Wurzeltee und Knollentee
 

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition
  2. Tee aus Wurzeln
    1. Einheimisch
    2. Exotisch
  3. Tee aus Knollen oder Rhizomen
  4. Bedeutung der Inhaltsstoffe in der Medizin
  5. Weitere Bilder und Detail-Fotos

Definition

Was ist ein Wurzeltee oder Knollentee ? Der Begriff "Wurzel-Tee" (englisch: root tea) oder "Knollen-Tee" stammt nicht aus der Botanik, sondern aus der Umgangssprache und dem Tee-Handel.

Er wird in diesem Lexikon für Kräuterpflanzen verwendet, deren Wurzeln oder Wurzel-Knollen bzw. Rhizome sich durch Aufguss von heissem Wasser für die Zubereitung von einem teeähnlichem Getränk eignen.

Im engeren Sinne wird echter Tee nur aus Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) aus Asien hergestellt.

Alle Tees aus anderen Kräuter-Bestandteilen sind teeähnliche Getränke (vgl. Definition von → Teekraut).

Im weiteren Sinne und umgangssprachlich werden deshalb auch Aufgußgetränke aus den Knollen oder Wurzeln von Kräuterpflanzen als Knollentee oder Wurzeltee bezeichnet.

Die Wurzeln und Knollen bzw. Rhizome können für den Teeaufguss in Scheiben oder Stücke geschnitten und getrocknet oder frisch verwendet werden.

Knollen- und Wurzeltee kann man im Tee-Shop aus konventionellem Anbau, als Bio-Tee sowie lose oder in Beutel-Form von zahlreichen Anbietern kaufen.1

Wer den Platz und die Möglichkeiten hat, Wurzeln oder Knollen bzw. Rhizome zu trocknen, kann Knollen- und Wurzeltee auch selber machen.

 

Durchsichtiger Plastikbeutel mit chinesischem Ginsengtee
Bild: Beutel mit Ginseng-Tee aus China

 

 

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Tee aus Wurzeln

Die folgende Übersicht zeigt Beispiele von einheimischen und exotischen Kräuter-Pflanzen, deren Wurzeln sich für einen Tee eignen.

Einheimisch

Nach folgender Liste wachsen folgende in Deutschland, Österreich und der Schweiz heimische Kräuter-Pflanzen, die für einen Tee aus Wurzeln geeignet sind:

 

  • Echter Baldrian (Valeriana officinalis)

  • Beinwell (Symphytum officinale)

  • Große Bibernelle (Pimpinella major)

  • Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga)

  • Große Brennnessel (Urtica dioica)

  • Echter Eibisch (Althaea officinalis): auch Arznei-Eibisch

  • Echte Engelwurz (Angelica archangelica): auch Angelikawurzel, Arznei-Engelwurz

  • Gelber Enzian (Gentiana lutea)

  • Kalmus (Acorus calamus): auch Deutscher Ingwer

  • Liebstöckel (Levisticum officinale)

  • Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia)

  • Rhabarber (Rheum rhabarbarum)

  • Rosenwurz (Rhodiola rosea)

  • Trauben-Silberkerze (Actaea racemosa)

  • Schmalblättriger Sonnenhut (Echinacea angustifolia)

  • Stiefmütterchen (Viola tricolor)

  • Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus)

 

Hinweis zur Übersicht:

 

Der Gelbe Enzian steht unter Artenschutz und für die Verwendung als Wurzel-Tee erfolgt ein spezieller Anbau.

Schwer kultivierbar im heimischen Garten ist der aus Kanada und Nordamerika stammende Sonnenhut.

 

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Exotisch

Die folgende Liste zeigt exotische Kräuter-Pflanzen für einen Tee aus Wurzeln, die im deutschsprachigen Raum nicht oder nur in klimatisch sehr milden Gegenden wachsen:

 

  • Chinesischer Engelwurz (Angelica sinensis): auch Don Quai / Dong Quai

  • Sibirischer Engelwurz (Angelica dahurica): auch Bai Zhi

  • Ginseng (Panax ginseng)

  • Osha (Ligusticum porteri)

  • Echtes Süßholz (Glycyrrhiza glabra)

  • Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus): auch Sibirischer Ginseng

  • Chinesischer Tragant (Astragalus mongholicus): auch Huang Qi

 

Hinweis zur Übersicht:

 

Traditionell erfolgt der Anbau von Süßholz in Deutschland in Bamberg durch die Bamberger Süßholz-Gesellschaft.

 

Geraspelte Süßholzwurzel-Stücke mit einem Zentimetermaß zur Veranschaulichung der Größe
Bild: Geraspelte Süßholzwurzel (Liquiritiae radix) gemäß dem Europäische Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea)

 

 

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Tee aus Knollen oder Rhizomen

Bei den folgenden exotischen Kräuterpflanzen eignet sich die frische oder getrocknete Knolle bzw. das Rhizom für einen Knollen-Tee:

 

  • Echter Galgant (Alpinia officinarum): auch Galgantwurzel

  • Ingwer (Zingiber officinale): auch Ingwerwurzel

  • Kudzu (Pueraria montana)

  • Kurkuma (Curcuma longa): auch Gelber Ingwer, Gelbwurz oder Safranwurzel

  • Chinesische Lerchenspornwurzel (Corydalis yanhusuo): auch Yan Hu Suo / Yanhusuo

  • Yams / Yamswurzel (Dioscorea villosa)

 

Hinweise zur Übersicht:

 

Die chinesische Corydalis-Knolle Yan Hu Suo findet vor allem Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM):

Ihr wird in China eine lindernde Wirkung bei neuropathischen Schmerzen und als allgemeines Schmerzmittel (Analgetikum) bei Magenkrämpfen oder Kopfschmerzen nachgesagt.2

Die Rhizome von Ingwer und Kurkuma werden auch als Knollengemüse in der Küche zubereitet und sollen das Immunsystem und den Magen bzw. die Verdauung stärken.

In der Naturheilkunde wird die Yams-Wurzel zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden, prämenstruellem Syndrom (PMS) und zur Empfängnisverhütung oder Fruchtbarkeitsförderung verwendet.

Die Kudzu-Wurzel wird in China, Korea und Japan als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwendet und im deutschsprachigen Raum mit dem Namen "Kopoubohne" oder "Weltengrün“ bezeichnet.

Allerdings unterliegt Kudzu der sog. → Novel-Food-Regulation und darf in der EU nicht frei verkauft werden.3

Galgant soll Appetit und Verdauung anregen sowie Blähungen, Magen-Darm-Krämpfe und Völlegefühl lindern.

 

Innenansicht einer aufgeschnittenen Ingwer-Knolle
Bild: Eine Knolle Ingwer (Zingiber officinale), → aus der Pflanzenfamilie der Ingwergewächse (Zingiberaceae)

 

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Bedeutung der Inhaltsstoffe in der Medizin

Nachdem Wurzeltee aus den Pflanzen-Wurzeln hergestellt wird, hat er nicht die Inhaltsstoffe (z.B. Theanin, Teein) der echten Teepflanze (Camellia Sinensis) und damit auch nicht die Wirkung von Blättertees.

Die meisten der genannten Knollen- und Wurzeltees zählen speziell in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu den Arzneipflanzen oder Heilpflanzen.

Bei hoher Dosierung oder einer Einnahme über einen längeren Zeitraum können somit Nebenwirkungen auftreten.

Deshalb sollte ein Wurzeltee nicht einfach wie ein normales Getränk getrunken werden, ohne sich vorher genau über dessen Inhaltsstoffe bei einem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker zu informieren.

 

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Weitere Bilder und Detail-Fotos

Nachfolgend weitere Bilder von Knollentee-/Wurzeltee-Pflanzen und Detail-Fotos von Knollen und Wurzeln:

 

Eibischwurzel mit langen, z.T. noch mit Erde bedeckten Wurzelausläufern
Bild: Eibischwurzel (Althaeae radix) als Basis für den Eibischwurzeltee

 

Weiß-gelbe Blätter und braune Wurzelknollen einer Gewöhnlichen Wegwarte, die auch Chicoree-Wurzel oder Wurzelzichorie genannt wird
Bild: Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus), auch Chicoree-Wurzel oder Wurzelzichorie

 

Ein Stück einer Yamswurzel mit hellbrauner Schale auf einem weißen Porzellanteller
Bild: Chinesische Yamswurzel (Dioscorea opposita)

 

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[1] Anbieter für Wurzeltee bzw. Knollentee sind z.B. Althaus, Gepa, Goldmännchen, Heuschrecke, Lebensbaum, Milford, Oasis, Silbermond, Sonnentor, Teekanne, Westcliff oder Alete (u.a. Bio-Früchte-Tee für Kinder).

[2] Vgl. Artikel "A Novel Analgesic Isolated from a Traditional Chinese Medicine" in: Current Biology, Volume 24, Issue 2, p117–123, 20 January 2014

[3] Mit dem Begriff „Novel Food“ werden sog. neuartige Lebensmittelzutaten und Lebensmittel bezeichnet, die am 15. Mai 1997 in der EU noch nicht in nennenswertem Umfang Verwendung fanden, bevor die Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates für den menschlichen Verzehr in Kraft trat. Die Richtlinien für das in den Verkehr Bringen von neuartigen Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten werden seit Mitte 2008 im sog. Novel-Food-Katalog der EU erfasst. Darunter fallen neben der Kudzu-Wurzel auch Catuaba (Trichilia catigua) und bis Mitte 2014 die Yacon-Knolle (Smallanthus sonchifolius).