Obstbäume - Der Obstbaum
 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Definition

3. Exotische Obstbäume

5. Bedeutung alter Sorten und Pomologie

7. Bedeutung in der Gartenkunst

 

 

2. Arten und Beispiele

4. Früchte-Unterschiede

6. Bedeutung für Flechten und Tier

 

1. Was sind Obstbäume ? Eine Definition

 

Obstbäume (englisch: fruit trees) sind in diesem Lexikon Bäume, die Obst tragen. Mit dem Begriff "Obst" sind dabei die Früchte von Obstgehölzen (Obstbäume, Obststräucher) gemeint, die der Mensch (überwiegend) roh essen kann und die nach botanischer Definition aus befruchteten Blüten von Pflanzen entstehen.

Der Obstbaum wächst als Kleinbaum oder mittelgroßer Baum. Man findet Obstbäume im heimischen Garten und Obstgarten, in Obst-Plantagen oder auf der Streuwiese bzw. Streuobstwiese.

Für kleine Gärten gibt es auch sehr schlank wachsende Züchtungen, sog. Spalierobst- oder Säulenobst-Bäume, die auch als Kübelpflanzen für den Balkon, die Terrasse oder den Wintergarten geeignet sind.

Die verschiedenen Obstbaumsorten wurden seit Jahrhunderten kultiviert und bis heute wird laufend der Versuch unternommen, die Sorten z.B. noch besser frosthart, mehltauresistent oder virusfrei zu züchten.

Obstbaumarten, die in freier Natur ohne Kultivierung und Veredeln durch die Baumschule wachsen, werden auch als Wildobstbäume bezeichnet.

Bäume, die für den Menschen essbare Obst-Früchte tragen, wie Apfelbäume oder Pfirsichbäume, sind in diesem Lexikon aus Gründen der einfacheren Übersicht in einer eigenen Rubrik "Obstbäume" zu finden, auch wenn sie wegen ihrer Blätter eigentlich zu den Laubbaumarten zählen.

Gleiches gilt für Baum-Arten mit essbaren Nussfrüchten wie z.B. Edelkastanie, Haselnuss oder Walnuss, die in einer eigenen Rubrik "Nussbaumarten" zu finden sind, obwohl sie zu den Laub- und Obstbäumen zählen.

 

Foto von einem Obstgarten mit blühenden Apfelbäumen in Oberbayern
Bild: Obstgarten mit blühenden Apfelbäumen in Hohendilching (Oberbayern), Foto: Olaf Fries

 

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2. Arten, Sorten, Beispiele

 

Die nachfolgende Liste enthält in Deutschland wachsende Obstbäume und Obstbaumsorten, wie man sie auch in der Baumschule oder im Online-Pflanzen-Versand bestellen und kaufen kann:

 

  • Apfelbäume

    - Kulturapfel (Malus x domestica): es existiert eine große Zahl von Hybriden
    - Holzapfel (Malus sylvestris): auch Europäischer Wildapfel, Baum des Jahres 2013
  • Aprikose (Prunus armeniaca): auch Marille (in Bayern, Österreich und Südtirol)

  • Birnbäume

    - Kultur-Birne (Pyrus communis)
    - Wild-Birne (Pyrus pyraster), Baum des Jahres 1998
  • Kirschbäume

    - Sauerkirsche (Prunus cerasus): eine bekannte Sorte ist die Schattenmorelle
    - Süß-Kirsche (Prunus avium): auch Vogel-Kirsche, Baum des Jahres 2010
    - Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina)
    - Traubenkirsche (Prunus padus)

  • Kirschpflaume (Prunus cerasifera): auch Myrobalane, Kringelbaum (Österreich), Kriachlbaum (Bayern)

  • Mispel (Mespilus germanica)

  • Nektarine (Prunus persica var. nucipersica): eine Varietät des Pfirsichbaums

  • Pfirsich (Prunus persica)

  • Pflaumenbäume

    Echte Pflaume (Prunus domestica): wächst auch als Großstrauch mit zwei wichtigen Unterarten:

    - Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca): auch Gelbe Zwetschge
    - Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica)
  • Speierling (Sorbus domestica): sehr selten in Deutschland geworden und Baum des Jahres 1993

 

Apfelbäume sind im deutschen Obstanbau von großer wirtschaftlicher Bedeutung und es existieren zahlreiche veredelte Apfelsorten wie z.B. 'Roter Berlepsch', 'Boskoop', 'Delbarestivale', 'Golden Delicious', 'Jakob Fischer', 'Jonathan', 'Rote Sternrenette' oder 'Rubinola'.

Frostempfindliche Obstbäume wie zum Beispiel Aprikosenbäume, Nektarinenbäume und Pfirsichbäume wachsen in Deutschland überwiegend in wärmeren Weinanbaugebieten.

Bei den Erntemengen für Pflaumenbäume und Zwetschgenbäume sind zum Beispiel Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit mehr als zwei Drittel Ernte-Anteil die größten Obst-Produzenten in Deutschland.¹

 

Foto von einem Zwetschgenbaum mit Frucht in Bayern
Bild: Pflaumen- bzw. Zwetschgenbaum mit Frucht in Bayern, Foto: Mike Gallus

Bild von einem Apfelbaum im Sommer
Foto: Apfelbaum mit Früchten im August in Oberbayern, Foto: Mike Gallus

 

Die Früchte vom Apfelbaum und vom Kirschbaum eignen sich frisch oder getrocknet auch als Teekraut für Früchtetees, die Blüten vom Apfelbaum und Zitronenbaum auch für einen Blütensalat.

Wer einen kleinen Garten hat und dort aus Platzgründen nicht mehrere verschiedene Obstbäume pflanzen kann, für den sind sog. Duo-Obstbäume eine interessante Alternative:

Bei einem Duo-Obstbaum werden zwei aufeinander abgestimmte Obst-Sorten auf einen Baum veredelt, wobei sich die beiden Sorten gegenseitig befruchten und für reiche Ernte-Erträge sorgen.

 

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3. Exotische Arten

 

Die folgende Übersicht enthält exotische Obstbaum-Sorten und -Arten, die bis auf wenige regionale Ausnahmen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht im Freiland wachsen:

 

  • Clementine (Citrus × aurantium, Syn. Citrus clementina)

  • Feige (Ficus carica)

  • Grapefruit (Citrus × aurantium)

  • Kaki (Diospyros kaki): auch Honigapfel, Persimonen, Sharonfrucht

  • Kumquats (Fortunella): auch Zwergorangen

  • Mandarine (Citrus reticulata)

  • Olive (Olea europaea)

  • Orange (Citrus × aurantium, Syn. Citrus sinensis): auch Apfelsine

  • Pampelmuse (Citrus maxima)

  • Quitte (Cydonia oblonga)

  • Satsuma (Citrus × aurantium, Syn. Citrus unshiu)

  • Zitrone (Citrus × limon)

 

Bild Zitronenbaum in einem Garten in Wangen am Bodensee, Baden-Württemberg
Foto: Zitronenbaum in einem Garten in Wangen am Bodensee, Baden-Württemberg. Foto: Olaf Fries

 

Allerdings können etliche exotische Obstbäume auch als Topfpflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse gehalten werden, wenn sie über Winter vor Frost und tiefen Temperaturen geschützt werden.

Aufgrund des milden Klimas wachsen im Raum Heidelberg (Region Rhein-Neckar) z.B. exotische Olivenbäume (Ölbäume) und Feigenbäume. Letztere wachsen auch im Weinbaugebiet Pfalz. Quittenbäume erbringen in Baden-Württemberg und im Rheinland ebenfalls gute Ernte-Erträge.

 

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4. Früchte-Unterschiede

 

Die von Obstbäumen gewonnenen Obst-Früchte kann man nach folgenden vier Gruppen bestimmen:

 

  • Beerenobst: z.B. Dattel

  • Kernobst: z.B. Apfel, Birne, Felsenbirne, Deutsche Mispel, Olive, Quitte, Speierling, Vogelbeere

  • Steinobst: z.B. Aprikose, Feige, Kirsche, Nektarine, Mirabelle, Miracose, Pfirsich, Pflaume, Zwetschge

  • Südfrüchte/Zitrusfrüchte: z.B. Apfelsine, Bergamotte, Bitterorange, Clementine, Grapefruit, Kaki, Kiwi, Kumquats/Fortunella, Limette, Mandarine, Pampelmuse, Pomelo, Satsuma, Zitrone

 

Hinweis: die Mehrzahl der Beerenobst-Früchte finden sich bei den → Obststräuchern

 

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5. Bedeutung alter Sorten und die Pomologie

 

In der freien Natur und in privaten Gärten sind heimische Obstbäume mit einem Hochstamm ab 2 Meter und großer Baum-Krone immer seltener anzutreffen. Parallel dazu sind auch immer seltener Obstbäume alter Sorten mit Hochstamm zu finden, die es Jahrhunderte lang gab.

Warum werden jedoch immer weniger alte Sorten der Obstbäume mit Hochstamm kultiviert und immer mehr Obstbaumarten und Obstbaumsorten mit Niederstamm (Baumkrone ab ca. 1 Meter beginnend) oder sog. Buschbaum-Pflanzen (Stammhöhe ca. 50 cm) ?

Die Ursache liegt darin, dass Niederstamm-Obstbäume größere, qualitativ hochwertigere und schnellere Erträge liefern als die alten Hochstamm-Sorten. Zudem kann das Obst wegen der geringeren Baum-Höhe leichter geerntet werden.

Hinzukam ein Rückgang von selbstangebautem Obst im heimischen Garten seit dem 19. Jahrhundert und das Aufkommen von erwerbsmässigen Obstanbau-Plantagen, wo die "Anbau-Vorteile" von Niederstamm-Obstbäumen erkannt und aufgegriffen wurden.

In der Konsequenz führte diese Entwicklung zu einer Beschränkung auf die wenigen Standard-Obstsorten, die man heute im Handel und in den Supermärkten kaufen kann, und zu einer Verringerung der Arten- und Sorten-Vielfalt.

Aus diesem Grund gibt es Bestrebungen, nach alten Sorten der Obstbäume zu suchen und sie zu erhalten. Sei es in

 

 

In der sog. Pomologie², einem Teilgebiet der Botanik, geht es um das Erfassen, Bestimmen, Beschreiben und die systematische Unterteilung von verschiedenen Obstarten und Obstsorten.

Nicht nur aus Gründen der biologischen Artenvielfalt, sondern auch weil die alten Sorten der Obstbäume oft eine größere Widerstandskraft gegen Krankheiten (z.B. Rückschnitt bei Feuerbrand von Kernobst-Bäumen) oder Schädlinge (z.B. Ameisenbefall) aufweisen.

 

 

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6. Bedeutung für Flechten und Tiere in der Natur

 

Streuwiesen gehören zu den artenreichsten Biotoptypen in der Natur, denn die Blätter, Blüten, Frucht-Saft und Knospen von Obstbäumen stellen eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten wie z.B. Bienen, Blattläuse, Blattwespen, Hummeln, Käfer, Zikaden oder Insekten-Jäger wie Hornissen und Wespen dar.

Bienen, Hummeln und Wildbienen sind in diesem Zusammenhang unverzichtbare Helfer bei der Bestäubung und Befruchtung der Obstbäume.

Auch zahlreiche Vögel und die Raupen vieler Schmetterlinge ernähren sich von Obstbäumen und deren Fallobst.

Aus diesem Grund werden sie oft als Ergänzung zu einer Schmetterlingshecke oder Vogelhecke gepflanzt, wenn es darum geht, den heimischen Garten durch Schmetterlinge oder Vögel zu beleben.

Unter den Obstbaum-Arten sind besonders Apfelbäume ein wichtiger Lebensraum für Flechten, die dem Garten-Besitzer durch ihr Wachstum auf der Rinde auch anzeigen, dass die Luft am Standort des Baumes sauber ist.

 

Bild vom Birnenbaum am Lerchenberg, ein Naturdenkmal in Unterfranken
Foto: Wildbirne, Birnenbaum am Lerchenberg, Naturdenkmal in Unterfranken

 

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7. Bedeutung in der Gartenkunst

 

Bei der Gartengestaltung ist das Pflanzen von Obstbäumen sehr beliebt, weil ein Obstbaum durch seine prächtigen Blüten und Früchte den Garten dekorativ sehr aufwertet.

Und schöner (als bei einem "normalen" Laubbaum ohne Obst) läßt sich der Wandel der Jahreszeiten ebenfalls kaum verfolgen.

Nicht zu vergessen, dass Obstbäume im Frühjahr durch den intensiven Duft ihrer Blüten verzaubern und gerne in Duftgärten als Ergänzung zu anderen Duftpflanzen wie z.B. Duftblumen, Dufthecken, Duftkräutern und Duftsträuchern gepflanzt werden.

 

Foto blühender Birnbaum
Bild: Blühender Birnbaum (Pyrus Communis)

 

In Kürze folgen weitere Informationen und Garten-Tipps für Obstbäume im Bereich Schneiden (Beschneiden, Rückschneiden), Veredeln & Züchten, Düngen, Schädlinge & Krankheiten (z.B. Feuerbrand, Rindenkrebs), Pflanzzeit und Pflanzabstand sowie eine Anleitung zum Pflegen von Obstbäumen.

 

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→ Zur Pflanzenwelt (Flora) in Deutschland mit Ideen für Gärtner (Hobbygärtner, Landschaftsgärtner)

 

¹ Statistisches Bundesamt Wiesbaden: Wachstum und Ernte - Obst - Juli - Fachserie 3 Reihe 3.2.1 - 04/2012, Erste Ernteschätzung von Äpfeln, Pflaumen/Zwetschgen, Mirabellen/Renekloden (Edel-Pflaume) sowie zweite Ernteschätzung von Kirschen.

² Die Definition des Wortes Pomologie kann aus dem lateinischen Wort "pomum" abgeleitet werden, das so viel bedeutet wie Obstfrucht oder Baumfrucht. Darüber hinaus kann der Begriff Pomologie auch aus dem Namen der "Pomona", der römischen Obstgöttin bzw. der römischen Göttin der Gartenfrüchte erklärt werden.