Was sind Heilkräuter? Eine Definition
Heilkräuter sind in diesem Lexikon Kräuter, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und Wirkstoffe in der Medizin und Naturmedizin zur Heilung von Krankheiten oder zum Erhalt der Gesundheit Anwendung finden.
Sei es z.B. zur Senkung von Bluthochdruck, gegen Husten und Rheuma oder zur Stärkung von Leber und Magen.
Anwendung finden und fanden Heilkräuter als Gewürze, Aufguss/Tee (Kräutertee), frisch, getrocknet und als Saft, Tinktur und entzündungshemmende Salbe.
Bei dieser Definition spielt jedoch die Dosierung eine entscheidende Rolle, weil viele Heilkräuter überdosiert auch giftig sein können. Die Unterscheidung der Heilkräuter und Giftkräuter verläuft deshalb fliessend, weil erst die Dosis von Pflanzengiften eine Pflanze zu einer Giftpflanze macht.
"Die Seele ist wie der Wind, der über die Kräuter streicht."
(Hildegard von Bingen, Pionierin der Heilkräuter-/Naturheilkunde, ca. 1098 - 1179)
Heilkräuter (englisch: medicinal herbs, medicinal herbage) sind auch die Grundlage für die Herstellung und Entwicklung vieler Medikamente. Unmittelbar aus Heilkräutern gewonnene Medikamente werden als Phytopharmaka bezeichnet.
Gesundheit durch Heilkräuter?
Viele Heilkräuter finden Anwendung in der Alternativmedizin, Naturheilkunde, Naturmedizin, Traditionellen Tibetischen Medizin (TTM) und Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) im Rahmen der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde).
Allerdings ist die Wirkung vieler Heilkräuter für die Gesundheit oft nicht wissenschaftlich belegt. Deshalb spielen Heilkräuter und Heilpflanzen in der Schulmedizin eher eine untergeordnete Rolle und sind Domäne der Heilpraktiker.
In der Kosmetik gewinnen Heilkräuter wieder an Bedeutung für Hautcremes (z.B. Aloe vera) und Naturkosmetika.
Nachdem Heilkräuter bei entsprechend hoher Dosierung auch Nebenwirkungen haben können, sollte man sich vor einer Verwendung genau über deren Inhaltsstoffe informieren (z.B. bei einem Arzt oder Apotheker).
Arten, Sorten, Beispiele
Deutsche Heilkräuter
Die folgende Liste zeigt die wichtigsten heimischen Heilkräuter in Deutschland, von denen man die meisten im Kräuter-Laden oder in der Apotheke kaufen kann.
Viele natürliche Heilkräuter kann man aber auch selbst im Garten pflanzen oder als Kübelpflanzen und Topfpflanzen ziehen, um so die Frische nach dem Ernten sofort nutzen.
- Arnika (Arnica)
- Bärlauch (Allium ursinum)
- Beifuß (Artemisia vulgaris)
- Brennessel (Urtica)
- Beinwell (Symphytum)
- Brunnenkresse (Nasturtium)
- Frauenmantel (Alchemilla)
- Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina)
- Huflattich (Tussilago farfara)
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
- Kamille (Matricaria chamomilla)
- Kapuzinerkresse (Tropaeolum)
- Echter Koriander (Coriandrum sativum)
- Lavendel (Lavandula)
- Löwenzahn (Taraxacum)
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- Lungenkraut (Pulmonaria)
- Melisse (Melissa officinalis)
- Mistel (Viscum)
- Pfefferminze (Mentha x piperita)
- Ringelblume (Calendula officinalis)
- Salbei (Salvia)
- Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense): Zinnkraut
- Schafgarbe (Achillea)
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
- Taubnessel (Lamium)
- Tausendgüldenkraut (Centaurium)
- Thymian (Thymus vulgaris)
- Wermut/Wermutkraut (Artemisia absinthium)
- Weissdorn (Crataegus)
- Zitronenverbena/Zitronenstrauch (Aloysia citrodora)
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Viele dieser Heilkraut-Arten finden auch Anwendung in der Küche als Blattgemüse oder Blattsalat und eignen sich für die Zubereitung von Tees wie z.B. Blättertee, Blütentee und Früchtetee.
Einige der genannten Duftkräuter waren auch Arzneipflanzen des Jahres wie die Echte Kamille (1987), die Zitronenmelisse (1988), die Arnika (2001), die Pfefferminze (2004) und der Thymian (2006).
Heilpflanzen des Jahres waren Huflattich (1994), Johanniskraut (1995), Brennnessel (1996), Kamille (2002), Lavendel (2008), Zitronenmelisse (2006), Salbei (2003), Acker-Schachtelhalm (1997), Schafgarbe und Tausendgüldenkraut (2004), Thymian (2001) und Weissdorn (1990).
Heilkräuter aus China, Japan und Korea
Die folgende Übersicht zeigt koreanische, japanische und chinesische Heilkräuter:
- Cilantro/Culentro (Eryngium foetidum): auch Langer Koriander
- Ginkgo (Ginkgo biloba): auch Ginko
- Ginseng-Wurzel (Panax ginseng)
- Kalmegh (Andrographis paniculata)
Wegen ihrer gesundheitlichen Wirkung haben Heilkräuter aus China in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Ernährung und chinesischen Phytotherapie von jeher eine große Bedeutung und man kann sie mittlerweile in fast jeder Apotheke in Deutschland bestellen.
Heilkräuter aus Tibet
Die folgende Übersicht zeigt typische tibetische Heilkräuter:
- Akelei-Kraut (Aquilegia)
- Aloen (Aloe)
- Goldfinger-Kraut (Potentilla aurea)
- Isländisches Moos (Cetraria islandica): eine Flechte
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- Schafgarbe/Schafgarbenkraut (Achillea)
- Sidakraut/Sandmalve (Sida cordifolia)
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
- Vogelknöterich (Polygonum aviculare)
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Geschichtliche Bedeutung
Heilkräuter wurden von jeher wegen ihrer Heilwirkung in der Geschichte der Menschheit genutzt. Im Verlauf der Hexenverfolgung im Mittelalter und der Frühen Neuzeit wurde jedoch der Anbau der Heilkräuter im Garten als Hexenzauber oder Aberglaube abgelehnt und verboten.
Leider ging durch diese Hexen-Jagd in der Folge viel Pflanzen- und Kräuterwissen in Deutschland und Europa verloren.
Dieses Schicksal teilten die Heilkräuter mit anderen Pflanzen und verbotenen "Zauberpflanzen" wie den Farnen oder den Nachtschattengewächsen, deren psychoaktive Wirkung sich die Menschen in früheren Zeiten nicht erklären konnten.
Wichtige Kräuterkundige, die im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Europa die Kräuterheilkunde bekannt machten, waren z.B. Sebastian Kneipp (1821 - 1897), Maria Treben (1907 - 1991) oder auch der britische Arzt Edward Bach (1886 - 1936) mit der nach ihm benannten Bachblüten-Therapie.
Auf der Unterseite zur Geschichte der Heilpflanzen finden sich weitere Meilensteine in der Heilkräuter-Lehre bis zurück in die Antike.
→ Hier geht es zum Verzeichnis für Gärtner, Gärtnermeister und Landschaftsgärtner in Deutschland