Rindentee
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition

2. Arten, Sorten, Beispiele

3. Exotische Rinden-Teesorten

4. Inhaltsstoffe und Wirkung

5. Nebenwirkung bei Überdosierung

6. Weitere Bilder und Detail-Fotos

 

1. Was ist Rindentee ? Eine Definition

 

Die Bezeichnung "Rinden-Tee" stammt nicht aus der Botanik und wird in diesem Lexikon für Bäume und Sträucher verwendet, deren Rinde sich nach dem Trocknen durch Aufguss von heissem Wasser für die Zubereitung von einem teeähnlichem Getränk eignet.

Im engeren Sinne wird echter Tee nur aus Blättern der Teepflanze (Camellia sinensis) hergestellt. Bei allen anderen verwendeten Kräuter-Bestandteilen handelt es sich um teeähnliche Getränke (vgl. Definition von → Teekraut).

Im weiteren Sinne und umgangssprachlich werden auch Aufgußgetränke aus Rinde als Rindentee oder Tee bezeichnet.

Bei hierfür geeigneten Bäumen und Sträuchern wächst die meist von jungen Zweigen und Trieben abgeschnittene Rinde relativ schnell wieder nach und sie bleiben bei einer ökologisch nachhaltigen Ernte von Rindentee als "Kräuterpflanzen" erhalten.

Eine nachhaltige Rinden-Ernte im heimischen Garten setzt allerdings fundiertes forstwirtschaftliches bzw. gärtnerisches Fachwissen voraus. Ist dieses nicht gegeben, dann sollte die Ernte von Rinde stets Fachleuten überlassen werden, um Schaden von den Pflanzen abzuwenden.

 

Foto der Rinde einer Hänge-Birke mit weissen Betulin-Färbungen
Bild: Rinde einer Hänge-Birke (Betula pendula) Mitte März

 

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2. Arten, Sorten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt eine Übersicht heimischer Kräuter-Pflanzen (Bäume und Sträucher) in Deutschland, deren getrocknete Rinde (Cortex) sich wohldosiert für Tees eignen:

 

Sträucher

 

  • Berberitzenrinden- und Berberitzenwurzelrinden-Tee von der Echten Berberitze (Berberis vulgaris)

  • Faulbaumrindentee vom Gewöhnlichen Faulbaum (Frangula alnus, Syn.: Rhamnus frangula)

 

Bäume

 

  • Birkenrindentee von der Hänge-Birke (Betula pendula) und Moor-Birke (Betula pubescens)

  • Eichenrindentee von der Stiel-Eiche (Quercus robur)

  • Pappel-Rinde-Tee von der Schwarz-Pappel (Populus nigra)

  • Weidenrindentee von der Silber-Weide (Salix alba)

 

Foto der Rinde einer Stiel-Eiche mit einer Eichel und einem Eichenblatt
Bild: Blatt, Eichel und Rinde der Stiel-Eiche (Quercus robur), auch Deutsche Eiche *

 

Hinweis: Von den genannten Laubbäumen waren die Eiche (1989), die Weide (1999), die Birke (2000) und die Pappel (2006) Baum des Jahres.

 

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3. Exotische Rinden-Teesorten

 

Exotischer Rindentee, überwiegend aus den tropischen Regenwäldern von Südamerika (Argentinien, Brasilien), Asien und West-Afrika, wird zum Beispiel aus folgenden Kräuter-Pflanzen gewonnen:

 

  • Catuaba/Katuaba (Trichilia catigua und/oder Erythroxylum-Arten): auch Guter Baum

  • Jatoba (Hymenaea courbaril): auch Holzfäller-Tee (engl. Lumberjack-Tea")

  • Lapacho (Handroanthus impetiginosus, Syn. Tabebuia impetiginosa): auch Roter Tee oder Inka-Tee

  • Yohimbe (Pausinystalia yohimbe): auch Johimbe

  • Zimt vom Ceylon-Zimtbaum oder Echtem Zimtbaum (Cinnamomum verum)

 

Foto von der rotbraunen Rinde vom Zimt-Baum
Bild: Rinde vom Echten Zimtbaum (Cinnamomum verum) auf der Insel Curieuse (Seychellen)

 

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4. Inhaltsstoffe und Wirkung

 

Rindentees sind reich an Mineralien, Mineralstoffen und Spurenelementen wie Calcium, Eisen, Kalium und Magnesium. Das gilt vor allem für die roten Rindentee-Teesorten aus Südamerika (Argentinien, Brasilien) wie Jatoba und Lapacho.

 

Zu den Wirkungen der Rindentees im Einzelnen:

 

Extrakten und Tees aus Pappelrinde (Populi cortex) und Weidenrinde (Salicis cortex) werden in der Naturmedizin traditionell eine Wirkung gegen Entzündungen, Erkältungen, Fieber und Schmerzen zugeschrieben. Zurückzuführen ist diese Wirkung auf den Inhaltsstoff Salicin, einem Vorläufer von Aspirin.

Die Eichenrinde (Quercus cortex) gilt in der Volksmedizin als eine blutungs- und entzündungshemmende Arzneipflanze, wobei dieser Rindentee innerlich und äußerlich (z.B. für Haut-Umschläge) genutzt werden kann (vgl. auch → Eichenrinde).

Ein Tee aus Birkenrinde (Betulae cortex) enthält Betulin, dem eine antibakterielle, entzündungshemmende, antirheumatische, antivirale und antikarzinogene Wirkung zugeschrieben wird (vgl. auch → Betulin).

Einem Tee aus Faulbaumrinde (Frangulae cortex) wird vor allem eine verdauungsfördernde und abführende Wirkung zugeschrieben. Die faulig riechende frische Rinde muss jedoch mindestens ein Jahr gelagert werden, da sie vorher die Pflanzengifte Anthron und Anthranol enthält und zu den Giftpflanzen zählt.

Berberitzenrinde (Berberis Cortex bzw. Cortex Berberidis) und Berberitzenwurzelrinde (Berberidis radicis cortex) werden in der Naturheilkunde bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (z.B. Durchfall, Verstopfung) sowie zur Stärkung von Leber, Galle und Niere verwendet.

Der Catuaba-Tee aus den tropischen Regenwäldern geniesst in Brasilien den Ruf, dass er neben seiner erfrischenden Wirkung auch die Energie und Durchblutung fördern und als "Liebeszauber aus dem Urlaub" eine potenzsteigernde Wirkung haben soll.

 

"Zeugt ein Mann bis zum Alter von 60 Jahren ein Kind, war er es selbst.
Passiert es später, dann war es Catuaba."
(Brasilianisches Sprichwort)

 

Der Lapacho-Rindentee aus der inneren, roten Rinde vom Lapachobaum gilt in Südamerika wegen seiner stimulierenden und immunisierenden Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren als "Baum des Lebens".

Lapacho-Tee soll lindernd bei Schmerzen aller Art wirken und dabei helfen, dass die Zellen mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Er ist basisch, soll die Entschlackung beim Abnehmen unterstützen und enthält viele Mineralien wie Calcium, Kalium, Magnesium, Natrium oder Phosphor.

Lapacho-Tee hat in Argentinien, Bolivien und Peru etwa die gleiche Bedeutung wie der Ginseng in China.

 

Foto von Bio-Lapacho-Rinde aus Wildsammlung der Firma Sonnentor
Bild: Südamerikanischer Lapachorindentee aus Wildsammlung der Firma Sonnentor *

 

Der Jatoba-Tee (auch Holzfäller-Tee oder Lumberjack-Tea) wird aus der inneren Rinde des Jatoba-Baumes im Amazonas-Regenwald gewonnen und ihm wird eine stark vitalisierende und energetisierende Wirkung zugeschrieben.

Jatoba- und Lapachorindentee enthalten im Gegensatz zu vielen anderen Tees kein Teein und werden von Ureinwohnern in Südamerika auch als Heilpflanze z.B. für die Haut, die Verdauung, den Darm oder auch zur Steigerung der Immunkräfte verwendet.

Yohimbe-Rindentee aus dem afrikanischen Kamerun und Kongo enthält das Alkaloid Yohimbin, das eine aphrodisierende Wirkung haben soll.

Einem Tee aus oder mit Zimtrinde (Cinnamomi cortex) wird sowohl eine appetitsteigernde als auch eine verdauungsanregende Wirkung nachgesagt.

Ferner soll Zimt, wie auch Nelken, aufgrund des Inhaltsstoffes Eugenol Bakterien und Pilze zurückdrängen sowie Entzündungen hemmen.

Allerdings enthält Zimtrindentee den sekundären Pflanzenstoff Cumarin (Kumarin), der bei empfindlichen Menschen und Einnahme größerer Mengen die Leber schädigen kann.

Cumarin ist jedoch im Ceylon-Zimt nur zu etwa einem Zehntel enthalten wie im preislich günstigeren Cassia-Zimt vom Chinesischen Zimtbaum (Cinnamomum cassia). Deshalb sollte man Zimttee auf Basis von Ceylon-Zimt bevorzugt kaufen.

 

 

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5. Nebenwirkung bei Überdosierung

 

Bei allen zuvor genannten Wirkungen sollte stets beachtet werden, dass Rinden-Tee wie alle Tee-Sorten je nach getrunkener Menge, Dosierung und längerer Einnahme über Wochen oder Monate Nebenwirkungen haben kann.

Das gilt besonders für Zimt-Rindentee, dessen Wirkung je nach Dosierung oder Zimtart (Cassia-Zimt, Ceylon-Zimtbaum) und des Cumarin-Anteils kontrovers diskutiert wird.

Auch Yohimbe-Tee kann als Aphrodisiakum bei zu hoher Dosierung Nebenwirkungen wie Nervosität, Herzrasen, Schlafstörungen oder Unwohlsein bewirken.

Rindentee sollte deshalb nicht ohne einschlägige Kenntnisse über Heilpflanzen oder Rücksprache mit einem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker als normales Getränk zum Durstlöschen getrunken werden.

 

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6. Weitere Bilder und Detail-Fotos

 

Nachfolgend weitere Bilder von Rindentee-Pflanzen und Detail-Fotos der Rinde:

 

Foto von einem mittelbraunen  Stück Jatoba-Holz mit Rinde und Schnittfläche mit Durchmesser von etwa  zwanzig Zentimetern
Bild: Schnitt-Holz mit Rinde von einem Animebaum (Hymenaea courbaril), auch Jatoba genannt

Foto der grün-brauen Rinde einer Silber-Weide
Bild: Rinde einer Silber-Weide (Salix alba) Mitte September in Oberbayern *

Foto der grau-brau-grünen Rinde einer Schwarz-Pappel
Bild: Rinde einer Schwarz-Pappel (Populus nigra) Mitte Juli

* Foto © Oliver Fries

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→ Zur Pflanzenwelt (Flora) in Deutschland mit Ideen für Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner)