Was ist ein Steingarten? Eine Definition
Der Begriff "Steingarten" bezeichnet in diesem Lexikon das Anlegen und Gestalten von Gärten und Vorgärten mit Felssteinen, Natursteinen, abgesenkten Findlingen oder Schotter- und Kieselsteinen.
Typische Ausprägungen dieser Gartengestaltung mit Steinen sind z.B.
- ein Kiesgarten oder Kiesbeet mit vereinzelten Ziergräsern, Zwergsträuchern oder Kleinbäumen (alternativ oder ergänzend sind auch moderne Steinskulpturen und/oder ein Bachlauf denkbar),
- das Bauen und die Bepflanzung einer Steinmauer oder Trockenmauer (entweder freistehend, in Hanglage oder als Einfassung und Stützung von Garten-Abhängen, Beeten, Hochbeeten, Terrassen oder erhöhten Vorgärten),
- ein Alpengarten bzw. Alpinum, bei dem eine Gebirgswelt im Kleinen mit hochalpinen Pflanzenarten sowie Felsen und Steinen aus dem Natursteinhandel oder Steinbruch dargestellt werden soll.
Das Anlegen von alpinen Steingärten erfolgt idealerweise in einer sonnigen und südlich gelegenen Hanglage. Um einen möglichst naturgetreuen Eindruck zu erzielen, werden die verwendeten Steine und Pflanzen eher willkürlich angeordnet, so als wären sie auf natürliche Weise an ihren Platz gekommen.

Steingärten sind relativ pflegeleicht, benötigen keine bestimmten Grundstücksgrößen und können auch auf engem Raum im Garten realisiert werden. So bietet sich ein kleiner Steingarten zum Beispiel auch für die Terrassengestaltung oder für größere Kästen und Gefäße (sog. Mini-Steingarten) an.

Gepflanzt werden im Gartenbau überwiegend anspruchslose Gartenpflanzen, die auf trockenem Boden mit wenig Wasser und Erde gedeihen können und/oder kultivierte Pflanzen aus dem Alpenraum.
Zum Schutz vor Unkraut kann man im Baumarkt oder Gartencenter ein wasser- und luftdurchlässiges Steingarten-Vlies (Unkrautvlies) kaufen, das unter dem Steinbeet verlegt wird und den Lichteinfall nach unten verhindert.
Beispiele für Steingartenpflanzen
Die nachfolgende Liste enthält eine Übersicht typischer Steingartenpflanzen für den Garten oder Vorgarten wie man sie auch in der Baumschule oder im Gartencenter und Pflanzenversand kaufen man.
Blumen für den Steingarten und Steingartenstauden
- Alpen-Aster/Blaue Gamswurz (Aster alpinus)
- Bergenien (Bergenia)
- Gewöhnliche Bitterwurz (Lewisia cotyledon)
- Garten-Blaukissen (Aubrieta x cultorum)
- Blauschwingel (Festuca cinerea)
- Dachwurz (versch. Sempervivum-Hybriden)
- Alpen-Edelweiß (Leontopodium alpinum)
- Enziane (Gentiana)
- Fetthennen (Sedum): auch Mauerpfeffer
- Kriechende Fuchsie (Fuchsia procumbens)
- Geranien/Storchschnäbel (Geranium)
- Glockenblumen (Campanula carpatica)
- Strand-Grasnelke (Armeria maritima)
- Hahnenfuß (Ranunculus)
- Hauswurz (Sempervivum)
- Hornkraut (Cerastium tomentosum
var. columnae), silbrig-weiße Varietät
- Katzenminze (Nepeta)
- Katzenpfötchen (Antennaria dioica)
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- Küchenschelle/Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris)
- Kugelblumen (Globularia)
- Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
- Mannsschild (Androsace)
- Mohn (Papaver)
- Alpenveilchen-Narzisse (Narcissus cyclamineus)
- Engelstränen-Narzisse (Narcissus triandrus)
- Nelken (Dianthus z.B. alpinum oder freynii)
- Primeln (Primula)
- Schleifenblume (Iberis)
- Felsen-Seidelbast (Daphne petraea)
- Soldanelle/Alpenglöckchen (Soldanella)
- Sonnenröschen (Helianthemum)
- Steinbalsam/Alpenbalsam (Erinus alpinus)
- Steinbrech (Saxifraga)
- Steinkraut (Aurinia saxatilis, Alyssum saxatile)
- Steintäschel (Aethionema)
- Feld-Thymian (Thymus serpyllum)
- Zimbelkraut/Mauerblümchen (Cymbalaria muralis)
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Nahezu alle dieser Gartenblumen und Stauden für den Steingarten sind mehrjährig bzw. winterhart und finden sich auch als alpine Pflanzen im Gebirge.
Neben den oben genannten Pflanzen gibt es noch eine Reihe weiterer (kultivierter) Alpenblumen zum Anlegen eines Steingartens.
Beispiele für kleine Bäume und Sträucher im Steingarten
Die folgenden kleinwüchsigen Nadelholzgewächse können als Steingartenpflanzen verwendet werden:
- Zwergfichten: z.B. Blaue Igel-Fichte (Picea glauca 'Echiniformis')
- Zwergkiefern: z.B. mehrere Sorten der Zwerg-Kugelkiefer (Pinus mugo 'Mops' oder 'Alpenzwerg')
- Zwergtannen: z.B. Zwergkoloradotanne (Abies concolor 'Compacta') oder Zwergbalsamtanne (Abies balsamea 'Nana')
- Zwergwacholder: z.B. Zwergsäulen-Wacholder (Juniperus communis 'Compressa') oder Kriechender Wacholder (Juniperus procumbens 'Nana'), der als Bodendecker wächst
- Zwergzypressen: z.B. mehrere Sorten der Hinoki-Scheinzypresse (Chamaecyparis obtusa 'Nana Gracilis') oder der Sawara-Scheinzypresse (Chamaecyparis pisifera 'Nana')
Als Steingartengewächse eignen sich ferner verschiedene immergrüne Rhododendron-Sorten wie die Echten Rhododendron-Hybriden 'Patty Bee' und 'Too Bee' oder immergrüne Azaleen wie Gumpo-Hybriden, Greenwood-Hybriden und North-Tisbury-Hybriden.
Farne für Steingärten und Steinmauern
Die meisten Farnarten sind Schattenpflanzen und wachsen bevorzugt an schattigen, kühlen und dauerhaft feuchten Standorten.
Eine Ausnahme stellen die sog. Mauerfarne dar, die sich hervorragend als Steingartenpflanzen einsetzen lassen.
Die folgende Liste zeigt eine Auswahl von Farnen, die einen sonnigen und trockenen Standort bevorzugen und auf Mauern, Trockenmauern und Böden mit Steinen wachsen können:
- Milzfarn/Schriftfarn (Asplenium ceterach)
- Rippenfarn (Blechnum spicant)
- Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum)
- Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)
- Mauer-Streifenfarn (Asplenium ruta-muraria): auch Mauerraute

Auch Moose wie das Sternmoos (Sagina subulata) eignen sich als Steingarten-Bepflanzung.
Beispiele für Gräser im Steingarten
Die folgende Übersicht zeigt verschiedene Gräserarten, die sich hervorragend zum Gestalten eines Steingartens eignen:
- Berg-Segge (Carex montana)
- Blauschwingelgras (Festuca cinerea, syn. Festuca glauca)
- Lampenputzergras (Pennisetum alopecuroides 'Compressum')
- Rispengras (Poa)
- Blaugrünes Schillergras (Koeleria glauca)
- Bronze-Schmiele (Deschampsia cespitosa 'Bronzeschleier')
Die Trockenmauer (Bau, Planung, Vorteile, ökologische Bedeutung)
Ein beliebtes Gestaltungselement in Steingärten ist neben lose verteilten Felsbrocken und größeren Steinen das Bauen einer Trockenmauer, die speziell im mediterranen Steingarten des Mittelmeerraumes häufig anzutreffen ist.
Dabei handelt es sich um eine Steinmauer aus Naturstein, die "trocken" gemauert wird, indem einzelne Steine ohne Mörtel und Beton zu einer Mauer mit offenen Fugen aufgerichtet werden.
Um Staunnässe zu vermeiden, wird die Trockenmauer auf einem 30 bis 50 cm tiefen Fundament aus verdichtetem Schotter und Sand errichtet, das als Drainage zum Ablaufen und Versickern von Regenwasser dient.
Bei Steingärten mit schwerem Boden (d.h. hohem Wasserhaltevermögen, hoher Bodenverdichtung und schlechter Durchlüftung) und beim Bau hoher Trockenmauern werden zusätzlich Drainagerohre zur Entwässerung verlegt.
Die sich ergebenden Fugen und Spalten zwischen den Felsen und Natursteinen werden größtenteils mit Kies sowie bei Bepflanzung mit einer Mischung aus Sand, Humus, Torf, Lehm und verschiedenen Steingartenpflanzen (vgl. oben) gefüllt.
Eine Trockenmauer in der Gartengestaltung bietet den Vorteil, dass sie bei südlicher oder süd-westlicher Lage die Tageswärme der Sonne speichert und diese in der Nacht wieder abgibt. Dadurch können auch wärmeliebende Alpenpflanzen im Steingarten wachsen.
Darüber hinaus bietet die Trockenmauer mit ihren vielen Höhlen und Ritzen einen ökologisch sehr wertvollen Lebensraum für zahlreiche Insekten und Kleintiere, die auf einen trockenen und warmen Untergrund angewiesen sind wie z.B. Blindschleichen, Eidechsen, Erdhummeln, Käfer, Kröten, Spitzmäuse oder Wildbienen.



Welche Natursteine eignen sich zum Bauen einer Trockenmauer?
Unter dem Gesichtspunkt der Frostbeständigkeit und einer regelmäßigen Brechung bzw. Stapelbarkeit der einzelnen Steine eignen sich für eine Trockenmauer speziell Natursteine wie Granit, Muschel-Kalkstein (Muschelhartkalk, Muschelkalk), Quarzit oder Sandstein.
Generell empfiehlt es sich, die Trockenmauersteine aus einem Steinbruch in der Nähe zu beziehen. Denn einerseits sind die Steine dort i.d.R. günstiger zu kaufen als im Ausland und andererseits passen sie optisch meistens besser ins regionale Landschaftsbild (als z.B. mediterrane Steine in Deutschland).
Beim Anlegen einer Trockenmauer sollten außerdem keine Hartgesteine mit Weichgesteinen gemischt werden:
Wer zum Beispiel beim Bauen einer Trockenmauer harten Granitstein mit weichem Alpenkalkstein mischt, riskiert, dass die Trockenmauer in seinem Steingarten irgendwann zusammenbricht.
Denn Granit hält nahezu ewig, während z.B. Kalksteine des Alpengebietes (Alpenkalk) durch Frost schnell erodieren, zerbröseln und zerstört werden. Die Statik der Trockenmauer würde also durch die Kombination von Hartgestein und Weichgestein mittelfristig gefährdet werden.
Zu beachten ist auch, dass verschiedene Steingartenpflanzen unterschiedliche Kalk-Bedürfnisse haben. So gibt es speziell kalkliebende Pflanzen für den Steingarten wie zum Beispiel Bergenie, Glockenblume, Küchenschelle oder Nelke.
Ebenso kalkmeidende Pflanzen für den Steingarten wie die Behaarte Primel/Schlüsselblume (Primula hirsuta) bzw. Rote Felsen-Primel oder auch
-meidende und –tolerante Arten. Informieren Sie sich über Kalkansprüche Ihrer bevorzugten Pflanzen, und wählen Sie passende Gesteine. Kalkhaltig sind etwa Dolomit, Travertin und Kalksandstein, neutral bis sauer dagegen Basalt, Sandstein, Granit und Diorit.
Sonderformen: Chinesischer und japanischer Steingarten
Eine lange Tradition haben Steingärten auch in asiatischen Gartenanlagen wie z.B. dem japanischen Steingarten (Zengarten, Kare-san-sui), in dem ausser Moosarten (und z.T. kleinen Bonsai) keine größeren Pflanzen zu finden sind.
Auch auf Erde, Holz oder Wasser-Elemente wie einem Gartenteich oder Bachlauf wird im Gegensatz zum Feng-Shui-Garten bei dieser Steingarten-Anlage verzichtet.
Im Zengarten kommen als Objekte nur Felsen oder große Steine zum Einsatz und als Bodenbelag heller Sand oder Kies.
Dieser wird laufend von Unkraut freigehalten und in geometrischen Mustern gerecht oder geharkt, die Wasserlinien oder Wasserflächen darstellen sollen.
Das Anlegen und das Betrachten der Boden-Muster dient im Zen-Buddhismus der Meditation und soll die Konzentrationsfähigkeit und innere Ruhe fördern.

Steingärten in Deutschland
Die folgende Liste zeigt eine Übersicht bekannter öffentlicher Steingärten in Deutschland:
- Lausitzer Findlingspark Nochten: Der 20 ha große Landschaftsgarten im Landkreis Görlitz (Sachsen) beherbergt einen der größten Steingärten in Europa. Den Besucher erwarten über 6.000 Findlinge (überwiegend aus Granit, aber auch Gneis, Kalkstein und Sandstein) sowie verschiedene Themengärten für Steingartenpflanzen, die das gesamte Garten-Jahr über für Blüten in der Pflanzenwelt (Flora) sorgen.
- Rennsteiggarten Oberhof: Der 7 ha große Botanische Garten für Gebirgsflora liegt auf einem Gebirgskamm im Naturpark Thüringer Wald (Landkreis Schmalkalden-Meiningen, Thüringen). Den Besucher erwarten im Steingarten rund 4.000 alpine Pflanzen.
- Alpinum im Botanische Garten Kiel: der große Steingarten beherbergt Hochgebirgspflanzen aus verschiedenen Gebieten der Welt (z.B. Anden, Himalaya, Kaukasus, Rocky Mountains, Tian Shan und europäische Gebirge).
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