Gartenideen: Der Steingarten
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition »

2. Geeignete Steingartenpflanzen »

3. Anleitung: Bau und Planung einer Trockenmauer »

4. Gabionen »

5. Geeignete Natursteine »

6. Tipps zum Anlegen von einem Kiesgarten »

7. Einfluß von Steinen auf Pflanzen »

8. Tipps zu Erde und Substrat »

9. Vorteile und Nachteile »

10. Miniatur-Formate »

11. Moderne Gestaltungsideen »

12. Chinesische/Japanische Formen »

13. Weitere Bilder und Detail-Fotos »

1. Definition

Was sind Steingärten ? Der Begriff "Steingarten" (englisch: rockery) bezeichnet in diesem Lexikon das Anlegen und Gestalten von Gärten und Vorgärten mit Steinen und geeigneten Steingartengewächsen.

Als Steine können Felssteine, Natursteine, Schotter- und Kieselsteine oder abgesenkte Findlinge, d.h. sehr grosse Steine aus der Gletscherzeit, verwendet werden.

Zu den typischen Ausprägungen dieser Gartengestaltung mit Steinen zählen z.B. das

 

  • Einrichten von einem Kiesgarten mit Kiesbeet und vereinzelten Ziergräsern, Zwergsträuchern und Kleinbäumen (alternativ oder ergänzend sind auch ein Bachlauf und grosse Steine denkbar),

  • Bauen und Bepflanzen einer Trockenmauer (freistehend oder am Hang als Stützung, Einfassung und Abtrennung von Beet, Hochbeet, Teich, Terrasse, Garten-Hang, erhöhtem Vorgarten),

  • Errichten von einem Alpinum (Alpengarten), bei dem eine Gebirgswelt im Kleinen mit hochalpinen Pflanzenarten, Felsen und Steinen aus dem Natursteinhandel oder Steinbruch dargestellt wird.

  

Foto von einem Steingarten am Hang als Abgrenzung von einem höher liegenden Spielplatz
Bild: Steingarten am Hang mit Trockenmauer als Spielplatz-Abgrenzung im Spätsommer *

 

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2. Geeignete Steingartenpflanzen

In einem Steingarten werden überwiegend anspruchslose Gartenpflanzen aus dem Gartenbau gepflanzt, die auf trockenem Boden mit wenig Wasser und Erde gedeihen können.

Außerdem kommen kultivierte Pflanzen aus dem Alpenraum in Betracht, die von Natur aus an rauhe Umweltbedingungen angepasst sind.

Zur Auswahl stehen robuste Steingartenblumen wie Alpenblumen, Steingartenstauden, Grasarten, Kleinbäume mit Nadeln und Kleinsträucher (z.B. immergrüne Rhododendren, japanischer Ahorn) oder Farne, die einen sonnigen und trockenen Standort bevorzugen.

Hinweis: Eine ausführliche Liste mit Beispielen und Ideen, um den Steingarten zu bepflanzen, gibt es auf der Unterseite → Winterharte Steingartenpflanzen.

 

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3. Anleitung zu Bau und Planung einer Trockenmauer

Ein Gestaltungselement in Steingärten ist neben lose verteilten Felsbrocken und größeren Steinen das Bauen einer Trockenmauer, die speziell im mediterranen Steingarten des Mittelmeer-Raumes häufig anzutreffen ist.

Was ist eine Trockenmauer ? Als einfache Definition ist damit eine Steinmauer aus Naturstein gemeint, die "trocken" gemauert wird, indem einzelne Steine ohne Mörtel und Beton zu einer Mauer mit offenen Fugen aufgerichtet werden.

Um Staunnässe zu vermeiden, wird die Trockenmauer auf einem 30 bis 50 cm tiefen Fundament aus verdichtetem Schotter und Sand errichtet, das als Drainage zum Ablaufen und Versickern von Regenwasser dient.

Bei Steingärten mit schwerem Boden (d.h. hohem Wasserhaltevermögen, hoher Bodenverdichtung und schlechter Durchlüftung) und beim Bau hoher Trockenmauern werden zusätzlich Drainagerohre zur Entwässerung verlegt.

Die sich ergebenden Fugen und Spalten zwischen den Felsen und Natursteinen werden größtenteils mit Kies sowie bei Bepflanzung mit einer Mischung aus Sand, Garten-Erde, Humus, Torf, Lehm und verschiedenen alpinen Pflanzen gefüllt.

 

Foto von einem Gartendesign mit Trockenmauer in Oberbayern im Spätsommer
Bild: Gartendesign mit Trockenmauer in Oberbayern im Spätsommer *

 

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4. Gabionen

Eine einfache und kostengünstige Variante der Trockenmauer ist eine sog. Gabione, ein Mauersteinkorb oder Steinkorb.

Bei Gabionen wird ein korbförmiges Drahtgitter mit Natursteinen gefüllt als Stützmauer, Beet-Einfassung, Sichtschutz oder zur Befestigung von Garten-Hängen.

 

Foto von einem bepflanzten Staudenbeet, das mit einer Gabione, einem Mauersteinkorb gefüllt mit Natursteinen, als Stützmauer eingefasst ist
Bild: Erhöhtes Staudenbeet mit Gabione als stützende Trockenmauer

Detail-Foto von Steinkorb-Gabionen mit Gitter-Struktur und groben Steinen
Bild: Steinkorb-Gabionen mit Gitter-Struktur und groben Steinen

 

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5. Geeignete Natursteine

Unter dem Gesichtspunkt der Frostbeständigkeit und einer regelmäßigen Brechung bzw. Stapelbarkeit der einzelnen Steine eignen sich zum Bauen einer Trockenmauer speziell Natursteine wie Granit, Muschel-Kalkstein (Muschelhartkalk, Muschelkalk), Quarzit oder Sandstein.

Generell empfiehlt es sich, die Trockenmauersteine aus einem Steinbruch in der Nähe zu beziehen.

Denn einerseits sind die Steine dort i.d.R. günstiger zu kaufen als im Ausland und andererseits passen sie optisch meistens besser ins regionale Landschaftsbild (als z.B. mediterrane Steine in Deutschland).

Beim Errichten einer Trockenmauer sollten auch keine Hartgesteine mit Weichgesteinen gemischt werden:

Wer zum Beispiel beim Bauen einer Trockenmauer harten Granitstein mit weichem Alpenkalkstein mischt, riskiert, dass die Trockenmauer in seinem Steingarten irgendwann zusammenbricht.

Denn Granit hält nahezu ewig, während z.B. Kalksteine des Alpengebietes (Alpenkalk) durch Frost schnell erodieren, zerbröseln und zerstört werden.

Die Statik der Trockenmauer würde also durch die Kombination von Hartgestein und Weichgestein mittelfristig gefährdet werden.

 

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6. Tipps zum Anlegen von einem Kiesgarten

Der Kiesgarten ist eine speziell pflegeleichte Sonderform des Steingartens, bei dem eine ausgewählte Fläche im Vorgarten oder Garten etwa einen halben Meter ausgehoben und mit einer dichten Schicht aus Steinen aufgefüllt wird.

Die dichte Steinschicht speichert wie bei der Trockenmauer die Sonnenwärme, so dass auch besonders wärmeliebende Pflanzen im Kiesbeet wachsen können.

Zum Schutz vor Unkraut kann man im Baumarkt oder Gartencenter ein wasser- und luftdurchlässiges Steingarten-Vlies (Unkrautvlies) kaufen, dass zusätzlich den Lichteinfall nach unten verhindert.

Diese spezielle Folie wird auf dem Steinbeet verlegt, an den Pflanzstellen ausgeschnitten und anschließend mit einer Schicht Zier-Kieselsteinen bedeckt.

Zu beachten ist, dass ein Steingarten-Vlies nur für einige Jahre das Wuchern von Unkraut begrenzt, auch wenn es eine hohe flächenbezogene Masse (Grammatur) aufweist.

 

Foto verschiedenfarbiger Steine von einem Kiesgarten in Grossaufnahme
Bild: Verschiedenfarbige Steine von einem Kiesgarten

 

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7. Zum Einfluß von Steinen auf Pflanzen

Nicht nur die physischen Eigenschaften der verwendeten Steine spielen eine Rolle beim Errichten einer Trockenmauer oder dem Anlegen eines Steingartens.

Bei der Anleitung zur Auswahl von Natursteinen darf auch nicht der Hinweis auf die Mineralien fehlen, welche diese in ihre Umgebung abgeben.

Denn Pflanzen haben unterschiedliche Kalk-Bedürfnisse. So gibt es speziell kalkliebende Pflanzen für den Steingarten wie zum Beispiel Bergenie, Glockenblume, Küchenschelle oder Nelke.

Ebenso gibt es kalkmeidende Pflanzen für den Steingarten wie Arnika, Steinsame oder die Behaarte Primel / Schlüsselblume (Primula hirsuta) bzw. Rote Felsen-Primel.

Es lohnt daher, sich vor dem Kauf über die Kalkansprüche der bevorzugten Pflanzen bzw. deren Ansprüche an basischen oder sauren Boden zu informieren und dann die passenden Steine für die Steinmauer zu wählen.

Kalkhaltige bzw. basisch reagierende Steine sind z.B. Dolomit, Kalktuff, Kalksandstein und Travertin. Neutral bis sauer reagieren dagegen Basalt, Diorit, Granit, Porphyr und Sandstein.

 

 

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8. Tipps zu Erde und Substrat

Eine generelle Anleitung für die Auswahl geeigneter Steingarten-Erde oder -Substrate gibt es nicht. Stets sind die individuellen Boden-Ansprüche der verwendeten Pflanzen zu berücksichtigen, die sich aus den Gegebenheiten an ihrem natürlichen Standort ableiten.

Als Zusammensetzung für ein Steingarten-Substrates eignen sich Erde (lehmig, nicht lehmig), gewaschener Flusssand bzw. scharfer Sand, Rinden-Kompost, Torf und Splitt aus Basalt, Kalkstein oder Granit, wie er auch zum Streuen im Winter verwendet wird.

Ob die Steingarten-Erde eher sauer, neutral oder basisch (kalkhaltig) zusammengestellt werden sollte und ob eine eher feuchte und lehmige oder trockene und durchlässige Grundlage geeigneter ist, hängt von den jeweiligen Steingartenpflanzen im Pflanzplan ab.

Allerdings kann dem Feuchtigkeitsbedarf von Steingartengewächsen nicht nur durch die verwendete Erde bzw. das Substrat, sondern auch durch ihren Standort Rechnung getragen werden.

Wird z.B. ein Steingarten an einem Teich gebaut, dann kommt den Pflanzen die feuchte Luft des Gartenteichs zugute.

 

Foto von einem Findling in einem Garten von kleinen Steinen umgeben und gelb blühenden Blumen
Bild: Findling umgeben von kleineren Steinen in einem Garten *

 

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9. Vorteile und Nachteile

Ein großer Vorteil von Steingärten ist, dass sie bis auf das Giessen in extremen Trockenzeiten oder zu Beginn der Bepflanzung relativ wenig Pflege benötigen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Steingarten keine bestimmten Grundstücksgröße benötigt und auf kleinstem Raum realisiert werden kann (vgl. auch Mini-Formate).

Das Errichten einer Trockenmauer oder das Anlegen von einem Kiesgarten bietet den Vorteil, dass die Steine bei südlicher oder süd-westlicher Lage die Tageswärme der Sonne speichern und sie in der Nacht wieder abgeben.

Auf diese Weise können auch wärmeliebende Alpenpflanzen in einem Steingarten wachsen.

Darüber hinaus bietet die Trockenmauer mit ihren vielen Höhlen und Ritzen einen ökologisch sehr wertvollen Lebensraum für Insekten und Kleintiere, die auf trockenen und warmen Untergrund angewiesen sind.

Das trifft z.B. auf Blindschleichen, Eidechsen, Erdhummeln, Käfer, Kröten, Spitzmäuse oder Wildbienen zu.

Als Nachteil eines Steingartens, speziell eines Kiesgartens, kann die im Vergleich zu einem Naturgarten deutlich geringere pflanzliche Artenvielfalt genannt werden.

Abhängig von der Größe, Exklusivität und Menge der verwendeten Felssteine und abhängig davon, ob die anfallenden Arbeiten von einem Gärtner oder selbst ausgeführt werden, können beim Anlegen von einem Steingarten außerdem hohe Kosten im gut fünfstelligen Bereich anfallen.

 

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10. Miniatur-Formate

Den Japanischen Garten "Kare-san-sui" (vgl. oben) kann man auch als Mini-Steingarten (Sandgarten) für den Schreibtisch in einem etwa 30 x 30 cm großen rechteckigen Holzrahmen mit Sand, Halbedelsteinen oder Steinen, Buddha-Figur und Mini-Rechen (Harke) kaufen.

Dieser Mini-Zengarten soll zu Hause oder im Büro beim Nachdenken, Meditieren, Entspannen und Abschalten vom Alltagsstress und Arbeitsstress helfen.

Nachdem ein Steingarten keine bestimmte Grundfläche benötigt, kann er auch im Miniformat auf engem Raum angelegt werden.

So ist ein kleiner Miniatur-Steingarten sogar auf dem Balkon oder als Terrassengestaltung in größeren Kästen und Gefäßen (sog. Mini-Steingarten) möglich.

 

Foto von einem Mini-Steingarten in einem quadratischen, unglasierten Tontopf in heller Terracotta-Farbe
Bild: Mini-Steingarten in einem unglasiertem Terracotta-Tontopf

 

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11. Moderne Gestaltungsideen

Wer seinen Steingarten modern gestalten möchte, der kann in Anlehnung an die spartanische Gestaltung von Japanischen Gärten (vgl. oben) ein Kies-Beet in seinem Garten oder Vorgarten anlegen und dieses mit wenigen grossen Steinen und hochwertiger Gartendekoration versehen.

Als Steingarten-Dekoration bieten sich dabei z.B. Steinskulpturen / Steinfiguren, exklusive Glasblumen, Glaskugeln, Gartenfiguren oder auch Stahlfiguren und Stahlskulpturen an.

Die Konzentration auf das Wesentliche und wenige Design-Objekte innerhalb der Kieselsteine-Fläche im Garten hebt dabei die einzelnen Deko-Elemente hervor.

 

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12. Chinesische/Japanische Formen

In asiatischen Gartenanlagen haben Steingärten eine lange Tradition wie z.B. im Zengarten Kare-san-sui, einer Sonderform vom japanischen Steingarten, in dem ausser Moosarten (und z.T. kleinen Bonsai) keine größeren Pflanzen zu finden sind.

Auch auf Erde, Holz oder Wasser-Elemente wie einen Gartenteich oder Bachlauf wird im Gegensatz zum Feng-Shui-Garten bei dieser Steingarten-Anlage verzichtet.

Im Zengarten als Sonderform des Kiesgartens kommen als Objekte nur Felsen oder große Steine zum Einsatz und als Bodenbelag heller Sand oder Kies.

Sand und Kieselsteine werden im Zengarten laufend von Unkraut freigehalten und in geometrischen Mustern gerecht oder geharkt, die Wasserlinien oder Wasserflächen darstellen sollen.

Dabei dient das Anlegen und das Betrachten der Boden-Muster im Zen-Buddhismus der Meditation und soll die Konzentrationsfähigkeit und innere Ruhe fördern.

 

Bild vom Japanischen Garten Jardin Japonais in Monaco
Bild: Japanischer Garten Jardin Japonais in Monaco im Kare-san-sui-Stil

 

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13. Weitere Bilder und Detail-Fotos

Nachfolgend weitere Bilder und Detail-Fotos von Steingärten:

 

Foto von einer bepflanzten Trockenmauer aus Natursteinen mit Braunem Streifenfarn
Bild: Natursteine-Mauer mit Braunstieligem/Braunem Streifenfahrn (Asplenium trichomanes) *

Foto von einem Quarz-Phyllit-Felsstein
Bild: Quarz-Phyllit-Felsstein (Blätterstein) als Steinobjekt in einem Garten *

* Foto © Oliver Fries

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→ Zur Pflanzenwelt (Flora) in Deutschland mit Ideen für Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner)