Schilfe - Schilfrohr - Schilfpflanzen
 

Was ist Schilf bzw. Schilfrohr? Eine Definition

 

Das Gemeine Schilf bzw. das Schilfrohr (botanisch: Phragmites australis) zählt in der Botanik zur Pflanzen-Familie der Süßgräser (Poaceae) und kommt bis auf die Antarktis weltweit auf allen Kontinenten vor.

Der Name "Phragmites" hat seinen Ursprung in dem griechischen Wort "Phragma" für Zaun und bezieht sich einerseits darauf, dass Schilfpflanzen in der Natur oft einen Zaun zwischen Land und Wasser bilden, und andererseits getrocknete Schilfhalme zur Herstellung von Schilfzäunen verwendet werden.

Schilf zählt zu den Sumpfpflanzen und wächst typischerweise an den Rändern von Sumpfgebieten mit hohem Grundwasser-Spiegel (Röhricht-Zone) oder an Gewässer-Rändern von Seen und Teichen (Gartenteichen).

Das sommergrüne Schilfrohr (englisch: reed) besteht aus einem etwa 1 cm dicken Halm mit Blättern, einer von Juli bis September blühenden etwa 25 bis 40 cm langen Blütenrispe mit Ährchen und einem Wurzelgeflecht (Rhizom). Im Winter sterben die Halme ab und bekommen einen braunen Farbton.

Die Vermehrung von Schilf erfolgt (neben der Verbreitung von Samen) überwiegend über mehrere Meter lange Ausläufer der Wurzeln oder auch durch lange, horizontal wachsende Halme, an deren Knoten sich wiederum Wurzeln bilden.

 

Foto von Phragmites-Schilfrohr-Blütenrispen mit Blütenährchen
Bild: Blütenrispen mit Blütenährchen von Schilfrohr (Phragmites)

 

Sorten, Arten, Beispiele



Schilfe werden in Europa abhängig von ihrer Wuchshöhe in drei Unterarten (nicht Schilfsorten) der Gattung Phragmites gegliedert. Man kann sie als folgende Wasserpflanzen beim Pflanzenversand oder Gartencenter kaufen:

 

  • Zwergschilf/Zwergschilfrohr (Phragmites australis ssp. humilis): Wuchshöhe bis ca. 1 Meter
     
  • Gemeines Schilf/Schilfrohr (Phragmites australis ssp. australis): Wuchshöhe bis ca. 4 Meter
     
  • Riesenschilf/Riesenschilfrohr (Phragmites australis ssp. altissimus): Wuchshöhe bis ca. 10 Meter

 

Das Riesenchinaschilf verdankt seinen Namen der Ähnlichkeit mit dem Gemeinen Schilf, zählt jedoch innerhalb der Süßgräser zur Pflanzen-Gattung der Stielblütengräser (botanisch: Miscanthus) und ist keine Wasserpflanze.

 

Bedeutung im Garten und in der freien Natur

 

Schilf eignet sich im Garten z.B. als Sommer-Sichtschutz am Gartenteich oder zur Wasserreinigung für die Filter- oder Regenerationszone in einem Schwimmteich.

Schilfrohr zählt allerdings wie auch Rohrkolben (Typha) zu den schnellwachsenden Gräsern, die wie die Bambuspflanzen sehr stark wuchern und in der Wachstumszeit bis zu 3 cm pro Tag wachsen.

Um zu verhindern, dass sich Schilfpflanzen unkontrolliert ausbreiten, müssen sie deshalb mit einer Wurzelsperre oder Rhizomsperre begrenzt werden.

Das starke Wuchern von Schilf-Gräsern im Garten (Gartenteich) kann auch dadurch eingegrenzt werden, dass man sie als Kübelpflanzen im Wasser hält.

In freier Natur tragen Schilfe durch ihre dicht wachsenden Halme, in denen sich anorganisches Material wie Humus oder Schlamm sammelt, zur Verlandung von Wasserflächen bei.

 

Schilfrohr Phragmites an einem Waldweiher in Oberbayern
Bild: Schilfrohr (Phragmites australis) an einem Waldweiher in Oberbayern, Foto: Olaf Fries

 

Tipps zum Schneiden

 

Wer Schilf im Herbst im Rahmen der Gartengestaltung schneiden möchte, sollte die Schilfrohre und -halme aus zwei Gründen ein gutes Stück überhalb der Wasseroberfläche schneiden:

Zum einen ermöglicht diese Schnitthöhe einen weiteren Gasaustausch zwischen Wasseroberfläche und Teichboden über die Hohlräume in den Schilfhalmen, wenn der Gartenteich oder Schwimmteich im Winter zugefroren ist.

Zum anderen schützt diese Schnitthöhe das Schilfrohr davor, dass Wasser in die Hohlräume geraten kann und dann bei Frost die Pflanzen durch die Wasserausdehnung zerstört.

 

Bedeutung als Rohstoff und Nahrungsmittel

 

Schilf bzw. Schilfrohr weist einen sehr hohen Gehalt von Kieselsäure/Silizium auf. Es hat deshalb auch ohne chemische Zusatzstoffe sehr gute wasserabweisende Eigenschaften und ist schwer entflammbar.

Weil die Hohlräume zwischen den Knoten der Schilfhalme mit Luft gefüllt sind, stellt Schilfrohr zudem ein gutes Isoliermaterial dar.

Dank dieser Eigenschaften finden Schilfpflanzen seit tausenden von Jahren Verwendung als Baumaterial und Fertigungsstoff.

Sei es in der Form von Schilfrohrplatten zum Dachdecken (→ Reeth-/Reet-Dächer), zur Schalldämmung, als Rohstoff zur Zellulose-/Papierherstellung oder als Trennwand, Putzträger und Wärme-Dämmstoff (z.B. Schilfrohr-Dämmmatten auf Außenmauern mit Lehmputz).

Eine weitere Verwendungs-Art von Schilf gibt es in Form von Schilfrohrmatten (Schilfmatten):

Dickere Schilfrohrmatten werden im Garten für die Wärmedämmung (z.B. als Kälteschutz für Pflanzen im Winter) oder als Zäune, Windschutz-Wände (z.B. Balkonverkleidung, Balkonblende) und Sichtschutz für die Terrasse verwendet.

Dünnere und locker gebundene Schilfmatten eignen sich z.B. als Lichtschutz in Gewächshäusern.

In früheren Zeiten fand Schilf auch als Holz-Ersatz und Brennstoff zum Heizen und Kochen Verwendung. Neuere Forschungen z.B. von der Universität Greifswald sprechen dem Schilfrohr eine grundsätzliche Eignung als Brennstoff in Kleinkraftwerken zu. Jedoch fehlt aktuell noch eine Einstufung als nachwachsender Rohstoff.

In bestimmten Gegenden wird/wurde Schilfrohr auch als Nahrungsmittel verwendet. So z.B. die jungen Sprossen im Frühjahr als Sprossengemüse oder die Rhizome bzw. Wurzeln im Herbst als Mehl-Ersatz zum Brot-Backen.

 

Foto von abgestorbenem, braunem Gemeinem Schilf im November
Bild: Schilf (Phragmites australis) im November, Foto: Landschaftsarchitektur Marin Galic

 

Bedeutung in der biologischen Abwasserreinigung und Wasserreinigung

 

Schilf-Pflanzen werden von Mikroorganismen (z.B. Bakterien) besiedelt, die antibakterielle Stoffe sowohl im Wurzelbereich als auch bei den Halmen ins umgebende Wasser abgeben.

Aus diesem Grund eignet sich Schilfrohr in Pflanzenkläranlagen zur Reinigung von Abwasser oder im Garten zur Reinigung von Schwimmteichen.

Befinden sich im Wasser z.B. Krankheitserreger (pathogene Bakterien) wie Typhus-Salmonellen, Ruhr-Shigellen oder Cholera-Vibrionen, werden diese beim Durchfliessen der Schilfpflanzen weitgehend abgebaut bzw. gebunden.

 

Bedeutung für Tiere

 

Größere Ansammlungen von Schilfpflanzen (sog. Schilfröhrichte) sind ein wichtiger Lebensraum und Brutort für zahlreiche Enten- und Vogelarten.

Aus diesem Grund stehen Schilfröhrichte in allen Bundesländern von Deutschland als besonders geschützte Biotope unter Naturschutz.

 

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