Nadelbäume und Koniferen
 

Was sind Nadelbäume? Eine Definition

 

Der Nadelbaum zählt in der Botanik zur Gruppe der Nacktsamigen Pflanzen (Gymnospermae, Nacktsamer, Gymnospermen), bei denen der Samen bzw. die Samenanlage nicht von einem Fruchtknoten eingeschlossen ist und frei auf den Schuppen liegt.

Nadelbäume (englisch: conifers) bilden im Unterschied zu Laubbäumen keine Früchte aus, sondern entwickeln aus den (weiblichen) Blüten Zapfen.

Anstelle von Laubblättern tragen sie außerdem Nadelblätter, die mit Ausnahme der Lärchen (Larix) und Goldlärchen (Pseudolarix) mehrjährig und immergrün am Baum bleiben.

Die Bestimmung der Nadelbäume und Nadelgewächse erfolgt über ihre Rinde, Blüten, Nadeln und Zapfen.

Der Nadelbaum zählt zu den pflegeleichtesten Gartenpflanzen. Nadelgehölze sollten jedoch sparsam im Garten gepflanzt werden, da sie den Boden versäuern und damit zu einer Moos-Bildung auf Rasen und Wiese führen können.

 

Foto einer Latschenkiefer, Europäischen Lärche und Tanne in Oberbayern
Bild: Latschenkiefer, Europäische Lärche und Weiss-Tanne, Foto: Mike Gallus

 

Sorten, Arten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Nadelbaumarten und heimischen Nadelbäume in Deutschland, wie man sie auch in der Baumschule kaufen kann:

 

  • Douglasie (Pseudotsuga)
  • Eibe (Taxus): einheimischer Nadelbaum, der auch als Großstrauch wachsen kann
  • Fichte (Picea): Gemeine Fichte, Rotfichte
  • Goldlärche (Pseudolarix amabilis): sommergrüner Nadelbaum
  • Hemlocktanne (Tsuga): auch Schierlingstanne, harzloser Nadelbaum
  • Kiefer/Föhre (Pinus): inkl. Bergkiefer und Waldkiefer
  • Lärche (Larix): sommergrüner Nadelbaum, im 19. Jahrhundert nach Europa eingeführt
  • Lebensbaum (Thuja)
  • Mammutbaum (Sequoioideae): → die größte Pflanze der Welt
  • Scheinzypresse (Chamaecyparis)
  • Sicheltanne (Cryptomeria)
  • Tanne (Abies)
  • Wacholder (Juniperus): kann auch als Großstrauch wachsen und ist ein beliebter Früchtetee
  • Zeder (Cedrus)
  • Zypresse (Cupressus)

 

Nach der jeweiligen Baumgröße unterteilen sich heimische Nadelbäume in:

 

 

Unter den genannten Nadelbaum-Arten sind einige auch zum Anlegen einer immergrünen Nadelhecke geeignet. Kleine Nadelbäume eignen sich ferner als mobile Kübelpflanzen für den Balkon, die Terrasse oder den Wintergarten.

Zu beachten ist, dass Nadelgehölze wie die Eibe und der Lebensbaum in ihren Nadeln oder in ihrer Rinde Pflanzengifte enthalten und zu den Giftpflanzen zählen.

Eine Beschreibung, Bilder und ein Steckbrief mit den Eigenschaften zum Bestimmen der genannten Nadelbaum-Arten folgt in Kürze.

 

Nadelbäume im naturgeschützten Moos-Gebiet vorm Kirchsee in Oberbayern
Foto: Wald mit Nadelbäumen im naturgeschützten Moor-Gebiet am Kirchsee in Oberbayern

 

Bei der botanischen Bestimmung der Nadelholzgewächse (Pinophyta) werden folgende Pflanzenfamilien unterschieden:

 

  • Eibengewächse (Taxaceae): Europäische Eiben (Taxus baccata)
     
  • Kieferngewächse (Pinaceae): Douglasien (Pseudotsuga), Fichten (Picea), Goldlärche (Pseudolarix), Hemlocktannen (Tsuga), Kiefern (Pinus), Lärchen (Larix), Tannen (Abies), Zedern (Cedrus)
     
  • Zypressengewächse (Cupressaceae): Lebensbäume/Thujen (Thuja), Mammutbäume (Sequoioideae), Scheinzypressen (Chamaecyparis), Sicheltannen (Cryptomeria japonica), Wacholder (Juniperus), Zypressen (Cupressus)

 

Besonderheiten der Blüten und Samen

 

Bei den Nadelbäumen befinden sich männliche und weibliche Blüten niemals an ein und demselben Blütenstand, sondern sie sind immer auf getrennte Zapfen verteilt.

Unterschieden werden dabei die sogenannte Einhäusigkeit (Monözie) und Zweihäusigkeit (Diözie):

Die Mehrheit der Nadelbaum-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtlich (monözisch), d.h. männliche und weibliche Blüten befinden sich getrennt voneinander auf einem Baum.

Wacholder (Juniperus) und Weiden (Salix) sind mit Ausnahme weniger Arten zweihäusig getrenntgeschlechtlich (diözisch) mit männlichen und weiblichen Blüten an verschiedenen Bäumen.

Außerdem gibt es wenige Nadelbaumarten wie die Europäische Eibe (Taxus baccata), die Echte Trauerweide (Salix babylonica) oder den Gemeinen Wacholder (Juniperus communis), die eigentlich zweihäusig sind, aber in seltenen Fällen auch einhäusig vorkommen.

Wenn die Zapfen reif sind, verholzen die Samen- und Deckschuppen. Der Samen liegt dann frei zwischen dem verholzten Kegel und den Schuppen.

 

Foto von weiblichen Bergkiefer-Zapfen
Bild: Weibliche Zapfen einer Bergkiefer (Pinus mugo)

 

Besonderheiten der Bestäubung: "Vom Winde verweht"

 

Alle Nadelbäume haben sog. anemogame Blüten (→ Anemogamie) ohne Blütenblätter und sind wie die Gräser windblütig.

Das bedeutet, daß beim Nadelbaum nur eine Windbestäubung zum Fortbestand der Arten stattfindet, während beim Laubbaum die Bestäubung auch Tiere (z.B. Bienen) bestimmen können.

Allerdings können auch Tiere wie das Eichhörnchen oder der Fichtenkreuzschnabel bei der Nahrungssuche zur Verbreitung der Samen beitragen.

Diese Bestäubung wäre aber rein zufällig im biologischen Befruchtungskonzept der Nadelbäume, die wegen ihrer kleinen, nektarlosen, geruchslosen und unauffälligen Blüten in erster Linie auf Windbestäubung angewiesen sind.

Die anemogamen Blüten aller Nadelbäume produzieren dabei eine sehr große Menge an Pollen, wovon besonders Allergiker in der Pollenzeit geplagt werden.

Die Pollen der Nadelbäume haben keinen Pollenkitt und große frei liegenden Narben, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass bei der ungerichteten Windbestäubung die Pollen auf eine weibliche Blüte der gleichen Art gelangen können.

Der Samen bestimmter Nadelbaum-Arten kann auch im Boden überwintern und keimt dann erst angeregt durch die Winterkälte im nächsten Frühjahr.

 

Besonderheiten der Nadeln

 

Wie die Laubblätter beim Laubbaum sind auch die Nadeln beim Nadelbaum für die Photosynthese und damit für die Nährstoffgewinnung zuständig.

Die Nadeln der Nadelbäume sind wegen ihrer kleineren Oberfläche im Vergleich zu den Blättern der Laubbäume besser gegen Frost und Kälte geschützt.

Nadeln sind auch robuster als Blätter, benötigen weniger Nährstoffe und sind durch eine Harzschicht bzw. Wachsschicht (Cuticula) im Winter besser vor Verdunstung, Austrocknung und Frost geschützt.

Die Wachsschicht der Nadeln verhindert letztlich, dass die Bäume im Winter austrocknen, wenn über die Wurzeln kein gefrorenes Wasser aufgenommen werden kann.

Durch die größere Oberfläche von Laubblättern gegenüber Nadeln können Laubbäume eine größere Photosynthese umsetzen und wachsen im Durchschnitt schneller als Nadelbäume. Dafür benötigen sie aber auch nährstoffreichere und feuchtere Böden als Nadelbäume.

Die Nadeln der verschiedenen Nadelbaumarten unterscheiden sich z.T. markant hinsichtlich ihrer Länge, ihres maximal erreichbaren Alters oder auch der Spitzigkeit.

So weisen z.B. Kiefernnadeln die höchste Länge auf, während Tannennadeln das höchste Alter unter allen Nadelbaumarten erreichen.

 

Foto von dem Zweig Zapfen und langen Nadeln einer Waldkiefer
Bild: Zweig einer Waldkiefer (Pinus sylvestris) mit Zapfen und langen Nadeln

 

Welcher Nadelbaum wirft seine Nadeln ab?

 

Die Nadeln von einem Baum können wie z.B. bei der Tanne bis zu zehn Jahre alt werden und fallen das ganze Jahr über in der Reihenfolge ihres Alters ab. Gleichzeitig wachsen das ganze Jahr über neue Nadeln nach.

Die Lärche und die Goldlärche sind die in Deutschland meist verbreiteten Nadelbäume, die nicht immergrün sind und ihre Nadeln im Herbst und Winter abwerfen.

Ein weiterer sommergrüner Nadelbaum ist der Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides), der auch Chinesisches Rotholz oder Wassertanne genannt wird.

Dieser einzige Vertreter innerhalb der Metasequoia-Baumgattung zählt ähnlich wie der Gingko-Baum oder die Baumfarne (verholzende Farnarten in den Tropen) aufgrund seines Jahrmillionen zurückreichenden Vorkommens auf der Erde zu den lebenden Fossilien.

 

Ökologische Bedeutung

 

Nadelbäume bieten aus ökologischer Sicht Insekten (z.B. Bienen, Schmetterlinge) und Vogelarten deutlich weniger Lebensraum und Nahrung als Laubbäume. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Nadelbaum-Marienkäfer, der vorzugsweise im Nadelwald mit Fichten, Tannen und Kiefern vorkommt.

Nadelbäume sind allerdings ein wichtiger Lebensraum für Moose und Flechten, die sich auf ihrer zumeist sauren Rinde ansiedeln.

Exzessives Pflanzen von nicht-heimischen Nadelbäumen kann jedoch zu einem Rückgang vieler Singvogel-Arten führen, weil diese auf einheimische Laubsträucher und Laubbäume angewiesen sind.

Wer also viele Vögel und Schmetterlinge in seinem Garten haben möchte, sollte wenig Nadelbäume pflanzen und anstelle dessen Laubbäume, Vogelsträucher/Vogelhecken und Schmetterlingshecken bzw. Sträucher für Schmetterlinge (vgl. Schmetterlingsgärten).

Die Nadelbäume sind anfällig für Krankheiten durch Luftschadstoffe, weil sie beispielsweise im Vergleich zu Laubbäumen ihre Nadeln jahrelang behalten und sie nicht jährlich regenerieren.

 

Bedeutung in der Gartenkunst

 

In China und Japan ist Bonsai (auf deutsch: die "Anpflanzung in der Schale") seit Hunderten von Jahren eine spezielle Form der künstlerischen Gartengestaltung, bei der Bäume und Sträucher mit kleinen Nadeln durch einen speziellen Formschnitt und Rückschnitt klein gehalten werden.

Für Bonsai eignen sich z.B. Nadelbaumarten wie Eiben, Fichten, Hemlocktannen (Tsuga), Kiefernbäume/Föhren, Lärchen und Wacholder. Aber auch Laubbaumarten wie Ahornbäume, Buchen, Eschenbäume und Ulmen.

 

Foto von einer großen Bonsai-Eibe
Bild: Bonsai-Eibe (Taxus baccata) auf der Landesgartenschau Rosenheim 2010, Foto: Mike Gallus

 

Bedeutung als Rohstoff und Holz

 

Das Holz der Nadelbäume ist relativ weich und zählt mit Ausnahme der Schwarzkiefer zum Weichholz mit einer Darrdichte von weniger als 550 kg pro Kubikmeter.

Wofür wird Weichholz verwendet?

Das Nadelbaumholz wird bevorzugt dort eingesetzt, wo ein geringes Gewicht und eine einfache Bearbeitung von Oberflächen von Bedeutung sind (z.B. für leichte Möbel auch mit Ornamenten und Schnitzereien oder im Innenausbau für Holzdecken, Türen und Wände).

Hinzukommt, dass Weichholz meistens heller ist als Hartholz und sich seine Oberfläche leichter mit Farbe, Öl oder Wachs behandeln läßt.

Weil Weichholz schneller nachwächst als Hartholz, ist es preiswerter und findet deshalb auch als Bauholz Verwendung.

Wegen seiner geringeren Dichte brennt Nadelbaum-Holz schneller ab als hartes Laubbaum-Holz. Allerdings weist es durch den hohen Harz-Anteil einen höheren Brennwert pro kg auf.

Das Weichholz der Nadelhölzer wärmt deshalb schneller den Wohnraum auf (bezogen auf Volumeneinheiten ist der Brennwert von Laubbäumen wegen der höheren Dichte höher).

 

Bedeutung in der Medizin und Naturheilkunde

 

Verschiedene Nadelbäume finden Verwendung als Heilpflanzen in der Naturheilkunde und Medizin. Die ätherischen Öle von Nadelbaumarten wie Fichte oder Kiefer (Latschenkiefer) haben eine desinifzierende und erfrischende Wirkung.

Sie werden deshalb gerne in der Sauna für den Salzaufguss und als würzig-aromatischer Saunaduft verwendet.

 

Rekorde und Superlative

 

Die größten Zapfen der Welt bei Nadelbäumen findet man bei der Zuckerkiefer (bis 60 cm lang und 25 cm breit), die mit Wuchshöhen um die 80 Meter auch die höchste aller Kiefernarten ist.

 

Foto von den Riesen-Zapfen einer Zuckerkiefer
Bild: Riesen-Zapfen einer Zuckerkiefer (Pinus lambertiana)

 

Die ältesten Nadelbäume bzw. Nadelgehölze auf der Welt sind die Ableger einer schwedischen Fichte (ca. 9500 Jahre) im Nationalpark Fulufjället und eine Langlebige Kiefer (Pinus longaeva) im Hochgebirge Kaliforniens (ca. 4700 bis 5000 Jahren) mit dem Namen "Methuselah".

Ferner einige algerische Zypressen (ca. 4000 Jahre) im Tassili-Gebirge, ein Mammutbaum/Riesenmammutbaum in den USA (ca. 3600 Jahre) oder auch Zedern, die bis zu 2500 Jahre alt werden können.

Die Douglasie, Gemeine Fichte und die Weiß-Tanne zählen mit Wuchshöhen von 40 bis 65 Metern zu den größten einheimischen Nadelbäumen und Bäumen in Europa (vgl. Großbäume).

So gelten auch drei Douglasien in Baden-Württemberg mit einer Wuchshöhe von über 63 Metern als höchste Nadelbäume in Deutschland.

Zwei Exemplare ("Waldtraut vom Mühlenwald" und "Douglasie Nr. 3") befinden sich in Freiburg im Breisgau (Schwarzwald) und ein anderes Exemplar im Odenwald in Eberbach (Region Rhein Neckar).

Nach aktueller Laservermessung soll die Douglasie "Waldtraut vom Mühlenwald" im Freiburger Stadtwald dabei nicht nur der höchste Nadelbaum, sondern auch der höchste Baum in Deutschland sein.

Im Schlosspark von Weinheim im Rhein-Neckar-Kreis befindet sich eine ca. im Jahre 1720 gepflanzte Libanon-Zeder (Cedrus libani), die vermutlich die älteste und größte Zeder in Deutschland ist.

Der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) gilt als der höchste Nadelbaum auf der Erde und die größte Pflanze auf der Welt.

Als höchste Exemplare dieser Mammutbäume, die gleichzeitig auch die höchsten Bäume der Welt sind, können z.B. zwei Bäume in Kalifornien genannt werden:

 

  • "Stratosphere Giant" im Humboldt Redwoods State Park (Stammhöhe 112,87 Meter, zweithöchster Baum auf der Erde) und
     
  • "Hyperion" im Redwood-Nationalpark (Stammhöhe 115,55 Meter, aktuell höchster Baum auf der Welt)

 

Schnellwachsende und langsam wachsende Nadelbäume

 

Wer auf der Suche nach sehr langsam wachsenden Bäumen ist, der sollte eine Eibe, Grannen-Kiefer, Korea-Tanne, Nobilis-Tanne oder Nordmann-Tanne pflanzen.

Zu den schnellwachsenden Nadelbäumen zählen Gemeine Fichte, Koloradotanne, Küstentanne, Waldkiefer.

 

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