Was sind Giftkräuter?
Der Begriff "Giftkraut" stammt nicht aus der Botanik, sondern aus der Umgangssprache. Giftkräuter sind in diesem Lexikon giftige Kräuter-Arten mit Inhaltsstoffen, die bei Lebewesen wie Menschen oder Tieren (z.B. Pferde) Krankheiten und Vergiftungen auslösen können.
Giftkräuter (englisch: poisonous herbage, poisonous herbs) zählen wie Giftbäume, Giftblumen, Giftsträucher und verschiedene Flechten und Farne zu den Giftpflanzen.
Die Pflanzengiftstoffe können dabei in der gesamten Kräuter-Pflanze vorkommen oder nur in bestimmten Teilen (z.B. Blätter, Blüten, Früchte, Samen oder Wurzel).
Die Aufnahme der Giftstoffe kann oral über den Mund, dermal/percutan über die Haut oder durch Inhalieren über die Atmung erfolgen.
Ob und inwieweit ein Giftkraut für Menschen oder Tiere giftig ist, hängt von der Konzentration, der individuellen Konstitution (Alter, Genetik, Körpergewicht) und von der Art der Giftaufnahme ab.
In der Medizin und Naturheilkunde (speziell in der Homöopathie) spielt die Dosierung von Wirkstoffen eine entscheidende Rolle in der Frage, ob Kräuter als Giftkraut oder Heilkraut eingestuft werden. Deshalb verläuft die Grenze zwischen Giftpflanze und Heilpflanze bzw. Arzneipflanze oft fliessend.
Sorten, Arten, Beispiele und begriffliche Abgrenzung
Eine exakte Zuordnung von Pflanzen als Giftkraut ist sehr schwierig bis unmöglich, weil für Giftkräuter botanisch keine Definition besteht und sich der Begriff giftige "Kräuter" in der Umgangssprache nicht nur auf das Kraut oder die Blätter einer Pflanze bezieht, sondern auch auf andere Pflanzen-Teile.
So werden z.B. im Handel als Teekräuter nicht nur Blättertees verkauft, sondern auch Blütentees, Früchtetees, Rindentees und Wurzeltees, deren Bestandteile auch von verholzten Sträuchern und Bäumen stammen können.
Giftige Kräuter können daher neben giftigen Blumen und Stauden auch giftige Gehölze (giftige Bäume oder giftige Sträucher) einschliessen.
Um eine Wiederholung zu vermeiden, findet sich eine Liste mit einer Übersicht typischer Giftkräuter in Deutschland, die für Menschen sehr giftig sind, auf der Unterseite für → Giftpflanzen.
Welche Pflanzengifte Giftkräuter im Garten jeweils enthalten können und in welchen Pflanzen-Bestandteilen wird auf der Unterseite für Pflanzengifte ausgeführt.
Im Mittelalter galten besonders einheimische Nachtschattengewächse wie Alraune, Bilsenkraut oder Nachtschatten als Giftkräuter und Zauberkräuter von Kräuterhexen, weil sie aufgrund der psychoaktiven Wirkung ihrer Tropan-Alkaloide mit Giftzauber in Verbindung gebracht wurden.
Verwechselungsgefahr mit anderen essbaren Kräutern
Wie bei essbaren und giftigen Pilzen können auch zahlreiche ungiftige Pflanzen äußerlich leicht mit giftigen Kräutern (z.B. giftige Waldpflanzen) verwechselt werden.
Bekanntes Beispiel ist der Bärlauch, der immer wieder mit der giftigen Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale), der Giftpflanze des Jahres 2010, dem giftigen Maiglöckchen (Convallaria majalis) oder dem giftigen Gefleckten Aronstab (Arum maculatum) verwechselt wird, wenn dessen Blätter noch keine Flecken aufweisen.
Die drei giftigen Wildpflanzen enthalten in ihren Blättern, Blüten oder Samen jedoch z.T. sehr wirksame Pflanzengifte, die bei entsprechender Dosierung auch lebensbedrohlich wirken können.
Deshalb sollte nur derjenige in freier Natur heimische Kräuter für die Küche sammeln, der über fundierte Kenntnisse bzgl. der Inhaltsstoffe und äußeren Erscheinungsmerkmale von Pflanzen verfügt. Zu groß ist die Gefahr einer Verwechselung.
In diesem Zusammenhang informiert z.B. auch die Telefon-Hotline der Giftinformationszentrale-Nord (GIZ) in Göttingen für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein über Toxikologie und giftige Kräuter in Deutschland.
Eine schriftliche Broschüre über Giftpflanzen gibt es ferner vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
→ Hier geht es zum Verzeichnis für Gärtner, Gärtnermeister und Landschaftsgärtner in Deutschland