Giftpflanzen in Deutschland
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition

2. Arten, Sorten, Beispiele

3. Giftige Nachtschattengewächse

4. Giftige Hülsenfrüchte

5. Giftige Farne und weitere giftige Pflanzen

6. Warum sind Giftpflanzen giftig ?

7. Vorsicht beim Pflanzen im Garten

8. Tipps für Kinderspielplätze

9. Vergiftungen bei Menschen

10. Giftigste Pflanzen Deutschlands / der Welt

11. Giftpflanzen des Jahres

12. Weitere Bilder und Detail-Fotos

 

1. Was sind Giftpflanzen ? Eine Definition

 

Der Begriff "Giftpflanze" stammt nicht aus der Botanik, sondern aus dem täglichen Sprachgebrauch und bezeichnet Pflanzen, die Pflanzengifte enthalten, welche bei Lebewesen (Menschen und Tiere) Vergiftungen bewirken können.

Giftpflanzen (englisch: poisonous plants) sind in diesem Lexikon giftige Pflanzen, die beim Menschen, wenn er sie als Ganzes oder in Bestandteilen (z.B. Blätter, Blüten, Früchte, Samen, Wurzel) zu sich nimmt oder mit ihnen in Berührung kommt, zu Vergiftungen und Krankheiten führen können.

Die Giftpflanze kommt als Baum (Giftbaum), Blume (Giftblume), Farn, Flechte, Kletterpflanze, Kraut (Giftkraut), Staude oder Strauch (Giftstrauch) in der Natur vor.

Viele in Deutschland, Österreich oder der Schweiz heimische Giftpflanzen wachsen wild im Wald oder auf der Wiese.

Nachdem etliche Giftpflanzen besonders auffällige Früchte und bunte Blüten aufweisen, kann man sie auch als Zierpflanzen für den Garten und Park oder als Balkonpflanzen und Zimmerpflanzen bei Gärtnereien, Gartencenter und Baumschulen kaufen.

 

Foto von einem Ricinus-Wunderbaum mit grossen, sternförmigen, wechselständigen Blättern und roten Früchten
Bild: Wunderbaum (Ricinus communis) in Oberbayern Ende Juni *

 

Welche Giftpflanzen im Garten jeweils welche Pflanzengifte enthalten und in welchen Pflanzen-Bestandteilen wird auf der Unterseite Pflanzengiftstoffe näher ausgeführt.

 

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2. Arten, Sorten, Beispiele

 

Die nachfolgende Liste zeigt einheimische Giftpflanzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wobei einjährige, sommergrüne und krautige Pflanzen nicht extra gekennzeichnet sind.

Pflanzen, die für Menschen sehr giftig sind, werden in dieser Übersicht mit einem Hinweis gekennzeichnet. Leicht giftige Pflanzen sind in der Liste nicht enthalten.

 

  • Alpenveilchen (Cyclamen): hauptsächlich die Wurzelknolle ist giftig

  • Gefleckter Aronstab (Arum maculatum): eine Giftstaude und Kesselfallenblume

  • Blauregen (Wisteria sinensis): eine mehrjährige Kletterpflanze

  • Buchsbaum (Buxus sempervirens): immergrün, Kleinbaum und Heckenpflanze

  • Christrose/Schneerose (Helleborus niger): sehr giftige Alpenblume und immergrüne Giftstaude

  • Dieffenbachie (Dieffenbachia): sehr giftige, immergrüne Zimmerpflanzen und Giftstauden

  • Eibe (Taxus baccata): immergrüner Nadelbaum

  • Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia): sehr giftige Pflanze und Giftstaude

  • Blauer Eisenhut (Aconitum napellus): sehr giftige Pflanze und Giftstaude, giftigste Pflanze in Europa

  • Faulbaum (Rhamnus frangula): hautreizende Laubgehölze, wichtiger Vogelstrauch und Rindentee

  • Roter Fingerhut (Digitalis purpurea): zweijährige, krautige Pflanze

  • Weißer Germer (Veratrum album): sehr giftige Giftstaude

  • Färber-Ginster (Genista tinctoria): ein Zwergstrauch aus der Familie der Leguminosen

  • Goldregen (Laburnum anagyroides/vulgare): wird als Grossstrauch und Zierstrauch gepflanzt

  • Herbstzeitlose (Colchicum autumnale): sehr giftige Pflanze und Giftstaude mit einer Blumenknolle

  • Herkulesstaude/Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum): stark phototoxische Giftstaude

  • Hundspetersilie (Aethusa cynapium): sehr giftige Pflanze

  • Lebensbaum (Thuja occidentalis): eine sehr giftige Nadelbaum-Art und Nadelhecke

  • Lorbeerkirsche/Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus): immergrüne, schnellwachsende Heckenpflanze

  • Lupine, Blaue und Gelbe (Lupinus polyphyllos): Giftstauden aus der Familie der Hülsenfrüchte

  • Maiglöckchen (Convallaria majalis): eine beliebte Duftblume mit Blumenzwiebel

  • Gelbe Narzisse/Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus): Zwiebelblume, Blume des Jahres 1981

  • Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus): immergrüner Halbstrauch

  • Oleander/Rosenlorbeer (Nerium oleander): immergrüner Strauch, nicht-winterharte Kübelpflanze

  • Pfaffenhütchen (Euonymus europaea): langsam wachsende Hecke

  • Rhododendron: viele Rhododendren-Arten und -Sorten sind giftig und Giftsträucher

  • Rittersporn (Delphinium): überwiegend Giftstauden

  • Robinie (Robinia pseudoacacia): auch Falsche Akazie, Scheinakazie, überwiegend Giftstauden

  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia): ein immergrüner Zwergstrauch, Blume des Jahres 1991

  • Ruhmeskrone (Gloriosa superba): eine beliebte Schnittblume

  • Sadebaum (Juniperus sabina): auch stark hautreizend, immergrüner Giftstrauch

  • Schellenbaum (Thevetia peruviana): immergrüner Strauch, nicht-winterharte Kübelpflanze

  • Gefleckter Schierling (Conium maculatum): sehr giftige Pflanze

  • Schlafmohn (Papaver somniferum): Anbau ist in Deutschland verboten

  • Schöllkraut (Chelidonium majus): speziell die Wurzel ist im Herbst sehr giftig

  • Seidelbast-Arten (z.B. Daphne mezereum): sehr giftige Pflanze, auch über die Haut

  • Stechpalme (Ilex aquifolium): wächst auch in freier Natur als immergrüner Wildstrauch

  • Tafeleibe (Taxus baccata 'Repandens'): immergrüner, bodendeckender Strauch

  • Tulpe (Tulipa gesneriana): stark hautreizend, typische Frühlingsblume und Rabattenblume

  • Wasserschierling (Cicuta virosa): sehr giftige Pflanze und Giftstaude

  • Winterling (Eranthis hyemalis, Syn.: Eranthis hiemalis): sehr giftige Winterblume

  • Wolfsmilch (Euphorbia): giftig, ätzender Milchsaft über Hautkontakt, sehr giftig ist z.B. die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)

  • Wunderbaum (Ricinus communis): einjährige und sehr giftige Zimmerpflanze

  • Rote/Rotfrüchtige Zaunrübe (Bryonia dioica): Kletterpflanze

  • Weiße Zaunrübe (Bryonia alba): sehr giftige Kletterpflanze

 

Foto einer Herbstzeitlosen mit rosa-weissen Blüten
Bild: Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) in Jena (Thüringen), eine Trichterblume *

 

Das weit verbreitete, als Unkraut geltende Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), ist zwar keine Giftpflanze im eigentlichen Sinn, aber in der Blütezeit zählt dessen Blütenstaub zu den stärksten Pollenallergenen.

 

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3. Giftige Nachtschattengewächse

 

Unter den Nachtschattengewächsen gibt es ebenfalls viele in Deutschland heimische Giftpflanzen mit sehr giftigen Pflanzenteilen, deren Tropanalkaloide auch sehr gut über die Haut aufgenommen werden.

Die folgende Übersicht zeigt einheimische Giftpflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse, die zu den giftigsten Pflanzen in Deutschland und zu den sog. "Bio-Drogen" zählen:

 

  • Alraune/Gemeine Alraune (Mandragora officinarum)

  • Bilsenkraut/Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)

  • Engelstrompete (Brugmansia)

  • Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum)

  • Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna)

  • Stechapfel (Datura stramonium): auch Asthmakraut

  • Tabak (Nicotiana)

 

Foto einer Frucht vom Dornigen Stechapfel Datura ferox
Bild: Frucht vom Dornigen Stechapfel (Datura ferox)

 

Bei essbaren Nachtschattengewächsen wie

 

 

enthalten die grünen Teile das Pflanzengift Solanin bzw. zählen sie in unreifer und grüner Form ebenfalls zu den Giftpflanzen (bei Tomaten sind die grünen Teile und unreifen Früchte sogar sehr giftig).

 

"Gift in den Händen eines Weisen ist ein Heilmittel,
ein Heilmittel in den Händen des Toren ist Gift."
(Giacomo Casanova, italienischer Abenteurer und Schriftsteller, 1725-1798, in: Memoiren)

 

Foto einer dunkel-violetten Aubergine am Strauch
Foto: Aubergine (Solanum melongena)

 

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4. Giftige Hülsenfrüchte

 

Bestimmte Arten und Sorten der Hülsenfrüchte wie grüne Bohnen (insb. die Gartenbohne), Erbsen und Linsen enthalten in roher Form giftige Inhaltsstoffe wie das Pflanzengift Phasin, ein sog. Hämagglutinin.

Hämagglutinine führen zu einer Verklumpung der roten Blutkörperchen und können Entzündungen der Darmschleimhaut bewirken. Bei hoher Dosierung kann der Verzehr sogar lebensbedrohlich sein.

Diese Hülsenfrüchte sollten deshalb mindestens eine Viertelstunde lang vor dem Verzehr gekocht, blanchiert oder gegart werden, um Hämagglutinine sowie giftige oder schwer verdauliche Inhaltsstoffe abzubauen.

 

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5. Giftige Farne und weitere giftige Pflanzen

 

Alle Farne sind grundsätzlich giftige Pflanzen. Allerdings ist ihre Wirkung als Giftpflanzen für Menschen (speziell für Kinder) oder für Tiere wie Hunde, Katzen und Pferde unterschiedlich stark.

Der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) ist dabei neben dem Wurmfarn (Dryopteris) in Deutschland der giftigste Farn für Menschen:

So sollten die Sporen des Adlerfarns nicht eingeatmet werden, weil das darin enthaltene Enzym Thiaminase im Verdacht steht, Krebs und Tumore auszulösen.

Ungeachtet dessen wird z.B. der Adlerfarn gebietsweise in Japan, auf Neuseeland oder in den USA als Blattgemüse (z.B. Blattsalat, Wildsalat) zubereitet.

Der Echte Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) wurde früher zur Entwurmung verwendet. Allerdings kam es wegen Überdosierungen häufiger zu Vergiftungen wie z.B. Erbrechen, Leibschmerzen, Übelkeit bis hin zu Sehstörungen, Atem- und Herz-Kreislauf-Störungen.

 

Foto einer Reihe mehrerer, leuchtend grüner Echter Wurmfarne
Bild: Echter Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) Ende August in Oberbayern *

 

Je nachdem, wie man Giftpflanze definiert, könnten selbst Obst-Sorten wie die Aprikose oder die Marille unter die Giftpflanzen fallen, weil ihre Kerne bzw. Steine den Pflanzengiftstoff Amygdalin enthalten, der im Organismus mit Hilfe von Wasser zu Blausäure umgewandelt wird.

Weil Pilze keine Pflanzen sind, sondern neben Tieren und Pflanzen einen eigenständigen Bereich in der Biologie darstellen, sind Giftpilze wie der Knollenblätterpilz in diesem Giftpflanzen-Lexikon nicht in der Übersicht giftiger Pflanzen zu finden.

 

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6. Warum sind Giftpflanzen giftig und wie sehr ?

 

Viele Pflanzen schützen sich vor potentiellen Fraßfeinden und Schädlingen (z.B. Pilze) durch bestimmte Inhaltsstoffe. Sei es in den Blättern, Blüten, Früchten, Samen oder Wurzeln.

Diese Inhaltsstoffe können giftig sein und im Körper von Lebewesen Krankheiten, Schädigungen oder sogar den Tod hervorrufen. Entscheidend ist, um welches Lebewesen es sich handelt (z.B. Mensch oder Tier) und in welcher Menge der Pflanzengiftstoff vom Körper des Lebewesens aufgenommen.

So schrieb schon der schweizer Arzt, Alchemist und Philosoph Paracelsus (1493 - 1541) in seinem Werk "Septem Defensiones" (Die Sieben Verteidigungsreden) von 1538:

 

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei." ¹

 

Dabei ist zu beachten, dass die Dosis eines Giftes auch von der Körpergröße und der Entwicklung von einem Lebewesen abhängt. Wie stark bestimmte Giftpflanzen giftig sind, ist bei kleinen Kindern und Babies anders zu beurteilen als bei Erwachsenen.

Nicht zu vergessen, dass die Art der Aufnahme von pflanzlichen Inhaltsstoffen oft darüber entscheidet, in welchem Maße Giftpflanzen giftig sind:

Eine Vergiftung (Intoxikation) kann durch Aufnahme von Giftstoffen über die Atmung (Inhalation), über den Mund (oral) oder über die Haut (dermal, percutan) erfolgen.

 

 

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7. Vorsicht beim Pflanzen von Giftpflanzen im Garten

 

Giftpflanzen können bereits in kleinen Mengen oder Bestandteilen gefährlich für die Gesundheit sein. Sie sollten deshalb nur mit Vorsicht im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung sorgfältig gepflanzt werden, um Vergiftungen für Babies, Kinder und Erwachsene zu vermeiden.

Oft wird bei der Gartengestaltung allerdings vergessen, dass viele Giftpflanzen auch für Tiere wie Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Schildkröten oder Wellensittiche giftig sind.

Und nicht nur kleinere Haus-Tiere sollten beim Standort einer Giftpflanze berücksichtigt werden, sondern z.B. auch Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen auf der Nachbar-Weide.

Allerdings sollten Giftpflanzen und ihre Wirkung auf Tiere und Menschen differenziert betrachtet werden. Oder anders ausgedrückt: Giftpflanzen, die für Tiere tödlich sind, müssen für Menschen noch lange nicht giftig sein.

So ist z.B. der Lavendel für Tiere wie Hamster, Hasen, Kaninchen oder Meerschweinchen giftig, während er bei Menschen als wohlriechende Heilpflanze verwendet wird.

Weiter gibt es Giftpflanzen, die nur für bestimmte Tiere giftig sind wie z.B. Geranien für Hamster, Hasen, Kaninchen und Meerschweinchen oder Hortensien zusätzlich auch für Hunde, Katzen und Vögel.

 

Traditionelles Piktogramm und Symbol für Gift mit einem Schädel mit gekreuzten Knochen auf weissem Hintergrund
  Traditionelles Piktogramm und Symbol für Gift
EU-Gefahrensymbol für giftige Substanzen mit einem Schädel mit gekreuzten Knochen auf orangem Hintergrund
  EU-Gefahrensymbol für giftige Substanzen

 

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8. Tipps zu Giftpflanzen auf Kinder-Spielplätzen

 

Bei der Standort-Wahl einer Giftpflanze sollte darauf geachtet werden, dass sich in der Nachbarschaft kein Kindergarten oder Spielplatz befindet, um Kinder nicht dem Risiko auszusetzen, dass sie aus Neugier die oft verlockenden Früchte von Giftpflanzen probieren oder in Kontakt mit anderen Pflanzenteilen kommen.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Deutschland (Berlin) empfiehlt deshalb, giftige Pflanzen nicht in der Nähe von Anlagen anzupflanzen, die für Kinder leicht zugänglich sind (z.B. Kindergarten, Schwimmbad, Spielplatz).

Der Bundesverband der Unfallkassen (DGUV) in München empfiehlt in seiner Informationsbroschüre "Naturnahe Spielräume" (GUV-SI 8014, Ausgabe August 2000), die Liste folgender Giftpflanzen bzw. Giftstauden auf Spielplätzen für Kinder grundsätzlich nicht einzusetzen:

 

  • Goldregen (Laburnum anagyroides)

  • Pfaffenhütchen (Euonymus europaea)

  • Seidelbast (Daphne mezereum)

  • Stechpalmen (Ilex aquifolium)

 

Zusätzlich empfiehlt der Verband in Bayern, stark ätzende Pflanzen wie z.B. den Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzium) aus den Spielbereichen der Kinderspielplätze und Kindergärten zu entfernen.

Wer sich bei der Wahl einer Giftpflanze, ihrem Standort und allen zu berücksichtigenden Faktoren nicht sicher ist, sollte sich nicht scheuen, den Rat bei professionellen Landschaftsgärtnern, Gartenarchitekten oder Landschaftsarchitekten einzuholen.

Informationen über heimische Giftpflanzen in Deutschland gibt es auch beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, das eine Broschüre veröffentlicht hat mit dem Titel "Giftpflanzen - Beschauen, nicht kauen".

In der 40-seitigen Broschüre wird besonders auf die Gefahren von Giftpflanzen für Kinder im öffentlichen Grün eingegangen und es werden Tipps gegeben, wie man sich im Falle einer Vergiftung durch Pflanzengifte verhalten soll.

Nicht zu vergessen das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, das zum Beispiel rund um die Uhr telefonische Beratungen über giftige Pflanzen und Toxikologie durchführt.

Außerdem veröffentlicht die Giftzentrale regelmäßig im Internet die jeweils aktuellen Kontaktdaten anderer deutscher Giftzentralen in Berlin, Bonn, Erfurt, Freiburg, Göttingen, Homburg, Mainz und München.

Speziell beim Kontankt von Kindern mit Giftpflanzen sollte, wenn die Möglichkeit einer Vergiftung besteht, schnellstmöglich die nächstgelegene Giftnotrufzentrale kontaktiert werden, um sich über die Giftigkeit und Wirkungen der jeweiligen Giftpflanze zu informieren.

Bestehen bereits Symptome wie Schwindel, Kreislaufprobleme, Durchfall, Bauchschmerzen, Verfärbung der Lippen, erweiterte Pupillen, Schweißausbrüche, Atemprobleme, Übelkeit, Herz-Rhythmus-Störungen wie langsamer Herzschlag (Bradykardie) und Herzrasen (Tachykardie) muß sofort ein Notarzt gerufen werden.

 

Foto von Winterlingen mit gelben Blüten
Bild: Winterlinge (Eranthis hyemalis, Syn.: Eranthis hiemalis) mit gelben Blüten *

 

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9. Welche Vergiftungen können durch Giftpflanzen beim Menschen auftreten ?

 

Die Vergiftungen, die je nach eingenommener Menge und Körpergewicht durch eine Giftpflanze entstehen, können folgende Symptome bewirken:

 

  • Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Herz- und Kreislaufstörungen

  • Bewußtseinsstörungen wie Halluzinationen, Schwindel und Tobsucht

  • Verdauungsstörungen wie Brechreiz, Durchfall, Erbrechen, Magen-Krämpfe, Übelkeit

 

Bei sehr giftigen Pflanzen kann es auch zu folgender Wirkung kommen:

 

  • Dauerhafte Schädigung der Nieren und anderer innere Organe

  • Dauerhafte Nervenschädigungen und klinische Psychosen

  • Atemlähmung, Herzversagen und Kreislaufkollaps bis hin zum Tod

 

Ferner gibt es Giftpflanzen wie den Riesen-Bärenklau, den Eisenhut, bestimmte Efeu-Arten oder den exotischen Weihnachtsstern, deren Blätter oder Pflanzensaft bei direktem Hautkontakt zu Hautirritationen führen können wie z.B. allergische Kontaktdermatitis, Blasen, Juckreiz, Rötungen und Verbrennungen.

Die Grenze zwischen Heil- und Giftpflanzen sowie essbaren Pflanzen verläuft dabei oft fliessend: Viele giftige Pflanzen werden in der Medizin in geringer Dosierung als Heilpflanzen oder Arzneistoffe und in der Homöopathie als Heilmittel verwendet.

 

"Dosis sola facit venenum" - auf deutsch: "Allein die Dosis macht das Gift."
(Paracelsus, schweizer Arzt und Alchemist, ca. 1493–1541, in: dritte defensio, 1538)¹

 

Ferner gibt es essbare Pflanzen, die nur in rohem oder unfreifem Zustand giftig sind bzw. bei denen nur bestimmte Bestandteile wie Beeren, Blätter, Blüte oder Früchte giftig sind.

Das ist z.B. der Fall bei bestimmten Nachtschattengewächsen und Hülsenfrüchten, die in gekochtem oder ausgereiftem Zustand ungiftige Pflanzen sind (z.B. Grüne Bohnen, Kartoffeln, Tomaten).

 

Foto der rosa-roten Blüten von einem Roten Fingerhut
Bild: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) mit Blüten *

 

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10. Die giftigsten Pflanzen Deutschlands, Europas und der Welt

 

Die Frage, welches die giftigste Pflanze in Deutschland (Österreich, Schweiz) oder in Europa ist, läßt sich nicht eindeutig beantworten. Es gibt mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen, ob Pflanzen als sehr giftig oder als tödliche Giftpflanzen einzustufen sind:

 

  • Individuelle genetische Veranlagung des Aufnehmenden

  • Art des Lebewesens (Menschen oder Tiere, wie z.B. Hunde, Kaninchen, Katzen, Pferde, Vögel)

  • Alter des Aufnehmenden (Baby, Kinder, Erwachsene) und Körpergewicht

  • Aufnahme-Art der Pflanzengifte über die Atmung, die Haut oder den Mund

  • Schnelligkeit der Giftwirkung bzw. Zeitraum bis zur Entfernung der Pflanzengifte aus dem Organismus

  • Alter und Reifegrad der Giftpflanze sowie Jahreszeit der Ernte

  • Notwendige Giftmenge für eine Vergiftung

  • Verfügbarkeit von Gegenmitteln im Fall einer Vergiftung

 

Unabhängig von diesen Faktoren gilt der Wunderbaum (Ricinus communis) und sein tödlicher Inhaltsstoff Rizin als giftigste Pflanze der Welt. Die tropische Giftpflanze ist auch in Liste 1 der Chemiewaffen-Konvention (CWC) der Vereinten Nationen aufgeführt.

Als weitere tropische Giftpflanzen sind verschiedene Lianen (Kletterpflanzen) aus dem Regenwald zu nennen, die das hochgiftige Pflanzengift Curare enthalten. Curare ist ein stark muskellähmendes Nervengift, das z.B. von Indianern und Indios in Südamerika als Pfeilgift für die Jagd verwendet wird.

Als giftigste Pflanze (bzw. giftigste Blume) in Deutschland, Österreich und der Schweiz und auch als giftigste Pflanze in Europa (Mitteleuropa) gilt der Blaue Eisenhut mit dem tödlichen Pflanzengift Aconitin, das in allen Teilen der Blume enthalten ist.

 

Foto der Blüte von einem Blauen Eisenhut
Bild: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) mit Blüte

 

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11. Giftpflanzen des Jahres

 

Seit 2005 wird in Hamburg in öffentlicher Abstimmung vom Botanischen Sondergarten im Bezirk Wandsbek die Giftpflanze des Jahres in Deutschland gewählt, die dann besonders vorgestellt wird.

Gemäß der folgenden Liste war die Giftpflanze

 

  • des Jahres 2005 der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus)

  • des Jahres 2006 das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)

  • des Jahres 2007 der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea)

  • des Jahres 2008 die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum)

  • des Jahres 2009 der Tabak (Nicotiana)

  • des Jahres 2010 die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

  • des Jahres 2011 die Eibe (Taxus baccata)

  • des Jahres 2012 der Gemeine Goldregen (Laburnum anagyroides syn. Cytisus laburnum)

  • des Jahres 2013 die Lorbeerkirsche/der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)

  • des Jahres 2014 das Maiglöckchen (Convallaria majalis)

  • des Jahres 2015 der Rittersporn (Delphinium)

 

Die Aktion vom Botanischen Sondergarten Hamburg möchte Gärtner, Hobbygärtner und Pflanzenliebhaber für die Giftwirkung vieler einheimischer Pflanzen sensibilisieren und auf tödliche Giftpflanzen im Garten, im Zimmer und in freier Natur hinweisen.

 

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12. Weitere Bilder und Detail-Fotos

 

Nachfolgend weitere Bilder von Giftpflanzen in freier Natur und Detail-Fotos:

 

Foto mehrerer  Pflanzen vom Kleinblütigen Fingerhut mit kerzenförmigen, rost-braunen  Blüten
Bild: Dieffenbachie (Dieffenbachia picta, Syn.: Dieffenbachia seguine var. seguine) Ende August in einem Stauden-Beet in Bayern *

Foto von rosa-gelben Blüten eines Pfaffenhütchen
Bild: Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) in Oberbayern *

Foto von einer rosa blühenden Garten-Lupine
Bild: Garten-Lupine (Lupinus x hybrida 'Gallery Blue') Mitte September bei München *

Foto der schwarzen Beere einer Schwarzen Tollkirsche
Bild: Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) im Oktober in Oberbayern *

Foto einer Vielfarbigen Wolfsmilch mit gelben Blüten
Bild: Vielfarbige Wolfsmilch mit gelben Blüten (Euphorbia epithymoides) *

Foto einer grün-gelben, trichterförmigen Blüte der Duftenden Engelstrompete
Bild: Duftende Engelstrompete (Brugmansia suaveolens) *

Foto von weissen Blüten einer Helleborus niger mit gelben Staubblättern
Bild: Schneerose/Christrose (Helleborus niger), auch Weihnachtsrose, Mitte April

Foto der violett-blauen Blüten vom Hohen Rittersporn
Bild: Hoher Rittersporn (Delphinium elatum) im September in Oberbayern *

Foto mehrerer Pflanzen vom Kleinblütigen Fingerhut mit kerzenförmigen, rost-braunen Blüten
Bild: Kleinblütiger Fingerhut (Digitalis parviflora) Ende Juni in Oberbayern *

Foto der weissen, glockenförmigen Blüten von einem Maiglöckchen
Bild: Maiglöckchen (Convallaria majalis) Mitte Mai bei München

Foto von grünen Blättern einer Wald-Tabak-Pflanze der Sorte Niobe
Bild: Wald-Tabak (Nicotiana sylvestris 'Niobe') Ende Juni *

Foto von Vorfruehlings-Alpenveilchen mit rosa-roter Blüte und hell gezeichneten dunkelgrünen Blättern umgeben von Laubblättern
Bild: Vorfrühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum)

* Foto © Oliver Fries

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→ Zur Pflanzenwelt (Flora) in Deutschland mit Ideen für Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner)

 

[1] Paracelsus, Septem Defensiones 1538, Werke Band 2, Darmstadt 1965, S. 510.