Sporenpflanzen (Kryptogame)
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition

2. Arten und Beispiele

3. Hinweis zur Systematik

4. Algen und Pilze als Sonderfälle

5. Standorte

6. Bedeutung als Bioindikatoren

 

1. Was sind Sporenpflanzen ? Eine Definition

 

Der Begriff "Sporenpflanze" (Kryptogame) bezeichnet in diesem Lexikon heimische Pflanzen, deren Vermehrung im Gegensatz zu Blütenpflanzen bzw. Samenpflanzen (Bedecktsamer, Nacktsamer) nicht durch Blüten und Samen-Bestäubung, sondern durch Sporen und einen Generationswechsel erfolgt.

Ein Generationswechsel bedeutet in der Botanik, dass sich die geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung von Generation zu Generation abwechselt.

Im Erdzeitalter zählen Sporenpflanzen (englisch: cryptogams) zu den ältesten Lebewesen auf der Welt. So wird heute davon ausgegangen, dass bereits vor etwa 400 bis 500 Millionen Jahren Flechten, Moose und Farne auf der Erde verbreitet waren.

Farnpflanzen waren damals bis zu 30 Meter hohe Bäume und dominierten zusammen mit baumartigen Bärlapppflanzen und Schachtelhalmen die heimische Pflanzenwelt in Form großer Wälder, deren Biomasse nach ihrem Absterben die Grundlage für Steinkohle bereitstellte.

Als tropische Sporenpflanze sind die Baumfarne (Cyatheales) bis heute die größten Vertreter dieser Fossilien und ihr Vorkommen liegt in subtropischen und tropischen Klimazonen auf der Erde.

Bei Baumfarnen weist der Stamm im Unterschied zu Bäumen kein Dickenwachstum auf. Sie finden seit dem 19. Jhrd. auch in Tropenhäusern wie im Botanischen Garten München als Zierpflanzen Verwendung.

 

Zeichnung fossiler Sporenpflanzen im Erdaltertum Karbon mit Steinkohleformation aus Zahnfarn, Schuppenbaum, Cordaites borassifolia, dem Vorläufer der Nadelbäume oder Koniferen, Baumfarn, Kalamiten, Sigillaria, Bärlappbaum mit Wurzeln im Wasser, Blattstern von Annularien
Abbildung: Fossile Sporenpflanzen im Erdaltertum Karbon mit Steinkohleformation aus Zahnfarn, Schuppen-Baum, Cordaites borassifolia (Vorläufer der Nadelbäume oder Koniferen), Baum-Farn, Kalamiten, Sigillaria, Bärlapp-Baum mit Wurzeln im Wasser, Blattstern von Annularien, Aus: Meyers Konversationslexikon, 15. Buch, 4. Auflage (1885-90)

 

Die ersten und ältesten Pflanzen auf der Erde sollen allerdings nach heutigen Erkenntnissen der Biologie die Algen sein, die sich vor etwa 3 Milliarden Jahren entwickelten und somit lange Zeit als einzige und erste Pflanzen auf der Erde verbreitet waren.

 

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2. Sorten, Arten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt eine Übersicht, welche heimischen Sporenpflanzen es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt:

 

a) Farne (Filicinophyta): → Sporenpflanze mit Wurzeln

b) Flechten (Lichenes): → wurzellose Sporenpflanze

c) Moose (Bryophyta): → wurzellose Sporenpflanze

 

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3. Hinweis zur Systematik

 

Sporenpflanzen stellen in der Biologie keine systematische Gruppe (Taxon) dar, weil sie keine gemeinsame Stammform als Ursprung haben:

So sind zum Beispiel bei den Landpflanzen die Farne eine botanische Gruppe innerhalb der Abteilung der Gefäßpflanzen, während Moospflanzen drei eigenständige Abteilungen neben den Gefäßpflanzen bilden. Aus diesem Grund gibt es botanisch keine eigenständige Gruppe der Sporenpflanzen.

 

 

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4. Algen und Pilze als Sonderfälle

 

Zu den Sporenpflanzen zählen auch die Algen, die kleinsten Pflanzen auf der Welt. Auf Algen wird in diesem Lexikon aber nicht näher eingegangen, weil sie nicht zu den eigentlichen Pflanzen zählen, eine sehr grosse Artenvielfalt aufweisen und im heimischen Garten nur im Gartenteich vorkommen.

Algen haben als "Wasserpflanzen" ihr Vorkommen überwiegend in Meeren oder in Süßwasser-Seen und sind im Haus- und Garten-Bereich außer im Gartenteich oder im Aquarium nicht zu finden.

Außerhalb von Gärten findet man Algen in Wäldern auf dem Boden (sog. Bodenalgen) und in den Subtropen und Tropen besiedeln sie als Luft-Algen auch Bäume und Felsen.

Darüber hinaus finden Algen Verwendung in der Küche als Lebensmittel (z.B. Kumbo-, Nori- und Wakame-Algen) oder als Nahrungsergänzungmittel (z.B. Afa- und Spirulina-Algen, Blasentang) und Mittel zur Schwermetallausleitung in der Alternativmedizin (z.B. Chlorella-Algen).

 

Foto von einigen Presslingen der Spirulina-Alge
Foto: Einige Presslinge der Spirulina-Algen

 

Pilze vermehren sich wie Sporenpflanzen durch Sporen. Pilze gelten jedoch in der Biologie nicht als Pflanzen, weil sie z.B. keine Photosynthese betreiben oder größtenteils Chitin als Hauptbestandteile ihrer Zellwände aufweisen, das in der Pflanzenwelt (Flora) nicht bekannt ist.

Pilze zählen aus diesen Gründen nicht zu den Sporenpflanzen und sind in der Biologie eine weitere Form von Lebewesen neben Pflanzen und Tieren. Die Wissenschaft, die das eigenständige Reich der Pilze untersucht, ist die Mykologie.

 

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5. Wo wachsen Sporenpflanzen ?

 

Der Farn, die Flechte und das Moos wachsen überwiegend an feuchten und schattigen Standorten sowie in Gegenden mit viel Niederschlägen oder Nebel, weil sie keine (Flechten, Moose) oder nur sehr schlecht entwickelte Leitungssysteme (Farne, Moose) für den Transport von Wasser besitzen.

Algen, Flechten und Moose können auch als sog. Aufsitzerpflanzen (Epiphyten) nicht parasitär auf anderen Pflanzen wie Bäumen (z.B. Apfelbaum, Eiche) wachsen, um dort für ihr Wachstum den Vorteil einer besseren Licht-Versorgung zu nutzen, die auf dem Boden oft nicht gegeben ist.

Voraussetzung dafür ist, daß durch Luftfeuchtigkeit eine permanente Wasserversorgung für die Sporenpflanze sichergestellt ist, die dann nicht mehr auf Wasser und Nährstoffe aus dem Boden zurückgreifen kann.

Moose und Flechten können unter extremsten klimatischen Bedingungen wie extremer Hitze oder Kälte existieren und überleben z.T. sogar vollständiges Austrocknen.

 

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6. Bedeutung als Bioindikatoren

 

Innerhalb der Sporenpflanzen sind Flechten und Moose wichtige natürlich vorkommende Bioindikatoren, die auf Umwelt-Einflüsse und Schadstoffe in der Umwelt reagieren und diese anzeigen (sog. Zeigerpflanzen).

Relevante Umweltkriterien beziehen sich dabei auf die Schadstoff-Konzentrationen im Boden, im Wasser oder in der Luft.

So zeigen z.B. Flechten eine Luftverschmutzung und allgemeine Schadstoff-Belastungen an ihrem Standort an, weil sie ihren Wasser-Bedarf aus der sie umgebenden Luft decken und nahezu ungefiltert aufnehmen.

Bei der systematischen und regelmässigen Umweltbeobachtung, dem Umwelt-Monitoring, wird die Belastung eines Gebietes z.B. mit Hilfe der Blasenflechte (Hypogymnia physodes) untersucht, einer häufigen Laubflechte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Moose wiederum reagieren sehr empfindlich auf Umweltverschmutzung, weil sie keine Wurzeln haben und eine relativ zu ihrer Masse große Oberfläche aufweisen mit der sie Schadstoffe aufnehmen können.

Aus diesem Grund sind Moose geeignet, um Boden- und Gewässer-Übersäuerung, Schwefel in der Luft oder Schwermetalle im Ökosystem anzuzeigen, weil sich Schadstoffe in ihnen anreichern und gemessen werden können.

 

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→ Zur Pflanzenwelt (Flora) in Deutschland mit Ideen für Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner)