Inhaltsverzeichnis
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Definition
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Arten, Sorten, Beispiele
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Giftige kleine Bäume (Kleinbäume)
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Giftige mittelgroße Bäume
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Giftige große Bäume (Großbäume)
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Wie heißt der giftigste Baum der Welt? Was ist der Todesbaum?
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Was ist der giftigste Baum in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
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Umfang der Giftigkeit von Bäumen
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Giftnotrufzentralen
Definition
Was sind Giftbäume? Der Begriff „Giftbaum” (englisch: poisonous tree) stammt nicht aus der Botanik , sondern aus der Umgangssprache. Er bezeichnet in diesem Lexikon einheimische und exotische, giftige Bäume, deren Blätter, Früchte (Beeren), Rinde oder Samen Pflanzengiftstoffe enthalten.
Diese pflanzlichen Giftstoffe können bei Lebewesen (Menschen, Tiere) zu leichten oder schweren Vergiftungen und Krankheiten führen, wenn sie über den Mund (oral) oder über die Haut (dermal) aufgenommen werden.
Giftbäume zählen wie auch Giftblumen, Giftkräuter, Giftsträucher, Farne sowie wenige allergene Flechten und Süßgräser/Ziergräser zu den Giftpflanzen.
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Arten, Sorten, Beispiele
Welche Bäume sind giftig? Im Folgenden werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz einheimische Giftbäume mit den jeweiligen Giftstoffen vorgestellt und nach Baumgröße gegliedert.
Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen im Ernstfall keinen ärztlichen Rat oder den Kontakt zum Giftnotruf.
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Giftige kleine Bäume (Kleinbäume)
Die folgende Liste zeigt eine Übersicht giftiger, kleiner Bäume bzw. Bäumchen (Wuchshöhe zwischen 2 und maximal 10 Meter):
Buchsbaum (Buxus sempervirens)
Pflanzentyp: immergrüner Laubbaum, wächst eher als Strauch, geeignet für immergrüne Hecke
Wuchshöhe: bis 8 Meter (in subtropischen Gebieten auch über 15 Meter)
Blütezeit: März bis Mai
Blütenfarbe: gelblich-grün (unauffällig, frühe Nahrungsquelle für Bienen zum Frühlingsbeginn)
Giftige Bestandteile: alle Pflanzenteile, besonders Blätter, Früchte und Rinde
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): über 70 Alkaloide, speziell Blätter und Rinde enthalten Cyclobuxin D
Wirkung/Symptome: Bauchkrämpfe, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit; höhere Dosen: Krämpfe, Lähmungen
Medizinische Verwendung: früher wurden die Blätter (Buxi folium) genutzt
Bild: Buchsbaum-Blätter (Buxus sempervirens) Ende September in Oberbayern *
Faulbaum (Rhamnus frangula, Syn.: Frangula alnus)
Pflanzentyp: sommergrüner Laubbaum (wächst eher als Strauch)
Wuchshöhe: 4 bis 8 Meter, wächst seltener als Baum und meist als Strauch
Blütezeit: Ende April/Anfang Mai bis Juni (Bildung von Nachblüten bis August möglich)
Blütenfarbe: grünlich-weiß (unauffällig)
Giftige Bestandteile: Beeren, Blätter und frische Rinde; speziell die Beeren sind für kleine Kinder giftig
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Anthraglykoside (Anthranoide) wie Frangulin und Glucofrangulin
Wirkung/Symptome: Bauchschmerzen, Brechreiz, Übelkeit, Unwohlsein und eventuell blutiger Durchfall
Medizinische Verwendung: Abführmittel bei Verstopfung
Verwechslungsgefahr: Der Faulbaum kann mit dem Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) verwechselt werden (vgl. unten), die jedoch kleine Dornen an den Zweigenden aufweist
Hinweis zur Giftigkeit: Die Rinde ist frisch besonders reizend und giftig. Für die medizinische Nutzung als Abführmittel muss sie zwingend ein Jahr lang lagern oder speziell erhitzt werden, um die heftig wirkenden Inhaltsstoffe (Anthrone) in die verträglichere Form (Anthraquinone) umzuwandeln.
Bild: Faulbaum (Frangula alnus) mit Blättern und Früchten im Juli
Gewöhnllicher/Gemeiner Goldregen (Laburnum anagyroides)
Pflanzentyp: sommergrüner Kleinbaum oder Großstrauch, Hülsenfrüchtler
Wuchshöhe: 3 bis 7 Meter je nach Standort und Wuchsart als Baum oder Strauch
Blütezeit: April bis Juni (Schmetterlingsblüten)
Blütenfarbe: auffällige, bis zu 30 cm lange, hängende gelbe Blütentrauben
Giftige Bestandteile: Alle Pflanzenteile sind hochgiftig, besonders im August/September die Samen (höchste Konzentration); ebenfalls hochgiftig sind Blüten, Rinde und Blätter
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Chinolizidinalkaloide, primär das Alkaloid Cytisin (wirkt wie Nikotin)
Wirkung/Symptome: Brennen im Mund-Rachen-Raum, starkes Erbrechen (oft schon 15–60 Min. nach Verzehr), Schwindel, Muskelkrämpfe; bei hohen Dosen Atemlähmung und Kreislaufversagen
Verwechselungsgefahr: Da die Samen in Hülsen wachsen, die an Erbsen oder Bohnen erinnern, besteht eine hohe Verwechslungsgefahr für Kinder.
Hinweis zur Giftigkeit: Bereits 3 bis 4 reife Samen können für Kinder tödlich sein
Bild: Gewöhnlicher/Gemeiner Goldregen (Laburnum anagyroides) im April
Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica)
Pflanzentyp: sommergrüner, dorniger Strauch oder kleiner Baum
Wuchshöhe: 3 bis 6 Meter
Blütezeit: Mai bis Juni
Blütenfarbe: gelblich-grün (unscheinbar)
Giftige Bestandteile: vor allem die unreifen Beeren und die Rinde
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Anthrachinon-Derivate, Flavonoide, Saponine
Wirkung/Symptome: stark abführend (purgierend), heftiges Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden mit Krämpfen; der Saft kann Hautreizungen verursachen
Verwechslungsgefahr: Ähnelt dem Faulbaum, unterscheidet sich aber durch die Dornen an den Zweigspitzen und die leicht gesägten Blattränder (beim Faulbaum sind sie ganzrandig).
Bild: Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) im August
Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): auch Spindelbaum, Spindelstrauch
Pflanzentyp: sommergrüner Kleinbaum oder Strauch
Wuchshöhe: bis 6 Meter als Baum, bis 3 Meter als Strauch
Blütezeit: Mai bis Juni
Blütenfarbe: unscheinbare grünlich-weiße Blüten
Giftige Bestandteile: alle Pflanzenteile, besonders die Samen in den auffallenden rosa-orangen Früchten
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Herzglykosid Evonosid und Alkaloid Evonin
Wirkung/Symptome: Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall; verzögert (nach ca. 12 Stunden) können Leber- und Nierenschäden sowie Kreislaufstörungen auftreten
Medizinische Verwendung: heute kaum noch gebräuchlich; früher gegen Krätze und Ungeziefer
Bild: Blätter, Früchte und Samen vom Spindelbaum/Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
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Giftige mittelgroße Bäume
Die folgende Liste zeigt eine Übersicht giftiger, mittelgroßer Bäume (Wuchshöhe 10 bis 20 Meter):
Europäische Eibe (Taxus baccata)
Pflanzentyp: Immergrüner Nadelbaum oder Nadelstrauch (Konifere)
Wuchshöhe: 12 bis 15 Meter
Blütezeit: Februar/März, in sehr kalten Gebieten auch erst im April oder Mai
Giftige Bestandteile: Holz, Nadeln, Rinde und zerbissene Samen
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): alle Pflanzenteilte enthalten sehr giftige Alkaloide wie Taxin
Medizinische Verwendung: Eibennadeln (Taxus baccatae folium), zählt zu den Arzneipflanzen
Bild: Europäische Eibe (Taxus baccata) im September
Japanische Eibe (Taxus cuspidata)
Vgl. zuvor die sehr giftige Wirkung von Europäischer Eibe.
Europäische/Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium)
Pflanzentyp: immergrüner Baum oder Strauch
Wuchshöhe: 10 bis 20 Meter als Baum, bis 5 Meter als Strauch
Blütezeit: Mai bis Anfang Juni
Giftige Bestandteile: Beeren und Blätter
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Alkaloid Theobromin, Glykoside, giftige Farbstoffe, Triterpene (Früchte), Saponine (Blätter)
Bild: Europäische/Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium) Ende August *
Lebensbaum (Thuja occidentalis)
Pflanzentyp: immergrüner Nadelbaum
Wuchshöhe: 15 bis 20 Meter
Blütezeit: zwischen April und Mai (unauffällig)
Giftige Bestandteile: vor allem in den Zapfen und Zweigspitzen
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Monoterpen Thujon
Bild: Lebensbäume (Thuja occidentalis) als Gartenhecke im Herbst *
Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)
Pflanzentyp: Immergrüner Nadelbaum oder Nadelstrauch/Großstrauch
Wuchshöhe: 5 bis 8 Meter
Blütezeit: April bis Mai
Giftige Bestandteile: Beeren (schwach giftig)
Wirkung/Symptome: bei Verzehr größerer Mengen Nierenschädigung möglich
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe):
Bild: Gemeiner Wacholder (Juniperus communis) im Juni, mit beerenförmigen Zapfen (Wacholderbeeren), unreif und als Wirtel oder Quirl angeordnet *
Hinweis zur Übersicht:
Eibe, Lebensbaum/Thuja und Wacholder können auch als hohe, immergrüne Sichtschutz-Sträucher im Garten kultiviert werden.
Die oben genannten kleinen und mittelgroßen giftigen Bäume eignen sich auch als immergrüne Heckenpflanzen im Garten. Vor dem Pflanzen sollten deshalb mögliche Gefahren für Kleinkinder und Tiere nicht außer Acht gelassen werden.
Darüber hinaus gibt es noch schwach giftige Bäume, die in der folgenden Übersicht nicht enthalten sind.
Dazu zählen Eberesche/Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Mahonie (Mahonia aquifolium) und Zwergmispel (Cotoneaster), die nach dem Verzehr größerer Mengen giftiger Pflanzenteile Vergiftungserscheinungen bewirken.
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Giftige große Bäume (Großbäume)
Folgende Liste zeigt eine Übersicht giftiger, großer Bäume für den Garten (Wuchshöhe über 20 Meter):
Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Scheinakazie
Pflanzentyp: sommergrüner Laubbaum
Wuchshöhe: 20 bis 30 Meter
Blütezeit: zwischen Mai und Juni
Giftige Bestandteile: Borke (höhere Konzentration) und Samen
Inhaltsstoffe (Pflanzengiftstoffe): Lektine (Phasin, Robin) und verschiedene Glycoside
Besonderheit: nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde, Katzen, Nagetiere, Pferde, Vögel (Wellensittiche) und andere Haustiere ein giftiger Großbaum
Bild: Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) Ende April
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Wie heißt der giftigste Baum der Welt? Was ist der Todesbaum?
Als der giftigste Baum der Welt gilt der Manchinelbaum/Manzanillobaum (Hippomane mancinella) aus der Pflanzenfamilie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae).
Der Giftbaum enthält in allen Pflanzenteilen starke Gifte und kommt in Nordamerika, im nördlichen Südamerika, auf den Bahamas, in der Karibik, in Westafrika und auf den Galápagosinseln vor.
Dass der Manchinelbaum/Manzanillobaum der giftigste Baum der Welt ist, zeigt sein heruntertropfendes Regenwasser: Es ist ätzend und führt zu schweren Hautentzündungen und Kontakt-Ekzemen.
Außerdem kann der Verzehr der giftigen Blätter oder Früchte für Menschen und Tiere tödlich sein und auch der Rauch seines verbrannten Holzes sollte unbedingt gemieden werden. Nicht von ungefähr gilt der Manchinelbaum als giftiger Todesbaum.
Bild: Manchinelbaum/Manzanillobaum (Hippomane mancinella) in Florida im Januar
Welcher Baum ist noch der giftigste der Welt? Der Zerberusbaum (Cerbera odollam) wächst an den Küsten von Madagaskar, Indien und im Westpazifik. Auch er ist einer der giftigsten Bäume der Welt.
Für Mord und Selbstmord soll der Zerberusbaum weitaus öfter genutzt werden als jede andere Pflanze auf der Welt, weshalb er auch Selbstmordbaum gennant wird.
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Was ist der giftigste Baum in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Unter den einheimischen Baumarten ist die Europäische Eibe (Taxus baccata) der giftigste Baum in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Denn alle Teile des immergrünen Nadelbaumes enthalten sehr giftige Alkaloide wie Taxin, egal ob im Holz, in den Nadeln, in der Rinde oder in zerbissenen Samen. Das Gleiche gilt für die Japanische Eibe (Taxus cuspidata), die als exotische Zierpflanze im Garten Verwendung findet.
Eine weitere exotische Zierpflanze ist der Wunderbaum (Ricinus communis), der ebenfalls sehr giftig ist. Jedoch handelt es sich bei ihm nicht um einen verholzenden Baum, sondern um eine krautige Pflanze.
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Umfang der Giftigkeit von Bäumen
Die Frage, welcher Baum giftig ist, hängt stets vom Alter (Erwachsene oder Kinder), vom individuellen Körpergewicht und Gesundheitszustand sowie vom Lebewesen ab (Mensch oder Tier).1
Von großer Bedeutung für die Zuordnung von Bäumen zu den Giftbäumen ist außerdem die Dosis und/oder absolute Menge der aufgenommenen giftigen Pflanzenteile.
Nicht zu vergessen, dass in der Medizin bestimmte Inhaltsstoffe von giftigen Pflanzen in geringer Dosierung auch zur Behandlung von Krankheiten oder für Operationen und zur Betäubung verwendet werden.
Aus diesem Grund verläuft die Grenze zwischen giftigen Pflanzen und Heilpflanzen/Arzneipflanzen meistens fließend. Ebenso spielt es eine Rolle für den Grad einer Vergiftung, ob die giftigen Bestandteile der Bäume über den Mund (oral) oder über die Haut (dermal, percutan) aufgenommen werden.
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Giftnotrufzentralen
Bei Unklarheiten über giftige Bäume für Menschen und deren Bestimmung bietet eine Giftnotrufzentrale fundierte telefonische Beratung über giftige Pflanzen und Toxikologie. Nachfolgend werden die wichtigsten Giftnotrufzentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet.
Bundesrepublik Deutschland
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bietet weiterführende Informationen über einheimische, giftige Baumarten in der Broschüre „Giftpflanzen – Beschauen, nicht kauen”.
Österreich
Schweiz
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Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (Tox Info Suisse) in Zürich steht für Fragen über giftige Bäume und Giftstoffe in der gesamten Schweiz zur Verfügung (https://www.toxinfo.ch).
Hinweis zur Übersicht:
Um giftige Bäume für Tiere einschätzen zu können, ist fundiertes Wissen in Veterinärmedizin (Tiermedizin, Tierheilkunde) unverzichtbar.
Für Informationen und Fragen rund um Giftstoffe und giftige Bäume beispielsweise für Hunde, Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen, Papageien, Pferde, Wellensittiche oder Ziegen empfehlen sich daher spezialisierte Notdienste für Tiermedizin.
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