisröschen (Adonis): das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) und das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), eine Sommerblume.

Erste Symptome einer Vergiftung mit Herzglykosiden sind Atemnot, Erbrechen, starke Übelkeit, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufprobleme (Pulsstörungen).

Giftpflanzen, die Herzglykoside enthalten, haben einen sehr bitteren Geschmack. Das hat den „Vorteil”, dass die ansonsten tödlichen Pflanzen tendenziell nicht in größeren Mengen aufgenommen werden.

Wichtiger Hinweis für Katzenhalter:

Herzglykoside, wie sie im Maiglöckchen, Fingerhut oder Frühlings-Adonisröschen vorkommen, sind wasserlöslich. Das bedeutet, dass bereits das Wasser in einer Blumenvase, in der diese Pflanzen standen, hochgiftig wird.

Besonders Katzen, die gelegentlich an Vasenwasser nippen, sind stark gefährdet, da bei ihnen bereits die Aufnahme kleinster Mengen zu schweren Herzrhythmusstörungen oder Herzstillstand führen kann.

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Furocumarine

Was sind Furocumarine? Es handelt sich um Pflanzen-Abwehrstoffe gegen Insektenfraß, die in der Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae) vorkommen.

Als Pflanzengift wirken Furocumarine photosensibilisierend bzw. phototoxisch und können zusammen mit Sonnenlicht zu starken Hautreizungen und Hautschädigungen bis hin zu Verbrennungen führen (Photodermatitis).

Außerdem können Furocumarine auch erbgutverändernd und krebserregend wirken. Bei Einnahme kann es sich auch um ein tödliches Pflanzengift handeln.

Die Furocumarine Bergapten, Pimpinellin und Xanthotoxin kommen vor allem im Pflanzensaft von Herkulesstaude bzw. Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) vor.

Schon bei schwacher UV-Strahlung kann an Hautstellen, die mit der Herkulesstaude in Berührung kamen, ein starker und schmerzhafter Sonnenbrand mit Brandblasen entstehen.

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Glykoside (Glycoside)

Was sind Glykoside? Es handelt sich um organische Verbindungen mit einem Alkohol- und Zuckeranteil, die sich gut in Wasser auflösen. Die giftige Wirkung der Glykosyde bestimmt der Nicht-Zuckeranteil.

Als Pflanzengifte wirken Glycoside nicht einheitlich und jedes Glykosid hat eine individuelle Wirkung.

Amygdalin

In allen Pflanzenteilen von Lorbeerkirsche/Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), einer im Gartenbereich verwendete Gebüschpflanze, ist das Glycosid Amygdalin zu finden (vor allem in Blätter und Samen).

Der Giftstoff ist außerdem in den Obstkernen bzw. -steinen von Obstbäumen der Gattung Prunus wie Aprikose, Kirsche, Mandeln/Bittermandeln, Marille oder Pflaume sowie in Pflaumen-Samen enthalten.

Das Pflanzengift Amygdalin wird im Organismus mit Hilfe von Wasser zu Blausäure umgewandelt und kann bei höherer Dosierung zu einer Cyanidvergiftung führen. Pflanzen, die Blausäure-Glykoside enthalten, werden cyanogene Pflanzen genannt. Zu diesen Pflanzen zählen auch verschiedene Bambusarten.

Drei braune Bittermandelkerne der Bitteren Mandel, botanischer Name Prunus dulcis var. amara
Bild: Bittermandelkerne der Bitteren Mandel (Prunus dulcis var. amara)

Anthraglykoside (Anthracenglykoside)

Der Faulbaum (Rhamnus frangula) enthält vor allem in der Rinde Anthraglykoside. Die Pflanzengifte reizen sehr stark die Schleimhäute im Dickdarm, wirken abführend und können in höherer Dosis zu Darmkrämpfen und blutigem Stuhlgang führen.

Zu beachten ist, dass die Giftwirkung der Faulbaumrinde um so größer ist, je frischer sie ist. Deshalb sollte sie speziell vor der Zubereitung von einem Rindentee als Abführmittel mindestens ein Jahr gelagert werden.

Abführende Anthraglykoside (Anthracenglykoside) sind auch in der Wurzel von Rhabarber enthalten (speziell im Arznei-Rhabarber Rheum palmatum). Ebenso im Milchsaft der Kap-Aloe (Aloe ferox), dem Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus catharticus) und den Senna-Blättern (Senna alexandrina).

Nitrilglykoside

Die Wald-Akelei (Aquilegia vulgaris), eine Trauer- und Röhrenblume, enthält speziell in den Samen und den Blättern eine krebserregende, cyanogene Blausäure-Glykosid-Verbindung, ein sogenanntes Nitrilglykosid.

Ptaquilosid, Pteridin

Auch Farne enthalten Pflanzengifte, wobei der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) in Deutschland, Österreich und der Schweiz der giftigste Farn ist:

Seine Sporen sollten nicht über die Atmung aufgenommen werden, weil sie das Enzym Thiaminase enthalten, das im Verdacht steht, Krebs und Tumore sowie die Krankheit Beriberi (Beri-Beri) auszulösen.

Außerdem enthält der Adlerfarn Blausäure-Glycoside wie Ptaquilosid oder Pteridin, die als Pflanzengifte ebenfalls im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Ungeachtet seiner Giftigkeit wird Adlerfarn zum Teil in Japan, den USA oder auf Neuseeland als Blattgemüse (Blattsalat oder Wildsalat) zubereitet.

Secoiridoid-Glykoside

Der Gewöhnliche/Gemeine Liguster (Ligustrum vulgare) enthält in den Beeren vor allem die giftigen Glykoside Ligustrosid, Oleuropein und Syringin; letzteres auch in den Blättern.

Kommt es beispielsweise beim Schneiden des immergrünen Strauchs zu einem Hautkontakt kann daraus eine entzündliche Hauterkrankung entstehen; das sogenannte Liguster-Ekzem.

Die Beeren und Blätter des Ligusters gelten als gering giftig. Beim Verzehr können sie bei Menschen – insbesondere bei Kindern – vor allem Magen-Darm-Beschwerden und je nach aufgenommener Menge weitere Vergiftungssymptome hervorrufen.

Dies gilt auch für Säugetiere wie Hunde, Katzen, Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen oder Pferde, Schafe und Ziegen. Zahlreiche Vogelarten können die Beeren dagegen ohne Probleme fressen und tragen zur Samenverbreitung bei.

Tuliposide (Tuliposid A)

Alle Pflanzenteile der Garten-Tulpe (Tulipa gesneriana) enthalten giftige Tuliposide, die zu Hautentzündungen (Dermatitis) führen.

Auf die Giftigkeit dieser Glykoside sollte besonders geachtet werden, wenn Tulpen als Duftblumen, Frühlingsblumen, Schnittblumen oder Rabattenblumen im heimischen Garten verwendet werden.

Verbascosid

Die Früchte und Samen des Blauglockenbaumes sind schwach giftig und enthalten das Glykosid Verbascosid, das u.a. blutdrucksenkend wirkt und für Heilzwecke als Antioxidans eingesetzt wird.

Wistarin

Der Blauregen (Wisteria sinensis), eine heimische Kletterpflanze, enthält in der Rinde und den Wurzeln das Glycosid Wistarin. Als Pflanzengift wirkt es auf das zentrale Nervensystem und führt zu Erbrechen und akuten Atemlähmungen.

Auch die Dieffenbachie (Dieffenbachia), eine sehr giftige Zimmerpflanze aus Südamerika, enthält verschiedene Glycoside, die noch nicht abschließend analysiert wurden, sowie Oxalsäure und Oxalate.

Dunkel-grün gemusterte, hellgrüne Blätter einer Dieffenbachie, botanischer Name Dieffenbachia humilis
Bild: Dieffenbachie (Dieffenbachia humilis) im Frühling (Mitte Mai) in Mecklenburg-Vorpommern *

Die für Tiere und Menschen sehr starken Pflanzengifte im Saft frischer Dieffenbachien-Blätter erzeugen bei Haut- und Schleimhautkontakt schwere Entzündungen bis hin zu Verätzungen. Der Verzehr von etwa 3 bis 4 Gramm dieser Blätter gilt für Erwachsene als tödlich.

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Lektine (Lectine)

Was sind Lektine? Es handelt sich um zuckerbindende Proteine (Eiweißstoffe), die Pflanzen als Schutz gegen Insekten und Tiere bilden. Als Pflanzengifte führen Lectine bei oraler Einnahme zum Verklumpen und letztlich zur Zerstörung der roten Blutkörperchen mit Sauerstoffunterversorgung und Atemstillstand.

Außerdem schädigen die giftigen Eiweißstoffe Darm, Leber, Magen, Niere und führen zunächst zu blutigen Darmschleimhautentzündungen, Durchfall, Erbrechen, Fieber, Unwohlsein und Krämpfen.

Giftige bzw. toxische Proteine werden auch als Toxalbumine bezeichnet. Zu den Lektinen (Lectinen) zählen beispielsweise Phasin, Robin und Rizin (Ricin):

Phasin (Hämagglutinine)

Das Pflanzengift kommt in den Samen, Sprossen und ungekochten Früchten folgender Hülsenfrüchte vor:

  • Bohnen (Phaseolus): insbesondere die Gartenbohne/Grüne Bohne (Phaseolus vulgaris) ist sehr giftig
  • Erbse (Pisum sativum), auch Gartenerbse oder Speiseerbse
  • Küchen-Linse (Lens culinaris)
  • Robinie/Falsche Akazie (Robinia pseudoacacia)

Die Giftigkeit der essbaren Hülsenfrüchte (Leguminosen) wie Bohnen, Erbsen und Linsen kann durch Kochen abgebaut werden.

Wichtiger Hinweis zur Zubereitung:

Phasin ist ein Protein, das rote Blutkörperchen verklumpen lassen und schwere Magen-Darm-Entzündungen hervorrufen kann.

Hülsenfrüchte wie Bohnen dürfen daher nicht roh bzw. als Rohkost verzehrt werden. So kann beispielsweise der Genuss weniger roher Samen bei Kindern bereits zu schweren Vergiftungserscheinungen führen.

Diese Wirkung von Lektinen kann durch ausreichend langes Erhitzen (mindestens 10 bis 15 Minuten bei 100 °C) der Hülsenfrüchte zuverlässig vermieden werden. Ein kurzes Blanchieren oder das Einweichen allein reicht jedoch nicht aus, um die Giftstoffe in Phasin unschädlich zu machen.

Insbesondere bei Niedriggarverfahren werden bei der Zubereitung in sogenannten „Slow Cookern“ (Schongarern) oft keine 100 °C erreicht, wodurch die Phasinkonzentration in den Hülsenfrüchten unverändert hoch bleibt.

Robin

Das giftige Robinia-Lectin kommt in der Robinie/Falschen Akazie (Robinia pseudoacacia) vor und führt zu Bauchschmerzen, Reizung der Schleimhäute und Übelkeit.

Rizin/Ricin

Ein sehr giftiges Lektin findet sich auch im tropischen Wunderbaum (Ricinus communis). Die Zierpflanze enthält in ihren Samen Rizin/Ricin, eines der tödlichsten Pflanzengifte der Welt, und bereits die Einnahme weniger Samen kann tödlich wirken.

Aus diesem Grund zählt der Wunderbaum auch zu den tödlichen Pflanzen.

Braun-schwarz gemusterte Samen vom Wunderbaum (Ricinus communis)
Bild: Samen vom Wunderbaum (Ricinus communis)

Eine besondere Bedeutung spielen Lektine auch in der (alternativen) Krebstherapie.

So sollen Mistellektine aus der Mistel (Viscum album), die zuckerhaltige Eiweißstoffe enthalten, als Mistelpräparate zur Stärkung vom Immunsystem und zum Abbau von Krebszellen beitragen.

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Saponine

Was sind Saponine? Es handelt sich um eine spezielle Untergruppe der Glykoside, die in Verbindung mit Wasser Schaum bilden und meist einen bitteren Geschmack aufweisen.

Saponine reizen als Pflanzengiftstoffe die Haut und Schleimhäute und dürfen nicht in die Blutbahn gelangen, weil sie die roten Blutkörperchen zerstören. Zudem wirken sie auf das zentrale Nervensystem und können zu Krämpfen und Kreislaufstörungen führen, die je nach Dosierung auch tödlich enden können.

Zu den Saponinen zählen Cyclamin, Helleborin, Pennogenin und Ruscogenin:

  • Cyclamin: Alpenveilchen (Cyclamen), speziell die Blumenknolle ist giftig
  • Githagin: Kornrade/Ackerrade (Agrostemma githago), speziell die Samen des Ackerunkrautes und der Stieltellerblume sind giftig
  • Helleborin: Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) und Christrose/Schneerose (Helleborus niger), eine Alpenblume, sind sehr giftig und enthalten in allen Pflanzenteilen das Pflanzengift Helleborin
  • Ruscogenin: Stechender Mäusedorn (Ruscus aculeatus), giftig sind besonders die Beeren
  • Pennogenin: Einbeere (Paris quadrifolia), ein sehr starkes und meist tödliches Pflanzengift

Saponine bzw. Saponin-Glycoside werden in der Medizin als Wirkstoff gegen Husten verwendet, weil sie durch ihre intensive Oberflächenwirkung den Bronchien-Schleim verflüssigen können.

Rosa Blüten und grüne, weiß-gemusterte Blätter vom Zimmer-Alpenveilchen, botanisch Cyclamen persicum
Bild: Im Garten ausgepflanztes Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum) im Saarland im Herbst (Mitte Oktober), wegen Frostempfindlichkeit in Deutschland als Zimmerpflanze genutzt

Hinweis für Teichbesitzer: Saponine sind beispielsweise in Efeu, in Alpenveilchen oder in der Rosskastanie enthalten und wirken als starke Fischgifte. Sie beeinträchtigen die Durchlässigkeit der Kiemenmembranen, was zur Erstickung der Fische führen kann.

Daher sollten saponinhaltige Pflanzen nicht in der unmittelbare Nähe von Gartenteichen gepflanzt werden, um das Teichwasser von diesen Glykosiden freizuhalten. Dies gilt insbesondere für Rosskastanien, damit deren herabfallendes Laub nicht in das Teich gelangen kann.

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Scharfstoffe

Was sind Scharfstoffe? Es handelt sich überwiegend um Stoffe in Gemüsepflanzen, die bei Hautkontakt oder beim Verzehr geschmacklich ein Schärfegefühl oder sogar Schmerzen erzeugen.

Zu den typischen Gemüsearten mit Scharfstoffen zählen Paprika (Capsicum) bzw. Cayennepfeffer und Chili mit dem Alkaloid Capsaicin oder Pfeffer (Piper) mit den Alkaloiden Piperettin und Piperin.

Ferner Meerrettich (Armoracia rusticana) und Gartenkresse (Lepidium sativum) mit ihren Senfölglycosiden oder Ingwer (Zingiber officinale) mit dem Scharfstoff Gingerol.

Hinweis zur Wirkung von Senfölen (Isothiocyanate):

Beim Schneiden oder Reiben von Pflanzen wie Meerrettich (Armoracia rusticana) oder Gartenkresse (Lepidium sativum) werden Senföle frei. Diese wirken stark reizend auf die Schleimhäute von Augen und Nase (Tränenfluss).

Während moderate Mengen antibakteriell wirken, kann ein übermäßiger Verzehr, insbesondere von frischem Meerrettich oder Senfsamen, die Magenschleimhaut massiv reizen und zu brennenden Schmerzen oder Sodbrennen führen.

Bei sehr empfindlicher Haut kann der äußere Kontakt mit zerriebenen Pflanzenteilen Rötungen oder Blasenbildung hervorrufen. Zu den giftigen Scharfstoffen zählt beispielsweise das Glykosid Aroin.

Aroin

Der als Fallenblume bekannte einheimische Aronstab (Arum maculatum) enthält in allen Pflanzenteilen Aroin, das als Pflanzengiftstoff eine verätzende Wirkung auf Darm, Magen und Speiseröhre hat.

Falls der Wirkstoff in die Blutbahn gelangt, kann dies zu Lähmungen und Herzstörungen führen.

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Terpene

Was sind Terpene? Es handelt sich um flüchtige organische Substanzen, die in den Blättern, Blüten, Früchten, der Rinde, den Wurzeln oder in ätherischen Ölen von Pflanzen vorkommen.

Die meisten Terpene sind hochwirksame Pflanzengifte, die unter anderem in bestimmten Nadelgehölzen enthalten sind. Zu den toxischen Terpenen (Monoterpene, Triterpene) zählen Mezerein, Daphnetoxin, Grayanotoxin, Sabinen, Sabinol, Thujon, Thujanol, Euphorbon und die Cucurbitacine.

Cucurbitacine

Die giftigen Bitterstoffe finden sich in der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) besonders in den giftigen Früchten und Wurzeln der Zaunrübe (Bryonia). Als Pflanzengiftstoff führt Cucurbitacin zu zu schweren Magen-Darm-Beschwerden und Krämpfen bis hin zu akuter Atemlähmung.

Wichtiger Hinweis für den Anbau im Gemüsebeet:

Cucurbitacine können auch im Speisekürbis (Cucurbita pepo), Zucchini (Cucurbita pepo subsp. pepo convar. giromontiina) oder Gurken (Cucumis) auftreten, wenn diese durch Rückkreuzungen mit Zierkürbissen oder durch Stressfaktoren (wie extreme Hitze) das Gift neu bilden.

Da das Gift hitzebeständig ist, wird es beim Kochen nicht zerstört. Bitter schmeckende Früchte sollten daher keinesfalls verzehrt werden.

Euphorbon

Im Milchsaft und in den Samen der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) und der Kreuzblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia lathyris) befindet sich das Pflanzengift Euphorbon, das äußerlich zu Blasen und Hautentzündungen führt.

Innerlich können die Giftstoffe schwere Magen-/Darmkoliken und Krämpfe auslösen, die bei hoher Dosierung auch tödlich enden können.

Gelb blühende Walzen- oder Myrtenblätterige Wolfsmilch, botanischer Name Euphorbia myrsinites, mit einem Marienkäfer
Bild: Walzen-/Myrtenblätterigen Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites) in Sachsen im Frühling (Mitte Mai) mit Marienkäfer

Grayanotoxin (Andromedotoxin)

Der Pflanzengiftstoff Grayanotoxin (früher: Andromedotoxin) findet sich in der Rosmarinheide (Andromeda polifolia), einem Zwergstrauch, sowie in bestimmten Rhododendron-Unterarten.

Die Nervengifte dieser Giftpflanzen wirken auf das zentrale Nervensystem und können Erbrechen, Übelkeit und Krämpfe bis hin zum Atemstillstand bewirken.

Mezerein, Daphnetoxin

Die beiden giftigen Diterpenester treten in Seidelbastarten (Daphne) in verschiedenen Pflanzenteilen unterschiedlich stark auf:

Daphnetoxin ist vor allem in der Rinde und Mezerein vor allem in den Samen (Beeren) bei Arten wie dem Echten Seidelbast (Daphne mezereum) oder dem Felsen-Seidelbast (Daphne petraea) konzentriert, einer Steingartenpflanze.

Die Giftwirkung betrifft Mensch und Tier (besonders Pferde, Hunde, Katzen und Nager) gleichermaßen. Äußerlich bewirken beide Wirkstoffe schwere Hautentzündungen und Blasenbildung. Innerlich führen sie zu brennenden Schmerzen, blutigem Durchfall und Erbrechen. Mezerein gilt als stark ko-karzinogen.

Bei Menschen kann die Vergiftung ab ca. 10 Samen (bei Kindern deutlich weniger) tödlich verlaufen.

Sabinen, Sabinol

Alle Pflanzenteile vom Sadebaum (Juniperus sabina) sind giftig (speziell die Beeren und Zweigspitzen) und führen äußerlich zu starken Hautreizungen. Innerlich bewirken die Pflanzengifte Sabinol und Sabinen schwere Erbrechen, Darmkoliken, Schleimhautreizungen, Durchfall und Atemlähmungen.

Thujanol, Thujon

Die starken Nervengifte und Giftstoffe finden sich im Holz sowie in den Frucht-Zapfen und Zweigspitzen vom Lebensbaum (Thuja occidentalis) und Sadebaum (Juniperus sabina). Die Pflanzengifte Thujon und Thujanol in den Giftpflanzen wirken toxisch auf die Magenschleimhaut sowie auf Leber und Nieren.

In deutlich geringeren Konzentrationen kommt Thujon auch in Heilkräutern wie Echtem Salbei (Salvia officinalis) oder Echtem Wermut (Artemisia absinthium) vor, weshalb diese bei Überdosierung oder als reines ätherisches Öl ebenfalls toxisch wirken können.

Hinweis für die Gartenarbeit:

Beim Schnitt von Thujahecken kann direkter Hautkontakt mit austretendem Pflanzensaft oder frischen Schnittstellen zu starken Hautreizungen, Rötungen und allergischen Reaktionen führen. Es empfiehlt sich daher, beim Umgang mit diesen Gehölzen stets Handschuhe und langärmelige Kleidung zu tragen.

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Tropane (Tropanole)

Was sind Tropanalkaloide? Es handelt sich um organische Ester-Verbindungen vor allem in Nachtschattengewächsen (Solanaceae), die gut über die Schleimhäute und die Haut aufgenommen werden können.

Dabei handelt es sich um folgende sehr starke Pflanzengifte:

  • Atropin, Hyoscyamin, Mandragorin, Scopolamin

Tropanalkaloide kommen in allen Pflanzenteilen von Alraune (Mandragora officinarum), Engelstrompete (Brugmansia), Schwarzem Nachtschatten (Solanum nigrum), Schwarzer Tollkirsche (Atropa bella-donna), Stechapfel/Asthmakraut (Datura stramonium) und Schwarzem Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) vor.

Blassgelbe Blüte vom Schwarzen Bilsenkraut, botanischer Name Hyoscyamus niger
Bild: Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) in Blüte, eine Glocken-/Trichterblume

Tropanalkaloide wurden früher auch für „Hexensalben” verwendet, weil sie bereits über die Haut psychoaktive Wirkungen auslösen können.

Die chemische Zusammensetzung der Nachtschattengewächse war in früheren Zeiten noch unbekannt und ihre Wirkungen wurden oft mystischen Fähigkeiten von „Hexen” oder „Zauberern” zugeschrieben.

Die Giftpflanzen galten wegen ihrer Pflanzengifte deshalb als Hexenkraut (vgl. Bio-Drogen).

„Gibt es denn etwas von Gott Geschaffenes, das nicht mit einer großen Gabe begnadet wäre? Das nicht dem Menschen zum Nutzen angewendet werden könnte? Wer das Gift verachtet, der weiß nicht, was im Gift ist. Gibt es überhaupt etwas, das nicht giftig wäre? Alle Dinge sind Gift – und nichts ist ohne Giftigkeit. Allein die Dosis macht, dass etwas giftig wird.” (Paracelsus, Arzt, Alchemist und Naturphilosoph, ca. 1493–1541, in: dritte defensio, 1538)

Eine Vergiftung mit den Pflanzengiften Atropin, Hyoscyamin, Mandragorin und Scopolamin hat eine starke toxische Wirkung auf das zentrale Nervensystem und kann zu Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen bis hin zum Tod führen.

Der Wirkstoff Atropin aus der Schwarzen Tollkirsche wird in der Medizin zur Pupillenerweiterung im Rahmen der Augendiagnostik verwendet.

Zwei Meter hohe Staude der Schwarzen Tollkirsche, botanischer Name Atropa belladonna
Bild: Ausgewachsene Staude einer Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) im Herbst (Mitte Oktober) *

Eine ähnlich starke halluzinogene Wirkung wie die heimischen Nachtschattengewächse hat der Peyote (Lophophora williamsii), eine Kakteenart, die in Nordamerika und Mexiko beheimatet ist.

Der Peyote-Kaktus enthält als Pflanzengift das halluzinogene Alkaloid Mescalin/Meskalin, das in seiner toxischen Wirkung auch dem chemisch hergestellten LSD (Lysergsäurediethylamid) oder den Psilocybe-Pilzen (Magic Mushrooms) mit dem Inhaltsstoff Psilocybin ähnelt.

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Organische Säuren

Oxalsäure

In Pflanzen wie Rhabarber (Rheum rhabarbarum), Sauerampfer (Rumex acetosa) oder Waldsauerklee (Oxalis acetosella) kommt Oxalsäure vor. Sie bindet im Körper Calcium zu unlöslichen Calciumoxalaten, was die Calciumaufnahme hemmt und bei hoher Aufnahme zu Nierensteinen führen kann.

Hinweis für die Ernte im Gemüsebeet:

Der Gehalt an Oxalsäure steigt im Saisonverlauf deutlich an. Nach dem Johannistag am 24. Juni sollte Rhabarber daher nicht mehr als Stängelgemüse geerntet werden. Zudem enthalten die Blätter extrem hohe Konzentrationen und dürfen grundsätzlich nicht verzehrt werden.

Ameisensäure

Die Brennnessel (Urtica) nutzt Ameisensäure in ihren Brennhaaren als wirksamen Schutz gegen Fraßfeinde. Bei Berührung brechen die spröden Spitzen der Haare ab und injizieren die Säure in die Haut.

Hinweis zur Wirkung:

Ein Hautkontakt mit Brennnesseln führt sofort zu brennenden Schmerzen, Quaddelbildung und Juckreiz. Die Ameisensäure verliert diese Wirkung durch Erhitzen (Kochen) oder Trocknen, weshalb Brennnesseln als gesundes Blattgemüse oder Blättertee (nach entsprechender Vorbereitung) unbedenklich sind.

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[1] Bis Februar 2010 sind nach Auskunft der „Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn” noch keine Vergiftungen von Menschen mit Moospflanzen bekannt geworden. Moose gelten deshalb nicht als Giftpflanzen, sofern sie nicht aus Gegenden mit starker Schadstoffbelastung stammen, weil sie diese sehr gut aus ihrer Umgebung aufnehmen können.