Definition, Eigenschaften und Merkmale
Der sommergrüne, laubabwerfende Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa, Syn.: Paulownia imperialis) zählt in der Botanik zur einzigen Pflanzen-Gattung der Familie der Blauglockenbaumgewächse (Paulowniaceae, Paulownien).
Weitere Namen sind Blaublütenbaum, Kaiserliche Paulownie oder Japanischer Kaiserbaum. In Japan wird der Baum auch "Kiri" (Kiribaum) genannt und in China "Pao Tong".
Der Chinesische Blauglockenbaum wächst als mittelgroßer Baum und wird etwa 10 - 15 Meter hoch bei gleichbreiter Baum-Krone. Er zählt zu den tiefwurzelnden Bäumen.
Wahrlich kaiserlich sind die großen und selten schönen rosa-violetten Glockenblüten am Zweigende der Blauglockenbäume. Sie sind nicht minder auffallend als die Blüten vom Taschentuchbaum (Davidia involucrata) oder vom Trompetenbaum (Catalpa bignonioides).
Die bei Hummeln beliebten Blüten gefallen außerdem durch ihren Duft im Frühling und ihre auffallende Länge von 5 - 6 cm.
Die Blütezeit der Paulownia ist im Monat April oder Mai und sie blüht zum ersten Mal nach etwa 3 bis 5 Jahren, wobei die neue veredelte Sorte Paulownia fortunei 'Fast Blue' noch früher Blüten trägt.
Die grünen Trauben-Früchte sind 3 - 4 cm lange, eiförmige Kapselfrüchte (Nüsse) und wie auch die Samen schwach giftig. Sie enthalten den Pflanzengiftstoff Verbascosid und bleiben den Winter über am Baum bis zur nächsten Blüte.
Der Blauglockenbaum zählt zu den sehr schnell wachsenden Baumarten und ist sehr resistent gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Er kann bei günstigem Standort im Garten bis zu 2 Meter pro Jahr wachsen (die Sorte Nordmax21 sogar noch mehr).
Charakteristisch sind die gegenständigen und herzförmigen Blätter, die bis zu 40 cm breit werden und auf der Unterseite samtig-behaart sind. Die große Blatt-Fläche ist auch der Grund für das schnelle Wachstum der Bäume, weil sie eine sehr effektive Assimilation von Sonnenenergie (Photosynthese) ermöglichen.

Die dunkelgrünen Blätter vom Blauglockenbaum ähneln denen vom Trompetenbaum (Bignonia catalpa), deshalb werden beide Bäume gerne verwechselt, weil sie sich in erster Linie durch die Farbe und Form ihrer Blüten unterscheiden.
Symbolische Bedeutung in China und Japan
Wegen seiner kaiserlichen Schönheit war der Blauglockenbaum dem japanischen Kaiserhaus zugeordnet.
Die Blätter und Blüten der Kaiserlichen Paulownia wurden deshalb z.B. als heraldisches Symbol im kaiserlichen Wappen (Go-Shichi no Kiri) verwendet.
Auch heute noch ist das sog. "Go-Shichi no Kiri"-Symbol im Wappen des japanischen Premierministers und seinem Kabinett zu finden.
Ferner wird von der japanischen Regierung seit 1888 der Große Orden der Paulownienblüte (englisch: Grand Cordon of the Order of the Paulownia Flowers, japanisch: Kun-it-tō Kyokujitsu Tōka Daijushō) für außergewöhnliche militärische oder zivile Verdienste für die Kultur und Gesellschaft Japans verliehen.
Der Große Orden der Paulownienblüte ist seit 2003 der zweigrößte verleihbare Orden in Japan vor dem Orden der aufgehenen Sonne (Order of the Rising Sun) und nach der höchsten japanischen Auszeichnung, dem Chrysanthemenorden (Order of the Chrysanthemum). Zwischen jedem Arm des Kreuzes befinden sich drei Blüten einer Paulownia.
Der Kiribaum ist außerdem im Logo der japanischen Universität Tsukuba enthalten und Bestandteil dessen Studentenliedes Kiri no ha, was auf deutsch übersetzt bedeutet "Das Blatt des Blauglockenbaums".
In China wird als alter Brauch ein Blauglockenbaum gepflanzt, wenn ein junges Mädchen geboren wird. Nachdem der Baum sehr schnell wächst, hat er, bis das Mädchen heiratet, bereits eine beträchtliche Größe. Dann wird er gefällt und sein Holz für die Aussteuer und Möbelstücke verwendet.
Einer weiteren Legende zufolge war der Kaiserbaum der Sitz des mystischen Vogels "Phönix", der verbrennt und aus seiner Asche neu entsteht ("wie Phoenix aus der Asche"). Phoenix soll sich auf seinen Flügen nur auf einem Blauglockenbaum niedergelassen haben.
Geschichte in Europa
Ursprünglich stammt der Blauglockenbaum aus Japan und China, wird aber mittlerweile auch in Europa als Zierbaum kultiviert. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er vom bayerischen Botaniker, Natur- und Japan-Forscher Philipp Franz von Siebold (1796 - 1866) nach Europa eingeführt.
Den Namen "Kaiserbaum" verdankt der Blauglockenbaum der Entstehung des wissenschaftlichen Namens "Paulownia", der auf die russische Prinzessin und spätere Grossfürstin Anna Paulowna von Holstein-Gottorp-Romanow (1795 - 1865) zurückgeht.
Zu Ehren von Anna Paulowna benannte 1835 Philipp Franz von Siebold, der in den Diensten ihres Vaters, dem russischen Zar Paul I. (1754 . 1801) stand, den Blaublütenbaum.
Nicht von ungefähr werden deshalb im Englischen auch die Begriffe "Empress Tree" (Kaiserbaum) oder "Princess Tree" (Prinzessinenbaum) verwendet.
Außerdem war der Blauglockenbaum auch der Lieblingsbaum des österreichisch-ungarischen Kaisers Franz Joseph I. (1830 - 1916).
Aus diesem Grund findet man auch heute noch viele Blauglockenbäume in Wien und der Umgebung von Wien (z.B. Baden, Schönbrunn), dem Zentrum des ehemaligen österreichischen Kaiserreiches.
In wärmeren Gebieten Europas mit mediterranem Klima ist die Paulownia eingebürgert wie z.B. in Frankreich, Italien oder der Schweiz (Tessin).

Bedeutung für das einheimische Ökosystem
Wie viele exotische Pflanzen aus Asien zählt auch der Blauglockenbaum zu den aggressiven Neophyten. D.h. er neigt wie der Götterbaum bei günstigen Bedingungen dazu, sich unkontrolliert zu verbreiten und durch sein schnelles Wachstum heimische Pflanzen zu verdrängen.
Die schnelle Ausbreitung wird ferner dadurch begünstigt, dass Blauglockenbäume sehr widerstandsfähig sind gegenüber Krankheiten, Pilzen, Schädlingen oder Fäulnis.
Wer also mit dem Gedanken spielt, in seinem Garten einen Blauglockbaum zu pflanzen, der sollte sich nicht nur von der Schönheit des Baumes mit seinen auffallenden Blüten beeinflussen lassen.
Vielmehr sollte auch die schädliche Wirkung des Blaublütenbaumes auf das heimische Ökosystem in Betracht gezogen werden und auch ggf. der notwendige Zeit- und Arbeitsaufwand, um den Baum daran zu hindern, sich im Garten wie ein Unkraut invasiv auszubreiten.
Denn ein Blauglockenbaum kann wegen seiner vielen Samen und der Fähigkeit, aus dem Wurzel-Stock auszuschlagen und mit Jahrestrieben von mehreren Metern zu wuchern, nach einigen Jahren zu einem lästigen Begleiter im heimischen Garten werden.
Eine Ausnahme stellt die Hybride Nordmax 21 dar, eine Neuzüchtung mit anderen Eigenschaften als die herkömmliche Paulownia, die sich nicht mehr unkontrolliert ausbreitet und die man in Zukunft vielleicht auch in Baumschulen kaufen kann.
Bedeutung als Rohstoff und Holz-Eigenschaften
Das helle, seidig-glänzende Holz der Blauglockenbäume zeichnet sich dadurch aus, dass es sich gut verarbeiten läßt (bis auf Hobeln), einen hohen Flammwert (ca. 400°C) und Dämmwert aufweist sowie schnell trocknet, ohne sich zu verziehen.
In der Holzverarbeitung nimmt das Holz des Blauglockenbaumes eine Sonderrolle ein: Wegen seiner geringen Darrdichte von 300 kg pro Kubikmeter müsste es eigentlich zum Weichholz zählen. Allerdings ist es außerordentlich stabil und zählt deshalb zum Hartholz.
Das harzfreie Blauglockenbaumholz wird gerne für die Herstellung von Musikinstrumenten (z.B. E-Gitarren) sowie für luxuriöse Möbel oder zur Ausstattung von luxuriösen Flugzeugen und Yachten verwendet.
Außerdem wird das besonders leichte Holz des Blauglockenbaums auch für Holzspielzeug, Spanplatten, Leimholz-Platten, Tischplatten und Tischtennisschläger verwendet. Im Handel ist in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung Kiri-Holz zu finden.
Weil Blauglockenbaumholz kaum Wasser aufnimmt, wird es auch im Bootsbau zur Herstellung von Kajaks, Paddeln, Surfbrettern/Surfboards oder auch im Skibau und Saunabau eingesetzt.
In Japan wird aus den Samen des Blauglockenbaumes auch ein schnelltrocknendes Öl gewonnen für die Herstellung von Lacken. Nicht zu vergessen, dass traditionell in Japan mit dem schwer entflammbaren Kiri-Holz feuersichere Schränke für Kimonos gebaut wurden.
Sowohl in China wie auch in Japan ist das Holz des Kaiserbaums (Kiriholz) in der Schnitzkunst beliebt und ist Grundlage zum Bau von asiatischen Seiteninstrumenten wie der chinesischen Koto-Zither oder der koreanischen Kayagûm-/Gayageum-Zither.
Tipps zur Pflege und zum Pflanzen
Der Blauglockenbaum wächst bevorzugt in wärmeren Gegenden ohne sehr starken Winterfrost (mehr als -25 Grad). Dort gedeiht er am schnellsten an einem windgeschützten Standort mit Sonne oder Halbschatten.
Junge Pflanzen und Sämlinge sind allerdings in den ersten 5 Jahren noch nicht winterhart und müssen zum Überwintern vor Frost geschützt werden.
Bei geringem Nährstoffgehalt des Bodens kann jährlich im Frühjahr eine Düngung mit Langzeitdünger erfolgen.
Um einen gleichmässigen und dichten Wuchs der Krone zu erzielen, kann man den Kaiserbaum in den ersten Jahren nach der Blüte zurückschneiden.
Weil der Blauglockenbaum durch seine breite Krone viel Platz benötigt und nicht im Schatten anderer Bäume gedeiht, eignet er sich am besten als freistehende Solitärpflanze im Garten.
Eine Vermehrung kann durch Samen oder Stecklinge erfolgen, wobei man mit Stecklingen aus den Wurzeln am besten einen Blaubglockenbaum vermehren kann.
Bedeutung der Sorte 'Nordmax21' als alternative, grüne Geldanlage
Das sehr schnelle Wachstum der Kiribäume war Ausgangspunkt für eine neue Geschäftsidee der Firma WeGrow in Bonn (Nordrhein-Westfalen).
Danach soll in deutschen Baumplantagen der Blauglockenbaum angebaut und mit dem Holzinvestment-Modell "Kiri-Fonds Deutschland", einem nachhaltigen und geschlossenen Umweltfond, finanziert werden.
Auf den Edelholz-Plantagen kommt dabei die spezielle Neuzüchtung "Nordmax21" zum Einsatz, eine Hybride der Art Paulownia fortunei, die im Vergleich zur normalen Paulownia tomentosa noch besser an das Klima in Deutschland angepasst wurde.
So soll die Sorte Paulownia 'Nordmax 21' die Eigenschaft haben, noch schneller und vor allem gerade zu wachsen (im Vergleich zu den Arten Paulownia elongata und tomentosa), weniger frostempfindlich zu sein und sich nicht mehr selbständig und unerwünscht über Samen verbreiten zu können
Dadurch wären auch die oben genannten ökologischen Nachteile des herkömmlichen Blauglockenbaumes nicht mehr gegeben und heimische Pflanzen-Arten würden nicht verdrängt werden.
WeGrow bezeichnet die Nordmax21-Züchtung als "den schnellsten Baum der Welt", der noch schneller als Pappeln wachsen soll. Wenn all diese Eigenschaften sich in der Zukunft bewahrheiten, dann könnte das die neue Baumsorte für die Rolle als "Baum der Zukunft" prädistinieren:
Pro Plantagen-Hektar (mit 400 Kiri-Bäumen) und Jahr sollen etwa 30 Tonnen Kohlendioxid gebunden werden. Dadurch trägt die grüne, alternative Geldanlage auch aktiv zum Klimaschutz bei, denn diese Menge entspricht etwa der CO2-Produktion einer vierköpfigen Familie.
Die Laufzeit des nachhaltigen Umweltfonds beträgt 12 Jahre bis zur Ernte (d.h. Verkauf des Holzes am Markt zum Höchstpreis).
Wer eine Beteiligung an dem Blauglockenbaum-Fonds kaufen will, muss eine Mindestzeichnungssumme von 5.000 Euro zzgl. 5% Agio tätigen. Dafür soll der erwartete Gesamtmittelrückfluss 224 Prozent (Stand: September 2010) betragen.
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