Kräuter und Kräuterarten
 

Was sind Kräuterpflanzen und Kräuter? Eine Definition

 

Der Begriff "Kraut" oder "Kräuterpflanze" (englisch: herbage, herbs) stammt nicht aus der Botanik und steht für einjährige krautige Pflanzen und Stauden, die weder Farne, Flechten, Gräser noch Moose sind und deren Blüten, Blätter, Stängel und Wurzel für verschiedene Zwecke frisch oder getrocknet genutzt werden.

In der Umgangssprache und im Handel wird die Definition für Kräuter-Pflanzen und speziell für Tee-Kräuter allerdings weiter gefaßt und auch die Blätter, Blüten, Früchte und Rinde von verholzenden Pflanzen (Bäume und Sträucher) einbezogen.

Außerdem werden Kräuter nach ihrem Nutzwert und ihrer Wirkung definiert. Dieser weiter gefaßten Definition wird auch in diesem Lexikon gefolgt.

Die verschiedenen Kräuter-Arten ergeben sich somit aus ihrer Verwendung als Duftpflanzen, Zierpflanzen, Gewürze, Öl, Salat-Zutaten, Tee, Tinktur oder Heilpflanzen und Arzneipflanzen (medizinische Kräuter).

Pflanzen, die für den Menschen keinen Nutzwert haben und am jeweiligen Standort sogar unerwünscht sind, werden im Sprachgebrauch als "Unkraut" bezeichnet.

Die Bestimmung von Pflanzen als Kräuter oder Unkräuter durch den Menschen erfolgt jedoch willkürlich und ist ökologisch nicht begründbar (vgl. Unterseite Unkraut).

 

Verschiedene Bio-Kräuterpflanzen in Töpfen mit Basilikum, Majoran, Oregano und Petersilie
Foto: Verschiedene Bio-Kräuterpflanzen in Töpfen mit Basilikum, Majoran, Oregano und Petersilie

 

Arten, Sorten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt eine Übersicht für Kräuter und Kräuterpflanzen in Deutschland unterteilt nach ihrer Anwendung oder Wirkung der Inhaltsstoffe:

 

  • Duftkraut: stark duftende Kräuter wie Basilikum, Fenchel, Pfefferminze, Salbei, Zitronenmelisse
  • Giftkraut: giftige Kräuter mit für die Gesundheit schädlichen Pflanzengiften (vgl. Giftpflanzen)
  • Gewürzkraut (z.B. Borretsch, Dill, Liebstöckel, Petersilie, Rosmarin, Schnittlauch, Thymian)
  • Heilkraut: Kräuter mit einer Heilwirkung auf die Gesundheit (z.B. entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung bei Erkältung oder zur Entwässerung und gegen Bluthochdruck)
  • Salatkraut z.B. Basilikum, Fenchel, Melisse, Petersilie, Koriander, Salbei, Schnittlauch, Thymian
  • Teekraut: geeignet für Kräuter-Tees z.B. mit Anis, Arnika, Brennessel, Ingwer, Kamille, Melisse
  • Unkraut: z.B. Acker-Senf, Ampfer, Brennesseln, Hundspetersilie, Kletten-Labkraut, Spitzwegerich
  • Wildkraut: z.B. Beifuß, Brennessel, Brunnenkresse, Gartenkresse, Löwenzahn, Spitzwegerich
  • Zierkraut: z.B. Basilikum, Fenchel, Ingwer-Minze, Kerbel, Majoran, Petersilie, Salbei, Thymian

 

Tee-Kräuter können weiter unterteilt werden in Blättertee, Blütentee, Früchtetee, Rindentee und Wurzeltee.

 

"Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter streicht."
(Hildegard von Bingen, Pionierin der Heilkräuter-/Naturheilkunde, ca. 1098 - 1179)

 

Die Übergänge zwischen den Kräuter-Arten sind fliessend, weil viele Kräuter-Pflanzen mehrfach Anwendung finden. So z.B. Salbei und Thymian als Aromapflanzen im Duftgarten, als ätherische Öle, Gewürz und Salatgewürz, Kräutertee und Heilkräutertee oder allgemein als Kräuter zum Heilen.

Insbesondere die Unterscheidung von Giftkräutern und Heilkräutern verläuft fliessend, weil viele Heilkräuter in hoher Dosierung auch giftig sein können.

Die fliessenden Übergänge der Kräuterarten machen eine eindeutige Definition von Kräutern in Verbindung mit der sehr weiten Wortverwendung im allgemeinen Sprachgebrauch (vgl. ganz oben) unmöglich.

Übrigens: Das Basilikum-Kraut gilt als die "Königin der Kräuter" und ist ein beliebtes Gewürz z.B. für Blattsalate und Vorspeisen wegen der appetitanregenden Wirkung.

 

Welche Pflanzen kommen als Kräuterpflanzen in Frage?

 

Als Ursprungspflanzen für die Kräuter-Gewinnung kommen neben den "typischen" nicht verholzenden Kräuterpflanzen auch die folgenden krautigen und verholzenden Pflanzen in Frage:

 

a) Bäume (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten, Beeren/Früchte oder Rinde)
 

b) Blumen (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten oder Kraut)
 

c) Gemüse (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Kraut oder Knolle/Wurzel)
 

d) Flechten (z.B. Isländisches Moos, ein Heilkraut in Tibet)

 

e) Sträucher (Verwendung als Kräuter finden Blätter, Blüten, Früchte oder Rinde)
 

  

Anbau und Standort

 

Der Kräuteranbau in Deutschland erfolgt im Garten z.B. im Kräuterbeet oder Hochbeet, in Kräuterspiralen im Kräutergarten oder auf dem Freiland als Bäume, Bodendecker, Stauden und Sträucher.

Aussaat und Anbau von Kräutern können aber auch auf dem Balkon oder in der Wohnung als Kübelpflanzen und Topfpflanzen erfolgen.

Entscheidend für die Standort-Wahl ist oft die Frage, ob die Pflanzen grosser Kälte ausgesetzt werden dürfen. Viele Kräuter sind zweijährig oder mehrjährig und auch winterfest.

Allerdings kann es innerhalb einer Kräuter-Art durchaus Sorten und Züchtungen geben, die frostempfindlich sind und zum Überwintern im Topf oder im Kräutergarten abgedeckt werden müssen.

 

Ich habe die tiefste Überzeugung, dass die Kräuter nicht nur Heilmittel,
sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.
(Sebastian Kneipp, deutscher Pfarrer und Begründer der Kneipp-Medizin, 1821-1897.
Seiner Lehre folgte auch Maria Treben, österreichische Kräuter-Kundige, 1907-1991)

 

Ebenso gibt es winterfeste Kräuterpflanzen, die problemlos im Freien den Winter überdauern können, aber sehr empfindlich gegenüber Frost im Frühjahr nach dem Austreiben sind.

Bestimmte winterharte Kräuterpflanzen müssen auch gelegentlich im Winter gegossen werden, wenn dieser mild und trocken mit wenigen Niederschlägen ausfällt.

Es lohnt sich also, vor dem Kauf von Kräuter-Saatgut und Jungpflanzen in Gärtnereien und Sämereien die genauen Standort-Ansprüche der jeweiligen Pflanze in Erfahrung zu bringen.

Gleiches gilt natürlich auch für das Bestellen im Kräuter-Online-Shop, damit es nach der Aussaat im darauffolgenden Gartenjahr keine böse Überraschung gibt, weil die Kräuterpflanzen den Winter nicht überstanden haben.

 

Einjährige, zweijährige und mehrjährige Kräuter

 

Nachfolgend eine Liste mit einer Übersicht wichtiger Kraut-Arten in Deutschland, unterteilt in einjährige, zweijährige und mehrjährige Pflanzen:

 

Einjährige Kräuter (nicht winterhart)


Anis, Basilikum, Bilsenkraut (→ ein Nachtschattengewächs), Bohnenkraut, Borretsch, Kleine Brennessel, Dill, Echte Kamille, Kapuzinerkresse, Kerbel, Koriander, Majoran, Mohn (→ eine Alpenblume, Wildblume), Portulak, Ringelblume, Tagetes (→ eine Sommerblume).

 

Zweijährige, winterharte Kräuter (je nach Standort z.T. auch mehrjährig)


Angelika, Barbarakraut, Kümmel, Nachtkerze, Petersilie oder Stiefmütterchen (→ eine Balkonblume).

 

Mehrjährige, winterharte Kräuter


Arnika, Bärlauch, Bergbohnenkraut, Große Brennessel, Brunnenkresse, Eisenhut, Deutscher Estragon, Fenchel, Frauenmantel, Heiligenkraut, Johanniskraut, Kamille, Lavendel, Liebstöckel, Mädesüß, Winter-Majoran, Minze/Pfefferminze, Nelken, Wilder Oregano (Dost), Garten-Salbei, Schnittlauch, Sonnenhut, Spitzwegerich, Thymian, Waldmeister (→ eine Duftblume), Zitronenmelisse, Ysop (Josefskraut).

Mehrjährige Krautarten sind auch Ingwer und Langer Koriander (Korianderkraut). Allerdings sind diese exotischen bzw. chinesischen Kräuter nicht winterhart und wachsen nur in tropischem und subtropischem Klima.

 

Die beliebteste Kräuterpflanze in Deutschland

 

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) e. V. in Berlin erstellte von 2003 bis 2008 zusammen mit der Universität Kassel eine Studie über die beliebtesten Pflanzen in deutschen Kleingärten. Danach zählte die Petersilie zu den beliebtesten Kräuter-Pflanzen in Deutschland.

Daneben wurde als beliebtestes Gemüse die Tomate, als beliebteste Blume die Ringelblume, als beliebtester Obststrauch die Rote Johannisbeere und als beliebtester immergrüner Blütenstrauch der Echte Lavendel unter den fünf häufigsten Pflanzen in deutschen Kleingärten ermittelt.

 

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