Was sind Küchenkräuter oder Gewürzkräuter? Eine Definition
Der Begriff "Küchenkraut" oder "Gewürzkraut" (englisch: pot-herbs, aromatic herb) stammt nicht aus der Botanik und steht in diesem Lexikon für Pflanzen aus kultiviertem Anbau, deren aromatische Blätter und Blüten in der Küche als Gewürze Verwendung finden.
Der Begriff "Gewürze" bezieht sich in aller Regel auf getrocknete Pflanzenteile der Gewürzpflanzen.
Küchenkräuter werden frisch oder getrocknet zur Geschmacksverbesserung bei der Zubereitung von Speisen wie Fisch- und Fleischgerichte, Saucen und Suppen oder für die leichtere Bekömmlichkeit von schwerverdaulichen Gerichten (z.B. Kümmel) eingesetzt.
Ebenso als Zutaten für Salate wie Blattsalate und Wildsalate, wobei frische Küchenkräuter ein stärkeres Aroma aufweisen als getrocknete.
Küchen- und Gewürzkräuter findet man in der Natur an krautigen Pflanzen, Laubbäumen, Stauden und Sträuchern.

Arten, Sorten, Beispiele
Die folgende Liste enthält eine Übersicht der wichtigsten Küchenkräuter und Gewürzkräuter im Garten, die man in Deutschland pflanzen kann:
- Basilikum (Ocimum basilicum): auch Deutscher Pfeffer oder Königskraut, einjährig
- Bärlauch (Allium ursinum): mehrjährig
- Beifuss (Artemisia vulgaris): mehrjährig
- Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis): einjährig
- Winter-Bohnenkraut (Satureja montana): auch Berg-Bohnenkraut, immergrün, mehrjährig
- Brunnenkresse (Nasturtium officinale): mehrjährig
- Currykraut (Helichrysum italicum): auch Italienische Strohblume, mehrjährig
- Deutscher Estragon (Artemisia dracunculus): immergrün, mehrjährig
- Dill (Anethum graveolens): einjährig
- Fenchel (Foeniculum vulgare): zweijährig bis mehrjährig
- Gartenkresse (Lepidium sativum): auch Kresse, einjährig, beliebte Keimsprossen
- Gewürznelken-Baum (Syzygium aromaticum)
- Kerbel (Anthriscus cerefolium): einjährig
- Koriander (Coriandrum sativum): einjährig
- Kümmel (Carum carvi): zweijährig
- Kreuzkümmel (Cuminum cyminum): einjährig
- Liebstöckel / Maggikraut (Levisticum officinale): mehrjährig
- Echter Lorbeer (Laurus nobilis)
- Majoran (Origanum majorana): einjährig
- Oregano (Origanum vulgare): mehrjährig
- Petersilie (Petroselinum crispum): auch Blattpetersilie, Schnittpetersilie, immergrün, mehrjährig
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis): immergrün, mehrjährig
- Rukola/Garten-Senfrauke (Eruca sativa): einjährig bis zweijährig
- Salbei (Salvia officinalis): immergrün, mehrjährig
- Schnittlauch (Allium schoenoprasum): immergrün, mehrjährig
- Feld-Thymian (Thymus serpyllum): immergrün, mehrjährig
- Zitronenmelisse/Melisse (Melissa officinalis): immergrün, mehrjährig
Einige der genannten Küchen- und Gewürzkräuter dienen nicht nur beim Kochen der Zubereitung von Speisen, sondern finden wegen ihrer Inhaltsstoffe auch als Heilpflanzen Anwendung wie z.B. Bärlauch und Koriander. Salbei (1998), Thymian (2001), Melisse (2006) und Rosmarin (2011) waren sogar Heilpflanze des Jahres
Gewürzpflanzen wie z.B. Ackersenf, Bärlauch, Brunnenkresse, Gartenkresse oder Wiesenkerbel, die in freier Natur wachsen und beim Kochen als Gewürze verwendet werden, zählen in diesem Lexikon auch zu den Wildkräutern.
Einige Gewürzkräuter finden zudem als Teekräuter Verwendung. So z.B. Basilikum-, Beifuß-, Melisse- und Thymian-Blätter als Blättertee, Salbei-Blüten für einen Blütentee, Fenchel als Früchtetee und Liebstöckel als Wurzeltee.
Ferner waren Zitronenmelisse (1988), Thymian (2006) und Fenchel (2009) die Arzneipflanzen des Jahres.
In der obigen Liste sind typische italienische Küchenkräuter Basilikum, Oregano, Rosmarin, Salbei und Thymian. Winterharte Küchenkräuter in der Übersicht sind Winter-Bohnenkraut, Estragon, Petersilie, Rosmarin, Salbei, Schnittlauch, Thymian und Melisse.
Das Basilikum wird auch als Königin der Gewürzkräuter bezeichnet und spielt als Küchengewürz vor allem in der italienischen Küche eine wichtige Rolle.

Das beliebteste Küchenkraut
Nach einer Studie vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) mit der Universität Kassel in deutschen Kleingärten von 2003 bis 2008 war die Petersilie das beliebteste deutsche Küchenkraut und Gewürzkraut.
Zu beachten ist, dass es von der Petersilie zwei Unterarten gibt: die Blatt-Petersilie (Petroselinum crispum subsp. crispum) und die Wurzelpetersilie (Petroselinum crispum subsp. tuberosum).
Als Küchenkräuter finden nur die Blätter der Blatt-Petersilie Verwendung, die zum Blattgemüse zählt. Die Wurzelpetersilie findet dagegen als Kochgemüse Verwendung und zählt zum Wurzelgemüse/Knollengemüse.
Anbau und Pflege
Der Anbau der Gewürz- und Küchenkräuter kann sowohl im Garten (z.B. Beete, Kräuterspirale oder Rabatte) als auch auf dem Balkon oder der Terrasse als Kübelpflanzen erfolgen. Man kann Küchenkräuter-Samen aber auch als Topfpflanzen auf der Fensterbank anbauen und züchten.
Das Ziehen der Küchenkräuter in Töpfen bietet dabei die Möglichkeit, das ganze Jahr über frische Küchenkräuter aus eigenem Anbau zu geniessen.
Der Anbau empfindlicherer Gewürz- und Küchenkräuter aus dem Mittelmeerraum wie z.B. Basilikum, Majoran, Rosmarin, Thymian und Oregano sollte im Garten an einem windgeschützten Standort mit viel Sonne erfolgen.
Heimische Gewürz- und Küchenkräuter wie z.B. Brunnenkresse, Kerbel, Petersilie oder Schnittlauch sind dagegen robuster gegenüber Kälte und wachsen auch im Halbschatten oder Schatten.
Generell sollte man Kräuterpflanzen, die für den Verzehr bestimmt sind, nicht in der Nähe von Strassen mit hohem Verkehrsaufkommen und Luftverschmutzung anpflanzen.
Als Pflege genügt es den meisten Gewürz- und Küchenkräutern, wenn der Boden regelmäßig gelockert wird, damit die Pflanzen ausreichend Luft und Wasser erhalten.
Ebenso sollte der Boden regelmäßig durch Jäten von Unkraut befreit und nur mäßig gedüngt werden, weil viel Dünger dem Aroma von Gewürz- und Küchenkräutern schadet.
Ferner kann man Küchen- und Gewürzkräuter wie den Basilikum zu verstärktem Blatt-Wachstum anregen, wenn die Blüten der Pflanzen regelmäßig abgeschnitten werden.

Bedeutung für Insekten
Küchen- und Gewürzkräuter wie z.B. Petersilie, Rosmarin, Salbei oder Thymian sind im Garten oder auf dem Balkon auch ein Magnet zum Anziehen vieler Schmetterlinge und eine verlockende Nahrungsquelle für ihre Raupen.
Deshalb eignen sie sich auch gut als Ergänzung einer Schmetterlingshecke in einem Schmetterlingsgarten, um Leben in die heimische Pflanzenwelt zu bringen.
Trocknen und Konservieren
Will man Küchenkräuter aus dem Kräutergarten selbst trocknen, so benötigt man dazu einen trockenen, dunklen und relativ kühlen Raum (bis 30 Grad), um die Duft-, Geschmacks- und Wirkstoffe am besten zu erhalten.
Das Trocknen der einzelnen Pflanzen kann in Sträußchen auf einem Gitter, Sieb, in Papiertüten oder auch in einem Kräuterring erfolgen, der an die Decke gehängt wird.
Die getrockneten Gewürzkräuter können dann in einem Leinenbeutel oder geschlossenen Gefäss (z.B. Einmachglas) dunkel und trocken gelagert werden.
Für eine längerfristige Konservierung und Lagerung der Küchenkräuter kommt auch das Einfrieren im Gefrierbeutel in Betracht. Dabei bleiben Geschmack, Aroma und Inhaltsstoffe am besten erhalten.
Eine weitere Konservierungsmethode, um Gewürz- und Küchenkraut für einige Wochen haltbar zu machen, ist das Einlegen in Öl, nachdem die in den Kräutern enthaltenen ätherischen Öle sehr gut fettlöslich sind.
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