Pflanzengifte und Pflanzengiftstoffe
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition

2. Was tun bei einer Vergiftung ?

3. Synonyme Bedeutungen (Pflanzenschutzmittel)

4. Die stärksten Pflanzengifte

5. Warum sind Pflanzen giftig ?

6. Arten, Sorten, Beispiele und Wirkung

6a. Alkaloide

6b. Alkinole

6c. Allergene

6d. Digitaloide / Herzglycoside

6e. Furocumarine

6f. Glycoside

6g. Lektine

6h. Saponine

6i. Scharfstoffe

6j. Terpene

6k. Tropane

 

1. Was sind Pflanzengifte ? Eine Definition

 

Mit dem Begriff "Pflanzengift" (englisch: plant toxin) sind in diesem Lexikon Inhaltsstoffe von Pflanzen gemeint, die für den Menschen giftig sind, wenn sie über die Atmung (inhalativ), die Haut (dermal) oder den Mund (oral) aufgenommen werden.

Nach dieser Definition können dabei Blätter, Blüten, Beeren/Früchte, Rinde, Samen und Wurzeln der Pflanze Pflanzengifte enthalten.

Als Pflanzen-Arten für Pflanzengifte kommen in der Botanik Bäume (Giftbäume), Blumen (Giftblumen), Farne, Flechten, rohe Gemüse-Sorten, Kräuter (Giftkräuter), Stauden oder Sträucher in Frage.

Weil Pilze keine Pflanzen, sondern ein eigenständiger Bereich in der Biologie neben Tieren und Pflanzen sind, werden Giftpilze mit tödlichen Stoffen wie der Knollenblätterpilz nicht in dieser Übersicht für Pflanzengifte gelistet.

Entscheidend für die Giftigkeit (Toxizität) verschiedener Inhaltsstoffe einer Pflanze ist die Dosis bzw. Konzentration, die individuelle Konstitution (Alter, Gene, Körpergewicht) des Gift-Aufnehmenden oder die Art der Aufnahme über die Atmung, die Haut oder den Mund.

Deshalb verläuft die Grenze zwischen Giftpflanzen und Heilpflanzen bzw. Heilkräutern oft fliessend und Pflanzengifte wie Atropin oder Digoxin / Digitoxin werden in sehr geringer Dosis zum Herstellen von Medikamenten / Arzneimitteln in der Medizin angewendet.

Zu beachten ist ferner, dass es zahlreiche giftige Pflanzen im Garten mit Substanzen gibt, die nur für Tiere wie z.B. Hunde, Katzen oder Pferde mit (tödlichen) Vergiftungen verbunden sind oder deren Pflanzengifte bei Tieren eine größere Vergiftung bewirken als beim Menschen.

 

Traditionelles Gift-Symbol mit Totenkopf auf gekreuzten Knochen und weissem Hintergrund
  Traditionelles Gift-Symbol
Giftsymbol nach EU-Richtlinie 67/548/EWG mit Totenkopf auf gekreuzten Knochen und orangem Hintergrund
  Giftsymbol nach EU-Richtlinie (67/548/EWG)

 

Das orange Gefahrensymbol für sehr giftige bzw. hochgiftige Stoffe nach der EU-Richtlinie hat zusätzlich zum obigen orangen Gefahrensymbol für giftige Substanzen im oberen linken Rand die Ergänzung T+ (für T = toxic substances).

 

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2. Was tun bei einer Vergiftung ?

 

Wenn der Verdacht auf eine akute Vergiftung durch Pflanzengifte oder Vergiftungssymptome bestehen, dann sollte umgehend eine Giftzentrale kontaktiert werden.

Das Giftinformationszentrum-Nord für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein führt zum Beispiel 24 Stunden am Tag telefonische Beratungen zu giftigen/tödlichen Pflanzen und Toxikologie durch.

Außerdem veröffentlicht die Giftzentrale regelmäßig im Internet die jeweils aktuellen Kontaktdaten anderer Giftzentralen in Berlin, Bonn, Erfurt, Freiburg, Göttingen, Homburg, Mainz, München und Nürnberg.

Ähnliche Giftnotrufe und Giftzentralen gibt es auch in Österreich in Wien (VergiftungsInformationZentrale VIZ) und in der Schweiz in Zürich (Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum STIZ).

Tip: Eine sehr informative Broschüre über giftige Pflanzen kann vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bezogen werden ("Giftpflanzen - Beschauen, nicht kauen").

 

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3. Synonyme Bedeutungen (Pflanzenschutzmittel)

 

Bisweilen wird der Begriff "Pflanzengifte" umgangssprachlich auch gleichbedeutend wie "Pflanzenschutzmittel" verwendet.

Bei einem Pflanzenschutzmittel handelt es sich allerdings nicht um eine giftige Pflanze und ihre Inhaltsstoffe, sondern um einen chemischen Unkrautvernichter (Herbizid) wie z.B. Roundup (Round-up) oder das Pflanzengift E 605 (Parathion), ein Insektizid und Pestizid.

Das Pflanzengift E 605 ist mittlerweile in Deutschland und Europa nicht mehr frei im Handel erhältlich.

 

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4. Die stärksten Pflanzengifte

 

Als tödliches Pflanzengift mit der stärksten Wirkung gilt das Alkaloid Aconitin/Akonitin. Aconitumalkaloide sind in allen Eisenhut-Arten enthalten und in der toxischen Wirkung noch stärker als das Strychnin der sehr giftigen Brechnuss.

Die stärksten Pflanzengifte enthält dabei der in Deutschland einheimische Blaue Eisenhut, der auch als tödlichste bzw. giftigste Pflanze in Europa gilt und Giftpflanze des Jahres 2005 in Deutschland war.

 

Foto von einem Blauen Eisenhut in Blüte
Bild: Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) in Blüte

 

Ein ebenfalls sehr starkes Pflanzengift ist Curare, ein Sammelbegriff für Alkaloide, die in verschiedenen exotischen Giftpflanzen vorkommen.

Curare stammt aus Blättern und Rinde von verschiedenen Lianen (Kletterpflanzen) aus dem Regenwald und wird z.B. von Indianern bzw. Indios in Südamerika als Pfeilgift für die Jagd verwendet.

Mit Curare erlegte Tiere können trotzdem verzehrt werden, weil das Gift nur bei der Aufnahme über die Blutbahn und nicht über die Verdauung tödlich wirkt.

Welche Wirkung hat das tödliche Pflanzengift Curare im Detail ?

Curare ist ein Nervengift, daß sehr schnell zu einer allgemeinen Muskellähmung führt, durch die zwar das zentrale Nervensystem und die Herztätigkeit nicht betroffen sind, aber in der Folge die Atemmuskulatur.

Von seiner Wirkung her zählt Curare deshalb zu den stärksten Pflanzengiften, weil die Lähmung der Atemmuskulatur letztlich zum Atemstillstand und zum Tode führt.

Bei einer Curare-Vergiftung kann ein Lebewesen daher überleben, wenn so lange eine Beatmung erfolgt, bis die Wirkung des Pflanzengiftes auf die Atemmuskulatur nachgelassen hat.

Als vermutlich giftigste Pflanze der Welt gilt der Wunderbaum (Ricinus communis), der in den Schalen seiner Samen (→ vgl. Foto Rizinussamen) den Inhaltsstoff Rizin (Ricin) enthält, eines der giftigsten bekannten Eiweißstoffe.

Eine Rizinvergiftung führt nach ca. 48 Stunden zu einer Zerstörung (Verklumpung) der roten Blutkörperchen, die für den Transport von Sauerstoff im Körper zuständig sind, und dann zu einem Kreislaufzusammenbruch bzw. einer Lähmung des Atemzentrums.

Die tropische Giftpflanze ist wegen ihrer starken Toxizität und der bis heute mangelnden Gegenmittel bzw. Gegengifte in der Biowaffenkonvention und Chemiewaffen-Konvention (CWC) der Vereinten Nationen aufgeführt.

Der Wunderbaum ist nicht frosthart und wächst in Deutschland, Österreich und Schweiz als einjährige krautige Zierpflanze.

Das in den Samen enthaltene Rizinusöl wird traditionell in der Medizin als Abführmittel verwendet und ist im Gegensatz zu den Samenschalen bei sachgemässer Dosierung nicht giftig. Denn Rizin ist zwar wasserlöslich, aber nicht fettlöslich und somit im Rizinusöl nicht enthalten.

 

Foto von rispenförmigen, rotbraunen und stacheligen Rizinus-Früchten an einem Wunderbaum
Bild: Ungeöffnete Rizinus-Früchte an einem Wunderbaum (Ricinus communis) Ende August in Oberbayern *

 

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5. Warum sind Pflanzen giftig ?

 

Pflanzen schützen sich durch Giftstoffe vor Fraßfeinden und Schädlingen (z.B. Pilze), wobei viele Samen-Pflanzen Substanzen enthalten, die nicht für alle Tiere giftig sind, damit die Pflanzen sie für ihre Fortpflanzung nutzen können.

Denn viele Insekten und Vögel tragen dazu bei, dass sich die Samen der Pflanzen in der Natur verteilen können oder für die Befruchtung oder Bestäubung zu anderen Pflanzen transportiert werden.

So nutzen z.B. Hahnefußgewächse wie die Sumpfdotterblume oder das Buschwindröschen Ameisen für den Transport ihrer Samen.

Gleichzeitig enthalten sie aber starke Pflanzengifte, um sich vor Fraß-Schäden durch Hamster, Hasen, Hunde, Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen oder Pferde zu schützen.

So reizt der enthaltende Giftstoff Protoanemonin zunächst die Haut und Schleimhäute und führt zu Erbrechen. In letalen (tödlichen) Dosen für Menschen und Tiere wirkt das Pflanzengift auf das zentrale Nervensystem und beinträchtigt Atmung, Herz und Kreislauf.

 

 

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6. Arten, Sorten, Beispiele und Wirkung

 

Die folgende Übersicht zeigt eine Liste der wichtigsten Pflanzengifte mit Angabe der meist einheimischen Giftpflanzen in Deutschland, in denen sie enthalten sind sowie einer Beschreibung der Wirkung einer Vergiftung (Intoxikation):

 

 

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6a) Alkaloide

 

Was sind Alkaloide? Es handelt sich um organische und stickstoffhaltige natürlich vorkommende Substanzen, die überwiegend alkalisch sind. Bei einer Vergiftung haben sie meistens eine erregende, psychoaktive Wirkung und sind Neurotoxine (Nervengifte). Viele Alkaloide sind tödliche Pflanzengifte und Substanzen.

Der erste isolierte Nachweis für Alkaloide gelang dem Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner 1806 für Morphin aus Mohn bzw. Opium.

 

  • Aconitin/Akonitin

    Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) ist eine giftige Blumen-Art, bei der alle Pflanzen-Teile sehr giftig sind. Die Giftpflanze enthält Aconitin, das zu den stärksten Pflanzengiften zählt und bei einer Vergiftung zu akuter Atemlähmung führt. Der Blaue Eisenhut gilt als tödlichste/giftigste Pflanze in Deutschland und Europa.
     
  • Brucin und Strychnin

    Die Brechnuss (Strychnos nux-vomica), ein sehr giftiger, exotischer Laubbaum, enthält die Alkaloide Brucin und Strychnin. Die meist tödlichen Pflanzengifte führen zu starken Krämpfen und akuter Atemlähmung.
     
  • Cytisin, Chinolizidin, Chinolizin

    In allen Pflanzen-Teilen (v. a. in den Samen) der Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus), einer Leguminose, und dem Goldregen (Laburnum anagyroides) sind die Pflanzengifte Cytisin, Chinolizidin, Chinolizin enthalten.

    Gleiches gilt für verschiedene Ginster-Arten wie dem Färber-Ginster (Genista tinctoria) oder dem Deutschen Ginster (Genista germanica).

    Eine orale Vergiftung mit diesen Pflanzengiftstoffen führt zunächst wie bei Nikotin zu starker zentraler Erregung und kann dann zu Übelkeit und heftigem Erbrechen führen. Erst mangelndes Erbrechen (eher selten) hat dann Krämpfe und in letzter Konsequenz tödliche Atemlähmungen zu Folge.
     
  • Cocain/Kokain

    Das aus dem exotischen Cocastrauch (Erythroxylum coca) gewonnene Pflanzengift Kokain zählt zu den stärksten Psycho-Stimulanzien auf das zentrale Nervensystem mit einem hohen Abhängigkeitspotential.
    Aufgrund seiner Giftigkeit zählt Kokain weltweit zu den illegalen Drogen.
     
  • Codein

    Aus dem getrockneten Milchsaft der Samenkapseln von Schlafmohn (Papaver somniferum) wird Opium gewonnen.

    Haupt-Alkaloide von Opium sind Codein und Morphin. Beide Pflanzengifte sind sehr wirksame Schmerzmittel mit einem hohen Suchtpotential, weshalb der Anbau der Giftpflanzen in Deutschland verboten ist.
     
  • Colchicin

    Die Zeitlosen (Colchicum) sind in allen Pflanzen-Teilen giftig und enthalten wie die Ruhmeskrone (Gloriosa superba), eine beliebte exotische Topfpflanze, das Alkaloid Colchicin, ein sehr starkes, meist tödliches Pflanzengift. Bei einer Vergiftung wirkt Colchicin erbgutverändernd und führt zu einer tödlichen Atemlähmung. Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) war Giftpflanze des Jahres 2010.

 

Foto von den  violetten, gemusterten Blüten einer Herbstzeitlosen-Hybride Colchicum x  agrippinum
Bild: Herbstzeitlosen-Hybride (Colchicum x agrippinum) Anfang September in Bayern *

 

  • Coniin

    Das sog. Pseudoalkaloid findet sich in Aronstab (Arum maculatum), Hundspetersilie (Aethusa cynapium) und Geflecktem Schierling (Conium maculatum). Mit dem sog. Schierlingsbecher, ein Getränk mit dem giftigen Saft des Schierlings, wurde 399 v. Chr. der griechische Philosoph Sokrates hingerichtet.

    Das in den Giftpflanzen enthaltene sehr giftige Coniin hat einen brennenden Geschmack und führt letztlich zum Tod durch Atemlähmung.
     
  • Cyclobuxin D

    Die Giftigkeit vom Buchsbaum (Buxus sempervirens), der immergrün als Heckenpflanze und Kleinbaum wächst, besteht in allen Pflanzenteilen und v.a. die Blätter sind giftig. Das Pflanzengift Cyclobuxin D kann zu Erbrechen, starken Krämpfen und letztlich zum Tod führen.
     
  • Elatin

    Beim Rittersporn (Delphinium) enthalten alle Pflanzen-Teile Pflanzengifte (v.a. Blätter und Samen), die aber nicht so hoch dosiert sind wie beim extrem giftigen Blauen Eisenhut (Aconitum napellus). Elatin führt zu Erbrechen und bei größerer Vergiftung zu Atemlähmung.

 

Foto von den enzianblauen Blüten einer Delphinium-Hybride der Sorte Lanzenträger
Bild: Rittersporn-Hybride (Delphinium Elatum 'Lanzenträger') Mitte September *

 

  • Evonin

    Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaea) enthält neben dem Alkaloid Evonin auch das Herzglykosid Evonosid und kann mit allen Pflanzen-Teilen zu Durchfällen und Krämpfen führen. Tödliche Pflanzengifte enthält das Pfaffenhütchen für Menschen nur in höherer Dosierung.

    Die Giftpflanze des Jahres 2006 ist eher für Tiere wie Hasen, Hunde, Kaninchen, Katzen, Pferde, Schafe oder Ziegen tödlich, bei denen es auch dauerhafte Leber- und Nierenschäden hervorrufen kann.

 

Foto von blass rosa-roten Früchten, honig-gelben Samen und braun werdenden Blättern vom Pfaffenhütchen
Bild: Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Gewöhnlicher Spindelstrauch *

 

  • Germerin, Protoveratrin

    Der Weiße Germer (Veratrum album) enthält in allen Pflanzen-Teilen die Alkaloide Germerin und Protoveratrin, die als Pflanzengiftstoffe zu Erbrechen, Darmproblemen, Krämpfen und Atemnot führen können.
     
  • Lycorin

    Viele Vertreter der Narzissengewächse/Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) enthalten besonders in den Blumenzwiebeln das Alkaloid Lycorin (früher: Narcissin) wie z.B. die Echte Amaryllis/Belladonnalilie (Amaryllis belladonna), die Rittersterne (Hippeastrum) oder auch die Gelbe Narzisse/Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), der Blume des Jahres 1981.
     
  • Morphin/Morphium

    Morphin ist das Haupt-Alkaloid von Opium, das aus dem getrockneten Milchsaft vom Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen wird. Der Pflanzengiftstoff Morphium ist in der Medizin eines der stärksten natürlichen Schmerzmittel und Betäubungsmittel. Aus Morphium wird auch als Derivat die Droge Heroin gewonnen, dass ein noch höheres Abhängigkeitspotential als Morphium besitzt und bei Überdosierung zu Atemstillstand führt.

 

Foto von einer Schlafmohn-Blüte mit Biene
Bild: Blüte von einem Schlafmohn (Papaver somniferum) mit Biene

 

  • Nikotin/Nicotin

    Das Alkaloid Nikotin im Tabak (Nicotiana), der Giftpflanze des Jahres 2009, ist ein stimulierendes Pflanzengift mit Abhängigkeitspotential, das aber in gerauchter Form (z.B. Tabak-Zigaretten) in zu geringer Dosis vorkommt, als das es tödlich wirken könnte. Es sei denn, Tabak oder die Blätter der Tabakpflanze würden in größeren Mengen gegessen werden.
     

Foto von grünen Blättern einer Tabak-Hybride der Sorte Grüne Glocken
Bild: Tabak-Hybride (Nicotiana-Hybride 'Grüne Glocken') Mitte Juni *

 

  • Protoanemonin

    Alle Hahnefußgewächse wie z.B. die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) oder das Buschwindröschen (Anemone nemorosa) enthalten das giftige Lacton Protoanemonin, um Hamster, Hasen, Hunde, Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen oder Pferde davon abzuhalten, sie zu fressen.

    Bei einer Vergiftung wirkt das Lacton Protoanemonin zunächst haut- und schleimhautreizend und führt zu Erbrechen. In letaler (tödlicher) Dosis für Menschen und Tiere wirkt das Pflanzengift auf das zentrale Nervensystem und beinträchtigt Atmung, Herz und Kreislauf.

 

Foto von einer weissen Buschwindröschen-Blüte
Bild: Weisse Blüte von einem Buschwindröschen (Anemone nemorosa)

 

  • Solanin

    Einige essbare und eigentlich ungiftige Nachtschattengewächse enthalten in unreifem Zustand oder in den grünen Pflanzen-Teilen den Giftstoff Solanin, wodurch sie zu den sehr giftigen Giftpflanzen und letztlich auch zu den tödlichen Pflanzen zählen.

    Beispiele sind Fruchtgemüse-Arten wie die Aubergine (Solanum melongena), die Tomate (Solanum lycopersicum) oder Knollengemüse/Wurzelgemüse wie die Kartoffel (Solanum tuberosum). Das Pflanzengift Solanin kann zu starkem Durchfall und Atemlähmung führen.

    Die Giftigkeit der Kartoffeln kann durch Abschneiden von grünen Stellen und Keimen und durch Braten oder Kochen verringert werden, weil dabei ein Teil vom Solanin ins Bratfett oder Kochwasser übergeht.
     
  • Taxin

    Die Eibe (Taxus baccata), ein immergrüner Nadelbaum oder Großstrauch, enthält v. a. in den Nadeln und Samen den Giftstoff Taxin. Das Pflanzengift kann bei einer Vergiftung zu Atemlähmung, Bewusstseinsstörungen und Kreislaufzusammenbruch führen.
     
  • Theobromin

    Die Stechpalme (Ilex aquifolium) enthält wie auch die Bohnen der Kakao-Pflanze (Theobroma cacao) oder die Nüsse vom Kolabaum (Cola) das Pflanzengift Theobromin, das in seiner Wirkung und dem chemischen Aufbau dem deutlich stärkeren Coffein ähnelt.

    Theobromin ist für Tiere wie Hunde oder Katzen giftiger als für Menschen, die in erster Linie eine anregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem erfahren. Deshalb sollte man Hunde und Katzen auch nicht mit theobromin-haltiger Schokolade füttern.

 

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6b) Alkinole/Polyne

 

Was sind Alkinole? Es handelt sich um organische Verbindungen, die chemisch eine Hydroxylgruppe und eine Dreifachbindung aufweisen.

Als heimische Pflanzengifte kommen die Substanzen in der Pflanzen-Familie der Doldenblütler (Apiaceae) vor und haben eine starke toxische Wirkung auf das zentrale Nervensystem (z.B. Atemlähmung, Krämpfe).

 

  • Cicutoxin, Cicutol: Wasserschierling (Cicuta virosa), sehr giftig
     
  • Aethusin: Hundspetersilie (Aethusa cynapium), sehr giftig

 

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6c) Allergene und Pollen-Allergene

 

Was ist ein Allergen? Allergene sind Inhaltsstoffe von Pflanzen (z.B. Pollen), die über das Immunsystem überempfindliche Reaktionen des Körpers (Allergien) auslösen können wie Asthma oder Heuschnupfen.

Die Substanzen sind zwar kein Pflanzengift und gelten als ungiftig. Ihre Wirkung kann aber im Einzelfall so stark sein, dass sie sogar Menschen betreffen können, die ansonsten nicht unter einer akuten Allergie leiden.

So lösen z.B. die Blüten-Pollen vom Beifußblättrigen Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia), einer Unkraut- und Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), die stärksten Allergien von allen in Europa heimischen Pflanzen aus.

Mancher Allergiker wünscht sich, die "Giftstoffe" von Ambrosia wären analog der Lebensmittelkennzeichnung von Farbstoffen, Zusatzstoffen oder Lupinen kennzeichnungspflichtige (deklarationspflichtige) Allergene.

Auch unter den Flechten gibt es starke Allergene wie z.B. im Baummoos oder dem Eichenmoos, das besonders auf Eichen wächst. Beide in Deutschland heimische Flechten werden bisweilen wegen des herben Dufts in Kosmetika und Parfüms verwendet.

Nicht zu vergessen können die Pollen vieler Süßgräser bei anfälligen Menschen einen Heuschnupfen (Allergische Rhinitis) auslösen.

Bei einer Allergie gegen Gräserarten aktivieren deren Pollen Immunglobulin-E-Abwehrmoleküle, die in den oberen Luftwegen Entzündungen hervorrufen können.

Außerdem enthalten die Samen zahlreicher Getreidearten sog. Gluten, die in Verbindung mit Wasser ein Klebereiweiß bilden. Aus diesem Grund kann der Verzehr gluten-haltiger Lebensmittel bei empfindlichen Menschen eine Entzündung der Darmschleimhaut hervorrufen.

Im Rahmen der EU-Richtlinie 2007/68/EG über Allergenkennzeichnung müssen glutenhaltige Getreide-Lebensmittel und daraus gewonnen Erzeugnisse im Zutaten-Verzeichnis deklariert werden.

 

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6d) Digitaloide/Digitalisglykoside (Herzglykoside)

 

Was sind Herzglykoside bzw. Digitalis-Glycoside? Es handelt sich um herzwirksame Glykoside, die verschiedene Wirkung am Herzen auslösen können wie eine Herzschlagverringerung oder eine Erhöhung der Herzkontraktion. Die Pflanzengifte werden deshalb auch in der Medizin für Herzmedikamente eingesetzt.

Möglich ist eine Vergiftung durch Herzglycoside bereits durch Schnittblumen wie das Maiglöckchen (Convallaria majalis), die Christrose/Schneerose (Helleborus niger) und den Oleander/Rosenlorbeer (Nerium oleander), die in allen Pflanzen-Teilen die herzwirksame Giftstoffe Strophanthidin (Convallatoxin), Hellebrin und Oleandrin enthalten (in gleicher Aufzählungsreihenfolge).

Weitere Beispiele für giftige Herzglykoside finden sich beim Pfaffenhütchen (Euonymus europaea), dessen Samen Evonosid enthalten, oder im tropischen Schellenbaum (Thevetia peruviana), der speziell in seinem Milchsaft den Pflanzengiftstoff Thevetin enthält.

Nicht zu vergessen heimische Fingerhut-Arten wie der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea), der Giftpflanze des Jahres 2007 war und in dem wie beim Spanischen Fingerhut (Digitalis obscura) oder Wolligen Fingerhut (Digitalis lanata) die Pflanzengifte Digoxin und Digitoxin enthalten sind (sog. Digitalis-Glycoside).

 

Foto von den blass-violetten Röhren-Blüten einer Waldschelle, auch Roter Fingerhut genannt
Bild: Waldschelle/Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) mit Blütenstand Ende August *

 

Das Bischofskraut (Ammi visnaga) und der Winterling (Eranthis hyemalis) enthalten das herzwirksame Khellinin bzw. Khellosid (Khellolglucosid), ein sog. Chromon-Derivat. Erste Symptome einer Vergiftung sind Atemnot, Erbrechen, starke Übelkeit und Kreislaufprobleme (Puls-Störungen).

Giftpflanzen, die Herzglykoside enthalten, haben einen sehr bitteren Geschmack. Das hat den "Vorteil", dass die ansonsten tödlichen Pflanzen tendenziell nicht in größeren Mengen aufgenommen werden.

 

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6e) Furocumarine

 

Was sind Furocumarine? Es handelt sich um Pflanzen-Abwehrstoffe gegen Insekten-Fraß, die z.B. in der Pflanzen-Familie der Doldenblütler vorkommen.

Als Pflanzengift wirken Furocumarine photosensibilisierend bzw. phototoxisch und können zusammen mit Sonnenlicht zu starken Hautreizungen und Hautschädigungen bis hin zu Verbrennungen führen (Photodermatitis).

Außerdem können Furocumarine auch erbgutverändernd und krebserregend wirken. Bei Einnahme kann es sich auch um ein tödliches Pflanzengift handeln.

 

  • Die Furocumarine Bergapten, Pimpinellin und Xanthotoxin kommen vor allem im Pflanzensaft von Herkulesstaude bzw. Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) vor, der Giftpflanze des Jahres 2008.

    Schon bei schwacher UV-Strahlung kann an Hautstellen, die mit der Herkulesstaude in Berührung kamen, ein starker und schmerzhafter Sonnenbrand mit Brandblasen entstehen.

 

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6f) Glycoside/Glykoside

 

Was sind Glykoside? Es handelt sich um organische Verbindungen mit einem Alkohol- und Zuckeranteil, die sich gut in Wasser auflösen. Die giftige Wirkung der Glykosyde bestimmt der Nicht-Zuckeranteil. Als heimische Pflanzengifte wirken Glycoside nicht einheitlich und jedes Glykosid hat eine individuelle Wirkung.

 

  • Amygdalin

    In allen Pflanzen-Teilen von Lorbeerkirsche/Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist Amygdalin zu finden (v.a. in Blätter und Samen).

    Die Giftstoffe sind außerdem in den Obst-Kernen bzw. -Steinen von Obstbäumen der Gattung Prunus wie Aprikose, Kirsche, Mandeln/Bittermandeln, Marille oder Pflaume sowie in Pflaumen-Samen enthalten.

    Das Pflanzengift Amygdalin wird im Organismus mit Hilfe von Wasser zu Blausäure umgewandelt und kann bei höherer Dosierung zu einer Cyanidvergiftung führen.

    Pflanzen, die Blausäure-Glykoside enthalten, werden auch cyanogene Pflanzen genannt. Zu diesen Pflanzen zählen auch verschiedene Bambusarten.

 

Foto von drei braunen Bittermandelkernen
Bild: Bittermandelkerne der Bitteren Mandel (Prunus dulcis var. amara)

 

  • Anthraglykoside (Anthracenglykoside)

    Der Faulbaum (Rhamnus frangula) enthält vor allem in der Rinde Anthraglykoside. Die Pflanzengifte reizen sehr stark die Schleimhäute im Dickdarm, wirken abführend und können in höherer Dosis zu Darm-Krämpfen und blutigem Stuhlgang führen.

    Die Giftwirkung der Faulbaum-Rinde ist um so größer, je frischer sie ist. Deshalb sollte sie speziell vor der Zubereitung von einem Rindentee als Abführmittel mindestens ein Jahr gelagert werden.

    Abführende Anthraglykoside (Anthracenglykoside) sind außerdem auch in der Wurzel von Rharbarba enthalten (speziell im Arznei-Rhabarber Rheum palmatum) sowie im Milchsaft der Kap-Aloe (Aloe ferox), dem Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus catharticus) und den Senna-Blättern (Senna alexandrina).
     
  • Nitrilglykoside

    Die Wald-Akelei bzw. Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) enthält speziell in den Samen, aber auch in den Blättern eine krebserregend, cyanogene Blausäure-Glykosid-Verbindung, ein sog. Nitrilglykosid.
     
  • Ptaquilosid, Pteridin

    Auch Farne enthalten Pflanzengifte, wobei der Adlerfarn in Deutschland der giftigste Farn ist: Seine Sporen sollten nicht über die Atmung aufgenommen werden, weil sie das Enzym Thiaminase enthalten, das im Verdacht steht, Krebs und Tumore sowie die Krankheit Beriberi (Beri-Beri) auszulösen.

    Außerdem enthält der Adlerfarn Blausäure-Glycoside wie z.B. Ptaquilosid oder Pteridin, die als Pflanzengifte ebenfalls im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Ungeachtet seiner Giftigkeit wird er z.T. in Japan, den USA oder auf Neuseeland als Blattgemüse (Blattsalat oder Wildsalat) zubereitet.
     
  • Tuliposide (Tuliposid A)

    Alle Pflanzenteile der Tulpe (Tulipa gesneriana) enthalten giftige Tuliposide, die zu Hautentzündungen (Dermatitis) führen. Auf die Giftigkeit sollte besonders geachtet werden, wenn Tulpen als Duftblumen, Frühlingsblumen oder Rabattenblumen im heimischen Garten verwendet werden.
     
  • Verbascosid

    Die Früchte und Samen des Blauglockenbaumes sind schwach giftig und enthalten das Glykosid Verbascosid, das u.a. blutdrucksenkend wirkt, aber auch für Heilzwecke eingesetzt wird (z.B. als Antioxidans).
     
  • Wistarin

    Der Blauregen (Wisteria sinensis), eine beliebte heimische Kletterpflanze, enthält in der Rinde und den Wurzeln das Glycosid Wistarin. Als Pflanzengift wirkt es auf das zentrale Nervensystem und führt zu Erbrechen und akuten Atemlähmungen.

 

Auch die Dieffenbachie (Dieffenbachia), eine beliebte und sehr giftige Zimmerpflanze aus Südamerika, enthält verschiedene Glycoside, die aber noch nicht abschließend analysiert wurden, sowie Oxalsäure und Oxalate.

 

Foto von gemusterten, grünen Blättern einer Dieffenbachie humilis
Bild: Dieffenbachie (Dieffenbachia humilis) *

 

Die für Tiere und Menschen sehr starken Pflanzengifte im Saft frischer Dieffenbachien-Blätter erzeugen bei Haut- und Schleimhaut-Kontakt schwere Entzündungen bis hin zu Verätzungen. Der Verzehr von etwa 3 bis 4 Gramm dieser Blätter gilt für Erwachsene als tödlich.

 

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6g) Lektine/Lectine (Toxalbumine)

 

Was sind Lektine? Es handelt sich um zuckerbindende Proteine (Eiweißstoffe), die Pflanzen als Schutz gegen Insekten und Tiere bilden.

Als Pflanzengifte können Lectine bei oraler Einnahme ein Verklumpen und letztlich die Zerstörung der roten Blutkörperchen mit Sauerstoffunterversorgung und Atemstillstand bewirken.

Außerdem schädigen die giftigen Eiweißstoffe Darm, Leber, Magen, Niere und führen zunächst zu blutigen Darmschleimhautentzündungen, Durchfall, Erbrechen, Fieber, Unwohlsein und Krämpfen.

 

  • Phasin (Hämagglutinine)

    Das Pflanzengift kommt in den Samen, Sprossen und ungekochten Früchten von Hülsenfrüchten vor wie z.B. grünen Bohnen (insb. die Gartenbohne ist sehr giftig), Erbsen und Linsen sowie in der Robinie/Falschen Akazie (Robinia pseudoacacia). Die Giftigkeit der Hülsenfrüchte kann durch Kochen abgebaut werden.
     
  • Robin

    Das giftige Robinia-Lectin kommt in der Robinie/Falschen Akazie (Robinia pseudoacacia) vor und führt zu Bauchschmerzen, Reizung der Schleimhäute und Übelkeit.
     
  • Rizin/Ricin

    Ein sehr giftiges Lektin findet sich auch im tropischen Wunderbaum (Ricinus communis). Die beliebte Zierpflanze enthält in ihren Samen Rizin/Ricin, eines der tödlichsten Pflanzengifte der Welt, und bereits die Einnahme weniger Samen kann tödlich wirken. Aus diesem Grund zählt der Wunderbaum auch zu den tödlichen Pflanzen.

 

Foto der Samen vom Wunderbaum
Bild: Samen vom Wunderbaum (Ricinus communis)

 

Eine besondere Bedeutung spielen Lektine auch in der (alternativen) Krebstherapie. So sollen Mistellektine aus der Mistel (Viscum album), die zuckerhaltige Eiweißstoffe enthalten, als Mistelpräparate zur Stärkung vom Immunsystem und zum Abbau von Krebs-Zellen beitragen.

 

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6h) Saponine (Saponin-Glykoside)

 

Was sind Saponine? Es handelt sich um eine spezielle Untergruppe der Glykoside, die in Verbindung mit Wasser Schaum bilden und meist einen bitteren Geschmack aufweisen.

Saponine reizen als Pflanzengiftstoffe die Haut und Schleimhäute und dürfen nicht in die Blutbahn gelangen, weil sie die roten Blutkörperchen zerstören. Außerdem wirken sie auf das zentrale Nervensystem und können zu Krämpfen und Kreislaufstörungen führen, die je nach Dosierung auch tödlich enden können.

 

  • Cyclamin: Alpenveilchen (Cyclamen), speziell die Blumenknolle ist giftig
     
  • Helleborin: Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) und Christrose/Schneerose (Helleborus niger), eine Alpenblume, sind sehr giftig und enthalten in allen Pflanzen-Teilen das Pflanzengift Helleborin.
     
  • Pennogenin: Einbeere (Paris quadrifolia), ein sehr starkes und meist tödliches Pflanzengift

 

Saponine werden in der Medizin gerne als Wirkstoff gegen Husten verwendet, weil sie durch ihre intensive Oberflächenwirkung den Bronchien-Schleim verflüssigen können.

 

Foto von den   blass-rosa Blüten und den Blättern eines freistehenden  Zimmer-Alpenveilchens
Bild: Zimmer-Alpenveilchen (Cyclamen persicum), in Deutschland als Zimmerpflanze genutzt

 

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6i) Scharfstoffe

 

  • Aroin

    Der als Fallenblume bekannte einheimische Aronstab (Arum maculatum) enthält in allen Pflanzen-Teilen Aroin, das als Pflanzengiftstoff eine verätzende Wirkung auf Darm, Magen und Speiseröhre hat und im Blut zu Lähmungen und Herzstörungen führen kann.

 

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6j) Terpen-Alkaloide buw. Terpene (Monoterpene, Triterpene)

 

Was sind Terpene? Es handelt sich um flüchtige organische Substanzen, die z.B. aus den Blättern, Blüten, Früchten, Rinde, Wurzeln oder ätherischen Ölen von Pflanzen gewonnen werden. Die meisten Terpene sind tödliche Pflanzengifte und unter den Träger-Giftpflanzen kommen auch Nadelgehölze vor.

 

  • Cucurbitacine

    Die giftigen Bitterstoffe finden sich in der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) besonders in den giftigen Früchten und Wurzeln der Zaunrübe (Bryonia). Als Pflanzengiftstoff führt Cucurbitacin zu Krämpfen bis hin zu akuter Atemlähmung.
     
  • Euphorbon

    Im Milchsaft und in den Samen der Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) und der Kreuzblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia lathyris) befindet sich das Pflanzengift Euphorbon, das äußerlich zu Blasen und Hautentzündungen führt. Innerlich können die Giftstoffe schwere Magen-/Darmkoliken und Krämpfe auslösen, die bei hoher Dosierung auch tödlich enden können.

 

Foto einer Myrtenblätterigen Wolfsmilch mit einem Marienkäfer
Bild: Gelbe Blüten der Walzen-/Myrtenblätterigen Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites) mit Marienkäfer

 

  • Grayanotoxin/Andromedotoxin

    Die Pflanzengiftstoffe finden sich z.B. in der Rosmarinheide (Andromeda polifolia), einem Zwergstrauch, der auch Blume des Jahres 1991 war sowie in bestimmten Rhododendron-Unterarten. Die Nervengifte dieser Giftpflanzen wirken auf das zentrale Nervensystem und können Erbrechen, Übelkeit und Krämpfe bis hin zum Atemstillstand bewirken.
     
  • Mezerein, Daphnetoxin

    Hauptsächlich in den Samen von Seidelbast-Arten (z.B. Daphne mezereum) kommen die sehr giftigen Terpene vor. Äußerlich bewirkt das Pflanzengift Mezerein Hautentzündungen, während es innerlich zu blutigem Durchfall, Erbrechen und bei höherer Dosierung (ab ca. 10 Samen) auch tödlich wirken kann.
     
  • Sabinen, Sabinol

    Alle Pflanzen-Teile vom Sadebaum (Juniperus sabina) sind giftig (speziell die Beeren und Zweigspitzen) und führen äußerlich zu starken Hautreizungen. Innerlich bewirken die Pflanzengifte Sabinol und Sabinol schwere Erbrechen, Darmkoliken, Schleimhautreizungen, Durchfall und Atemlähmungen.

     
  • Thujanol, Thujon

    Die starken Nervengifte und Giftstoffe finden sich im Holz sowie in den Frucht-Zapfen und Zweigspitzen vom Lebensbaum (Thuja occidentalis) und Sadebaum (Juniperus sabina). Die Pflanzengifte Thujon und Thujanol in den Giftpflanzen wirken toxisch auf die Magenschleimhaut und z.T. auf Leber und Nieren.

 

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6k) Tropan-Alkaloide (Tropanole, Tropane)

 

Was sind Tropanalkaloide? Es handelt sich um organische Ester-Verbindungen vor allem in Nachtschattengewächsen (Solanaceae), die sehr gut über die Schleimhäute und die Haut aufgenommen werden können. Dabei handelt es sich um sehr starke Pflanzengifte.

 

  • Atropin, Hyoscyamin, Mandragorin, Scopolamin



Die Tropanalkaloide finden sich in allen Pflanzenteilen von Alraune (Mandragora officinarum), Engelstrompete (Brugmansia), Schwarzem Nachtschatten (Solanum nigrum), Schwarzer Tollkirsche/Wolfsbeere (Atropa bella-donna), Stechapfel/Asthmakraut (Datura stramonium) und Schwarzem Bilsenkraut (Hyoscyamus niger).

 

Foto einer Blüte vom Schwarzen Bilsenkraut
Bild: Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) in Blüte, eine Glocken-/Trichterblume



Tropan-Alkaloide wurden früher auch für "Hexensalben" verwendet, weil sie bereits über die Haut psychoaktive Wirkungen auslösen können.

Die chemische Zusammensetzung der Nachtschattengewächse war in früheren Zeiten noch unbekannt und ihre Wirkungen wurden oft mystischen Fähigkeiten von "Hexen" oder "Zauberern" zugeschrieben. Die Giftpflanzen galten wegen ihrer Pflanzengifte deshalb als Hexenkraut (vgl. Bio-Drogen).

 

Gibt es denn etwas von Gott Geschaffenes,
das nicht mit einer großen Gabe begnadet wäre?
Das nicht dem Menschen zum Nutzen angewendet werden könnte?
Wer das Gift verachtet, der weiß nicht, was im Gift ist.
Gibt es überhaupt etwas, das nicht giftig wäre?
Alle Dinge sind Gift - und nichts ist ohne Giftigkeit.
Allein die Dosis macht, daß etwas giftig wird.


(Paracelsus, Arzt, Alchemist und Naturphilosoph, ca. 1493–1541, in: dritte defensio, 1538)

 

Eine Vergiftung mit den Pflanzengiften Atropin, Hyoscyamin, Mandragorin und Scopolamin hat eine starke toxische Wirkung auf das zentrale Nervensystem und kann zu Bewußtseinsstörungen und Hallzinationen bis hin zum Tod führen.

Der Wirkstoff Atropin aus der Schwarzen Tollkirsche wird in der Medizin zur Pupillenerweiterung im Rahmen der Augendiagnostik verwendet.

 

Foto von einer zwei Meter hohen Staude der Schwarzen Tollkirsche
Bild: Ausgewachsene Staude einer Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna) Anfang Oktober *

 

Eine ähnlich starke halluzinogene Wirkung wie die heimischen Nachtschattengewächse hat der Peyote (Lophophora williamsii), eine Kakteen-Art, die in Nordamerika und Mexiko beheimatet ist.

Der Peyote-Kaktus enthält als Pflanzengift das halluzinogene Alkaloid Mescalin/Meskalin, das in seiner toxischen Wirkung auch dem chemisch hergestellten LSD (Lysergsäurediethylamid) oder den Psilocybe-Pilzen (Magic Mushrooms) mit dem Inhaltsstoff Psilocybin ähnelt.

* Foto © Oliver Fries

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