Naturschutzgebiet Albeck (Sulz am Neckar)
 

Die folgenden Kapitel enthalten Attraktionen, Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten der Pflanzenwelt (Flora) im Naturschutzgebiet Albeck südwestlich der Stadt Sulz am Neckar für Pflanzen-Interessierte und Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner).

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Größe und Lage
  2. Vegetation
    1. Laubwald
    2. Enzian-Schillergras-Rasen
    3. Liguster-Schlehen-Gebüsch
    4. Solitär-Gehölze
    5. Stauden-Saumgesellschaften
  3. Wanderweg “Qualitätsweg Burgruine Albeck"

Größe und Lage

Das Naturschutzgebiet Albeck in Baden-Württemberg ist 11,7 ha gross und befindet sich im Naturraum Obere Gäue zwischen der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald im Südwesten der Stadt Sulz am Neckar.

Das steile Hang-Gebiet im Landkreis Rottweil mündet von Osten bis Süden in ein kleines Seitental des Neckars.

Für Spaziergänger und Wanderer ist das Naturschutzgebiet Albeck über den Hangweg von der Stadt Sulz aus zu erreichen, wo ein herrlicher Ausblick auf die Burg-Ruine Albeck und ins Neckartal geboten wird.

Aut die dortigen Attraktionen der Pflanzenwelt (Flora) wird in den nachfolgenden Kapiteln näher eingegangen.

Zu den Attraktionen der Fauna zählen gefährdete Schmetterlingsarten wie die Kappeneule (Calliergis) oder das Widderchen (Zygaena).

Diese Schmetterlinge sind in einem herkömmlichen Schmetterlingsgarten selbst mit einer Schmetterlingshecke nicht mehr oder sehr selten zu finden.

 

Widderchen mit schwarzen Flügeln mit roten Flecken auf einer Löwenzahn-Blüte
Bild: Widderchen (Zygaenidae), ein Nachtfalter, im Juli auf einer Blumen-Wiese

 

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Vegetation

Die Vegetation (Gesamtheit aller Pflanzenarten) im Naturschutzgebiet Albeck in der Nähe der Stadt Sulz am Neckar besteht neben einem kleinen Laubwald aus einem Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Koelerietum).

In diesem Halbtrockenrasen finden sich Solitär-Gehölze (Bäume, Sträucher) und ein Liguster-Schlehen-Gebüsch, die von Hoch-Stauden umsäumt werden (Saumgesellschaften).

Als Folge der Schafzucht war in früheren Zeiten die Vegetation im Neckartal typischerweise geprägt durch diese heute seltenen Halbtrockenrasen und Gebüsch-Gruppen.

Die Krautschicht im Naturschutzgebiet Albeck beherbergt vorwiegend seltene Pflanzenarten, die nicht einmal als sog. Unkräuter im heimischen Garten vorkommen.

Laubwald

Ein Teil des Hanges im Süden wird von einem Laubwald besiedelt, der aus folgenden Laubbäumen besteht:

 

  • Ahorn-Bäume (Acer)

  • Bergulmen (Ulmus glabra)

  • Eichen (Quercus)

  • Hainbuchen (Carpinus betulus)

 

Die Bäume in diesem Laubwald sind z.T. sehr alt und verfügen dementsprechend über sehr breite Baumkronen.

 

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Enzian-Schillergras-Rasen

Zu den Sehenswürdigkeiten der Flora im Naturschutzgebiet Albeck zählt der Halbtrockenrasen bzw. Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Koelerietum).

Zurückgehend auf eine alte Schafweide sind dort vermehrt Pflanzen zu finden, die gegen Verbißschäden durch weidende Schafe Stacheln entwickelt haben oder durch schnelles Wachstum sehr regenerationsfähig sind.

Die namensgebenden Pflanzen der Pflanzengesellschaft "Gentiano-Koelerietum" sind das Große Schillergras (Koeleria pyramidata) und der Deutsche Fransen-Enzian (Gentianella germanica).

In der Vegetation von einem Enzian-Schillergras-Rasen finden sich folgende Wildblumen und Wildkräuter:

 

  • Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora)

  • Nickende Distel (Carduus nutans)

  • Deutscher Fransenenzian (Gentianella germanica, Stieltellerblume)

  • Gefranster Enzian (Gentianopsis ciliata)

  • Echter Gamander (Teucrium chamaedrys)

  • Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)

  • Golddistel (Carlina vulgaris, Heilpflanze)

  • Kriechende Hauhechel (Ononis repens)

  • Wilde Karde (Dipsacus fullonum)

  • Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum, Sommerblume)

  • Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum, Scheibenblume)

  • Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaulon)

  • Wollkopf-Kratzdistel (Cirsium eriophorum)

  • Rosen-Malve (Malva alcea)

  • Feld-Mannstreu (Eryngium campestre)

  • Hügel-Meier (Asperula cynanchica)

  • Feinblättrige Miere (Minuartia hybrida)

  • Gewöhnlicher / Blauer Natternkopf (Echium vulgare, Rachenblume)

  • Silberdistel (Carlina acaulis)

  • Trübgrünes Sonnenröschen (Helianthemum ovatum)

  • Wiesensalbei (Salvia pratensis, Lippenblume)

  • Aufrechter Ziest (Stachys recta), auch Berg-/Heide-Ziest

  • Deutscher Ziest (Stachys germanica)

 

Die Enzian-Arten, die Golddistel und die Silberdistel sind Alpenblumen, die z.T. über 2.000 Höhenlage wachsen.

Zu den besonderen Attraktionen im Enzian-Schillergras-Rasen (Gentiano-Koelerietum) zählen die folgenden, einheimischen Orchideen (Orchidaceae):

 

  • Große / Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

  • Einknollige Honigorchis (Herminium monorchis), auch Kleine Einknolle

  • Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata)

  • Ohnhorn (Orchis anthropophora)

  • Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

  • Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

 

Bocks-Riemenzunge im Sommer auf einer Wiese
Bild: Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) im Sommer auf einem Trockenrasen

 

Der Halbtrockenrasen bzw. Enzian-Schillergras-Rasen im Naturschutzgebiet Albeck zählt zu den seltenen Orten in Deutschland, wo noch die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) wächst.

 

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Liguster-Schlehen-Gebüsch

Im Naturschutzgebiet Albeck gibt es ein Liguster-Schlehen-Gebüsch (Ligustro-Prunetum), in dem folgende Wildsträucher wachsen (in Klammern mit Angabe der Strauchart):

 

 

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Solitär-Gehölze

Im Naturschutzgebiet Albeck wachsen an freien Hanglagen neben Solitär-Sträucherartem des vorgenannten Liguster-Schlehen-Gebüsches (Ligustro-Prunetum) auch Solitär-Bäume.

Darunter befinden sich Laubbäume wie Buchen (Fagus), Eichen (Quercus) und Eschen (Fraxinus) oder Nadelbäume wie Heide-Wacholder (Juniperus communis) und Fichten (Picea).

Darüber hinaus finden sich als Relikte des dortigen früheren Obstbaus noch einige alten Obstbaum-Bestände (z.B. Birnbäume) und Nussbaum-Bestände (z.B. Walnußbäume).

 

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Stauden-Saumgesellschaften

Das vorgenannte Liguster-Schlehen-Gebüsch (Ligustro-Prunetum) wird im Naturschutzgebiet Albeck von Pflanzengesellschaften aus höher wachsenden Stauden umsäumt (Geranio-Peucedanetum und Trifolio-Agrimonietum).

In diesen Saumgesellschaften für eher trockene Standorte wachsen z.B. die folgenden Staudenpflanzen:

 

  • Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium)

  • Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum)

  • Mittleres Klee (Trifolium medium)

  • Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus, Giftpflanze)

  • Oregano (Origanum vulgare, Gewürzkraut)

  • Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria, Fallenblume)

  • Blutroter Storchschnabel (Geranium sanguineum, Frühlingsblume)

  • Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba), eine Kletterfplanze (Liane)

  • Gemeiner Wirbeldost (Clinopodium vulgare)

 

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Wanderweg "Qualitätsweg Burgruine Albeck"

Im Naturschutzgebiet Albeck befindet sich der Wanderweg "Qualitätsweg Burgruine Albeck", der eines der beliebtesten Ausflugsziele für Wanderer in der Region darstellt.

Der Wanderweg führt am Museum Römerkeller im Stadtteil Sulz-Kastell vorbei, in dem Nachbildungen von antiken Fundgegenständen gezeigt werden.

Diese stammen aus einem zwischen den Jahren 1967 bis 1972 freigelegten, römischen Keller, der auf ein Kastelldorf im 1./2. Jahrhundert n. Chr. zurückgeht.

Botanisches Ausflugsziel auf diesem Wanderweg ist eine imposante Koniferen-Gruppe von über 40 Meter hohen Mammutbäumen aus dem 19. Jhd., die von Liegebänken ("Waldsofas") aus betrachtet werden können.

Die Existenz der Riesenmammutbäume, die im Jahr 1852 in Nordamerika entdeckt wurde, geht zurück auf König Wilhelm I. (1781-1864) von Württemberg, der Samen dieser Koniferen importieren liess.

Der Zierpflanzenbau des Zoologisch-Botanischen Gartens Wilhelma in Stuttgart zog daraus erfolgreich Setzlinge.

Tausende dieser Baum-Riesen wurden durch Gärtner von König Wilhelm I. in den württembergischen Forstdirektionen ausgesät, von denen heute noch etwa 200 Exemplare (sog. Wilhelma-Saat) erhalten sind.

Namensgebend für den "Qualitätsweg Burgruine Albeck" ist die auf einem mit Bäumen bewachsenem Hügel vor Sulz gelegene mittelalterliche Hoch-Burg Albeck (550 Meter ü.d.M.), die noch nicht vollständig freigelegt wurde.

 

Historische Aufnahme von Sulz aus dem Jahr 1643 mit der mittelalterlichen Hoch-Burg Albeck
Bild: Historische Aufnahme von Sulz und der Burg-Albeck

 

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