Farne

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Aufbau, Merkmale, Bestimmung
  3. Unterteilung
  4. Standort
  5. Arten und Beispiele
    1. Sommergrün
    2. Immergrün
    3. Japanisch
    4. Mauerfarne für den Alpen-Steingarten
    5. Hohe Bodenfeuchtigkeit
    6. Häufige Farnarten
  6. Sind Farne giftig?
  7. Vermehrung und Generationswechsel
  8. Selbst vermehren, teilen oder kaufen?
  9. Alte, kleine und große Farnarten
  10. Baumfarne und Riesenfarne
  11. Verwendung im Film
  12. Symbolik auf Neuseeland
  13. Nutzung in Medizin und Naturheilkunde
  14. Bedeutung in der Gartengestaltung
  15. Pflegetipps
  16. Mythologie und Geschichte
  17. Weitere Bilder und Detail-Fotos

Definition

Was sind Farne? Der Echte Farn (botanisch: Polypodiopsida, Syn.: Filicopsida), auch Farnkraut genannt, zählt zu einer Gruppe von Gefäßsporenpflanzen wie auch die Bärlapppflanzen und Schachtelhalme.

In der Erdgeschichte existierten Farne als vorherrschende Landpflanzen bereits im Devon vor ca. 400 Millionen Jahren und gehören damit zu den ältesten Pflanzen auf der Erde. Sie sind etwa 20 bis 40 Millionen Jahre älter als die Samenpflanzen, die erst im Karbon vor ca. 350 Millionen Jahren entstanden.

Damals bildeten Farne zusammen mit baumartigen Bärlapppflanzen und Schachtelhalmen 30 Meter hohe Wälder, deren Biomasse nach ihrem Absterben zur Grundlage heutiger Steinkohlevorkommen wurde.

Farne (englisch: fern) sind somit lebende Fossilien – ein Status, den sie mit archaischen Bäumen wie dem Ginkgo (Ginkgo biloba), Taubenbaum (Cathaya argyrophylla) oder Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) teilen.

Von den weltweit etwa 11.000 Farnarten wachsen die meisten in den Tropen und Subtropen. In Europa sind etwa 200 Farne heimisch und in Deutschland, Österreich und der Schweiz (D-A-CH) etwa 100. Davon haben jedoch nur etwa 20 heimische Arten eine Bedeutung als Gartenpflanzen.

Fossile Farnwedel eines Baumfarns aus der Karbonzeit
Bild: Fossile Farnwedel von einem ausgestorbenen Baumfarn (Senftenbergia plumosa), der in der Karbonzeit auch im deutschsprachigen Raum wuchs, Fotomotiv: Fossilien-Sammlung der Universität Utrecht (NL)

Die meisten heutigen Farne sind krautige Schattenpflanzen. Eine botanische Ausnahme stellen die Baumfarne (Cyatheales) dar, die nur noch in den Tropen und Subtropen natürlich vorkommen.

Sie bilden stammartige Strukturen aus, die jedoch nicht die echte Verholzung von Bäumen erreichen.

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Aufbau, Merkmale, Bestimmung

Der Bau der Farne unterteilt sich in Wurzel, Sprossachse bzw. Stängel mit einem Wasserleitungssystem und Blätter. Die gefiederten Blätter der Farne bestehen aus Blattspreite und Blattstiel und werden beim Farn „Wedel” genannt.

Die Farnwedel sind beim Austrieb aufgerollt und werden wegen ihrer charakteristischen Form und ihrem Aussehen auch Bischofsstab oder Geigenkopf genannt. Als blütenlose Sporenpflanzen haben Farne die Eigenschaft, dass sie nicht blühen und auch keine Früchte bilden.

Ganz im Gegensatz zu Samenpflanzen bzw. Blütenpflanzen, die sich über Samen und Blüten vermehren. Beide Pflanzenarten zählen jedoch zur gleichen Gruppe der Gefäßpflanzen (Tracheophyta).

Beim Bestimmen der Farne spielt die Farbe, Textur und Fiederung der Wedel (einfach, zweifach, dreifach) eine entscheidende Rolle neben der Wuchshöhe.

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Unterteilung und Unterscheidungsmerkmale

Die Farnarten in Deutschland können nach Jahresezeiten unterteilt werden in winterharte und nicht winterharte Farne. Der winterharte Farn kann als Staude zusätzlich unterteilt werden in sommergrüner Farn und wintergrüner Farn (immergrüner Farn).

Bei dem Begriff immergrün oder wintergrün geht es um die Frage, ob die Blätter der Farne bzw. die Farnwedel beim Überwintern eintrocknen und braun werden oder nicht.

Allerdings können extreme Trockeheit im Sommer oder Winter in Kombination mit viel trockenem Wind auch bei immergrünen/wintergrünen Arten zu einem Vertrocknen der Farnwedel führen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal beim Bestimmen von Farnen ist die Verteilung der Sporenbehälter (Sporangien) auf der Unterseite der Wedel. So können die Sporenbehälter entweder einzeln, in Gruppen oder miteinander verwachsen angeordnet sein.

Zu guter Letzt lassen sich Farne nach ihrem Standort unterscheiden in Gartenfarne und Zimmerfarne.

Die meisten Farnarten wachsen zwar im Garten, doch können einige auch als Balkonpflanzen oder Zimmerpflanzen in Form von Kübelpflanzen oder Topfpflanzen gehalten werden. Bei geeigneten klimatischen Bedingungen (Feuchtigkeit, Licht, Temperatur) eignen sich auch tropische Farne als Zimmerpflanzen.

Zimmerfarn im Kübel in einem Wellnessbereich als Beispiel für Farne als Zimmerpflanzen
Bild: Zimmerfarn im Kübel in einem Wellness-Bereich als Beispiel für Zimmerpflanzen-Farne *

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Standort

Die meisten Farne wachsen bevorzugt an schattigen, kühlen und dauerhaft feuchten Standorten wie beispielsweise im Schatten von Bäumen, Großsträuchern und Hecken.

Farne sind neben wenigen Blumenarten typische Pflanzen für einen → schattigen Standort in einem Schattengarten und für einen → feuchten Standort am Rand eines Gartenteichs.

In Abhängigkeit vom guten Aufbau ihres Wasserleitungssystems können bestimmte Farnarten auch an einem sonnigen Standort gedeihen. Es gibt sogar Farnarten, die sonnige, trockene Standorte bevorzugen und auch auf Mauern, Trockenmauern und Steinen oder in Ritzen und Steingärten wachsen.

Die Fähigkeit dieser sogenannten Mauerfarne, mit derartigen Standortbedingungen umgehen zu können, stellt eine Ausnahme unter den einheimischen Farnen dar. Ihre Anpassungsfähigkeit beruht darauf, dass sie natürlich in den Alpen und im Gebirge vorkommen.

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Arten und Beispiele

Die nachfolgende Übersicht zeigt typische Beispiele für einheimische sommergrüne und immergrüne sowie exotische, japanische Farne. Weiter werden fünf häufige Farne in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt sowie sonnenliebende Mauerfarne für einen Alpen-Steingarten.

Sommergrün

Die folgende Liste zeigt Beispiele sommergrüner Farne für feuchte und schattige Standorte im Garten:

  • Adlerfarn (Pteridium aquilinum)
  • Buchenfarn (Phegopteris connectilis)
  • Dornfarn (Dryopteris dilatata)
  • Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris)
  • Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina)
  • Königsfarn (Osmunda regalis)
  • Straußfarn (Matteuccia struthiopteris): auch Trichterfarn
  • Gewöhnlicher Tüpfelfarn (Polypodium vulgare)

Hinweise zur Übersicht:

Der Straußenfarn bzw. Trichterfarn ist eine Farnart, die sich auch als trittfester Bodendecker im Garten eignet. Wegen starker Biotop- und Standortzerstörung (Baumaßnahmen, Rohstoffabbau) stehen einige Farnarten mittlerweile unter Naturschutz.

So zum Beispiel der Hirschzungenfarn und der Königsfarn, die auf der Roten Liste für gefährdete Pflanzen vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn (Nordrhein-Westfalen) zu finden sind.

Aufgrund des guten Aufbaus ihres Wasserleitungssystems können Adlerfarn, Mauerraute und Ruprechtsfarn an einem sonnigen und trockenen Standort gedeihen (vgl. → Mauerfarne).

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Immergrün

Die nachfolgende Liste zeigt Beispiele für immergrüne Farne in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich im Garten für einen nicht-sonnigen Standort mit Feuchtigkeit eignen:

  • Hirschzungenfarn/Hirschzunge (Asplenium scolopendrium)
  • Milzfarn (Asplenium ceterach)
  • Rippenfarn (Blechnum spicant)
  • Schildfarn (Polystichum aculeatum)
  • Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)
  • Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria)
  • Echter/Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)

Hinweise zur Übersicht:

Der Wurmfarn zählt in Europa zu den häufigsten Wurmfarn-Arten und immergrünen Farnen. Im Mittelalter war der Milzfarn in der Medizin von Bedeutung zur Behandlung von Milzerkrankungen, weshalb er auch den Namen Apothekerfarn hatte.

Der Hirschzungenfarn bzw. die Hirschzunge ist eine in der Gartengestaltung beliebte immergrüne Zierpflanze, die in der Natur auch in den Felsspalten von einem feuchten Schluchtwald wachsen kann.

Hirschzungenfarn mit ovalen, länglichen Farnwedeln und einem botanischen Namensschild
Bild (links): Hirschzungenfarn/Hirschzunge (Asplenium scolopendrium) *

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Japanisch

Die nachfolgende Liste zeigt Beispiele für typische, sommergrüne und wintergrüne, japanische Farne:

  • Japanischer Regenbogenfarn (Athyrium niponicum)
  • Japanischer Rotschleierfarn (Dryopteris erythrosora)
  • Japanischer Schildfarn (Polystichum polyblepharum)
  • Japanischer Straußfarn (Pentarhizidium orientalis)

Hinweise zur Übersicht:

Der Japanische Rotschleierfarn hat sein natürliches Vorkommen in China, Korea und Japan und ist je nach Klima halbimmergrün bis immergrün. Er ist winterfest, wird 40 bis 60 cm hoch und gefällt im Garten durch seine Farbwechsel, denn seine Farnwedel treiben kupferrot aus und werden erst im Alter grün.

Der winterfeste, immergrüne Japanische Schildfarn kommt natürlich in Japan und Südkorea vor und wird im Unterschied zu vielen anderen japanischen Farnen nicht nur 40 bis 50 cm, sondern bis zu 90 cm hoch.

Der sommergrüne Japanische Straußfarn wird etwa 100 cm hoch und hat sein natürliches Vorkommen in China, Japan und im Himalaya. Er ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz nur bedingt winterhart und sollte zum Überwintern mit Laub oder Zweigen abgedeckt werden.

Der Japanische Regenbogenfarn ist winterhart, sommergrün, wird etwa 50 cm hoch und lässt vor dem Winter seine Farnwedel absterben.

Regenbogenfarn im Herbst mit grün-silber farbenen Farnwedeln
Bild: Japanischer Regenbogenfarn (Athyrium niponicum 'Metallicum') *

Im Pflanzenverkauf wird der Japanische Regenbogenfarn auch als „Japanischer Schmuckfarn” oder „Brokat-Farn” bezeichnet. Es existieren mehrere Sorten wie 'Metallicum', 'Silver Falls' oder 'Ursula’s Red'.

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Mauerfarne für den Alpen-Steingarten

Einige Arten der Farne wachsen auch in den Alpen und eignen sich als sogenannte Mauerfarne für einen Alpen-Steingarten im Garten.

  • Alpen-Blasenfarn (Cystopteris alpina)
  • Alpen-/Gebirgs-Frauenfarn (Athyrium distentifolium)
  • Wald-Frauenfarn (Athyrium filix-femina): sommergrün
  • Milzfarn (Asplenium ceterach)
  • Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum)
  • Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)
  • Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria)
  • Serpentin-Streifenfarn (Asplenium cuneifolium)

Hinweis zur Übersicht:

Mauerfarne, die natürlich in den Alpen oder im Gebirge vorkommen, sind meist sonnenverträglich und haben sich an trockene Standorte angepasst. Als Steingartenpflanzen können sie deshalb im Garten auf Geröll, Mauern, Steinen und Trockenmauern oder in Felsspalten, Mauerfugen und Ritzen wachsen.

Alpen-Blasenfarn mit doppelt gefiederten Farnwedel
Bild: Alpen-Blasenfarn (Cystopteris alpina) im Juli auf der Hochschwab (Obersteiermark, Österreich) auf ca. 1.900 m Höhe)

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Hohe Bodenfeuchtigkeit

Für Standorte im Garten mit hoher Bodenfeuchtigkeit wie am Wasserrand von einem Gartenteich und Bachlauf oder auf feuchten Hängen und Feuchtwiesen eignen sich folgende Farnarten:

  • Königsfarn (Osmunda regalis)
  • Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris)
  • Sumpf-Lappenfarn (Thelypteris palustris)
  • Kamm-Wurmfarn (Dryopteris cristata), auch Kammfarn
  • Zimtfarn (Osmundastrum cinnamomeum, Syn.: Osmunda cinnamomea)

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Häufige Farnarten

Fünf häufige Farne in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind nach folgender Liste:

  • Hirschzungenfarn/Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium)
  • Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris)
  • Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)
  • Waldfrauenfarn (Athyrium filix-femina)
  • Echter/Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas)

Ein Steckbrief der einzelnen Farne mit Wuchshöhe, Winterhärte, Farbe, Besonderheiten der Farnwedel und weiteren Merkmalen folgt in Kürze.

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Sind Farne giftig?

Alle Farne sind grundsätzlich giftige Pflanzen und zählen wie Giftblumen, Giftbäume, Giftkräuter, Giftsträucher und verschiedene Flechten zu den Giftpflanzen, wobei der Adlerfarn in Deutschland, Österreich und der Schweiz der giftigste Farn ist.

Seine Sporen sollten nicht eingeatmet werden, weil das darin enthaltene hochgiftige Enzym Thiaminase im Verdacht steht, das Knochenmark anzugreifen und krebserregend zu sein.

Das Gleiche gilt für den Verzehr junger grüner Blätter des Adlerfarns, die für Weidetiere wie Kühe, Pferde, Rinder und Schafe sehr giftig sind. Bereits ein halbes Kilo Adlerfarn kann bei einem ausgewachsenen Rind lebensbedrohliche Vergiftungen bewirken.

Nicht nur wegen seiner Giftigkeit, sondern auch wegen seiner wuchernden Eigenschaften gilt der Adlerfarn wie die Brennessel in Deutschland als Unkraut in der Landwirtschaft. Ungeachtet dieser Merkmale gilt gebietsweise in Japan, Neuseeland oder den USA der Adlerfarn als Delikatesse.

Dort isst man jungen Adlerfarn, der noch keine Sporen ausgebildet hat, als Wildsalat oder gekochtes Blattgemüse. Tumore der Speiseröhre und Magenkrebs, die in diesen Gegenden verstärkt auftreten, werden damit in Verbindung gebracht.

Denn die krebserregenden Inhaltsstoffe (Pflanzengifte) des Adlerfarns sind auch nicht durch Kochen auflösbar. Auch Wurmfarne (Dryopteris) sind durch ihre giftigen Inhaltsstofe (Aspidinol, Filicin, Thiaminase) bekannt geworden und wurden früher als Heilpflanzen gegen Bandwürmer eingesetzt.

Aufgrund der schwierigen Dosierbarkeit verliefen einige Wurmkuren in der Vergangenheit tödlich. Fragen zur Giftigkeit von Farnen können an eine Giftzentrale gestellt werden wie der Giftinformationszentrale-Nord (GIZ) in Göttingen für die Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Über giftige Farne und Pflanzen informiert außerdem der Ratgeber vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

In Österreich informieren die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) in Wien und in der Schweiz das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (Tox Info Suisse) in Zürich über Vergiftungen.

Sporenkapseln auf der Unterseite der Farnwedel von einem Königsfarn
Bild: Sporenkapseln auf der Unterseite der Farnwedel von einem Königsfarn (Osmunda regalis)

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Vermehrung und Generationswechsel

Wie vermehren sich Farne? Der Farn zählt wie die Bärlappe (Lycopodium) und Schachtelhalme (Equisetum) zu der botanischen Abteilung der Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyta).

Ihre Vermehrung erfolgt über Sporen und einen Generationswechsel, bei dem sich die geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung von Generation zu Generation abwechseln.

Auf der Unterseite der Farnwedel bilden sich kleine ungeschlechtliche Sporenkapseln, die bei trockenem Wetter aufspringen und die reifen Sporen freisetzen bzw. herausschleudern.

Die Farbe der Sporenkapseln variiert je nach Farnart und Reifestadium von grün über gelblich im unreifen Zustand bis hin zu kupferrot-orange oder braun bis schwarzbraun im reifen Zustand.

Fallen die Sporen auf einen für Farne günstigen Boden mit hoher Feuchtigkeit und viel Schatten, beginnen sie zu keimen und bilden einen kleinen Vorkeim, das sogenannte Prothallium.

Auf diesem Vorkeim bilden sich – ähnlich wie bei den Moosen – weibliche und männliche Geschlechtszellen. Die männlichen Geschlechtszellen sind begeißelt und können sich nur schwimmend auf einem Wasserfilm fortbewegen, um die weiblichen Geschlechtszellen zu erreichen.

Das erklärt, warum die meisten Farne einen feuchten und schattigen Standort bevorzugen und warum der Lebenszyklus der Farne immer aus zwei aufeinanderfolgenden Generationen besteht.

Diese zwei aufeinander folgenden Generationen unterscheiden sich auch äußerlich:

  • der Sporophyt – die leicht erkennbare, sporenbildende Farnpflanze mit den Sporenkapseln
  • der Gametophyt – der nur 3 bis 10 mm große, photosynthetisch aktive, herzförmige Vorkeim

Im Unterschied zu Samenpflanzen benötigen Farne für die Befruchtung immer einen Wasserfilm, während bei Samenpflanzen die Bestäubung auch durch Wasser, Wind oder Tiere erfolgen kann.

Farne benötigen jedoch für ihr tägliches Wachstum und Überleben keine dauerhafte Feuchtigkeit. Ihr empfindlicher Gametophyt kann auch in feuchten Felsspalten und Moospolstern keimen oder die Feuchtigkeit von Nebel und Tau für die Befruchtung nutzen.

Der spätere Sporophyt – also die ausgewachsene Farnpflanze – ist widerstandsfähiger als der Gametophyt und kann trockene und sonnige Standorte über mehrere Wochen hinweg ohne Regen besiedeln.

Dies zeigen Mauerfarne oder Gebirgsfarne, die an wenig Feuchtigkeit und Schatten angepasst sind.

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Selbst vermehren, teilen oder kaufen?

Bei der Vermehrung der Farne wird unterschieden zwischen einer Vermehrung durch Rhizomteilung, durch Stecklinge oder durch Sporen.

Die Rhizomteilung ist nur bei Farnpflanzen mit unterirdisch verzweigt wachsendem Rhizom möglich. Diese Farne kann man relativ unkompliziert selbst vermehren.

Farnpflanzen mit oberirdisch wachsendem Rhizom kann man mit Hilfe von Kopfstecklingen ebenfalls relativ einfach selbst vermehren (Stecklingsvermehrung).

Sehr kompliziert und langwierig ist dagegen die Vermehrung von Farnen mit gesammelten Sporen: Legt man diese auf feuchte Erde, dauert es ein Jahr, bis sich daraus kleine Pflanzen entwickeln.

Deshalb empfiehlt es sich, die Anzucht dieser Jungpflanzen spezialisierten Fachbetrieben zu überlassen. Pflanzfertige Farne kann man bei Baumschulen, Gärtnereien oder beim Online-Pflanzenversand kaufen.

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Alte, kleine und große Farnarten

Farne können im Gegensatz zu den Moosarten und Flechtenarten Wurzeln ausbilden und deshalb mehrere Meter hoch werden. Große Farne in Deutschland und Europa sind die Adlerfarne, die bis zu 2 Meter und bei günstigem Standort sogar 3 bis 4 Meter hoch werden können.

Große Farne mit einer Höhe von bis zu 1 Meter Höhe sind Frauenfarne, Goldschuppenfarne, Königsfarne, Straußfarne/Trichterfarne, Wurmfarne, Zimtfarne und größere Sorten der Schildfarne. Die größten, ältesten und höchsten Farne auf der Welt sind Baumfarne (Cyatheales), die bis zu 30 Meter hoch werden.

Der kleinste Farn auf der Erde ist mit einer Wuchshöhe von 5 bis 25 cm der Braune/Braunstielige Streifenfarn (Asplenium trichomanes), der auch Steinfeder genannt wird. Ebenfalls kleine Farne sind die graziösen Tüpfelfarne (Polypodium), die zwischen 20 und 40 cm groß werden.

Braunstieliger Streifenfarn in einer Trockenmauer
Bild: Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes) in einer Trockenmauer *

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Baumfarne (Riesenfarne)

Baumfarne (Cyatheales) haben ihr Vorkommen in den Tropen und Subtropen z.B. im tropischen Regenwald von Australien, Malaysia, Neuseeland, Südafrika und Tasmanien. Wie Flechten und Moose sollen auch Farne bereits im Jura-Zeitalter vor etwa 200 Millionen Jahren auf der Erde verbreitet gewesen sein.

Sie sollen damals große Wälder gebildet haben und eine Nahrungsgrundlage der pflanzenfressenden Dinosaurier gewesen sein. Durch das Absterben der Farnwälder über Millionen von Jahren bildeten sich aus deren Biomasse luftdichte Humusschichten, die unter Druck zu Steinkohle wurden.

Diese „Baumfarne” waren bis zu 30 Meter hoch und prägten zusammen mit baumartigen Bärlapp-Pflanzen und Schachtelhalmen die Pflanzenwelt. Mangels kontinuierlichem Dickenwachstum sind Baumfarne botanisch keine Bäume. Sie werden in Tropenhäusern von Botanischen Gärten als Zierpflanzen kultiviert.

Baumfarne sind wie der Gingko, Schachtelhalm, Taubenbaum oder Urweltmammutbaum lebende Fossilen, die sich seit Hunderten von Millionen Jahren nur wenig verändert haben.

Sie vermitteln ein anschauliches Beispiel von weit zurückliegendem Leben auf der Erde. Zusammen mit dem Gingko und Urweltmammutbaum sind Baumfarne die größten lebenden Fossilien auf der Erde.

Der größte Farn der Welt ist der Norfolk-Baumfarn (Cyathea brownii) auf der subtropischen, zu Australien gehörenden Norfolkinsel, der bis zu 30 Meter hoch wird.

Farnwedel vor dem Ausrollen eines Baumfarns auf Neuseeland
Bild: Farnwedel vor dem Ausrollen von einem Baumfarn auf Neuseeland

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Verwendung im Film

Eine traurige Rolle spielt die Verwendung von Farnen in dem Kinder-Film „Wo der rote Farn wächst” (englischer Originaltitel auf DVD: Where the Red Fern Grows) nach dem Buch von Wilson Rawls.

Auf der Jagd nach einem Berglöwen verliert ein Junge seine beiden geliebten Jagdhunde:

Einer der beiden Hunde erliegt seinen Wunden nach dem Kampf mit einem Berglöwen und der andere stirbt aus Trauer über diesen Verlust. Zwischen den beiden Grabhügeln der beiden Jagdhunde wächst schließlich ein roter Farn, den nach einer alten indianischen Legende nur ein Engel pflanzen kann.

Dieses Zeichen hilft dem Jungen bei der Überwindung seines Verlustschmerzes, weil der Platz nun heilig ist. Der Film „Wo der rote Farn wächst” aus dem Jahr 1974 zählt zu den gefühlvollsten Hunde- und Jugendfilmen und wurde bis heute zwei Mal verfilmt.

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Symbolik auf Neuseeland

Durch die urzeitliche Abtrennung von anderen Erdteilen vor etwa 80 Millionen Jahren konnten sich auf Neuseeland viele Pflanzen aus dieser Zeit erhalten.

So auch der Farn, der aufgrund seiner Verbreitung und Artenvielfalt nationale Symbolik auf Neuseeland zukommt. Speziell der Silberfarn (Cyathea dealbata) ist die Nationalpflanze in Neuseeland und ein Symbol auf dem Landes-Wappen, in dem sich zwei Wedel des Silberfarns befinden.

Farne sind das Thema vieler Logos und Embleme, so wie beim offiziellen Tourismusbüro „New Zealand Tourism Board”, dessen Logo ein Farnwedel schmückt.

Oder beim Firmenlogo der Fluggesellschaft „Air New Zealand”, in dessen Logo sich ein sogenanntes Koru befindet: ein Symbol in Neuseeland für einen z.T. noch eingerollten Wedel von einem Silberfarn.

Das Koru-Symbol findet sich auch im Logo vom Department of Conservation (DOC), der offiziellen Naturschutz-Organisation von Neuseeland.

Koru-Symbol eines eingerollten Farns im Logo vom Department of Conservation (DOC) auf einem Schild des nationalen Schutzgebietes Mahoetahi Historic Reserve in der Nähe der Stadt Waitara in der Region Taranaki auf der Nordinsel von Neuseeland
Bild: Koru-Symbol im Logo vom Department of Conservation (DOC) mit einem eingerollten Farn auf einem Schild des nationalen Schutzgebietes Mahoetahi Historic Reserve in der Nähe der Stadt Waitara in der Region Taranaki auf der Nordinsel von Neuseeland
Das Wappen von Neuseeland mit zwei Silberfarn-Wedeln, auf denen das Wappenschild haltend links eine weisshäutige, europäische Frau mit der Flagge von Neuseeland in der Hand und rechts ein Maori mit traditioneller Kampfkeule der neuseeländischen Ureinwohner in der Hand steht
Bild: Wappen von Neuseeland mit zwei Silberfarn-Wedeln, auf denen als Wappenschild-Halter eine weisshäutige, europäische Frau mit der Flagge von Neuseeland und ein Māori mit traditioneller Kampfkeule der neuseeländischen Ureinwohner stehen

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Nutzung in Medizin und Naturheilkunde

In der Medizin fanden Farne innerlich Anwendung als Entwurmungsmittel (→ Wurmfarn) oder bei Heiserkeit und Husten zur Schleimlösung (→ Engelsüßfarn).

Außerdem versprach man sich bei äußerlicher Nutzung einen Heileffekt in Form von Umschlägen als Schmerzmittel gegen Gicht, Hexenschuss, Krämpfe, Rheuma oder Rückenschmerzen.

In früheren Zeiten wurde dem Farn in der Naturheilkunde ferner eine Wirkung als Liebeszauber und Aphrodisiaka zugeschrieben. Weil Farne giftig und nur schwer dosierbar sind, ist heute von der Nutzung von Farnen in medizinischen Selbstversuchen unbedingt abzuraten.

Giftige Farnarten wie der Wurmfarn und der Adlerfarn werden deshalb heute nicht mehr als Heilpflanzen verwendet. Der Wurmfarn erhielt 1993 sogar eine Negativmonographie und wurde auf die Negativliste nicht verordnungsbarer Phytopharmaka gesetzt.

Gemeiner Wurmfarn in einem Vorgarten
Bild: Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) *

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Bedeutung in der Gartengestaltung

Farne sind weit verbreitet in der Gartengestaltung, weil sie sehr anspruchslos und langlebig sind sowie wenig Pflege benötigen:

Unter günstigen Voraussetzungen können Farnpflanzen sogar mehrere hundert Jahre alt werden. Bevorzugt werden die immergrünen bzw. robusten, wintergrünen Arten der Farne im Garten gepflanzt:

Denn sie bringen auch auf schattigem Boden, an dunklen Plätzen und im Winter (bei immergrüner Art) ein kräftiges Grün und einen besonderen Charme der Urzeit in den Garten. Außerdem werden Farne bei der Gartengestaltung wie auch Gräser wegen ihrer Leichtigkeit gepflanzt.

Sie beindrucken besonders durch ihr graziles Aussehen und ihre üppigen, dekorativen Farnwedel. Neben optischen Gesichtspunkten sind Farne im Garten auch aus praktischen Gründen von Bedeutung:

Farne halten im Garten Schnecken und andere Schädlinge fern, wenn sie um Pflanzen herum gepflanzt werden. Diese Eigenschaft haben sie gemeinsam mit Begonien, Knoblauch, Lavendel, Rosen, Tomaten oder Zwiebeln.

Nicht zu vergessen können Farne auch zur Reinigung und Entgiftung von Gartenböden eingesetzt werden. So kann der bis zu 1,5 Meter hohe und in Afrika, Amerika (USA), Asien und Australien beheimatete Gebänderte Saumfarn (Pteris vittata) dem Boden Arsen entziehen.

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Pflegetipps

Damit die meisten Farne überwintern können, sollten ihre Rhizome im Garten nicht zu starkem Frost oder Wind ausgesetzt sein und nicht austrocknen. Es empfiehlt sich daher, die Rhizome von der Laubschicht nahegelegener Laubbäume und Sträucher bedeckt zu lassen oder zusätzlich mit Kompost zu schützen.

Wenn die Farnwedel (bzw. das Laub) von sommergrünen Farnen im Herbst vertrocknen und eine rotbraune bzw. braune Farbe bekommen, sollte man sie nicht abschneiden, weil sie die Triebknospen schützen.

Im Frühjahr können dann die braunen Farnwedel an der Spitze des Sprosses nicht zu nahe am Vegetationskegel (Apex) abgeschnitten werden.

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Mythologie und Geschichte

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entschlüsselte der deutsche Botaniker Wilhelm Hofmeister (1824–1877) den Generationswechsel der Farne, Moose, Flechten und Nacktsamer (Nacktsamige Pflanzen).

Wilhelm Hofmeister lüftete damit das Geheimnis der kleinen braunen Punkte auf der Unterseite der Farnwedel und um die Vermehrung der Farne durch Sporen (vgl. weiter oben). „Blühender Farn” als Mythos gehörte dank den Forschungsarbeiten von Wilhelm Hofmeister endgültig der Vergangenheit an.

Denn bis dahin war das Farnkraut und das Liebesleben der Farne den Menschen ein Rätsel, weil ihnen Blüten und Früchte fehlen und man sich die Fortpflanzung der Pflanze nicht erklären konnte.

Es verwundert also nicht, dass die Menschen in früherer Geschichte der Meinung waren, beim Farn „könne etwas nicht mit rechten Dingen zugehen”.

Wurmfarn mit Sporen auf der Farnwedel-Unterseite
Bild: Gemeiner Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) mit Sporen auf der Farnwedel-Unterseite *

Den Farn umschwebte als Schattenpflanze und Hexenpflanze in der Geschichte der Menschheit stets etwas Geheimnisvolles und Mystisches. Das verband die Farne mit der Mythologie von vielen Nachtschattengewächsen und Heilkräutern, deren Wirkung sich die Menschen nicht erklären konnten.

In dem von Hexenglauben geprägten Mittelalter schrieb man dem Farn deshalb eine ganze Liste besonderer Eigenschaften, Merkmale und übernatürlicher Kräfte zu.

Speziell um den „Farnsamen” rankten viele Mythen. So glaubte man, dass Farn nur in der Johannisnacht blüht, der Nacht vor dem Johannistag am 24. Juni zum Gedenken der Geburt Johannes des Täufers.

Wem es in der Johannisnacht gelang, an Farnsamen zu erlangen, der sollte übernatürliche Zauberkräfte haben. Zudem sollten Farne in der Mythologie unverwundbar machen (man nähte Farnblätter in Jacken ein), vor Unwetter wie Blitz und Hagel schützen sowie Dämonen, böse Geister und Hexen fernhalten.

Auch als Glücksbringer im Spiel und in der Liebe sollten Farnsamen wirken. Im Geldbeutel sollten die Samen dafür sorgen, dass dieser nie leer wurde und zu Wohlstand und Reichtum verhelfen.

Und dem nicht genug: Mit Hilfe von Farnsamen sollte man auch die Tiersprache verstehen, verborgene Schätze finden und sich unsichtbar machen können. Dieser Aberglaube spiegelt sich auch in einem bekannten literarischen Drama dieser Zeit wieder:

„Wir gehen unsichtbar, denn wir haben Farnsamen bekommen.” (Szene in „Heinrich IV” von William Shakespeare, 1564–1616)

Ein weiterer Mythos besagte, wer im Wald aus Versehen auf einen Farn stieg oder wem beim Wandern aus Versehen Farnsamen in die Schuhe fielen, der würde die Orientierung verlieren und sich im Wald verirren. Diesem Mythos verdankte der Wurmfarn seine Beinamen Irrkraut oder Irrwurz.

Noch in der Geschichte der Frühen Neuzeit galten Farne als Hexenkraut und der Aberglaube um sie war so groß, dass Herzog Maximilian I. von Bayern (1573–1651) Maßnahmen ergreifen musste:

Er erließ 1611 das „Landgebot wider den Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere Teufelskünste”, wonach das Holen von Farnsamen unter Strafe gestellt wurde. 1612 erließ das Konzil von Ferrara, eine Versammlung katholischer Bischöfe und Kirchen-Kleriker in Oberitalien, ebenfalls eine Verordnung:

Verboten wurde das Sammeln von Farnsamen und Farnkraut in der Johannisnacht, um dem ausufernden Aberglauben in Europa um blühende Farne Einhalt zu gebieten.

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Weitere Bilder und Detail-Fotos

Nachfolgend weitere Bilder von Farnen und Detail-Fotos:

Vorderseite und Rückseite von einem Silberfarn-Wedel
Bild: Silberfarn (Cyathea dealbata)
Mexikanischer Baumfarn in einem botanischen Gewächshaus
Bild: Mexikanischer Baumfarn
Grüne Farnwedel von einem Asiatischen Straußenfarn
Bild: Asiatischer Straußenfarn (Pentarhizidium orientalis, Syn.: Matteuccia orientalis)

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