Flechten
 

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition, Merkmale und Eigenschaften
  2. Wo wachsen Flechten ?
  3. Sind Flechten Pflanzen ?
  4. Vorteile eine Symbiose
  5. Nachteile gegenüber Blütenpflanzen
  6. Unterteilung
  7. Arten und Beispiele
  8. Vorkommen als Bodenpionier
  9. Verwendung in Medizin und Naturheilkunde
  10. Bedeutung als Farbstoff und Duftstoff
  11. Funktion als Bioindikator und Zeigerpflanzen
  12. Nutzung als Lebensmittel und Futtermittel
  13. Sind Flechten giftig für Menschen oder Tiere ?

Definition, Merkmale und Eigenschaften

Was ist eine Flechte ? Die Flechten (botanisch: Lichenes) sind in diesem Lexikon Systeme aus Pilzen und Algen oder Cyanobakterien (früher: Blaualgen), die in einer Lebensgemeinschaft leben.

Der Grund für diese Lebensgemeinschaft sind ungünstige Umweltbedingungen, in denen sich keiner alleine ernähren könnte (sog. Hunger-Symbiose).

Bei den Pilzen handelt es sich dabei überwiegend um Schlauchpilze, die sich bei etwa 1/6 aller Flechten eine Cyanobakterie und ansonsten eine Grünalge als Partner suchen.(→ weitere Bedeutung ¹)

Flechten (englisch: lichens) werden nach dem Pilz der Symbiose benannt, der den Hauptanteil und das Äußere der Flechte bildet und das Wachstum und die Zellteilungsrate der Alge regelt.

Wie Farnarten und Moosarten sind auch Flechten blütenlose Sporenpflanzen, deren Fortpflanzung und Vermehrung sich durch Sporen und einen Generationswechsel vollzieht.

Flechten zählen zu den langlebigsten Lebewesen auf der Erde und können mehrere hundert Jahre alt werden (im Einzelfall sogar mehrere tausend Jahre).

Allerdings wachsen sie sehr langsam und können sich nur schwer gegen das Überwuchern durch Pflanzen (z.B. Moose) wehren, die sie dann an der Photosynthese hindern.

 

Gelbflechte und Eichenmoos am Ast einer Schlehe
Bild: Gelbflechte (Xanthoria-parietina) und Eichenmoos (Evernia prunastri) an einer Schlehe (Prunus spinosa)

 

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Wo wachsen Flechten ?

Die Flechte wächst im Garten auf Felsen und Steinen, am Boden, auf Blättern oder auf Baumrinde, wobei Flechten an Bäumen diesen keinen Schaden zufügen:

Denn Flechten sind niemals Parasiten, sondern nutzen den Baum nur als haltenden Untergrund und schützen ihn vor Pilzen und Bakterien.

Deshalb sollten Flechten auch nicht von Pflanzen entfernt werden. Eine Ausnahme ist die Stammpflege älterer Obstbäume:

Dabei wird lockere Borke mit Moos und Flechte entfernt, weil sie Schädlingen wie dem Apfelblattsauger, Apfelwickler oder Frostspanner einen Unterschlupf zum Überwintern bieten.

Das häufigste Vorkommen haben Flechten an Baum-Arten mit basenreichen Rinden wie den Laubbäumen.

Dazu zählen z.B. Ahorn (Feldahorn, Spitzahorn), Esche, Hainbuche, Nussbaum (Walnußbaum), Pappel, Ulme, Weide und Obstbäume wie der Apfelbaum.

Doch auch auf der sauren Rinde von Bäumen wie Bergahorn, Birken (Hängebirke), Buchen (Rotbuche), Erlen (Schwarzerle) oder Nadelbäumen wie Fichten, Kiefer (Zirbelkiefer), Lärchen und Tannen sind Flechten zu finden.

 

 

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Sind Flechten Pflanzen ?

Eine Flechte ist keine Pflanze im eigentlichen Sinn, sondern ein Doppelorganismus aus

 

a) einer Nicht-Pflanze (Pilz) und einer Nicht-Pflanze (Cyanobakterie) oder

b) einer Nicht-Pflanze (Pilz) und einer Pflanze (Alge), der kleinsten Pflanze auf der Erde.

 

Bei letzterem könnte man daher von einer Mischpflanze sprechen.

 

Blasenflechte auf dem Ast eines Baumes
Bild: Blasenflechte (Hypogymnia physodes) auf dem Ast eines Baumes

 

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Vorteile der Symbiose

Von einer Lebensgemeinschaft profitieren sowohl die Pilze (die sog. Mykobionten) als auch die Algen und Cyanobakterien (die sog. Photobionten/Phytobionten):

Pilze nehmen zwar Wasser und Mineralstoffe aus dem Boden und ihrer Umgebung auf, sie können allerdings mangels Chlorophyll keine Photosynthese bewerkstelligen.

Sie können somit aus anorganischen Stoffen (Licht, Luft, Wasser) keine organische Stoffe aufbauen.

Im Unterschied dazu sind Algen und Cyanobakterien zur Fotosynthese fähig.

Sie können allerdings mangels Wurzeln kaum Wasser und Mineralstoffe aus der Umgebung aufnehmen und sind deshalb von schneller Austrocknung bedroht.

In der Symbiose liefert somit der Pilz der Alge (bzw. der Cyanobakterie) Wasser, einen sicheren Halt auf seiner Oberfläche sowie Schutz vor schneller Austrocknung, Hitze und intensivem Licht.

Umgekehrt versorgt die Alge (bzw. die Cyanobakterie) den Pilz mit organischen Stoffen (Zucker, Stärke) aus ihrer Fotosynthese.

Somit ist beiden gedient, wenngleich Algen und Cyanobakterien mehr in die Lebensgemeinschaft einbringen, da sie alleine für die Ernährung zuständig sind.

Die entstehende Flechte hat keine Wurzeln und bezieht ihre Nährstoffe vom jeweiligen Photobionten (der Alge bzw. der Cyanobakterie) aus dessen Photosynthese und ihr Wasser aus der Umgebungsluft (z.B. Regen, Tau, allgemeine Luftfeuchtigkeit).

Die Symbiose innerhalb der Flechte wird wieder aufgelöst, wenn sich die Umweltbedingungen für den einen der beiden Partner verbessern.

Findet z.B. der Pilz plötzlich Umweltbedingungen vor, die für ihn vorteilhafter sind, als in der bisherigen Symbiose, dann verlässt er die Zweckgemeinschaft und der andere Partner (Alge oder Bakterie) geht unter.

 

Caperatflechte
Bild: Caperatflechte (Flavoparmelia caperata)

 

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Nachteile gegenüber Blütenpflanzen

Flechten wachsen nur sehr langsam und sind dadurch nicht so durchsetzungsstark gegenüber schneller wachsenden konkurrierenden Pflanzen.

Außerdem hat die Flechte keine Wurzeln und muß Nährstoffe und Wasser komplett und ungefiltert aus der Luft aufnehmen. Sie ist dadurch deutlich empfindlicher gegenüber Schadstoffen aus der Luft.

Nicht zuletzt deshalb, weil ihr auch ein Ausscheidungssystem fehlt, um giftige Schadstoffe wieder auszuleiten.

Eine Regeneration ist den Flechten dadurch nicht möglich und selbst schwach konzentrierte Schadstoffe sammeln sich so lange an, bis die Flechte untergeht.

Hinzu kommt, dass Flechten im Winter ebenfalls wesentlich mehr durch Schadstoffe geschädigt werden als Blütenpflanzen. Sogar noch mehr als im Sommer.

Denn während Blütenpflanzen im Winter ihre Photosynthese mehr oder weniger einstellen, gilt das nicht für die meisten Flechtenarten.

Im Winter treten jedoch gehäuft sog. Inversionswetterlagen auf, bei denen die Luft mehr oder weniger "steht".

Dabei vermischen sich die oberen wärmeren Luftschichten kaum mehr mit den kälteren unteren Luftschichten, weil diese eine höhere Dichte besitzen.

In der Folge kommt es zu einer Ansammlung von Luftschadstoffen in den unteren Luftschichten begünstigt auch durch Heizemissionen von Gebäuden.

 

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Unterteilung

Die Flechte wird weltweit in ca. 25.000 Flechtenarten unterteilt, wobei etwa 2.000 Arten davon in Europa vorkommen.

Die verschiedenen Flechtenarten können nach ihrer Wuchsform in drei Gruppen unterteilt werden in:

 

  • Blattflechten bzw. Laubflechten: flächige Gestalt und lockere Auflage auf dem Untergrund

  • Krustenflechten: dicht mit dem Untergrund verwachsen

  • Strauchflechten: strauchartige Gestalt mit Ast-Verzweigungen

 

Rentierflechte Cladonia rangiferina
Bild: Rentierflechte (Cladonia rangiferina)

 

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Arten, Sorten, Beispiele

Die nachfolgende Liste enthält eine Auswahl und Übersicht wichtiger Flechten-Arten in Deutschland:

 

  • Bartflechte (Usnea barbata): wächst an den Ästen und am Stamm von Lärchen- und Fichtenbäumen

  • Gewöhnlicher Baumbart (Usnea filipendula): gilt in Deutschland als stark gefährdet

  • Baummoos (Pseudevernia furfuracea): auch Kleienflechte, Strauchflechte

  • Echte Becherflechte (Cladonia pyxidata): häufigste Flechte der Gattung Cladonia

  • Blasenflechte (Hypogymnia physodes): häufige Laubflechte in Deutschland und Österreich

  • Caperatflechte (Flavoparmelia caperata): dank Kraftwerk-Entschwefelung wieder in Deutschland

  • Eichenmoos (Evernia prunastri): häufige Strauchflechte auf sauren Laub- und Nadelbäumen

  • Gewöhnliche Gelbflechte (Xanthoria parietina): eine der wenigen Flechten, die sich aktuell ausbreiten

  • Rosa Köpfchenflechte (Dibaeis baeomyces): wächst am Boden

  • Landkartenflechte (Rhizocarpon geographicum): wächst auf nackten Felsen und Gestein

  • Echte Lungenflechte (Lobaria pulmonaria): wegen Luftverschmutzung nur noch ab 900 Höhenmetern

  • Isländisches Moos (Cetraria islandica): auch Lichen Islandicus, Fiebermoos

  • Echte Rentierflechte (Cladonia rangiferina): essbar, wird oft als Dekoration im Modellbau verwendet

  • Wolfsflechte (Letharia vulpina): giftig, wächst auf Nadelbäumen, Dächern, Scheunenbrettern, Zäunen

 

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Vorkommen als Bodenpionier

Im Zusammenschluss als Flechte können Algen und Pilze an extremen Standorten vorkommen, in denen der Pilz oder die Alge alleine nicht existieren könnten. Die Symbiose öffnet also beiden neue Lebensräume.

Aus diesem Grund sind Flechten seit Urzeiten auch Pioniere bei der Besiedlung neuer extremer Lebensräume wie z.B. felsigem Untergrund, der nach einem Vulkanausbruch oder dem Schmelzen von Gletschern entsteht.

Auf extremem Untergrund wie einem Felsen würden dem Pilz alleine dabei organische Nährstoffe fehlen und für die Alge wäre die Gefahr der Austrocknung zu groß.

Auch in extremer Höhe oder Kälte und Hitze sind viele Flechten lebensfähig. Es gibt sogar Flechtenarten, die über mehrere Jahre hinweg extreme Trockenheit (z.B. bei Kälte) überdauern können, indem sie in eine Art Trockenstarre fallen.

Sobald wieder Feuchtigkeit in der Umwelt verfügbar ist, erwacht die Flechte wie Dornröschen wieder zum Leben.

Außerdem kann die Flechte auch Stoffe herstellen wie z.B. Flechtensäure, die weder Alge noch Pilz alleine herstellen könnten.

Mit Hilfe dieser Flechtensäure können Flechten u.a. Gesteine in Feinsubstanz zersetzen und dadurch zur Bodenbildung auf Pionierböden beitragen.

Der durch die Kombination dieser Feinsubstanzen mit Humus entstehende Boden kann dann Wasser speichern, das für die Ansiedlung von Pflanzen wichtig ist.

 

Bartflechte an einer Erica galloides
Bild: Bartflechte (Usnea barbata) an Erica galioides

 

Ihre Eigenschaften als Bodenpionier teilen sich Flechten mit Moosen, die als Pionierpflanzen auch bei wenig Licht Photosynthese betreiben können.

Ferner mit der Kiefer, einem tiefwurzelnden Pionierbaum und Nadelbaum, der besonders sturmresistent ist.

Weitere Bodenpioniere wie die Flechten sind Birke und Sal-Weide, die speziell auf trockenen, nährstoffarmen Brach-Flächen und lehmigen Böden vorkommen und sich dort als Pionierbäume durchsetzen können.

 

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Verwendung in Medizin und Naturheilkunde

Flechten finden vielseitige Verwendung in der Medizin als Arzneipflanzen und in der Naturheilkunde als Heilpflanzen.

Bekannte Beispiele sind das Isländische Moos (Lichen Islandicus), ein tibetisches Heilkraut und Teekraut, oder die Bartflechte (Usnea barbata).

Beide werden in der Pflanzenheilkunde bei Erkältungen speziell im Hals- und Rachen-Bereich zur Reizlinderung in Form von Hustenpastillen, Hustentropfen und Blättertees verwendet oder bei chronischen Atemwegserkrankungen.

Einige Bartflechten wie der Baumbart enthalten außerdem Usninsäure, die als natürliches Antibiotika gilt.

Die Echte Lungenflechte (auch Lungenmoos) wurde im Mittelalter bei Lungenkrankheiten verschrieben.

Diese Flechte findet noch heute in der Homöopathie als Sticta pulmonaria bei Erkältung, Husten, Heuschnupfen und Schnupfen Verwendung.

 

 

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Bedeutung als Farbstoff und Duftstoff

Baummoose und Eichenmoose, die besonders auf Eichen wachsen, sind wegen ihres würzig-erdigen Geruches als Duftstoff von Bedeutung.

Man findet sie z.B. unter der Bezeichnung „mousse des arbresm“ in Parfüms und in Kosmetik-Produkten.

Aus verschiedenen Roccella-Flechtenarten, von denen die meisten nicht in Deutschland vorkommen, wird der blauviolette Farbstoff Lackmus gewonnen (z.B. zum Färben von Wolle).

Weil Flechten-Farbstoffe jedoch nicht lichtecht sind, ist ihre Bedeutung zurückgegangen und sie haben heute nur noch selten eine Funktion zum Färben von Materialien.

 

Baummoos auf einem Fichten-Ast
Bild: Baummoos (Pseudevernia furfurace) auf einem Fichtenast

 

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Funktion als Bioindikator und Zeigerpflanzen

Flechten sind auf eine hohe Luftqualität angewiesen und reagieren sehr sensibel auf Schadstoffe, weil sie Nährstoffe und Schadstoffe ungefiltert aus der Luft aufnehmen.

Dadurch können Flechten sehr gut die Funktion von Bioindikatoren wahrnehmen, um Umweltverschmutzung (speziell Schwefeldioxid) und Schwermetalle am jeweiligen Standort anzuzeigen.

Dementsprechend finden Flechten als "sensible Messgeräte" bei Umwelt-Untersuchungen Verwendung, in dem sie durch Veränderungen ihrer Lebensfunktionen bestimmte äußere Einflüsse anzeigen .

Nicht umsonst findet man in der Innenstadt kaum Flechten und das Fehlen von Flechten kann auf den Grad von Luftverschmutzung in einem Gebiet hinweisen.

Auch Atemwegserkrankungen bei Menschen treten gehäuft in Gebieten auf, in denen keine Flechten wachsen. Sie zeigen also auch den Gesundheitswert der Luft für den Menschen an.

Ihre Funktion als Bioindikatoren teilen sich die Flechten mit den Moosen und auch vielen Unkraut-Arten, die durch ihr Vorkommen den Zustand eines Bodens anzeigen können wie z.B. Feuchtigkeit, Säuregehalt oder Stickstoffgehalt.

Wegen Düngung, Immissionen, Luftverschmutzung, Zerstörung der Boden-Substrate und Verringerung der Luftfeuchtigkeit durch Gewässer-Regulierung sind gut die Hälfte von knapp 1.700 untersuchten Flechten in Deutschland gefährdet.

Sie stehen auf der Roten Liste für gefährdete Pflanzen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn (Nordrhein-Westfalen).

 

Isländisches Moos
Bild: Isländisches Moos (Lichen Islandicus)

 

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Nutzung als Lebensmittel und Futtermittel

Das in Europa verbreitete Isländische Moos (Lichen Islandicus) und die Mannaflechte (Lecanora esculenta), die in Nordafrika, im Nahen Osten und Kleinasien beheimatet ist, sind essbare Flechten.

Sie nutzten den Menschen in früheren Zeiten nach Katastrophen oder in Notzeiten auch als Lebensmittel.

Eine weitere essbare Flechte ist Iwatake (Gyrophora esculenta), die in Japan als seltene Delikatesse in Salaten und Suppen oder als in Fett gebratene Chips genutzt wird.

Die Nutzung von Isländischem Moos und der Rentierflechte (auch Rentiermoos) erfolgte früher auch in der nordischen Tundra als Viehfutter speziell für Rentiere.

Wegen ihres hohen Anteils an Kohlehydraten findet die Rentierflechte in Skandinavien sogar heute noch als Futterzusatz für Haustiere Verwendung.

 

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Sind Flechten giftig für Menschen oder Tiere ?

Nach Auskunft der Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn sind bis Februar 2010 noch keine Vergiftungen von Menschen mit Flechten bekannt geworden.

Zu beachten ist jedoch, dass Baummoos und Eichenmoos Duftstoffe mit starken Allergenen enthalten, die bei empfindlichen Menschen starke Allergien auslösen können.

Verwendet werden die würzigen Düfte von Baummoos und Eichenmoos z.B. in Parfüms, Shampoos und Kosmetika.

Dagegen gibt es für Tiere durchaus giftige Flechten wie z.B. die Wolfsflechte (Letharia vulpina), die bevorzugt auf Nadelbäumen wie der Zirbelkiefer (Pinus cembra) und der Europäischen Lärche (Larix decidua) wächst.

Oder auf Brettern, Dachschindeln und Zäunen aus Zirbelkiefer- bzw. Lärchen-Holz.

Die Wolfsflechte enthält Vulpinsäure, ein Pflanzengiftstoff, der für fleischfressende Wirbeltiere wie z.B. Füchse oder Wölfe giftig ist.

Vulpinsäure wirkt auf das zentrale Nervensystem und kann innerhalb von 24 Stunden zum Tod durch Atemlähmung führen, wenn die Tiere nicht in der Zwischenzeit wieder frisches Blut fressen.

Die giftige Flechte wurde deshalb früher in skandinavischen Ländern auch zum Vergiften von Fleischködern für Füchse und Wölfe eingesetzt.

In diesem Lexikon zählt die Wolfsflechte allerdings nicht zu den Giftpflanzen wie Giftblumen, Giftbäume, Giftkräuter oder Giftsträucher, weil sie für Menschen nicht giftig ist.

 

Orange Feuerflechte
Bild: Feuerflechte (Fulgensia fulgens)

 

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¹ Was sind Flechten noch? Unter dem Begriff "Lichen" sind Flechten allerdings auch eine in der Dermatologie und Medizin gebräuchliche Bezeichnung für die Diagnose verschiedener nicht-infektiöser Hauterkrankungen und deren Therapie wie z.B. Lichen aureus, Lichen nitidus, Lichen pilaris, Lichen planopilaris, Lichen ruber exanthematicus, Lichen ruber follicularis, Lichen ruber mucosae, Lichen ruber planus, Lichen ruber verrucosus, Lichen sclerosus et atrophicus, Lichen simplex chronicus Vidal oder Lichen striatus.