Ahornbäume - Der Ahornbaum
 

Definition und Merkmale

 

In der Botanik zählen die Ahorne (botanisch: Acer) zur Pflanzenfamilie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Die Laubbäume werden weltweit ja nach Klassifizierung in 100 bis 200 verschiedene Ahornarten unterteilt, die überwiegend flachwurzelnde Bäume sind.

Besonderes Merkmal der Ahorngewächse (Aceraceae) sind ihre fünflappigen Blätter, die Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand haben und gerne mit der Ahornblättrigen Platane verwechselt werden.

Auffallend sind ebenso die Ahorn-Früchte, die zwei lange Flügel aufweisen und deshalb auch Flügelfrüchte genannt werden.

Die Früchte vom Ahornbaum zählen botanisch zu den sog. Spaltfrüchten, die zur Reife durch Spaltung in zwei oder mehrere Teilfrüchte zerfallen.

Die Wuchsgröße der verschiedenen Ahornbäume (englisch: maple trees) variiert sehr stark und sie wachsen als sommergrüne Kleinbäume, mittelgroße Bäume, Großbäume und Sträucher. Wie die Eiche kann auch der Ahorn (Bergahorn) ein hohes Alter von bis zu 500 Jahren erreichen.

Der schnellwachsende Ahorn ist der Laubbaum, der im Herbst als letzter seine Blätter abwirft.

 

Foto von einem mittelgrossen Feldahorn im Sommer
Bild: Mittelgrosser Feldahorn (Acer campestre) im Sommer, Foto: Mike Gallus

 

Arten, Sorten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt die drei in Mitteleuropa verbreiteten einheimischen Ahornbäume:

 

  • Bergahorn (Acer pseudoplatanus)
  • Feldahorn (Acer campestre): wächst auch als Wildstrauch und Großstrauch
  • Spitzahorn (Acer platanoides): Kugelahorn 'Globosum' wächst als kleiner Baum mit Kugelkrone

 

Der Spitz-Ahorn wurde "Baum des Jahres" im Jahr 1995, der Berg-Ahorn im Jahr 2009. Die Wahl erfolgte durch die Stiftung "Menschen für Bäume" von Dr. Silvius Wodarz und deren Fachbeirat sowie durch das "Kuratorium Baum des Jahres" (KBJ).

Der Feldahorn wird gerne auch zum Anlegen einer langsam wachsenden, sommergrünen Hecke verwendet und eignet sich im Garten auch als Vogelhecke oder als freistehender Zierbaum.

Im Karwendelgebirge in Österreich finden sich über 2.000 Exemplare vom Berg-Ahorn, die z.T. 500 Jahre alt sind. So z.B. in den Naturschutzgebieten "Großer Ahornboden" und "Kleiner Ahornboden", zwei geschlossenen Wald-Gebieten der Nordalpen an der Grenze zwischen Bayern (Oberbayern) und Tirol.

Eine Beschreibung und ein Steckbrief mit Fotos zum Bestimmen der verschiedenen Ahornbaumarten folgt in Kürze. Weitere beliebte nicht-einheimische Ahornbaum-Arten, wie man sie auch in der Baumschule als Zierpflanzen kaufen kann, sind:

 

  • Eschenblättriger Ahorn (Acer negundo)
  • Rotblättriger Fächer-Ahorn (Acer palmatum 'Bloodgood'): beliebte winterharte Kübelpflanze
  • Feuer-Ahorn (Acer tataricum ssp. ginnala): eine Unterart vom Tataren-Ahorn (Acer tataricum)
  • Goldahorn (Acer shirasawanum 'Aureum')
  • Japan-/Japanischer Ahorn (Acer japonicum): zahlreiche japanische Sorten
  • Rostbart-Ahorn (Acer rufinerve): auffallende grüne Rinde mit Weisszeichnung
  • Rote Schlangenhaut-Ahorn (Acer capillipes)
  • Schneeballblättriger Ahorn/Schneeball-Ahorn (Acer opalus)
  • Silber-Ahorn (Acer saccharinum)
  • Streifen-Ahorn (Acer pensylvanicum)
  • Zucker-Ahorn (Acer saccharum): auch Amerikanischer Ahorn, kanadischer Ahorn oder Canada-Ahorn (vgl. Flagge von Kanada)

 

Viele dieser Ahornarten waren auch einmal in Europa heimisch, wurden aber durch die Eiszeit verdrängt.

Im Pflanzenhandel und der gärtnerischen Umgangssprache werden die verschiedenen Sorten des Japan-Ahorns (Acer japonicum) und des Fächerahorns (Acer palmatum) sowie der Goldahorn (Acer shirasawanum 'Aureum') auch "Japanischer Zierahorn" genannt.

Weil das Blatt der Ahornblättrigen Platane (Platanus × hispanica) eine ähnliche Form wie das Ahornblatt hat, wird der Baum gerne für einen Ahorn gehalten. Er zählt aber zur Baumart der Platanengewächse (Platanaceae).

 

Bild von einem Ahornblatt des Feldahorns in Grossaufnahme
Bild: Ahornblatt vom Feldahorn (Acer campestre) in Grossaufnahme, Foto: Olaf Fries

 

Bedeutung als Rohstoff, Holz und Werkstoff

 

Das gelblich-weiße Ahorn-Holz ist sehr wertvoll und wird zum Bau von Musikinstrumenten wie der Geige und der Gitarre, aber auch für Schlagzeugkessel verwendet. Auch für Möbel wird das Holz der Ahornbäume verarbeitet:

Speziell der Bergahorn liefert gutes Holz für Massiv-Möbel wie Tische (z.B. Couchtische, Esszimmertisch, Fernsehtisch, Schreibtisch, Wohnzimmertisch), Tischplatten, Regale, Schränke, Vitrinen und Furniere.

Mit einer Darrdichte (= Rohdichte im absolut getrockneten Zustand) von 600 kg pro Kubikmeter (Berg-Ahorn: 640) zählt Ahornholz zum mittelschweren Hartholz.

Aufgrund seiner geringen Abnutzungseigenschaft ist Ahornholz prädistiniert für Sportgeräte, Spielzeug, Treppen, Fertigparkett und Parkett. Allerdings ist es nicht witterungsbeständig und muß im Außenbereich imprägniert werden.

 

Foto von unbehandeltem Bergahorn-Holz im Profil
Bild: Unbehandeltes Bergahorn-Holz (Acer pseudoplatanus) im Profil

 

Ein sehr beliebtes Parkett-Holz unter den Ahornarten ist dabei Kanadisches Ahornparkett vom Zucker-Ahorn (Acer saccharum) wegen seiner größeren Härte (700 kg pro Kubikmeter) und der charakteristischen weiss-rötlichen Farbe.

Außerdem wird aus dem Stamm des Zucker-Ahorns und vereinzelt auch des Schwarz-Ahorns (Acer nigrum) und Rot-Ahorns (Acer rubrum) Ahornsirup gewonnen:

Wenn diese Ahornbäume etwa 50 Jahre alt sind, kann der Stamm im Frühjahr angeritzt und der herausfliessende Saft aufgefangen werden, ohne dem jeweiligen Laubbaum Schaden zuzufügen. Aus dem Saft wird dann durch Kochen bzw. Eindampfen/Eindicken der Ahornsirup gewonnen.

 

Foto einer traditionellen Ahornsirup-Gewinnung mit Abflusshahn
Bild: Traditionelle Ahornsirup-Gewinnung mit Abflusshahn

 

Ahornholz lässt sich gut bearbeiten, polieren, lackieren oder färben (beizen) und eignet sich auch gut als Brennholz. Allerdings wird das Holz vom Ahornbaum seltener als Brennholz verwendet, obwohl sein Brennwert bei etwa 1900 kwh/rm liegt.

 

Bedeutung in der Gartenkunst

 

In China und Japan ist Bonsai (auf deutsch: die "Anpflanzung in der Schale") seit Hunderten von Jahren eine spezielle Form der Gartenkunst, bei der Bäume und Sträucher mit kleinen Blättern oder Nadeln durch einen speziellen Formschnitt und Rückschnitt als Topfpflanzen klein gehalten werden.

Für Bonsai kommen neben Nadelbaumarten wie Fichtenbäumen, Hemlocktannen, Lärchen, Kiefernbäumen (Föhren) und Wacholder-Bäumen auch Laubbaumarten wie Ahornbäume, Buchen oder Ulmen in Frage.

Besonders geeignet für Bonsai bei den Ahornen sind Roter Fächerahorn/Japanischer Ahorn (Acer palmatum), Dreispitz-Ahorn (Acer buergerianum), Feld-Ahorn (Acer campestre), Felsen-Ahorn (Acer monspessulanum) oder Spitz-Ahorn (Acer platanoides).

 

Foto von einem Dreispitz-Ahorn-Bonsai im National Bonsai and Penjing Museum in Washington
Bild: Dreispitz-Ahorn-Bonsai (Acer buergerianum) im National Bonsai & Penjing Museum (Washington)

 

Bedeutung in der Baumsymbolik und Mythologie

 

In der Baumsymbolik wurden dem Ahornbaum in früheren Zeiten Schutzkräfte gegen Hexen zugeschrieben, weshalb er auch als schützender Hausbaum in Hausnähe beliebt war. Am Johannistag geschnittene Ahornzweige sollten außerdem gegen Blitz-Einschläge in Häuser schützen.

In der griechischen Mythologie war der Ahorn dem Kriegsgott Ares geweiht. Auch das trojanische Pferd, das Epeios auf den Rat von Odysseus sowie mit der Hilfe der Göttin Pallas Athene baute und mit dem die Griechen die Stadt Troja eroberten, soll aus Ahorn-Holz bestanden haben.

Der Ahorn und die Ahornblätter werden auch als Symbole für Briefmarken, Fahnen und Wappen verwendet.

Eine besondere Bedeutung haben Ahornbäume in Kanada. So enthält die Flagge von Kanada z.B. seit 1965 ein rotes Ahornblatt vom Zucker-Ahorn als symbolische Bedeutung für die großen Wald-Flächen des Landes. In China ist der Ahorn ein Symbol von Amtswürde.

 

Die rot-weisse Flagge von Kanada mit einem Ahornblatt als Symbol
Bild: Flagge von Kanada mit Ahornblatt als Symbol

 

Bedeutung in der Natur und Ökologie

 

Ahornbäume sind mit ihren Blättern, Früchten, Knospen und Samen sowie dem Sirup ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren wie Eichhörnchen, Käfer, Mäuse, Rehe, Rothirsche, Schmetterlinge (z.B. Ahorneule) und Vögel (z.B. Finken, Kleiber, Meisen).

Die Blätter vom Ahornbaum enthalten im Herbst rote Farbstoffe (Anthocyane), die nach dem Abfallen verhindern, dass sich andere Pflanzen im nächsten Frühjahr um den Baum herum ansiedeln.

 

Foto von Spitzahorn-Blättern mit den verschiedenen Färbungen im Herbst
Bild: Die Blatt-Färbungen im Herbst vom Spitzahorn (Acer platanoides), Foto: Mike Gallus

 

Bedeutung in der Medizin und Naturheilkunde

 

Die medizinische Wirkung vieler Ahornarten ist heute etwas in Vergessenheit geraten, obwohl sie z.B. im alten Ägypten als Heilpflanzen eine wichtige Rolle spielten.

Die Blätter vom Feld-Ahorn haben eine kühlende Wirkung. Das Ahornblatt fand daher traditionell Verwendung bei Insektenstichen, Schwellungen oder Hautentzündungen.

Nach der Heilkräuter-Pionierin Hildegard von Bingen (um 1098 - 1179) sollte ein Bad mit Wasser, in dem vorher Zweige und Ahorn-Blätter gekocht wurde, gegen Fieber helfen. Ebenso im Anschluß daran ein Glas Ahornsirup mit etwas Wein.

 

Foto von einem jungen   Ahornbaum
Bild: Junger Ahornbaum, Foto: Olaf Fries

 

Krankheiten und Schädlinge

 

Schäden und Krankheiten der Äste, Blätter und Rinde vom Ahornbaum werden durch Schädlinge wie Pilze (z.B. Nectria-Arten, Schuppiger Porling, Verticillium- Welke) hervorgerufen, die durch infizierte Werkzeuge zum Schneiden, Wunden an den Wurzeln oder stark nitrathaltige Böden begünstigt werden können.

Auch Insekten-Schädlinge können dem Ahornbaum zusetzen wie z.B. Blattwespen, Borkenkäfer (z.B. Ungleicher Holzbohrer), Gallmilben, Prachtkäfer oder Schmetterlingsraupen (z.B. Blausieb-Falter).

Nicht zu vergessen ein Befall durch die Mistel (Viscum album), ein immergrüner Halbschmarotzer, dessen Unterarten auch Nadelbaumarten wie die Kiefer und Tanne befallen kann.

Allerdings sind nicht alle Blattverfärbungen durch Pilze gefährlich beim Ahorn (z.B. Ahornrunzelschorf, Diplodina-Blattbräune, Weißfleckenkrankheit) und können auch eine regulative Wirkung auf den Baum haben. In diesem Fall ist ein Schneiden der Ahornbäume nicht notwendig.

 

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Schneeballahorn
In kleinen Gebieten von Deutschland und der Schweiz kommt die Unterart Acer opalus subsp. opalus vor.