Fallenblumen: Kesselfallenblumen und Klemmfallenblumen
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition »

2. Kesselfallenblumen »

3. Klemmfallenblumen »

1. Definition

Was sind Fallenblumen ? Bei diesem Blumentyp in der Botanik halten sich Insekten meist unfreiwillig in den Blütenständen der Pflanze auf und werden von der Blume zum Zwecke der Bestäubung eingeschlossen oder eingeklemmt.

Die Insekten werden also von der Fallenblume regelrecht "in die Falle gelockt" und kommen erst nach der Bestäubung wieder frei.

Abhängig vom Fangmechanismus werden Kesselfallenblumen und Klemmfallenblumen unterschieden.

Andere Ausdrücke für die Fallenblume sind Gleitfallenblumen oder Insektenfallenblumen. Sie wachsen überwiegend in freier Natur und selten im heimischen Garten.

 

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2. Kesselfallenblumen

Bei einer Kesselfallenblume wird das bestäubende Insekt (z.B. kleine Fliegen, Mücke) mit Duftstoffen und der Wärme im Inneren der Blüte angelockt, rutscht durch eine glatte Blütenröhre in einen "Kessel" im Blüteninneren, wo sich der Blüten-Stempel befindet.

Nach unten stehende Haare (Reusenhaare) versperren den Rückweg, so daß die Insekten bis zur vollständigen Bestäubung kurzfristig in der Blüte (einem "Kessel") eingeschlossen sind.

Nur wenn die Insekten Pollen mitgebracht haben, bestäuben sie den weiblichen Stempel. Dann reifen die Staubblätter und die Pollensäcke der männlichen Blüte öffnen sich, um die Insekten mit Blütenpollen zu überschütten.

Danach verwelken bzw. erschlaffen die Reusenhaare, so daß die mit Pollen beladenen Insekten wieder aus der Blüte nach draußen kriechen können, wo sie eine neue Kesselfallenblume aufsuchen und deren Blüte bestäuben.

Diese Bestäubungsmethode verhindert Selbstbefruchtung der Kesselfallen-Pflanzen, weil der männliche Blütenpollen erst ausgeschüttet wird, wenn die Befruchtung der weiblichen Blütenorgane stattgefunden hat.

Typische heimische Kesselfallenblumen sind die zu den Giftpflanzen zählenden Arum-Arten wie der Italienische Aronstab (Arum italicum) und der frühlingsblühende Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) oder der Europäische / Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus), eine Orchideen-Art.

Weitere Kesselfallenblumen finden sich in der Pflanzen-Gattung der Pfeifenblumen (Aristolochia), von der z.B. die Gewöhnliche Osterluzei (Aristolochia clematitis) in wärmeren Gebieten Mitteleuropas wächst.

 

Lila-gelbe Kessel-Blüte einer Immergrünen Osterluzei
Bild: Immergrüne Osterluzei (Aristolochia sempervirens) in einem Schmetterlingszoo

Gelbe Kessel-Blüte von einem Europäischen oder Gelben Frauenschuh, der auch Marienfrauenschuh genannt wird
Bild: Europäischer / Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus), auch Marienfrauenschuh, im Juni im Vercors-Gebirge (Frankreich)

Blüte von einem Gefleckten Aronstab mit einzelnem hellgrünen Hochblatt und braunem Kolben
Bild: Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) im Juni bei Neuchâtel (Kanton Jura, Schweiz) mit einzelnem Hochblatt (Spatha) und Kolben (Spadix), ein Giftkraut mit dem Pflanzengiftstoff Aroin

 

Das Prinzip der Kesselfalle wird auch von fleischfressenden Pflanzen angewendet, die Insekten jedoch nicht zur Bestäubung anlocken, sondern um sich von ihnen zu ernähren.

 

 

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3. Klemmfallenblumen

Bei einer Klemmfallenblume werden blütenbesuchende Insekten vorrübergehend in einem Klemmkörper mit ihren dünnen Körperteilen wie dem Rüssel oder den Beinen eingeklemmt.

Der Pollen (Blütenstaub) wird bei Klemmfallenblumen nicht körnig, sondern wird als klebrige Pollen-Pakete (Pollinien) ausgebildet, die an den Klemmkörpern befestigt sind.

Wenn sich die Insekten losreissen, ziehen sie mit ihren Beinen oder ihrem Rüssel den Klemmkörper heraus, an dem sich der klebrige Blüten-Pollen befindet, den sie dann auf die Blüten anderer Blumen bei deren Besuch verteilen.

Eine typische heimische Klemmfallenblume ist die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), die mit ihrem fischartigen Geruch vor allem Fliegen anlockt.

Der Klemm-Mechanismus dieser Pflanze allerdings recht stark, so dass sich schwächere, kleinere Mücken nicht mehr aus der Klemmfalles befreien können und dort untergehen.

 

Gelblich-weiße Blüten einer Schwalbenwurz
Bild: Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) Anfang Juni

 

Weitere Klemmfallenblumen finden sich bei den Stapelien (Stapelia), einer in Südafrika beheimateten saftreichen Pflanzen-Art (Sukkulenten), und bei den in Nord- und Süd-Amerika beheimateten Seidenblumen (Asclepias).

 

Straussförmig angeordnete hellgrüne Blüten einer Kleinen Grünen Seidenpflanze mit gut erkennbarem Klemm-Mechanismus
Foto: Kleine Grüne Seidenpflanze (Asclepias viridiflora)

Straußförmig angeordnete, gelbe Blüten einer Asclepias curassavica auf heruntergeklappten äußeren, leuchtend-roten Blütenblättern
Foto: Indianer-Seidenpflanze/Curaçao-Seidenpflanze (Asclepias curassavica)

Purpur-weiße straussförmig angeordnete Blüten einer Gewöhnlichen Seidenpflanze Asclepias syriaca mit einer Biene
Foto: Gewöhnliche Seidenpflanze (Asclepias syriaca) mit Biene Ende Juni *

Hell-violette Blüten einer Glatten Stapelie
Foto: Glatte Stapelie (Stapelia glabricaulis) im Gewächshaus von einem Botanischen Garten

* Foto © Oliver Fries

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