Was ist ein Fichtenbaum? Eine Definition
Die Fichte (botanisch: Picea) zählt zur Pflanzen-Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) in der Ordnung der Koniferen (Coniferales, Pinales) und ist ein immergrüner Nadelbaum, von dem es weltweit über 35 Arten gibt.
Fichtenbäume (englisch: spruce) wachsen als mittelgroße und große Bäume mit einer Wuchshöhe von 20 bis 70 Metern und werden je nach Art bis zu 600 Jahre alt. Von einigen Arten ausgenommen zählen sie zu den schnell wachsenden Baumarten.
Einige Züchtungen wie die Zuckerhutfichte wachsen auch als Kleinbäume und Topfpflanzen. Außerdem kommen Fichten im Garten auch als immergrüne Heckenpflanzen (Fichtenhecke) zum Einsatz.
Die meisten Fichtenbäume sind sehr winterhart, weil sie bei Frost ihre Photosynthese mehr oder weniger einstellen. Die Fichte ist also ein für kalte Klimazonen typischer Baum.
Sie blüht abhängig vom jeweiligen Klima erstmals nach etwa 20 bis 40 Jahren. In der Blütezeit von April bis Juni können die männlichen Blüten-Pollen ganze Landstriche überdecken.
Sorten, Arten, Beispiele
Die folgende Liste zeigt ein Übersicht von Fichten-Arten, die man als Setzlinge in den meisten Baumschulen in Deutschland kaufen kann:
- Europäische/Gemeine Fichte (Picea abies): einzige in Europa heimische Fichtenart, auch Rotfichte
- Kaukasus-Fichte (Picea orientalis): hat unter allen Fichtenarten die kürzesten Nadeln
- Serbische Fichte (Picea omorika): Fichtenbaum-Art, die in den USA als Christbaum verwendet wird
- Stech-Fichte/Blaufichte (Picea pungens): die Fichtenart ist Staatsbaum von Colorado und Utah
- Zuckerhutfichte (Picea glauca var. albertiana 'Conica'): sehr langsam wachsender kleiner Baum, eine Zucht-Varietät der Weiß-Fichte (Picea glauca)
Die Gemeine Fichte wird wegen ihrer rötlich-braunen Rinde auch Rot-Tanne/Rottanne genannt, weil in früheren Zeiten noch nicht zwischen Tannen und Fichten unterschieden wurde, nachdem die beiden Nadelbäume sehr viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen.
Ein Steckbrief und Bilder der genannten Fichten mit Beschreibung und Eigenschaften und Tipps zum Veredeln folgt in Kürze.

Anteil an der deutschen Wald-Fläche
Die Gemeine Fichte (Picea abies) besiedelt etwa 28% der deutschen Waldfläche. Sie ist damit vor der Föhre (Pinus sylvestris) der häufigste Nadelbaum in deutschen Wäldern.¹
Vergleicht man den Besiedelungsanteil der Fichten mit dem der häufigsten Laubbäume in deutschen Wäldern, dann ist die Gemeine Fichte vor der Rotbuche (Fagus sylvatica) und der Eiche (Stieleiche und Traubeneiche), auch die häufigste Baumart bzw. der häufigste Baum in Deutschland`s Wäldern.¹
Unterschied von Nadeln, Rinde, Wurzel und Zapfen im Vergleich zu anderen Nadelbäumen
Die Fichte zählt zu den einhäusigen, windblütigen Samenpflanzen, d.h. an jedem Baum befinden sich getrennt sowohl männliche als auch weibliche Blüten-Organe und die Vermehrung erfolgt durch Windbestäubung.
Fichtenzapfen wachsen zunächst aufrecht und hängen dann nach der Befruchtung an den Ästen herunter.
Die Zapfen der Fichte zerfallen im Unterschied zur Tanne nicht am Baum, sondern fallen nach der Freisetzung der Samen als Ganzes zum Boden. Aus diesem Grund sind im Wald auch keine Tannen-Zapfen zu finden, sondern überwiegend Fichten-Zapfen.
Fichtenbäume sind flachwurzelnde Bäume und bilden wie auch die Douglasie keine tiefen Pfahlwurzeln aus. Flachwurzler sind bei starken Stürmen im Unterschied zu Tiefwurzlern wie dem Tannenbaum deutlich windempfindlicher und können leichter am Standort umfallen.
Im Unterschied zu Tannennadeln sind die vierkantigen Fichtennadeln wie auch Kiefernnadeln spitz und nicht flach.
Wie kann man Fichtenbäume und Tannen noch unterscheiden? Die Rinde der Fichte ist im Vergleich zur Rinde vom Tannenbaum nicht glatt, sondern eher rissig und im Fall der "Rottanne" (Picea abies), der häufigsten Fichtenart in Deutschland, hat die Rinde einen rötlichen Farbton.
Dagegen bekommen Tannenbäume im Alter Harzblasen auf ihrer grauen Rinde, die sich dann silber oder weiss verfärbt (vgl. auch Silbertanne und Weißtanne).
Ein weiterer Unterschied zwischen Fichte und Tanne besteht in der Form ihrer Baumkrone. Diese ist beim Tannenbaum eher nach oben abgerundet und beim Fichtenbaum spitz und kegelförmig zulaufend.

Ökologische Bedeutung, Krankheiten und Schädlinge
Weil speziell die Gemeine Fichte pro Baum sehr viel Nutz-Holz liefert (z.B. doppelt so viel wie Buchen), wurden Fichten seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland und Mitteleuropa verstärkt im Wald angepflanzt und gelten als "Brotbaum" der Forst-Wirtschaft.
Das einseitige Aufforsten der Wälder mit Fichtenbäumen hat wesentlich zum Waldsterben beigetragen. Ursache sind die heute bekannten Nachteile einer Monokultur mit Nadelbäumen wie die Übersäuerung der Böden sowie verstärkte Anfälligkeit für Windbruch und Schädlinge.
Auch Fichten-Schädlinge wie der Buchdrucker, Fichtenborkenkäfer, Fichtenrüsselkäfer, Fichtenstammlaus, Fichten-Gespinstblattwespe oder Pilze (z.B. Hallimasch) werden durch Monokultur begünstigt und können zu großen Krankheiten und Schäden an Fichten-Beständen führen.
Von Bedeutung ist die Fichte für Flechten wie die Bartflechte (Usnea barbata), die bevorzugt an den Ästen und am Stamm von Lärchen- und Fichtenbäumen wächst und auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht.
Fichtenbäume bieten einigen Kleintieren einen Lebensraum und Nahrungsgrundlage. Zu nennen ist z.B. der Kiefernschwärmer, eine Schmetterlingsart, dessen Raupen sich von Fichtennadeln, Kiefernnadeln und Lärchennadeln ernähren.
Aus diesem Grund ist der Fichtenbaum einer der wenigen Nadelholzgewächse, die sich als Heckenpflanzen für eine Schmetterlingshecke eignen.
"Ein Fichtenbaum steht einsam im Norden auf kahler Höh’.
Ihn schläfert; mit weißer Decke umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme, die, fern im Morgenland,
einsam und schweigend trauert auf brennender Felsenwand."
(Heinrich Heine, 1797 - 1856, deutscher Dichter, in: Buch der Lieder von 1827, S. 137)
Bedeutung in der Gartenkunst
In China und Japan ist Bonsai (auf deutsch: die "Anpflanzung in der Schale") seit Hunderten von Jahren eine traditionelle Form der Gartenkunst.
Dabei wird ein Baum oder Strauch mit kleinen Blättern oder Nadeln als Kübelpflanze durch einen speziellen Formschnitt und Rückschnitt klein gehalten.
Für Bonsai kommen neben Laubbaumarten wie Ahornbäume, Buchen oder Ulmen auch Nadelbaumarten wie Fichtenbäume, Hemlocktannen, Lärchen, Kiefernbäume (Föhren) und Wacholder-Bäumen in Frage.
Unter den verschiedenen Fichtenarten eignen sich als Bonsai-Fichten (Picea bonsai) besonders die Ajan-Fichte (Picea jezoensis) aus Japan, die Blaufichte (Picea pungens), die Weiß-Fichte (Picea glauca) und die Sachalin-Fichte (Picea glehnii).
Mystische und symbolische Bedeutung
Bei den alten Römern waren Fichten ein Symbol für Trauer, Tod und Teil des Totenkultes. Auch im Christentum war der Fichtenbaum als Weihnachtsbaum sehr beliebt, allerdings werden heute als Christbäume eher Tannen verwendet, weil ihre Nadeln länger am Baum bleiben als bei Fichten.
Allgemein wurde der Fichte und besonders Fichtenwäldern eine düstere und mystische Bedeutung zugeschrieben, was speziell in Märchen wie "Das tapfere Schneiderlein" und "Hänsel und Gretel" zum Ausdruck kommt. In deren Symbolik sind die Riesen bzw. die Hexe in einem Fichtenwald zu Hause.
Bedeutung als Rohstoff, Eigenschaften als Nutzholz und Holz
Weltweit zählen Fichten (wie auch die Kiefernarten und Tannenarten) zu den wichtigsten Baumarten in der Forstwirtschaft, weil sie ohne große Ansprüche an den Standort was Nährstoffe und Feuchtigkeit/Wasser betrifft schnell und gerade wachsen.
Das relativ weiche, bei einer Jahresring-Breite ab 0.6 cm trotzdem mechanisch stabile, Fichtenholz zählt mit einer Darrdichte (= Dichte/Rohdichte im absolut getrockneten Zustand) von 470 kg pro Kubikmeter zum Weichholz.
Wie der Birnbaum, die Buche, die Linde und die Tanne zählt die Fichte zu den Reifholzbäumen, d.h. ihr Holz bildet keinen Farbkern aus und das hellere Kernholz und Splintholz kann man farblich nicht unterscheiden.
Fichtenholz kann man gut behandeln und verarbeiten und läßt sich auch leicht bemalen, spalten oder verleimen. Allerdings ist das Holz der Fichten im Gegensatz zu Eichenholz nicht sehr witterungsbeständig und muss deshalb im Außeneinsatz mit Holzschutzmitteln imprägniert werden.
Fichtenholz kommt in der Papier-/Zellulose-Herstellung und als Nutzholz (Bauholz, Konstruktionsholz) für Balken, Bretter, Dachbalken, Holzwolle, Kisten, Masten, Paletten, Pfähle und Stangen zum Einsatz. Auch als Klangkörper für Musikinstrumente wie Geigen (→ Antonio Stradivari) eignet sich das Holz vom Fichtenbaum.
Das rötlich-gelbe Fichtenholz zählt außerdem zu einem wichtigen Holzwerkstoff im Bereich Faserplatten, Leimholz, Sperrholz und Spanplatten.
Im Innenbereich wird Fichten-Holz z.B. für Decken- und Wandverkleidungen, Geländer, Fenster, Fußböden, Tore, Treppen, Türen und Herstellung einfacherer Möbel verwendet.
Wer sich unbehandelte Fichtenholzmöbel fürs Schlafzimmer kaufen möchte, sollte berücksichtigen, dass sie Terpene ausdampfen können, was bei empfindlichen Menschen zu Schleimhaut-Reizungen führen kann.

Eine wichtige Bedeutung als Nutzholz hat die Fichte für Energieprodukte wie Anzündholz, Brennholz, Hackschnitzel, Holzbriketts, Holzpellets, Grillholz und Kaminholz.
Als Brennholz kann man Fichtenholz auch zusammen mit Tannenholz als gemischtes Sortiment im Handel kaufen.
Der Volumen-Brennwert von Fichtenholz ist durch den hohen Harz-Anteil mit etwa 1500 kwh/rm eher gering. Misst man dagegen das Fichtenholz nach Gewicht ist der Brennwert wie bei den meisten Nadelbäumen hoch.
Das Holz der Fichten neigt zum Funkenflug und ist deshalb nicht als Brennholz für offene Kamine geeignet. Wegen seiner leicht entzündbaren Eigenschaften eignet sich Fichtenholz jedoch sehr gut zum Anheizen von Öfen.
Stammt das Fichtenholz aus Skandinavien oder Russland wird es auch "Nordische Fichte" genannt. Fichtenharz fand schon im alten Griechenland Verwendung bei der Terpentin-Herstellung.
Wirkung und Bedeutung in der Medizin
Die Harze, Nadeln und Zweige der Fichten werden wegen ihrer Inhaltsstoffe traditionell in der Volksmedizin (z.B. bei Hildegard von Bingen oder Paracelsus) und als Heilpflanze verwendet.
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Anwendungsgebiete sind z.B. Hexenschuss, Husten, Museklschmerzen, Rheumatismus oder Verschleimung.
Sei es als Bonbons, Branntwein (Fichtennadel-Franzbranntwein), Fichtennadelhonig, Fichtennadellikör, Hustensaft, Salbe, Fichtensirup (Fichtennadelsirup) oder Tee (Fichtennadeltee).
Dampfbäder mit Fichtennadeln kommen zum Einsatz bei Kiefer- und Nebenhöhlen-Entzündungen.
Als Duftpflanze findet der Fichtenbaum mit seiner anregenden, kräftigenden und desinfizierenden Wirkung auch in der Aromatherapie und als Räuchermittel oder Fichtennadel-Tabak Verwendung.
Speziell Fichtennadelöl eignet sich zum Inhalieren bei Erkältungen, weil es Ester enthält, das beruhigend auf die Atemwege und die Psyche wirkt.
Außerdem sind die ätherischen Öle der Fichtennadeln und -zweige mit ihrem frischem harzig-waldigen Aroma ein beliebter Aufguß in der Sauna und sind auch in Badezusätzen, Parfüms und Seifen zu finden. Fichtentriebe sind reich an Vitamin C.
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Tipps zum Pflanzen und Schneiden
Wo wachsen Fichten? Die meisten Fichtenarten stellen keine besonderen Ansprüche an ihren Standort und wachsen sowohl auf feuchten Böden und in Mooren wie auch auf nährstoffarmen Standorten und Lehmböden.
Im Unterschied zu anderen Nadelbaum-Arten zählt der Fichtenbaum zu den Schattenbaumarten, d.h. er ist wie der Tannenbaum sehr schattentolerant und kann im Schatten größerer Bäume wachsen.
Als günstiger Zeitpunkt zum Pflanzen von Fichten empfehlen sich frostfreie Tage zwischen Herbst-Anfang und Frühlingsanfang, so lange der Boden noch nicht gefroren ist.
Durch Schneiden werden Fichtenbäume zu Verzweigung angeregt, allerdings treiben sie nur an den Enden der Zweige aus. Bei einem tieferen Schnitt treiben die Bäume daher nicht mehr aus und einmal geschnittene Löcher in der Form bleiben bestehen.
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