Laubbäume - Der Laubbaum
 

Definition und Begriff

 

Der Laubbaum zählt in der Botanik zur Pflanzen-Familie der Bedecktsamer (Angiospermen) wie auch Hülsenfrüchte, Getreide oder Nachtschattengewächse, bei denen die Samenanlage im Fruchtknoten eingeschlossen ist.

Laubbäume (englisch: deciduous trees) sind in diesem Lexikon Bäume, die keine essbaren Obst-Früchte oder Nüsse tragen und im Unterschied zu Nadelbäumen an ihren Ästen Laubblätter statt Nadeln aufweisen.

Laubbäume, die für den Menschen essbare Obst-Früchte tragen wie z.B. Apfelbaum, Birnbaum oder Kirschen, sind in diesem Lexikon aus Gründen der Übersicht in einer eigenen Rubrik → Obstbaumarten zu finden, auch wenn sie wegen ihrer Blätter zu den Laubbäumen zählen.

Auch blätter-tragende Nussbäume wie der Kastanien-, Haselnuss- oder Walnuss-Baum gehören zu den Laubbaum-Arten und sind aus Gründen der Übersicht in einer eigenen Rubrik → Nussbaumarten zu finden.

Die Bestimmung einheimischer Laubbäume kann nach Blätter/Blattformen, Blüten, Früchte, Knospen oder Rinde erfolgen, wobei die Gestalt der Blätter (Aufbau, Anordnung, Blattrand, Form) eines der wichtigsten Bestimmungsmerkmale der Laubbäume ist.

 

Arten, Sorten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt beliebte sommergrüne oder immergrüne Laubbaum-Arten in Deutschland, wobei der Schwerpunkt auf einheimische und winterharte Laubbaumarten gelegt wird.

Eine Beschreibung und ein Steckbrief mit Fotos der verschiedenen Baumarten folgt in Kürze.

 

Sommergrüne Laubbäume

 

  • Ahornbaum (Acer): z.B. Bergahorn, Blutahorn, Feldahorn, Spitzahorn, z.T. schnell wachsend
  • Amberbaum (Liquidambar): sehr langsam wachsend
  • Birke (Betula): z.B. Weißbirke, wilde Arten wachsen als Zwergstrauch und Kleinstrauch, schnellwachsend
  • Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa): wächst sehr schnell
  • Buche (Fagus): z.B. Rotbuche mit ihren Sorten Blutbuche und Hänge-Buche
  • Eberesche/Vogelbeere/Mehlbeere (Sorbus): schnellwachsend, kann auch als Großstrauch wachsen
  • Eichenbaum (Quercus): z.B. Roteiche, Spree-Eiche, Stieleiche, Traubeneiche, wächst langsam
  • Erle (Alnus): z.B. Grau-Erle, Schwarzerle, schnellwachsend
  • Eschenbaum (Fraxinus): z.B. Gemeine Esche, Manna-Esche, Schmalblättrige Esche, schnellwachsend
  • Ginkgobaum (Ginkgo biloba)
  • Hainbuche (Carpinus): z.B. Weißbuche (Carpinus betulus)
  • Linde (Tilia): z.B. Silber-Linde, Sommerlinde, Winterlinde/Steinlinde
  • Pappel (Populus): z.B. Balsampappel, Schwarzpappel, Silberpappel/Weißpappel, schnell wachsend
  • Platane (Platanus): z.B. Ahornblättrige Platane
  • Robinie (Robinia): auch Scheinakazie oder Silberregen genannt, schnellwachsend
  • Roßkastanie (Aesculus): z.B. Gemeine Rosskastanie, Fleischrote Rosskastanie
  • Ulme (Ulmus): z.B. Bergulme, Feldulme, Flatterulme
  • Weide (Salix): z.B. Bruchweide, Salweide, Silberweide, können auch als Großstrauch schnell wachsen
  • Weißdorn (Crataegus): Heilpflanze des Jahres 1990

 

Unter den genannten Laubbaum-Arten sind einige auch zum Anlegen einer sommergrünen Hecke geeignet. Ein exotischer und sommergrüner Laubbaum aus China ist der Kiribaum, der wegen seinen auffallend violetten Blüten als Zierbaum in Europa gepflanzt wird.

 

Immergrüne Laubbäume

 

Als immergrüne Laubbaum-Arten im Winter kommen nach folgender Übersicht z.B. diese Bäume in Frage:

 

  • Gewöhnlicher Buchsbaum (Buxus sempervirens)
  • Kirschlorbeer/Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus)
  • Echter Lorbeer (Laurus nobilis): wächst nur in milden Lagen von Deutschland, beliebtes Gewürzkraut
  • Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)
  • Steineiche (Quercus ilex): nur in sehr milden Lagen in Deutschland winterhart

 

Auch vom Rhododendron gibt es Arten, die als immergrüne Laubbäume im Garten gepflanzt werden können und bis zu 5 Meter hoch wachsen.

Zu beachten ist, dass Buchsbaum, Ilex, Lorbeerkirsche und Robinie in ihren Blättern, Blüten, Früchten oder Rinde Pflanzengifte enthalten und zu den Giftpflanzen zählen.

Unter den genannten immergrünen Laubbaum-Arten eignen sich Buchs, Kirschlorbeer und Stechpalme zum Anlegen einer immergrünen Hecke.

 

Vertikale Wuchshöhe

 

Nach der jeweiligen Baumgröße unterteilen sich Laubbäume in:

 

 

Foto von einem heimischen Wald mit Laubbäumen in der Nähe vom Mangfall-Fluß in Oberbayern
Bild: heimischer Wald mit Laubbäumen in der Nähe vom Mangfall-Fluß in Oberbayern, Foto: Olaf Fries

 

Warum werfen Laubbäume im Winter ihre Blätter ab?

 

Die meisten Laubbäume können erst durch das Abwerfen der Blätter (Herbstlaub) überwintern, weil ihre Wurzeln aus dem kalten Boden kein Wasser mehr aufnehmen können, um damit die Blätter für die Photosynthese zu versorgen.

Hinzukommt, dass das in den Blättern gespeicherte Wasser bei Winter-Frost das Blatt zerstören würde. Aus diesem Grund entziehen die Laubbäume im Herbst den Blättern Nährstoffe (Chlorophyll) und Wasser, wodurch sich auch die Gelbfärbung und Rotfärbung der welken Blätter erklärt.

Mit dem Abwurf der Blätter kommt die Verdunstung der Laubbäume im Winter nahezu zum Stillstand.

Der Laubabwurf zum überwintern ist außerdem für viele Laubbäume ein Schutz vor Schneebruch.

Eine Ausnahme bei den Laubbäumen sind Eiche, Hainbuche und Rotbuche, die ihre braunen Blätter den ganzen Winter über behalten und erst im Frühjahr abwerfen.

 

Warum treiben Laubbäume im Frühjahr unterschiedlich schnell ihre Blätter aus?

 

Damit ein Laubbaum Blätter austreiben kann, muß er mit Hilfe seiner Wurzeln und speziellen Zellen im Stamm (den sog. Tracheen) Wasser und Nährstoffe aus der Erde zu den Ästen nach oben transportieren.

Je nach der Holzstruktur vom Stamm bzw. dem Splintholz kann das unterschiedlich schnell und effektiv passieren. Laubbäume mit einer ringporigen Holzstruktur wie Eiche, Esche, Kastanie/Edelkastanie, Robinie oder Ulme nutzen für den Wassertransport nur den äußersten und jüngsten Jahresring, der im Frühjahr erst gebildet werden muß.

Laubbäume mit einer zerstreutporigen Holzstruktur wie Ahorn, Birke, Buche, Linde oder Pappel nutzen für den Wassertransport den gesamten Jahresring und treiben deshalb im Frühjahr früher die Blätter aus.

 

Johannistrieb der Laubbäume

 

Laubbaum-Arten wie Ahorn, Birke, Buche (Rot-Buche), Eberesche, Eiche, Hainbuche und Linde weisen das Phänomen vom Johannistrieb auf. Dieser "zweite Frühling" bewirkt, dass die Bäume unterm Jahr ein zweites Mal ihre Blätter austreiben.

Der Johannistrieb verdankt seinen Namen dem Umstand, dass er etwa um den Johannistag am 21. Juni stattfindet. Er wird auf Witterungseinflüsse zurückgeführt und dient der Regeneration von Fraßschäden am Blätter-Bestand, der zu diesem Zeitpunkt bereits durch Tiere stattgefunden hat.

Der Johannistrieb ist aber nicht nur bei Läubbäumen zu beobachten, sondern auch bei Nadelbäumen wie der Lärche.

 

Bedeutung der Laubbäume in der Natur

 

Der Laubbaum liefert im Herbst durch seine herabfallenden Blätter für viele Tiere, Pilze und Pflanzen eine Überlebensgrundlage. So überwintern im Falllaub Kleintiere und Insekten wie zum Beispiel Asseln, Frösche, Grille, Käfer (Marienkäfer, Laufkäfer), Lurchen, Motten, Ohrwürmer oder Regenwürmer.

Auch größere Tiere wie die Igel oder die Spitzmaus überwintern im Falllaub und Herbstlaub der Laubbäume.

Die Blätter schützen außerdem tierische und pflanzliche Boden-Organismen, also die Bodenflora und Bodenfauna, sowie die Wurzeln von Pflanzen vor Sonne, Erosion, Austrocknung, extremer Kälte und Frost.

Nicht zu vergessen, dass Laubblätter einen sehr guten Dünger und Kompost zum Mulchen im Garten (z.B. für Beete, Hecken, Sträucher) liefert, aber auch allgemein Humus in der freien Natur bereitstellen.

Die Früchte und Blätter vieler Laubbäume sind auch die Nahrungsgrundlage von vielen Larven wie z.B. von Blattwespen oder der Raupen von Schmetterlingen (→ vgl. Schmetterlingsgarten).

Viele Laubbäume sind ein wichtiger Lebensraum für Moose und Flechten, die sich auf ihrer Rinde ansiedeln.

 

Bedeutung als Rohstoff und Holz

 

Bedingt durch seine enge Gefäßstruktur und einen hohen Anteil von Fasern ist das Holz der Laubbäume relativ hart und schwer.

Laubbaum-Holz zählt mit Ausnahme von Erlen, Linden, Pappeln und Weiden zum Hartholz mit einer Darrdichte von mehr als 550 kg pro Kubikmeter.

Wofür wird Hartholz verwendet?

Als Baustoff wird Laubbaumholz bevorzugt dort eingesetzt, wo Holz lange haltbar sein soll sowie mechanische und witterungsbedingte Belastungen aushalten muss (z.B. Bauholz, Terrassen und Zäune im Gartenbau, Fussböden, Möbel, Konstruktionsholz, Musikinstrumente, Werkzeuge).

Wegen seiner höheren Dichte brennt das Hartholz der Laubbäume langsamer ab als Nadelbaum-Holz. Allerdings weist es einen geringeren Brennwert auf und wärmt deshalb langsamer den Wohnraum auf.

 

Bedeutung der Laubbäume im Garten und der Gartenkunst

 

Bei der Gartengestaltung sind einheimische Laubbäume (wie auch immergrüne Nadelbäume) in Deutschland sehr beliebt, weil sie nach der Anwachsphase sowie dem Schneiden der Wuchsform sehr robust sind und kaum Pflege benötigen.

Die nicht-immergrünen (laubabwerfenden) Laubbäume zaubern im Herbst ein wahres Feuerwerk von Farben in den Garten.

Kleine Laubbaum-Arten wie der Fächer-Ahorn (Acer palmatum), der Feuer-Ahorn (Acer ginnala) oder der Japan-Ahorn (Acer japonicum) eignen sich auch als mobile Kübelpflanzen für die Terrasse, den Balkon oder den Wintergarten.

In China und Japan ist Bonsai (auf deutsch: die "Anpflanzung in der Schale") eine traditionelle Form der Gärtenkunst, bei der Bäume und Sträucher mit kleinen Blättern durch einen speziellen Formschnitt klein gehalten werden. Für Bonsai eignen sich z.B. Laubbaumarten wie verschiedene Ahorne, Buchen und Ulmen.

 

Bedeutung der Laubbäume in der Medizin

 

Verschiedene Laubbaum-Arten wie die Eiche, Eberesche, Edelkastanie, Espe, Linde und die Rosskastanie zählen zu den Arzneipflanzen und Heilpflanzen in der Medizin und Naturheilkunde.

Zur Anwendung kommt dabei die Heilwirkung von den Blättern (z.B. Kastanienblätter, Gingko), den Blüten (z.B. Lindenblüten), den Früchten (z.B. Vogelbeeren), den Knospen (z.B. Pappel), der Rinde (z.B. Birkenwasser, Eichenrinde) oder dem Stamm (z.B. Ahornsirup).

Die verschiedenen Bestandteile von Laubbäumen werden dabei auch als Teekraut für Blättertees, Blütentees, Früchtetees oder Rindentees genutzt.

 

Symbolik und Mythos

 

Der Laubbaum ist wegen seiner stetigen Lauberneuerung ein Symbol für den Sieg über den Tod und die Wiedergeburt des Lebens.

Einzelnen Laubbäumen werden in der Baumsymbolik traditionell bestimmte Eigenschaften zugeordnet:

So gilt die majestätische, deutsche Eiche als Symbol für Ehre, Härte, Kraft, Männlichkeit, Unsterblichkeit, Unbeugsamkeit oder Standfestigkeit. Die Eiche gilt als der "weise Vaterbaum" und "König der Bäume", der den Menschen hilft, die Herrschaft über ihre Emotionen zu gewinnen.

Wegen ihrer angeblichen Fähigkeit, Blitze anzuziehen, wurde die Eiche bei den Germanen, Griechen und Römern als heiliger Donnerbaum oder Blitzbaum verehrt.

In der germanischen und nordischen Mythologie wurde die Esche als heiliger Baum bzw. Weltenbaum Yggdrasil verehrt.

 

Rekorde und Superlative

 

Als häufigste einheimische Laubbäume in Deutschland sind die Linde, die Eiche und besonders die Buche (Rotbuche) zu nennen.

Wer schnellwachsende Laubbäume in seinem Garten haben möchte, der sollte eine Birke, Erle, Esche, Vogel-Kirsche, Pappel, Robinie, Vogelbeere/Eberesche oder Weide oder einen Kaiserbaum pflanzen.

Der schnellst wachsende Laubbaum mit einem Zuwachs von über 2 Meter pro Jahr soll die Sorte Paulownia 'Nordmax21' der Firma WeGrow in Bonn (Nordrhein-Westfalen) sein.

Oder wenn es etwas ausgefallenes sein soll, dann kommt als schnellwachsender Laubbaum auch der Eucalyptus-Baum in Frage (z.B. die frostharten Eucalyptus debeuzevillei und Eucalyptus niphophila).

Zu den langsam wachsenden Laubbäumen zählen Amberbaum, Eiche und Baum-Hasel.

Die größten Laubbäume in Deutschland sind mit bis zu 40-45 Meter Wuchshöhe der Berg-Ahorn, die Buche (Rotbuche), die Stiel-Eiche, die Europäische Lärche und die Esche.

Die größten Laubbäume auf der Welt sind die Eukalypten in Australien wie z.B. der Riesen-Eukalyptus (Eucalyptus regnans), der auch Königs-Eukalyptus genannt wird.

Zu den kleinsten deutschen Laubbäumen mit bis zu 10 Meter Wuchshöhe zählen Blumen-Esche, Kugel-Robinie oder Kugel-Ahorn.

Übrigens: Die Esche ist der einzige Laubbaum, der im Herbst und Winter seine Blätter in grünem Zustand abwirft.

Eine einzigartige Ansammlung verschiedenster z.T. exotischer Laubbäume (und Blütensträucher) findet sich auf der gut 2 km langen über 350 Jahre alten Lichtentaler Allee im Stadtkreis Baden-Baden in der Region Mittlerer Oberrhein (Baden-Württemberg), die weltweit auch als "Straße der Bäume" bekannt ist.

 

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