Heimische Wildkräuter
 

Was sind Wildkräuter? Eine Definition

 

Der Begriff "Wildkraut" (englisch: wild herbs) stammt nicht aus der Botanik, sondern aus dem Handel und der Umgangssprache.

Wildkräuter sind in diesem Lexikon nicht-kultivierte, essbare krautige Pflanzen, die wie Wildblumen und Wildsträucher in freier Natur vorkommen (z.B. auf der Wiese oder im Wald).

Durch das gestiegene Interesse an Kräutern in den letzten Jahren kann man mittlerweile Wildkräuter-Samen und -Saatgut (Sämereien) auch in der Gärtnerei kaufen oder im Pflanzen-Versand bestellen für den Anbau im heimischen Garten.

Viele essbare Wildkräuter finden in der Küche als Rezepte Verwendung zum Beispiel für Blattgemüse oder Wildgemüse. Werden Wildkräuter getrocknet, können sie auch als Zutaten für Salat (z.B. Blattsalate, Wildsalate), Tees (z.B. Blättertees) oder beim Kochen von Speisen aller Art eingesetzt werden.

Frische Wildkräuter beim Kochen zu verwenden hat auch den Vorteil, dass diese im Vergleich zu gezüchteten Kräutern mehr Aroma, Ballaststoffe, Bitterstoffe, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine enthalten.

Wegen ihrer Inhaltsstoffe werden viele Wildkräuter auch in der Medizin und Naturheilkunde als Arzneipflanzen und Heilpflanzen genutzt.

 

Bild von einem Frauenmantel mit Tautropfen auf einer Wiese im Allgäu
Bild: Frauenmantel mit Tautropfen im Trettachtal (Oberallgäu, Schwaben), Foto: Stephan Müller

 

Sorten, Arten, Beispiele

 

Die nachfolgende Liste und Übersicht enthält typische einheimische Wildkräuter in Deutschland:

 

  • Ackersenf (Sinapis arvensis)
  • Ackerwinde (Convolvulus arvensis)
  • Bachbunge (Veronica beccabunga)
  • Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris)
  • Bärlauch (Allium ursinum):
    auch ein Lauchgemüse
  • Brennessel (Urtica dioica)
  • Brunnenkresse (Nasturtium officinale)
  • Feinstrahl (Erigeron annuus)
  • Frauenmantel (Alchemilla)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis)
  • Garten-Ampfer (Rumex patientia)
  • Gartenkresse (Lepidium sativum):
    auch beliebte Keimsprossen
  • Giersch/Girsch (Aegopodium podagraria):
    auch Geißfuß
  • Gundermann (Glechoma hederacea)
  • Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)
  • Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
  • Kletten-Labkraut (Galium aparine)
  • Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
  • Löwenzahn (Taraxacum officinale)
  • Mädesüß (Filipendula ulmaria)
  • Margerite (Leucanthemum vulgare)
  • Portulak (Portulaca oleracea)
  • Gemeine Quecke (Agropyron repens)
  • Rotklee/Wiesen-Klee (Trifolium pratense):
  • Sauerklee/Waldsauerklee (Oxalis acetosella)
  • Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense)
  • Schafgarbe (Achillea millefolium)
  • Sumpfkohldistel (Cirsium oleraceum)
  • Taubnessel (Lamium): verschiedene Arten
  • Veilchen (Viola)
  • Vogelmiere (Stellaria media)
  • Wegerich-Arten: verschiedene Arten wie

    - Breitwegerich (Plantago major)
    - Krähenfuß-Wegerich (Plantago coronopus)
    - Mittlerer Wegerich (Plantago media)
    - Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
     
  • Weidenröschen (Epilobium angustifolium)
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Wiesenklee (Trifolium pratense)
  • Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris)
  • Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)

 

Die genannten Wildkraut-Arten kommen als einjährige oder mehrjährige Pflanzen (sog. perennierende Wildkräuter) in der Natur vor.

 

Foto von einem Rotklee oder Wiesen-Klee in Blüte
Bild: Rot-Klee/Wiesen-Klee (Trifolium pratense) in Blüte, Foto: Olaf Fries

 

Das Wiesen-Schaumkraut war auch die Blume des Jahres 2006. Spitzwegerich (1993), Brennnessel (1996), Acker-Schachtelhalm (1997) und Schafgarbe (2004) waren Heilpflanzen des Jahres.

 

Was sollte beim Sammeln von Wildkräutern in freier Natur beachtet werden?

 

Wer heimische Wildkräuter nicht im eigenen Garten pflanzen, sondern lieber selbst in freier Natur sammeln möchte, sollte vorher spezielle Kurse und Seminare besuchen oder an einer Führung teilnehmen, um sich über die Inhaltsstoffe und Merkmale zu informieren.

Zu groß ist die Gefahr, dass essbare Wildkräuter und giftige Wildkräuter bzw. Giftpflanzen verwechselt werden.

Bekanntestes Beispiel ist der Bärlauch, der leicht verwechselt werden kann mit der giftigen Herbstzeitlose, der Giftpflanze des Jahres 2010, und dem giftigen Maiglöckchen, deren Blätter, Blüten oder Samen z.T. sehr wirksame Pflanzengifte aufweisen.

Auch mit jungen Pflanzen vom Gefleckten Aronstab, deren Blätter noch keine Flecken aufweisen, wird der Bärlauch bisweilen verwechselt.

In einem Kurs oder Seminar wird deshalb Naturfreunden das notwendige Wissen vermittelt, um selbst in freier Natur essbare Wildkräuter zu bestimmen und zu erkennen.

Es ist also dringend davon abzuraten, bei einer Wanderung Wildpflanzen am Wegesrand zu sammeln, bei deren Bestimmung, Inhaltsstoffe und Merkmale man sich nicht eindeutig sicher ist!

 

Bild einer rosa-weissen Blüte einer Ackerwinde
Foto: Ackerwinde (Convolvulus arvensis)

 

Was ist der Unterschied zwischen Wildkraut und Unkraut?

 

In der freien Natur gibt es genau genommen kein Unkraut. Es handelt sich in erster Linie um krautige Pflanzen, die vom Menschen in ganz bestimmten Situationen unerwünscht sind. Sei es, weil sie

 

  • durch starke Vermehrung andere Pflanzen in Kultur verdrängen,
  • durch starkes Wuchern Schäden an Häusern verursachen (z.B. an der Haus-Fassade) oder
  • durch ihr Erscheinungsbild oder ihre Inhaltsstoffe von den Menschen nicht nutzbar sind.

 

So gilt zum Beispiel im landwirtschaftlichen Ackerbau der Acker-Schachtelhalm als Unkraut und wird mit Unkrautvernichter (z.B. Herbizide wie Banvel oder Vorox) bekämpft.

Der Spritzmittel-Einsatz zur Unkrautvernichtung ist in der biologischen Landwirtschaft jedoch nicht zulässig und es werden nicht-chemische Mittel zum Unkraut-Bekämpfen verwendet (vgl. auch Biogemüse).

Wildkraut unterscheidet sich in diesem Lexikon von Unkraut dadurch, dass es für den Menschen aufgrund seiner Inhaltsstoffe einen Wert besitzt z.B. als Wildkräuter-Salat oder als Heilpflanze.

Sowohl Wildkräuter als auch Unkräuter sind jedoch für viele Vögel und Insekten eine wichtige Nahrungsquelle und sollten deshalb nicht unkontrolliert dezimiert werden (vgl. z.B. Schmetterlingsgärten).

 

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