Definition und Merkmale
In der Botanik zählen die Eichen (botanisch: Quercus) zur Pflanzen-Familie der Buchengewächse (auch Fagaceen, Fagaceae). Weltweit gibt es etwa 600 Arten dieser hauptsächlich sommergrünen Laubbäume, die meisten davon in Nordamerika.
Besonderes Merkmal der Eichen (englisch: oak trees) ist der knorrige und harte Stamm sowie ihre Früchte (Nussfrüchte), die auch Eicheln genannt werden.
Eichenbäume können sehr alt werden (bis zu 1000 Jahren) und sind mit einer Wuchshöhe zwischen 25 und 40 Meter Großbäume. Eichen zählen zu den sehr langsam wachsenden Bäumen und blühen nach 60 Jahren zum ersten Mal.
Die Eiche wirft ihre Blätter wie die Hainbuche, Rot-Buche und Weißbuche erst sehr spät ab, teilweise erst im Frühjahr, so daß die Blätter im Winter braun am Baum verbleiben (vgl. auch Abschnitt "Warum werden Bäume unterschiedlich früh ihre Blätter ab").
"Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung hegen,
nächstens in ihrem Schatten zu ruhen."
(Antoine de Saint-Exupéry, 1900 - 1944, französischer Schriftsteller, Kultautor und Flieger)
Eichen bilden sehr tiefe Pfahlwurzeln bis in Grundwassernähe und zählen zu den tiefwurzelnden Bäumen.
Johannistrieb der Eiche
Wie bei Birke, Hainbuche, Rot-Buche und verschiedenen Ahorn-Arten gibt es auch bei der Eiche das Phänomen vom Johannistrieb. Dieser bewirkt, dass die Eichen unterm Jahr ein zweites Mal ihre Blätter austreiben.
Der Johannistrieb verdankt seinen Namen dem Umstand, dass er etwa um den Johannistag am 21. Juni stattfindet. Er wird auf Witterungseinflüsse zurückgeführt und dient der Regeneration von Fraßschäden am Blätter-Bestand, der zu diesem Zeitpunkt bereits durch Tiere wie den Eichenwickler stattgefunden hat.
Der Johannistrieb ist aber nicht nur bei Läubbäumen zu beobachten, sondern auch bei Nadelbäumen wie der Lärche.
Sorten, Arten, Beispiele
Die nachfolgende Liste zeigt die wichtigsten einheimischen Eichen in Deutschland und Europa (weltweit gibt es gut 300 Eichenarten):
- Flaumeiche (Quercus pubescens)
- Roteiche (Quercus rubra)
- Stieleiche (Quercus robur)
- Stein-Eiche (Quercus ilex): immergrün und nur in milden Gebieten von Deutschland winterhart
- Sumpfeiche (Quercus palustris): auch Spree-Eiche
- Traubeneiche (Quercus petraea)
- Zerreiche (Quercus cerris)
In Deutschland sind die Stiel-Eiche und die Trauben-Eiche die am meisten verbreiteten Eichen-Arten.

Bedeutung als Holz, Rohstoff und Werkstoff
Mit einer Darrdichte (= Rohdichte im absolut getrockneten Zustand) von etwa 680 kg pro Kubikmeter zählt das Eichenholz zum Hartholz. Übertroffen wird seine Härte nur noch von Buche, Robinie und Hainbuche.
Das dichtfaserige Eichenholz ist sehr widerstandsfähig gegen Verrottung und kann sehr lange gelagert werden.
Aufgrund seiner grossen Härte und Wetterbeständigkeit wird das Holz der Eiche für Eisenbahnschwellen (wie auch Kiefernholz), Schiffe, Brücken und Brückenpfeiler verwendet.
Auch im Hausbau wird es wie auch Tannenholz gerne für Fenster, Möbel, Furniere, Parkett, Tische, Tischplatten, Türen und Treppen eingesetzt.
Auch als Material für Cognac-Fässer oder Weinfässer kommt Eichenholz zur Anwendung, weil die Eiche, um so neuer das Fass ist, auch einen besonderen Einfluss auf Geschmack und Aroma z.B. von Rotwein hat (sog. Barrique-Rotwein oder -Weißwein).
Eichenfässer aus der Wein-Lagerung werden außerdem auch für die Herstellung von Barrique-Schinken verwendet, einer Spezialität in Österreich und der Schweiz. Dabei reift der Schinken zur Herstellung des besonderen Aromas wie Wein im Eichenfass in einem Sud aus Essig, Honig, Meersalz und Wein. Anschließend wird er in einer Honig-Marinade luftgetrocknet.
Ungeachtet dieser hervorragenden Holzeigenschaften besitzt Eichenholz einen hohen Heizwert und eignet sich auch sehr gut als leicht spaltbares Brennholz.
Die gemahlene Rinde der Stieleiche diente in früheren Zeiten auch zur Herstellung von Gerbsäure oder Lohe zur Lederbearbeitung. Auch die Eicheln enthalten Gerbstoffe und wurden in der Gerberei eingesetzt.
Auf Eichen wächst außerdem sehr häufig das Eichenmoos, eine Flechte, die als Duftstoff in Parfüms und Kosmetika verwendet wird, jedoch starke Allergene enthält, die bei empfindlichen Menschen zu Allergien führen können.
Bedeutung in der Medizin
Die Rinde der Stieleiche findet in der Medizin wegen der enthaltenen Gerbstoffe als Arzneipflanze und Heilpflanze Verwendung. Außerdem eignet sich Eichenrinde auch als Teekraut für die Zubereitung von einem Rindentee.
Bedeutung für Tiere
Die Nuss-Früchte der Eichen, die sog. Eicheln sind Nahrungsquelle für viele Wildtiere in der Natur wie Eichhörnchen, Baummarder, Wildschweine oder viele Vögel-Arten (z.B. Eichelhäher).
Die Eiche, speziell alte Exemplare, bietet außerdem Hunderten von Vogel-, Käfer-, Schmetterling- und Insekten-Arten (z.B. Eichelbohrer, Eichenspinner, Eichenwickler, Hirschkäfer, Rote Waldameise) sowie Klein-Tieren (z.B. Baummarder, Waldkauz) oder Fledermäusen Unterschlupf und Lebensraum.
Bedeutung in Deutschland
Die "Deutsche Eiche" gilt neben der Linde als ein typischer "deutscher Baum" und so verwundert es nicht, dass auf den deutschen 1-, 2- und 5-Cent-Euro-Münzen ein Eichenblatt zu finden ist. Dabei handelt es sich um das Blatt einer Stiel-Eiche mit 2 Eicheln an einem Stiel.
Auch schon zu DM-Zeiten (21.6.1948 - 31.12.2001) bis zur Einführung des Euros am 1. Januar 2002 war als typisch deutsches Symbol neben dem Adler ein Eichenblatt mit einer Eichelfrucht auf der Rückseite der 1-, 2-, 5- und 10-Pfennig-Münzen zu finden.
Auf der 1-DM-Münze befand sich auf der Vorderseite und beim 5-DM-Schein auf der Rückseite als typisch deutsches Symbol das Eichenlaub.
Und auf der Rückseite der 50-Pfennig-Stücke pflanzte Gerda Johanna Werner kniend mit Kopftuch eine Eiche als Symbol für den Wiederaufbau von Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch dieses Motiv sollten die sog. Trümmerfrauen und Waldarbeiterinnen in der Wiederaufforstung geehrt werden.
Die Eiche war als Eichenlaub-Symbol auch Bestandteil auf der Vorderseite vieler Münzen im Deutschen Kaiserreich von 1871 - 1918 (Goldmark), in der Weimarer Republik und im Dritten Reich von 1918 bis 1948 (Reichsmark) sowie in der ehemaligen DDR von 1968 - 1990 (Mark der DDR).
Das Parteiabzeichen bzw. Parteisymbol der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in der Weimarer Republik und im Dritten Reich von 1920 bis 1945) enthielt einen Adler als Hoheitszeichen, der einen Eichenkranz in seinen Fängen hielt.
Allgemein war der Eichenkranz und das Eichenlaub auch ein wichtiges Symbol für militärische, sportliche und zivile Abzeichen und Auszeichnungen für besonders mutige und starke Leistungen.
Im sog. Niedersachsenlied wird ebenfalls der deutschen Eiche gehuldigt. Dort lautet eine Textpassage: "Fest wie unsre Eichen halten alle Zeit wir stand, wenn Stürme brausen übers deutsche Vaterland."
Die Verehrung der großen Härte von Eichen kommt auch in dem damals sehr beliebten Studentenlied "Wo Mut und Kraft in deutscher Seele flammen" um 1815 zum Ausdruck. Darin heißt es: "Ob Fels und Eiche splittern, wir werden nicht erzittern!".
In Deutschland gibt es mehrere sehr alte Eichen, die als "Tausendjährige Eiche" oder "Dicke Eiche" unter Denkmalschutz stehen.
Die Stieleiche war 1989 der erste "Baum des Jahres" in Deutschland. Die Wahl erfolgte durch die Stiftung "Menschen für Bäume" und deren Fachbeirat sowie durch das "Kuratorium Baum des Jahres" (KBJ).
Bedeutung in der Baumsymbolik und Mythologie
In der Baumsymbolik steht die majestätische deutsche Eiche für Werte wie Standfestigkeit, Härte, Freiheit, Ehre, Kraft, väterliche Weisheit, Männlichkeit, Unsterblichkeit und Unbeugsamkeit.
Egal ob als "König der Bäume" oder "Königin des Waldes"; Eichen hatten schon immer eine besondere symbolische Bedeutung für die Menschen.
Die Eiche gilt als der "weise Vaterbaum", der den Menschen hilft, die Herrschaft über ihre Emotionen zu gewinnen.
Wie die Linde ist auch die Eiche ein typischer Gerichtsbaum, unter dem nach der germanischen Mythologie viele Jahrhunderte lang Gericht gehalten wurde.
Mit dieser Symbolik verband sich der Wunsch, dass die den Eichen zugesprochenen Eigenschaften, aber auch ihre Nähe zu den Göttern sich positiv auf die Urteilskraft und die Gerechtigkeit der Urteile des Gerichtes auswirken würden.
Nach der Mythologie der Antike und des Mittelalters sollen Eichen außerdem Blitze anziehen. Aus diesem Grund war die Eiche als Blitzbaum und Donnerbaum ein heiliges Symbol der Götter Zeus bei den Griechen, Jupiter bei den Römern, Taranis bei den Kelten und Donar bei den Germanen.
Der Überlieferung nach soll der christliche Missionar Bonifatius im 8. Jahrhundert die sogenannte Donareiche, eine alte Eiche bei Geismar bei Fritzlar im heutigen Hessen, gefällt haben, um den Eichenkult der Germanen zu beenden.
Die Donareiche bei Kassel war ein wichtiges germanisches Heiligtum und Bonifatius wollte dadurch den dortigen Haiden ihren Mythos vom heiligen Götterbaum widerlegen: Wäre die Eiche wirklich ein Baum der Götter gewesen, dann hätte nach germanischem Glauben eine Fällung den Zorn der Götter nach sich gezogen.
Als nach der Fällung der Donareiche "der Himmel jedoch nicht einstürzte", ließen sich die anwesenden Druiden von Bonifatius taufen. Der Name Druide leitete sich übrigens vom keltischen Namen "Dair" oder "Duir" für Eiche ab und bedeutete in etwa "Eichenmann".
Nach Überlieferungen aus dem Werk "Naturalis historia" von Gaius Plinius Secundus (Plinius de Ältere) gegen Ende des 1. Jahrhunderts sollen für keltische Druiden die Eichenmisteln (Loranthus europaeus) die heiligsten Pflanzen gewesen sein.
Die Misteln auf der Eiche solllen dann ein Mal im Jahr zur Wintersonnwende mit einer goldenen Sichel geschnitten worden sein.
Diese Mystik ist auch in den berühmten Comics "Asterix und Obelix" zu finden, in denen der Druide Miraculix einen Zaubertrank braut, der dank seiner Zutaten (u.a. Misteln) kurzfristig übermenschliche Kräfte verleiht.
Bei Gewitter gab ein altes deutsches Sprichwort bzw. eine alte Bauernregel den Ratschlag:
"Vor den Eichen sollst du weichen. Und die Weiden sollst du meiden. Zu den Fichten
flieh´ mitnichten. Linden sollst du finden. Doch die Buchen musst du suchen“
Allerdings ist es nach heutigem Wissensstand generell nicht ratsam, bei einem Gewitter den Schutz der Bäume zu suchen, auch nicht den einer Buche oder allgemein eines freistehenden Baumes.
Der Ursprung dieser alten Volksweisheit und Mythologie mag daher stammen, dass Bäume mit rauher Rinde wie die Eiche Blitzeinschläge schlechter in den Boden leiten können als Bäume mit glatter Rinde wie Buche, Erle oder Rosskastanie.
Blitzschäden sind deshalb bei Eichen besser zu erkennen als z.B. bei Buchen. Hinzukommt, dass Eichen öfter als Einzelbaum (Solitärbaum) in der Landschaft zu finden sind und damit auch leichter Blitze auf sich ziehen.
Ein weiterer Grund für ein höheres Schadensausmaß der Eichen, wenn sie von einem Blitz getroffen werden, mag in ihren tiefen Pfahlwurzeln bis in Grundwassernähe liegen, welche die Eiche zu einem wahren Blitzableiter machen, während z.B. Buchen ebenerdige Flachwurzeln aufweisen.
Und zu guter Letzt wachsen Eichen bevorzugt auf Wasseradern und Kreuzungspunkten von Wasseradern.
Eingedenk dessen, dass z.B. Rutengänger eine negative Ionisierung der Luft über Wasseradern messen können und Gewitterwolken positiv geladen sind, könnte das eine weitere Erklärung für die früher beobachteten häufigen Blitzeinschläge bei Eichen sein.
In der Antike wurden im alten Rom die Sieger der Kapitolinischen Spiele, die in Anlehnung an die Olympischen Spiele im alten Griechenland stattfanden, mit einem Kranz aus Eichenlaub (gebundene Eichenblätter) geehrt.
Große Feldherren, Kaiser und Diktatoren im Römischen Reich wie Caesar oder Augustus trugen ebenfalls einen Eichenkranz als höchste militärische Auszeichnung und Bürgerkrone (Corona Civica).
Bedeutung in der Heraldik
Wegen ihrer großen Symbol-Kraft und ihrem starkem Werte-Bezug ist die Eiche neben Birke und Linde eine beliebte Figur in der Heraldik (Wappenkunde). Dabei werden für Darstellungen der Eiche im Wappen alle Elemente verwendet wie der Baum selbst sowie Blätter, Blüten, Früchte (Eicheln), Stamm und Zweige.
Im frühen Mittelalter war die Eiche sogar namensgebend für einen Ritterorden: Orden der Eiche.
In Schleswig-Holstein ist die Doppel-Eiche ein Wappen-Symbol von mehreren Gemeinden, meistens als Symbolik für einen geographischen Zusammenschluß. Eine Doppeleiche ist eine Eiche mit zwei Stämmen, die teilweise am Boden zusammengewachsen sind und eine gemeinsame Wurzel und Krone haben.
Auch in Zunftzeichen und Zunftwappen der Gerber finden sich Eichenkranz und Eichenlaub. Sie sind das Symbol für die Lohe, die gemahlene Rinde von Eichen, mit denen gegerbt wurde.
In Deutschland ist die Eiche etwa seit dem 17. Jahrhundert der typisch deutsche Wappenbaum.
Bedeutung in der Landwirtschaft und Viehzucht
Etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die sog. Eichelmast (oberdeutsch auch Eckerich) eine gängige Methode, um Schinken (Rohschinken) und Würsten ein würzigeres Aroma zu verleihen.
Dazu wurden Schweine (Hausschweine) im Herbst in Eichen-Wälder getrieben, damit sie sich mit der Frucht der Eiche, den Eicheln, vollfrassen.
Die Tradition der Eichelmast ist heute noch auf der iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal verbreitet bei der Herstellung von Schinken-Spezialitäten.
In Spanien reift der Iberische Schinken "Jamón Ibérico", benannt nach dem Iberischen Schwein (Cerdo Ibérico), 24 bis 30 Monate nach der Eichelmast (spanisch: Montanera) und gilt als der teuerste luftgetrocknete Schinken der Welt. Sein Pendant ist in Portugal der Iberische Alentejo Schinken (Presunto de porco preto).
Weil iberische Schweine oft schwarze Hufe haben, wird dieser Schinken auch "Jamón Pate Negra" genannt.
Die Eichelmast war in früheren Zeit von so großer Bedeutung, dass in der Forst- und Waldwirtschaft der Wert von einem Eichen-Wald nicht nach dem zu erwartenden Holz-Ertrag bewertet wurde, sondern nach dem zu erwartenden Eichel-Erlös.
Rekorde
Die dickste Eiche in Deutschland gemessen in einer Höhe von 1 Meter steht in Schleswig-Holstein in der Gemeinde Belau und hat einen Stammesumfang von über 12,8 Meter.
Die dickste Eiche in Deutschland gemessen an der Baum-Taille steht im Teutoburger Wald in Nordrhein-Westfalen in der Nähe des Dorfes Borlinghausen und hat einen Umfang von über 10,3 Meter.
Mit die älteste Eiche in Deutschland soll die Ferneiche in Erle, Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) sein. Die Stieleiche wird je nach Gutachter auf ein Alter zwischen 800 und 1.500 Jahre geschätzt und soll bereits bei den Germanen als Gerichtsbaum genutzt worden sein.
Die Ferneiche mit ihrem hohlen Stamm teilt das Schicksal vieler sog. 1000-jähriger Eichen, deren Alter nicht mehr exakt bestimmt werden kann: Bei vielen Eichen sind die Jahresringe nicht mehr vorhanden und die Bäume sind im Kern ausgehöhlt.
→ Hier geht es zum Verzeichnis für Gärtner, Gärtnermeister und Landschaftsgärtner in Deutschland