Tannen - Tannenbäume
 

Was ist ein Tannenbaum? Definition und Merkmale

 

Die Tanne (botanisch: Abies) zählt zu den Kiefergewächsen (Pinaceae) bzw. Koniferen (Coniferales) und ist ein immergrüner Nadelbaum, von dem es weltweit ca. 50 Arten gibt.

Tannen-Bäume (englisch: firs, fir trees) zählen zu den mächtigsten tiefwurzelnden Großbäumen mit einer Wuchshöhe von bis zu 60 Metern und sind nach dem Kiefernbaum die häufigsten und arten-reichsten Nadelbäume in Europa.

Alle Tannenarten bevorzugen im Alter einen relativ sonnigen Standort mit nährstoffreichem und feuchtem Boden sowie ein niederschlagsreiches Klima.

Im Unterschied zu anderen Nadelbaum-Arten zählt die Tanne aber zu den Schattenbaumarten, d.h. sie ist auch sehr schattentolerant und kann im Schatten größerer Bäume wachsen.

Verschiedene Tannen-Arten und -Sorten können ein Alter von bis zu 600 Jahren erreichen und blühen zum ersten Mal nach etwa 40 bis 60 Jahren.

 

Unterschied von Nadeln, Rinde, Wurzel und Zapfen im Vergleich zu anderen Nadelbäumen

 

Die Tanne zählt zu den einhäusigen, windblütigen Samenpflanzen, d.h. an jedem Baum befinden sich sowohl männliche als auch weibliche Tannen-Zapfen und die Vermehrung erfolgt durch Windbestäubung.

Im Unterschied zur Douglasie, Fichte oder Kiefer wachsen Tannenzapfen nicht hängend, sondern aufrecht und fallen nicht als Ganzes vom Baum. Vielmehr werden nach der Samen-Reife nur die Schuppen abgeworfen und die Spindel der Zapfen bleibt auf dem Baum.

Die Zapfen der Tanne zerfallen im Unterschied zu anderen Nadelbäumen also bereits am Baum und nicht am Boden. Aus diesem Grund können im Wald auch keine Tannen-Zapfen gesammelt werden. Gemeinhin sind am Waldboden Fichten-Zapfen zu finden.

Die Tanne bildet als tiefwurzelnder Baum sehr tiefe Pfahlwurzeln aus. Tiefwurzler sind bei starken Stürmen im Unterschied zu Flachwurzlern wie der Fichte oder der Douglasie deutlich standfester.

Unter allen Nadelbäumen werden die einzeln an den Zweigen stehenden Nadeln von Tannen mit einer Lebenszeit von ca. 10 Jahren am ältesten. Im Unterschied zu Fichtennadeln und Kiefernnadeln sind Tannennadeln nicht spitz, sondern flach.

Die Rinde der Tanne ist im Vergleich zu anderen Nadelbäumen auffallend hell, bei jungen Tannen sehr glatt und im Alter eher rauh-schuppig mit Harzblasen.

 

Verschneite Tannen, wildwachsend in einem Wald in Oberbayern
Bild: Verschneite Tannen, wildwachsend in einem Wald in Oberbayern

 

Sorten, Arten, Beispiele

 

Die folgende Liste zeigt ein Übersicht von Tannen-Arten, die man als Setzlinge in den meisten Baumschulen in Deutschland kaufen kann:

 

  • Kanadische Balsamtanne (Abies balsamea)
  • Blaue Edel-Tanne/Edeltanne (Abies procera 'Glauca'): auch Blautanne, Silbertanne
  • Kolorado-Tanne (Abies concolor): auch Grautanne, schnell wachsend
  • Küsten-Tanne (Abies grandis): auch Riesentanne, schnell wachsend
  • Nobilis-Tanne (Abies nobilis): beliebter Weihnachtsbaum, langsam wachsend
  • Korea-Tanne (Abies koreana): mit sehr auffallenden Zapfen und Nadelfarben, langsam wachsend
  • Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana): auch Kaukasus-Tanne, langsam wachsend
  • Spanische Tanne (Abies pinsapo): älteste Tanne der Welt, nur bedingt frosthart
  • Weiß-Tanne/Weißtanne (Abies alba): früher auch Edeltanne

 

Von den genannten Tannenarten gibt es auch spezielle Züchtungen, die als kleine Tannen (Zwergtannen) im Garten gepflanzt werden können. Als Kleinbäume wachsen z.B. die Spanische Tanne 'Horstmann', die koreanische Zwerg-Tanne (Abies koreana 'Silberlocke') oder die Niedrige Balsamtanne (Abies balsamea 'Nana').

Die Weiß-Tanne war Baum des Jahres 2004 und ist die in Deutschland einheimische Tannen-Art. Eine Beschreibung und ein Steckbrief mit den Eigenschaften der genannten Tannenbäume folgt in Kürze.

 

Botanische Namensvetter

 

Die Gemeine Fichte (Picea abies) wird wegen ihrer rötlich-braunen Rinde auch Rot-Tanne genannt, weil in früheren Zeiten noch nicht zwischen Fichten und Tannen unterschieden wurde, nachdem die beiden Nadelbäume sehr viele gemeinsame Eigenschaften aufweisen.

Die Rottanne gehört jedoch wie auch die australische Zimmer-Tanne (Araucaria heterophylla), die Kanadische Hemlock-Tanne (Tsuga canadensis) oder die Chilenische Schmuck-Tanne (Araucaria araucana) in der Botanik nicht zur Pflanzen-Gattung der Tannen.

Gleiches gilt für die Serbische Fichte (Picea omorika), die man in Baumschulen und im Pflanzen-Handel bisweilen unter dem Namen "Serbische Tanne" kaufen kann.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Namensgebung beim deutschen Naturschutzgebiet "Dicke Tannen" in Hohegeiß bei Braunlage (Landkreis Goslar, Niedersachsen).

Denn in dem geschützten Gebiet stehen keine Tannen, sondern über 300 Jahre alte Fichten (Rottannen) mit einem Stammdurchmesser von bis zu 1,8 Metern und einer Wuchshöhe von über 50 Metern.

 

Bedeutung für Weihnachten als Christbaum

 

Tannen sind vor Fichten und Kiefern die beliebtesten und häufigsten Weihnachtsbäume in Deutschland. Das gilt speziell für die Nobilis-Tannen und die Nordmann-Tannen, weil ihre Nadeln im Vergleich zu den Fichten-Arten eher weich sind und nicht stechen.

Darüber hinaus verfügen beide Tannenarten über sehr stabile Äste auch für schwere Weihnachtsdekoration und behalten im Zimmer relativ lang ihre Nadeln bis ins Neujahr. Gleiches gilt auch für die Tannenzweige. Als Weihnachtsbaum sind die beiden langsam wachsenden Nadelbäume allerdings im Handel relativ teuer.

Die selten zu findenden Tannen-Zapfen (vgl. oben) eignen sich nicht nur hervorragend zum Basteln für Kinder und als herbstliche Dekoration in der Adventszeit, sondern auch zum Binden von einem Türkranz und Adventskranz.

Etwa seit der Frühen Neuzeit gibt es kaum Pflanzen, die so eng mit Weihnachten verbunden sind, wie die Tannen. Das kommt auch zum Ausdruck durch Weihnachtsgedichte, Weihnachtsgeschichten oder Weihnachtslieder wie dem bekannten "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter".

Als typische Weihnachts-Pflanzen zu nennen sind höchstens noch Äpfel, Weihnachtssterne oder Gewürzkräuter wie z.B. Gewürznelken für den weihnachtlichen Glühwein, Kräutertee oder Lebkuchen.

Seit einigen Jahren kann man auch künstliche Tannenbäume im Handel kaufen, die echten Tannen täuschend ähneln und den Vorteil bieten, dass sie keine Nadeln verlieren, gleichbleibend schön bleiben und schwer entzündbar sind.

Außerdem sind künstliche Tannen mehrjährig und damit eine günstige und umweltfreundliche Alternative zu den echten Tannenbäumen.

 

Bedeutung als Rohstoff und Holz

 

Das relativ weiche, biegsame und harzfreie Tannenholz zählt mit einer Darrdichte (= Rohdichte im absolut getrockneten Zustand) von 410 kg pro Kubikmeter zum Weichholz. Es kann leicht verarbeitet werden und läßt sich auch gut bemalen, spalten oder verleimen.

Wie der Birnbaum, die Buche, die Fichte und die Linde zählt die Tanne zu den Reifholzbäumen, d.h. ihr Holz bildet keinen Farbkern aus und das helle Kernholz und Splintholz sind farblich nicht unterscheidbar.

Wegen seiner hohen Tragfähigkeit wird das Holz der Tanne wie auch das Kiefernholz (und das Eichenholz) gerne als Bauholz und Konstruktionsholz für Häuser und Dächer verwendet.

Außerdem eignet sich Tannen-Holz für Fußböden und Dielen, Tischlerplatten, Möbel, den Innenausbau, Fenster, Türen, Dachschindeln für Holzhäuser oder als Resonanzholz für Musikinstrumente wie z.B. Geigen oder Orgeln.

Speziell für Holz-Bauten im Wasser ist Tannenholz prädistiniert, weil es unter Wasser sehr beständig ist.

Auch als Brennholz, für die Herstellung von Papier bzw. Zellstoff oder für Obst- und Gemüsekisten eignet sich das geruchslose Holz der Tanne, wobei in erster Linie das Holz der Weiß-Tanne zum Einsatz kommt.

Nicht zu vergessen, dass Tannenholz im Vergleich zu anderen Holzarten besonders beständig ist gegenüber Alkalien und Säuren, weshalb es auch im Sauna-Bau und für chemische Behälter verwendet wird.

Direkter Witterung ausgesetzt verliert Tannenholz allerdings sehr schnell seine Beständigkeit und muß deshalb gut mit Holzschutzmittel imprägniert werden.

Tannenholz und Fichtenholz unterscheiden sich äußerlich kaum bis auf die feinen Harzkanäle, die bei der Fichte aber nur mit Vergrößerungsglas erkennbar sind.

Der sog. "Kanadabalsam" der Kanadischen Balsam-Tanne weist ähnliche Lichtbrechungs-Eigenschaften auf wie Glas und wird deshalb zum Kitten von Linsen in der Mikroskopie und Optik oder auch zum Reparieren von Kratzern in Glasplatten und Glasscheiben benützt.

 

Bedeutung in der Baumsymbolik, Mythologie und Heraldik

 

Die Tannenzapfen gelten in der Baumsymbolik wie auch die Zapfen von Kiefern oder Pinien als Symbol für Fruchtbarkeit. Wegen ihrer immergrünen Zweige genoss die Tanne allgemein bei den Germanen die Symbolik von Fruchtbarkeit, ewiger Lebenskraft, Stärke und Wachstum.

Nach Hildegard von Bingen (ca. 1098 - 1179), einer Pionierin der Heilkräuter-/Naturheilkunde, soll die Tanne auch vor bösen Geister schützen.

Im Mythos nicht-christlicher Naturreligionen (Heidentum) sollen Tannenzweige außerdem den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit symbolisiert haben.

Nachdem in früheren Zeiten kaum ein Unterschied zwischen Fichten und Tannen vorgenommen wurde, teilt sich die Tanne ihre Mythologie weitgehend mit der Fichte.

 

"Schatzhauser im grünen Tannenwald, bist schon viel hundert Jahre alt,
Dein ist all Land, wo Tannen stehn, lässt dich nur Sonntagskinder sehn".
(Zauberspruch von Peter Munk gegen seine Kontrahenden im Schwarzwald, den Holländer-Michel
und das Glasmännchen, im Märchen "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff, 1802 - 1827)

 

In der Heraldik geniesst die Tanne von jeher die Symbolik von Beständigkeit und Treue, wodurch sich auch ihr häufiges Vorkommen in mehreren Gemeinde- und Städte-Wappen erklärt (z.B. Deutschland, Finnland, Frankreich, Tschechien, Schweiz).

Bei den Kelten gelten Tannen auch als Sinnbild und Symbol für Größe, Schönheit, Stärke, Weisheit und Würde. Im Christentum ist die Tanne als Weihnachstbaum etwa seit dem 19. Jahrhhundert eine weit verbreitete Symbolik für die Schönheit des ewigen Lebens, die sie mit Jesus Christus gemeinsam hat.

Denn auch im härtesten, kältesten Winter, wenn alles in der Natur abstirbt, verliert der Tannenbaum nicht seine grünen Zweige und Farbe.

 

Bedeutung in der Medizin

 

Tannenspitzen sowie Nadeln und Harz der Tanne enthalten z.B. ätherischen Öle, Vitamine und Enzyme, die traditionell in der Volksmedizin und als Arzneipflanzen Verwendung finden für Mittel gegen Erkältung, Husten, Rheumatismus, Verschleimung und allgemein zur Stärkung der Lunge.

Als Heilpflanzen sollten Tannen allerdings nicht bei Krankheiten wie Asthma oder Keuchhusten verwendet werden, weil sie unter Umständen die Symptome verstärken können.

Als Duftpflanze findet die Tanne mit ihrer anregenden, kräftigenden und desinfizierenden Wirkung auch in der Aromatherapie Verwendung.

Außerdem sind die ätherischen Öle der Tannen-Nadeln und -Zweige mit ihrem harzig-waldigen Aroma ein beliebter Aufguß in der Sauna.

Das nach Zitrone duftende Tannenharz der Weiß-Tanne wurde früher als "Elsässer Terpentin" oder "Straßburger Terpentin" für Salben gegen Rheuma, Quetschungen oder Verstauchungen verwendet.

 

Pflege und Krankheiten

 

Tannen benötigen ein feuchtes Klima und sollten nicht an trockenen Standorten gepflanzt werden. Wenn eine Tanne ihre Nadeln verliert, dann könnte die Ursache z.B. eine Trockenperiode im Sommer mit wenig Niederschlägen oder auch ein trockener Winter sein.

Als erste Pflege-Maßnahme sollte man dann den Tannenbaum giessen und regelmäßig für ausreichend Wasser sorgen. Allerdings erholen sich dann erst die neuen Triebe der Tannenbäume.

Sollte das Giessen nicht zum Erfolg führen, kann auch ein Nährstoffmangel oder ein Befall durch Schädlinge die Ursache für den Nadelverlust sein, was meistens auch mit einer Verfärbung der Nadeln einhergeht.

Wenn die Nadeln einer Tanne braun oder gelb werden, lohnt es sich daher, den Tannenbaum auf Insekten-Larven, Läuse, Käfer, Milben, Motten oder Pilze zu untersuchen. Im Gartencenter kann man dann sowohl Düngemittel (z.B. Bittersalz) als auch Pflanzenschutzmittel für die erkrankten Tannen kaufen.

Allgemein sind nicht-einheimische Tannenarten wie die Blautanne empfindlicher als heimische. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich vor dem Kauf exotischer Tannen-Arten genau über die Klima- und Standort-Bedingungen der Pflanze zu informieren.

Denn was ist ärgerlicher in der Gartengestaltung, als wenn man nach einigen Jahren einen exotischen Tannenbaum fällen muß, der aufgrund falscher Standort-Bedingungen krank geworden ist und bis dahin schon eine gewisse Baumgröße erreicht hat? Dann fängt man an dieser Stelle von vorne an ...

 

Bedeutung als Bioindikator im Wald

 

Tannen zählen zu den am stärksten geschädigten Baumarten in deutschen Wäldern. Speziell die Weiß-Tanne reagiert sehr empfindlich auf sauren Regen und Schadstoffe in der Luft (speziell Schwefeldioxid) und eignet sich deshalb besonders gut als Bioindikator für Umweltverschmutzung.

Wegen der durch den Menschen in die Natur eingebrachten Luftschadstoffe stehen Weiß-Tannen in mehreren Bundesländern in Deutschland auf der sog. Roten Liste bedrohter Pflanzen.

Durch das Tannensterben wurde Anfang der 80er Jahre auch die Diskussion um das Waldsterben angeregt. Allerdings war bereits durch die hohen Schwefeldioxidemissionen der Industrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Tannensterben in einigen Teilen von Deutschland (z.B. Sachsen) ein ernsthaftes Problem.

Im Wald sind Tannen ferner ein guter Indikator für die Vielfalt von Pflanzen. So bevorzugen Rehe neben den Trieben von Tannen, ihrer liebsten Nadelbaum-Art, auch eine ganze Reihe von anderen Pflanzen, die sie als reine Pflanzen-Fresser für ihren Nährstoffhaushalt benötigen.

Zu nennen sind Dornensträucher und Wildsträucher (z.B. Hartriegel, Haselnuss, Schlehdorn, Schneeball, Weide, Weißdorn), Gräser, Unkräuter, Wildkräuter, Wildblumen (z.B. Brennesseln, Rotklee, Brombeerblätter, Löwenzahn, Spitzwegerich), Waldbeeren oder Farne (z.B. Dornfarn, Frauenfarn).

Weisen junge Tannen einen sehr starken Verbiss durch Rehe auf, ist das ein Beleg dafür, dass vor Ort andere nährstoffreiche Pflanzen fehlen.

 

Rekorde und Superlative

 

Zu den Riesentannen und größten Tannen auf der Erde zählen Edeltannen und Küstentannen, die Wuchshöhen von über 80 Meter erreichen können (in Deutschland bis etwa 50 Meter).

Zu den besonders langsam wachsenden Bäumen zählen die Koreatanne sowie die Nobilistanne und Nordmanntanne, die sich besonders als Christbäume eignen.

Zu den schnellwachsenden Baumarten zählen Koloradotanne und Küstentanne.