Sporenpflanzen (Kryptogame)
 

Was sind Sporenpflanzen? Eine Definition

 

Der Begriff "Sporenpflanze" (Kryptogame) bezeichnet in diesem Lexikon heimische Pflanzen, deren Vermehrung im Gegensatz zu Blütenpflanzen und Samenpflanzen (Bedecktsamer, Nacktsamer) nicht durch Blüten und Samen-Bestäubung, sondern durch Sporen und einen Generationswechsel erfolgt.

Ein Generationswechsel bedeutet in der Botanik, dass sich die geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung von Generation zu Generation abwechselt.

Im Erdzeitalter zählen Sporenpflanzen (englisch: cryptogams) zu den ältesten Lebewesen auf der Welt. So wird heute davon ausgegangen, dass bereits vor etwa 400 bis 500 Millionen Jahren Flechten, Moose und Farne auf der Erde verbreitet waren.

Farnpflanzen waren damals bis zu 30 Meter hohe Bäume und dominierten zusammen mit baumartigen Bärlapppflanzen und Schachtelhalmen die heimische Pflanzenwelt in Form großer Wälder, deren Biomasse nach ihrem Absterben die Grundlage für Steinkohle bereitstellte.

 

Zeichnung fossiler Sporenpflanzen im Erdaltertum Karbon mit Steinkohleformation aus Zahnfarn, Schuppenbaum, Cordaites borassifolia (Vorläufer der Nadelbäume und Koniferen), Baumfarn, Kalamiten, Sigillaria, Bärlappbaum mit Wurzeln im Wasser, Blattstern von Annularien
Abbildung: Fossile Sporenpflanzen im Erdaltertum Karbon mit Steinkohleformation aus Zahnfarn, Schuppen-Baum, Cordaites borassifolia (Vorläufer der Nadelbäume und Koniferen), Baum-Farn, Kalamiten, Sigillaria, Bärlapp-Baum mit Wurzeln im Wasser, Blattstern von Annularien, Aus: Meyers Konversationslexikon, 15. Buch, 4. Auflage (1885-90)

 

Die ersten und ältesten Pflanzen auf der Erde sollen allerdings nach heutigen Erkenntnissen der Biologie die Algen sein, die sich vor etwa 3 Milliarden Jahren entwickelten und somit lange Zeit als einzige und erste Pflanzen auf der Erde verbreitet waren.

 

Sorten, Arten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt eine Übersicht für heimische Sporenpflanzen in Deutschland, die jedoch keine botanische Systematik darstellt, weil die nachfolgenden Sporenpflanzen keine gemeinsame Stammform als Ursprung haben:

 

a) Farne (Filicinophyta): → Sporenpflanze mit Wurzeln

b) Flechten (Lichenes): → wurzellose Sporenpflanze

c) Moose (Bryophyta): → wurzellose Sporenpflanze

 

Als tropische Sporenpflanze sind die Baumfarne (Cyatheales) bis heute die größten Vertreter dieser Fossilien und ihr Vorkommen liegt in subtropischen und tropischen Klimazonen auf der Erde.

Bei Baumfarnen weist der Stamm im Unterschied zu Bäumen kein Dickenwachstum auf. Sie finden seit dem 19. Jhrd. auch in Tropenhäusern wie im Botanischen Garten München als Zierpflanzen Verwendung.

Weiter zählen zu den Sporenpflanzen auch die Algen, auf die in diesem Lexikon aber nicht näher eingegangen wird, weil sie nicht zu den eigentlichen Pflanzen zählen

Algen haben als "Wasserpflanzen" ihr Vorkommen überwiegend in Meeren und in Süßwasser-Seen und sind im Haus- und Garten-Bereich außer im Gartenteich oder im Aquarium nicht zu finden.

Außerhalb von Gärten findet man Algen in Wäldern auf dem Boden (sog. Bodenalgen) und in den Subtropen und Tropen besiedeln sie als Luft-Algen auch Bäume und Felsen.

Pilze vermehren sich ebenfalls durch Sporen. Sie stellen jedoch in der Botanik keine Pflanzen dar und sind in der Biologie eine weitere Form von Lebewesen neben Pflanzen und Tieren.

 

Wo wachsen Sporenpflanzen?

 

Der Farn, die Flechte und das Moos wachsen überwiegend an feuchten und schattigen Plätzen sowie in Gegenden mit viel Niederschlägen oder Nebel, weil sie keine (Flechten, Moose) oder nur sehr schlecht entwickelte Leitungssysteme (Farne, Moose) für den Transport von Wasser besitzen.

Algen, Flechten und Moose können auch als sog. Epiphyten nicht parasitär auf anderen Pflanzen wie Bäumen (z.B. Apfelbaum, Eiche) wachsen, wenn durch Luftfeuchtigkeit eine permanente Wasserversorgung für die Sporenpflanze sichergestellt ist, die dann nicht mehr auf Wasser und Nährstoffe aus dem Boden zurückgreifen kann.

Moose und Flechten können unter extremsten klimatischen Bedingungen wie extremer Hitze oder Kälte existieren und überleben z.T. sogar vollständiges Austrocknen.

 

Bedeutung als Bioindikatoren

 

Innerhalb der Sporenpflanzen sind Flechten und Moose wichtige natürlich vorkommende Bioindikatoren, die auf Schadstoffe in der Umwelt reagieren und diese anzeigen (sog. Zeigerpflanzen).

So zeigen z.B. Flechten eine Luftverschmutzung sowie allgemeine Schadstoff-Belastungen an ihrem Standort und Moose Schwermetalle im Ökosystem an.

 

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